Kolumne: Mehr Mut zur Veränderung

4. Juli 2018 von in ,

Eine Katze wollte ich schon immer. Ich bin mit Katzen aufgewachsen. Meine Großeltern lebten auf einem Bauernhof, die Katzen gehörten wie selbstverständlich zum Inventar. Ich bekam bereits als Vierjährige mit, wie Babykatzen von hilflosen Wesen zu mutigen Jägern wurden. Später zog auch bei uns eine Katze ein. Dieser Tiger wurde seinem Namen mehr als gerecht, noch heute ziert eine Narbe im Gesicht meine und ihre Geschichte. Es war trotzdem die ganze große Liebe. Ich zog aus, die Katze blieb bei meiner Mama, Fotos von ihr säumten mein erstes WG-Zimmer. Als sie 18 Jahre alt war – und ich 25, starb sie. Schon damals keimte in mir der Wunsch, irgendwann wieder einen Begleiter auf vier Pfoten zu haben.

Veränderung ist immer schwierig. Menschen sind Gewohnheitstiere, Veränderungen im Kleinen schon oft ein Problem. Und sei es nur das frühe Aufstehen oder der Verzicht auf Süßigkeiten. Veränderung bedeutet laut Definition immer auch Wende oder Wandel. Das Leben ändert sich. Die Ungewissheit in welche Richtung es geht, macht uns Angst, lässt uns zweifeln und treibt uns auch manchmal an. Den Schritt zu gehen, sich dem Wandel bewusst zu stellen, ist vielleicht die schwierigste Entscheidung.

Lange Zeit war eine Katze kein Thema, mein Ex-Freund war allergisch und ich bereit für immer ein Leben ohne Tier, dafür mit jenem Menschen zu teilen. Das mit dem „Für immer“ klappt heutzutage nicht mehr allzu oft, sodass ich 2015 das erste Mal wieder über ein Tier nachdachte. Vielleicht wäre jetzt im Jahr des Wandels die Gelegenheit, dem Wunsch nachzugehen?

Trennungen sind schmerzhafte Veränderungen, auch Verluste – sei es in Begegnung mit dem Tod, beendete Freundschaften oder das Verlieren des Arbeitsplatzes – zeichnen uns, ja, verändern nicht nur unser Leben, sondern auch uns. Und trotzdem: Aus den meisten unerwünschten Veränderungen – so schmerzhaft sie auch waren – konnte ich immer auch positives sehen. Der Blick auf das Leben verändert sich, Dankbarkeit und Demut ziehen ein, neue Wege und Abbiegungen ebnen neue Erfahrungen.

Und wenn schon die unfreiwilligen Wendungen im Leben so viel Neues für uns parat halten,wie ist es erst mit eigenen neuen Wegen?

Drei Jahre hat es gedauert. Immer wieder dachte ich darüber nach. Oft war ich kurz davor, dann kamen Zweifel, Sorgen und Ängste auf. „Du kannst dann nie wieder wegfahren, gell“, habe ich nicht nur einmal gehört. Auch mein innerer Kritiker sagte Dinge wie „Kannst du wirklich Verantwortung für ein Tier tragen?“ „Willst du das überhaupt?“ Und dann die Sache mit der Crazy Cat Lady. Frau alleinstehend mit Katze. „Das ist wirklich nicht cool.“

Hej!

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Wie sehr wir geprägt sind von äußeren Zweifeln und inneren Sorgen? Sehr. X-mal habe ich das Projekt Katze durchgespielt, x-mal hatte ich Gründe, warum es keine gute Idee wäre. Gleichzeitig streichelte ich jede Katze, die mir über den Weg lief, träumte von meiner alten Katze und konsumierte Cat Content in hohem Maße.

Als ich im Frühling viel am Land war, fiel irgendwann die Entscheidung. Spontan. Einfach so. Ich dachte gar nicht mehr groß drüber nach, sondern machte einfach. 

