Kolumne: Reisen in Zeiten wie diesen

7. März 2016 von in

Wir leben im Luxus. Im absoluten, überschäumenden Luxus, der uns zu First World Jammerern und Langeweilekonsumenten macht. Das ist an sich keine Neuigkeit, das ist unser Alltag und es ist gut, dass es uns gut geht. Solange wir uns dessen bewusst sind, wie man immer so schön sagt. Man kann sich schließlich nicht mit jedem Unglück auf der Welt befassen, sollte das Leben auskosten, wo es geht, und jetzt erst recht. Paris is about life, so war das doch.

Mit Paris ging es los, das Umdenken. Auf einmal waren die Schrecken präsent, mitten in unserer Luxuswelt angekommen. Und auf einmal wurde aus Reisen, einem ganz alltäglichen Hobby, ein Thema, über das die Leute anfingen, nachzudenken: Nach Paris fahren? Gerade vielleicht lieber nicht so. Oder jetzt erst recht?

Jetzt erst recht war ganz lange meine Antwort. Weil alles gerade überall passieren kann oder eben nicht, egal ob in Paris, in Tel Aviv, in Istanbul oder vor der Haustür. Und weil beliebte Ziele wie Paris und vor allem Länder wie die Türkei oder Griechenland es gerade am allerwenigsten gebrauchen können, wenn die Touristen aus Angst lieber zu Hause bleiben.

So dachte ich auch, als wir vor ein paar Monaten in die Türkei eingeladen wurden. In ein Land, das ich schon seit vielen Jahren erleben wollte, in das zu reisen sich Amelie und ich spätestens in Marrakesch fest vorgenommen hatten und auf das ich, seit ich denken kann, neugierig bin. Auf die Hagia Sophia oder die Süleymaniye-Moschee, auf süßen Apfeltee und Köfte, auf die türkische Riviera und Istanbul in der Nacht. Schon, als wir die Reise zusagten, war die Lage in der Türkei angespannt – nach den Entwicklungen der letzten Monate könnte man mittlerweile für wahnsinnig gehalten werden, einen Urlaub in dieses Land auch nur ins Auge zu fassen.

Regelmäßige Anschläge, der Bürgerkrieg und Erdogan sind die eine Sache. Die andere, noch viel gewaltigere allerdings ist die Flüchtlingsroute, die sich quer durch die ganze Türkei zieht. Momentan, in der wir uns aus erster Hand mit den Schicksalen, Routen und Geschichten verschiedener Flüchtlinge befassen, ist es auf einmal unvorstellbar für mich, in einem Land Urlaub zu machen, in dem Menschen, die alles hinter sich gelassen haben alles wagen, um auch nur ansatzweise ein Stück unserer selbstverständlichen Sicherheit zu bekommen. Die in Kauf nehmen, tagelang auf einem Boot zu treiben, die sehen, wie andere Boote vor der Polizei von den Schleusern versenkt werden, die wochenlang zu Fuß laufen, wenn es sein muss. Kann man in dieses Land reisen? Kann man überhaupt noch reisen?

Wer auch nur eine Geschichte einer Flucht aus Syrien, dem Iran oder Afrika zu hören bekommt, der reist nicht mehr wie davor. Zum ersten Mal wurde mir vorletztes Jahr in Marrakesch unser unglaublich ungerechtes Luxus-Standing bewusst, als ich einen fließend deutsch sprechenden Marokkaner kennenlernte, der sich nichts sehnlicher wünschte, als einmal nach Deutschland zu reisen. Er hätte uns nicht mal besuchen können, wenn wir den Flug gezahlt hätten, denn als Afrikaner kriegt man schon lange keine Spontanerlaubnis mehr, um eben mal nach Europa zu fliegen.

Als Deutscher kann man einen Flug buchen und am nächsten Tag am anderen Ende der Welt sein. Man kann es einfach tun, keiner hindert einen und die Welt steht einem offen. Für mich gibt es kaum etwas schöneres als zu Reisen. Doch gerade dreht sich mir der Magen um, wenn ich über diese unfassbare Ungerechtigkeit nachdenke. Und mir vorstelle, nach einem Dreistundenflug in der Türkei einen Kaffee zu trinken, während Millionen von Menschen die härtesten Monate ihres Lebens auf sich nehmen, um diese Strecke zurückzulegen.

