Kolumne: Über Eifersucht und Exfreunde

10. Januar 2018 von in

Foto: Arielle Bobb-Willis

Frisch verliebt sein ist toll, oder? Das Wetter ist plötzlich öfter gut als schlecht und wenn es schlecht ist, ist es eigentlich gar nicht so schlimm. Man muss immer lächeln und alles ist lustiger als sonst, man hat seltener Hunger und wenn man mal isst, schmeckt das Essen besser. Verliebtsein setzt uns eine Glaskuppel über, die alle Geräusche und Unannehmlichkeiten der Außenwelt abschirmt. Alles ist süß und hach und überhaupt!

Bis einen zum ersten Mal die Panik einholt. Wer hoch fliegt, der kann auch tief fallen, und diese Erkenntnis wird jedem einmal früher oder später klar, der sich in die ehrlichen Gefühle hineinfallen lässt wie in einen Wattebausch. Im fortschreitenden Alter wird dann die Wahrscheinlichkeit auch immer höher, dass man mit einer ganz bestimmten Sache konfrontiert wird. Dem Feind, dem Teufel: der EXFREUNDIN oder dem EXFREUND. Der Eifersucht.

Diese Person, die im schlimmsten Fall wenige Wochen zuvor noch das getan hat, was du getan hast. Die Person, die sich in derselben Wohnung bewegt hat und mit denselben Freunden gesprochen hat. Die Person, die im schlimmsten Fall viele Jahre mit deinem frisch gebackenen Partner zusammen war und jenen Menschen womöglich besser kennt als du – akut und in diesem Moment. Der Moment, in dem du das alles realisierst, weil du über einen Instagram-Account gestolpert bist, ihr oder ihm über den Weg gelaufen bist oder dein neuer „Schatz“ dir davon erzählt hat. Verharmlost, versteht sich.

Die Konsequenz sind Eifersuchtsgefühle vom Allerfeinsten. Fast jeder, der mit dem unbequemen Thema konfrontiert wurde, hat zunächst mit unkontrollierter Panik zu kämpfen. Alle, die nun aufschreien: „Ich kenne das Problem nicht!“, haben entweder schon seit vielen Jahren eine Beziehung, einen Partner ohne ernstzunehmender/m Exfreund/in, sie sind sich ihrer Sache (zu?) sicher oder sie setzen sich mit Meditationstraining und täglichen Yogaübungen auf Bali oder sonst wo mit dem Thema „Eifersucht“ und „Besitz“ intensiv auseinander. Keine Frage, da gibt es Möglichkeiten. Der Normalfall ist aber: Eifersucht.

Die neue Freundin meines Exfreundes zum Beispiel mag mich nicht sonderlich. Was ich durchaus verstehen kann, schließlich habe ich eine lange und intensive Zeit mit ihm verbracht. Auch ich hatte Hemmung, sie besser kennenzulernen. Wir haben immer nur voneinander gehört und uns höflich zugenickt, wenn wir uns über den Weg liefen – aus Unsicherheit. Ich wusste nicht, wie scheiße sie mich wirklich fand und ihr ging es wohl genauso. Bis wir uns irgendwann mal in einem Gespräch wiederfanden, in dem sich herausstellte: Wir sind uns eigentlich gar nicht so unähnlich. Ich erkannte, dass ich sie mochte.

Umgekehrt funktioniert das Spiel selbstverständlich genauso – ob im realen Leben oder auf einem besonders beliebten Social Media Kanal namens Instagram. Wenn die Exfreunde oder -freundinnen des neuen Partners den eigenen Account durchforsten, womöglich sogar Instastories ansehen oder ähnliches. Man ist neugierig, möchte wissen, wer diese neue Unbekannte da ist, die sich mit dem alten Bekannten abgibt. Es ist ein Strudel. Instagram kann Gift sein, wenn es um Eifersucht geht. Wo ist die gute, alte Zeit hin, in der man allerhöchstens über Freunde von Freunden von dem neuen Partner des Exes und umgekehrt erfahren hat? Die Eifersucht lässt sich leichter kontrollieren, wenn man sich in Unwissenheit wiegt.

Und dabei kann es auch von Vorteil sein, etwas mehr zu wissen und sich mit der unangenehmen Wahrheit auseinanderzusetzen. Es gab ein Leben vor der Zweisamkeit und es ist keine Schande, sich der unbequemen Tatsache zu stellen. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, man suhlt sich in der Eifersucht, beobachtet die unbekannte, neue Person tagtäglich und schämt sich dabei, kann aber auch nicht aufhören. Oder: Man lässt die unbekannte, andere Person in Ruhe und spricht mit dem neuen Partner darüber. So lange, bis es okay ist.

Expartner und neue Partner sind nämlich meistens gar nicht diese „Übermenschen“, wie man aus der Ferne oft meint. Eine Angst vor ihnen, Neid, Hass oder ähnliche doofe Gefühle, machen aus ihnen diese perfekte Version, die sie nicht sind. Sie sind kein Feind, wenn man sich selbst nicht kleiner macht. Sie sind einfach nur ganz normale Menschen, die vermutlich mit einer ähnlichen Unsicherheit zu kämpfen haben, wie man selbst. Also redet darüber und gebt den bösen Gefühlen Urlaub – und eurer Beziehung. 

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2 Antworten zu “Kolumne: Über Eifersucht und Exfreunde”

  1. Hm… geht es um jemanden, der eifersüchtig wegen des Ex-Partners des aktuellen Partners ist? Oder wegen das neuen Partners des Ex-Partners? Oder um Eifersucht an sich? So oder so ist es, glaube ich, kontraproduktiv, das Gefühl als total selbstverständlich abzutun. Denn eigentlich ist es ein ziemlich guter Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Unglücklich in der aktuellen Beziehung? Ex-Beziehung nicht aufgearbeitet? Verlustangst? Andere Unsicherheit? „Die neue Freundin meines Exfreundes zum Beispiel mag mich nicht sonderlich. Was ich durchaus verstehen kann, schließlich habe ich eine lange und intensive Zeit mit ihm verbracht. “ – Sie ist eifersüchtig, weil er ein Leben vor ihr hatte? Dann würden ja sämtliche Beziehungen nach dem … etwa 20. Lebensjahr von Eifersucht begleitet werden. Die Gründe müssen tiefer liegen.

    • Liebe Lena, ich bin der Meinung, dass die Gründe oft nicht unbedingt tiefer liegen. Mit fortschreitendem Alter wurde jeder mal in der Vergangenheit enttäuscht und lässt sich womöglich nicht mehr so naiv in Beziehungen hineinfallen wie bei der 1. Liebe. Und ich bin der Meinung, dass Eifersucht ein normales Gefühl ist, das eigentlich immer etwas mit dem Ego zu tun hat, mit dem man normal umgehen sollte. Man sollte es nicht verheimlichen, es überdramatisieren oder sich dafür schämen, sondern es offen ansprechen und es durch Kommunikation aus der Welt schaffen, damit ist in meinen Augen am schnellsten und effektivsten für alle Beteiligten geholfen.

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