Doch bis zuletzt zweifelte ich. Die Woche vor der Abholung war mir hin und wieder schlecht. Am Tag der Abholung war ich so aufgeregt, wie zuletzt an meiner Mathe-Abiprüfung. Doch auch Vorfreude mischte sich dazu.

Was mir am Ende geholfen hat? Das Wissen, das jede Entscheidung im Leben – bis auf die Sache mit dem Kinderkriegen – irgendwie immer revidierbar, ja lösbar ist. Dass es sich richtig anfühlt, und ich es nie wissen werde, wenn ich es nicht zumindest einmal probiere. Veränderungen machen immer Angst. Aber: Sie sind in Gedanken auch immer wilder, als in echt. Deswegen mein Plädoyer an euch: einfach machen. Ob Katze, neuer Job, neue Wege. Einfach ausprobieren. Das Leben geht ja sowieso immer irgendwie weiter.

Ab Sekunde 1 hatte sich die Entscheidung für mich richtig angefühlt. Jetzt, knapp 4 Wochen, seit Pollys Einzug ist es, als wäre dieses Flauschmonster nie weggewesen. Sicher: Verreisen ist nun mit mehr Planung verbunden, ich denke nicht mehr nur für mich alleine, sondern noch für wen anderen wieder mit. Das tut gut. Macht Spaß. Und die Sache mit dem „Entscheidung ist revidierbar“ war auch gleich vergessen. Wie könnte ich dieses wundersame Wesen jemals wieder abgeben? Genau. Nie wieder.

 

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9 Antworten zu “Kolumne: Mehr Mut zur Veränderung”

  1. OMG!!! Soooo süß! Ich hatte 12 Jahre eine Katze, die letztes Jahr gestorben ist. Ein paar Monate haben mein Mann und ich die Freiheit genossen, dann zogen zwei kleine Katzengeschwister bei uns ein, die nun über ein Jahr alt sind. Es ist die ganz große Liebe. Und ja, ich kann dich verstehen, solche Entscheidungen sind super schwer, aber wenn man sie dann getroffen hat und das Leben mit so einem wunderbaren Tier (oder zweien davon) verbringen kann, ist es einfach nur toll.
    Ich wünsche dir viele, viele schöne Jahre mit Polly!

    lg,
    Sarah
    Sarah

    • Ja, ich kenne so viele Katzenbesitzer, die nach dem Tod ihres geliebten Tieres nicht lange alleine blieben. Aber das ist völlig klar,die Wohnung hat jetzt schon so viel mehr Leben. Ich wünsche euch auch ganz viele wunderbare Jahre mit euren Tigern! Liebe Grüße!

  2. Liebe Antonia,

    ich kann dich super gut verstehen, ich habe das ganz genauso gemacht. Jahre damit verbracht, darüber nachzudenken, mir einen Hund anzuschaffen.
    Jetzt ist der Hund eingezogen und die letzten beiden Wochen waren so toll, mit jedem Tag wachsen wir mehr zusammen und wir lernen voneinander, kaum zu glauben.

    Mein Hund hat etwas Zartes an sich und macht alles mit etwas Vorsicht, ich war bis anhin eher rumpeldipolter mit der Tür ins Haus, immer der direkte Weg.

    Nun bewege ich mich mit viel Rücksicht in meiner Wohnung und beobachte, wie das dem Hund hilft, sich viel schneller an die neue Umgebung zu gewöhnen (ca. 1 Jahr alt, lebte im Tierheim).
    Man bekommt tatsächlich Dankbarkeit zurück, ich hielt das immer für einen seltsamen Begriff im Bezug auf ein Tier. Doch tatsächlich, es scheint sie zu geben.

    Ganz viel Freude wünsch ich dir – und definitiv – ein klares JA zu „einfach mal machen“.

    Lieber Gruss
    Ava

    • Liebe Ava,
      oh wie schön, das klingt so toll.
      Ich hatte auch total vergessen, wie viel man doch zurückbekommt von einem Tier. Es macht einfach glücklich.
      Ganz viel Freude euch zweien, dass ihr weiterhin zu einem tollen Team zusammenwachst.
      Liebe Grüße!