Jetzt erst recht? Während all das passiert, verliert die Türkei 25 Prozent der Touristen, Tendenz steigend. Eine Entwicklung, die das Land gerade jetzt nicht gebrauchen kann. Sollte man also gerade jetzt dort hinfahren, zeigen, wie schön das Land nach wie vor ist?

Oder einen Bogen um die Türkei und um Griechenland machen? Mit einer Reise nach Asien kehrt man der Europakrise den Rücken zu und ist jetzt im Frühling nicht nur wettertechnisch auf der sicheren Seite. Aber macht ein anderes Reiseziel die Sache auch nur irgendwie anders? Ist unser abgelegenes Haus auf Kreta eine andere Sache als ein Hotel in der Türkei? Kann man überhaupt noch guten Gewissens in ein Flugzeug steigen und irgendwo Urlaub machen, in Zeiten wie diesen?

Ich weiß auf all das ganz ehrlicherweise gerade keine Antwort. Unsere Reise in die Türkei ist gebucht und steht in ein paar Wochen an, und während ich mich regelmäßig mit Flüchtlingen treffe und mir ihre Geschichten anhöre, schwanke ich gewaltig hin und her. Eine Erfahrung, auf die man aktuell verzichten, oder eine Reise, die jetzt erst recht sein sollte?

Ich weiß darauf keine Antwort – selten war ich gespannter auf eure Meinung!

Grafik: Simone Klimmeck

17 Antworten zu “Kolumne: Reisen in Zeiten wie diesen”

  1. Wirklich toller Artikel, der glaub ich die Überlegung Vieler in Worte fasst. Ich reise auch gern. Und viel. Und auch ich habe immer wieder bedenken a la sollte man da jetzt hinfahren, ist das der richtige Zeitpunkt. Ich muss sagen, bei mir spielt der Sicherheitsgedanke schon immer eine Rolle. So haben wir zum Beispiel während der Unruhen in Thailand vor ein paar Jahren beschlossen, doch woanders hinzufahren. Haben das ganze dann aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
    Aber du hast schon recht. Vor allem Griechenland und die Türkei sind im Moment auf die Touristen angewiesen.
    Gerade in der jetzigen Zeit finde ich es extrem wichtig zu reisen. Wenn man nämlich hinhört, bei vielen die ganz laut da draußen bei so feinen Pegida Demos brüllen, die sind noch nie weiter gekommen als an den nächsten Baggersee. Reisen ist wichtig um zu sehen, dass viele Grenzen oft nur im Kopf existieren und eben, wie du sagst, dass man sich bewusst wird, wie gut es uns tatsächlich geht. Dass wir viele Dinge für selbstverständlich nehmen, die es für viele Menschen nicht sind. Und zurück von diesen Reisen kann man genau das in seinen Alltag übertragen, was auch wieder auf irgendeine Art und Weise dazu beitragen kann, dass sich die Situation für alle wieder ein wenig verbessert.

  2. Ich verstehe deine Gedankengänge sehr gut und bin auch am überlegen ob eine Marokko-Reise dieses Jahr sein muss oder nicht. Ich finde auch, dass es Josefines Kommentar sehr gut trifft: Reisen erweitert das Weltbild – und macht weltoffen. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, respektvoll und auch dankbar für unsere Privilegien zurück kommt, können viele Menschen davon profitieren: Man selbst natürlich, wegen der Reise – die Menschen dort, die vom Tourismus profitieren – und vielleicht auch ein paar Menschen auf der Flucht – die hier auf Leute treffen, die kennen gelernt haben, wie reicht wir eigentlich sind im Vergleich zu den meisten Plätzen auf der Welt.