  3. ich hab mir vor 4,5 jahren auch zwei kleine maine coon katzen geholt. sie waren die beste entscheidung meines lebens und ich stimme dir in deinem text komplett zu.
    nur der absatz darüber, dass jede entscheidung (außer dem kinderkriegen) revidierbar ist. ich finde es wichtig, dass jedem klar ist, dass man sich ein tier auf lebenszeit anschafft. und finde es nicht richtig, wenn man sich ein tier holt und dann nach einigen jahren beschließt, es wegzugeben, da sich die lebensumstände geändert haben. tiere sind keine mode-erscheinung. ich baue mein leben um meine tiere, wie andere ihr leben um ihre kinder bauen. ja, das ist anstrengend. und es nervt, wenn ich den kompletten freundeskreis abklappern muss, bis ich wen zum füttern finde, weil ich mal 3 tage weg fahren will. aber ich verzichte lieber auf freiheiten, als auf meine katzen. <3

    • Liebe Puck,

      absolut.
      Ich sehe das natürlich wie du. Für ein Tier entscheidet man sich nicht leichtfertig, man sollte immer das Tier für Lebenszeit holen und nicht als Modeerscheinung. Mir hat es nur geholfen, zu wissen, wenn ich merke, es war die falsche Entscheidung, findet sich auch im allerallerschlimmsten Fall eine Lösung. Das hat meine 3 Prozent minimalen Zweifel eingedämmt, auch wenn schon da klar war, egal, was kommt, ich gebe sie nie wieder ab :)
      Und wie du sagst: Ich gebe Freiheiten sehr gerne auf – darauf kommt es ja im Leben auch ein bisschen an. Für Bindungen braucht es eben auch die Aufgabe an Freiheit – und das tue ich gerne – ob Menschen- oder Tierliebe.

  4. Ich finde es toll, dass du dir so lange darüber Gedanken gemacht hast ob es eine gute Idee ist dir nun eine Katze zuzulegen, denn du übernimmst Verantwortung für ein anderes Lebewesen, das auf dich angewiesen ist. Gerade deswegen bereitet mir „einfach machen“ aber Bauchschmerzen. Die Tierheime sind überfüllt genug weil viel zu viele Leute einfach machen… Ich bin mir sicher, dass du’s nicht so gemeint hast, aber ich finde es schwierig solche Ratschläge zu geben. Liebe Grüße!

    • Liebe Lisa,

      einfach machen bezieht sich darauf, vielleicht die 5 Prozent Restzweifel mal beiseite zu schieben und es zu machen. Aber es ist ganz klar, dass das Anschaffen eines Tieres keine spontane Idee sein sollte, sondern sehr wohl überlegt und langfristig gedacht. Aber ich hätte es einfach schon so viel eher machen sollen, statt meine Zweifel immer gewinnen zu lassen.

      Mit einfach machen meine ich also, sich den letzten Schubser zu geben, wenn eigentlich nicht mehr wirklich was dagegen spricht. Nicht aus einer Laune heraus ein Tier holen, den Job kündigen etc ;) Das ist ganz klar!

      Aber gut, dass du es angemerkt hast – so soll es nämlich keinesfalls verstanden werden und da bin ich auch dagegen -allein zum Wohle des Tieres. Schließlich übernimmt man Verantwortung – und zwar jahrelang.

      Liebe Grüße!

  5. […] Was sonst so los ist? Wenig bis ganz viel. Während ich mich nach außen hin der Ruhe hingeben, passiert im Hintergrund ganz viel. Ich arbeite an besonderen Projekten, mit ganz viel Herzblut, bin aufgeregt, gespannt, nervös und unsicher. Aber so ist das, wenn sich Dinge verändern. Und wie ich letztens schon meinte: Change is good. […]

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