  3. Liebe Milena,
    danke für deine Gedanken. Ich finde es schön dass ihr so reflektiert seid. Der eine oder andere hätte sich sicher einfach über die Einladung gefreut ohne weiter darüber nachzudenken.
    Ich finde allerdings auch dass Josefine absolut Recht hat! Und finde für mich persönlich dass der „Jetzt erst Recht“ Gedanke doch überwiegt. Ich fände es einfach zu schlimm, wenn Angst und Unsicherheit sich so weit durchsetzten würden, denn dann hätten „die“ doch irgendwie gewonnen.
    Natürlich ist es irgendwie ein absurder Gedanke in ein Land zu fliegen, dort das Standard-Touri-Programm abzuspulen, in’s Flugzeug zu steigen und wieder in Deutschland zu sein, während andere im selben Land ihr letztes Geld für einen Platz in einem jämmerlichen Boot ausgeben. Aber so schätze ich euch nicht ein. Ihr werdet die Augen aufmachen und sicher von euren Erfahrungen berichten. Und damit tragt ihr doch wieder zu der Erweiterung des Horizonts vieler anderer Menschen bei.
    Alles Liebe!
    Sarah

  4. Ein guter Artikel, danke dafür!
    Zwei Gedanken von mir dazu:

    1) Ich glaube, die richtige Antwort ist weder „in jedem Fall verzichten“ noch „jetzt erst recht“. Beides löst die Probleme und aktuelle Situation der Flüchtlinge nicht. Wichtig ist, denke ich, dass – egal, ob man reist oder nicht – man sich vor allen Dingen bewusst macht, in was für einer luxuriösen und privilegierten Welt wir leben. Man sollte sich klar machen, dass längst nicht jeder Mensch auf der Erde die Möglichkeiten hat, einfach so in andere Länder zu reisen. Dass viele Menschen (nicht nur, aber auch Flüchtlinge) ganz andere Probleme haben als die Frage, wo der nächste Urlaub hingeht. Und wenn man sich das klar gemacht hat, sollte es im Idealfall nicht allein bei diesem Bewusstsein bleiben, sondern man sollte (vielleicht sogar „muss“) versuchen, etwas dagegen zu tun und auf irgendeine Art und Weise zu helfen (wobei ich aus deinem Artikel entnehme, dass du/ihr euch bereits etwas tut). Sich zu engagieren finde ich viel sinnvoller als auf eine Reise zu verzichten, „nur“ weil andere Menschen nicht reisen können. Der Verzicht würde ja letztlich auch nur das eigene Gewissen beruhigen, nicht aber wirklich weiterhelfen.

    2) Auch wenn das jetzt ein bisschen Moralkeule ist und nicht wirklich zum eigentlichen Thema gehört: Wenn man schon dabei ist, zu sich zu fragen, ob man reisen/fliegen darf/soll, denke ich, dass das Thema Umwelt auch nicht komplett vernachlässigt werden sollte. Es dürfte ja mittlerweile allgemein bekannt sein, dass Fliegen nicht gerade klimafreundlich ist. Man sollte das Thema Reisen – insbesondere – auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch hinterfragen. Wenn ich in die Türkei oder nach Griechenland fliege, schade ich damit den momentanen Kriegsflüchtlingen wohl nicht direkt. Aber ich trage zum Klimawandel bei und fördere letztlich damit auch das Aufkommen weiterer (in diesem Fall Klima-)Flüchtlingsbewegungen. Das soll keine persönliche Kritik sein, sondern nur vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen (und btw, man kann Flüge übrigens über Klimaschutzagenturen CO2-neutral stellen, also kompensieren. Ist gar nicht mal so teuer, für einen Flug in die Türkei bspw. nicht einmal 30 €).

    Liebste Grüße, Sarah

    • Das stimmt, viel wichtiger als Gewissensfragen ist es, tatsächlich etwas zu tun. Wir engagieren uns tatsächlich momentan, was wir erst nicht wirklich hier thematisieren wollten, es jetzt aber doch in einem kleinen Rahmen vorhaben, um zu zeigen, wie einfach und gleichzeitig wichtig die Kontaktaufnahme mit Flüchtlingen ist. Vielen Dank auch für deine Anregungen bzgl. der Umwelt!

  5. sehr guter Artikel!
    Solche Gedanken oder ähnliche hab ich auch immer mal wieder und ich glaub es gibt wohl kein Klares richtig oder falsch, entscheidend ist wohl das was man daraus macht. Ein Stufe höher kann man sich ja auch fragen „darf ich mein Leben überhaupt noch genießen oder muss ich auch irgendwie leiden?“, aber wenn ich auch leide, hilft das keinem und dann sollten wir wohl alle unser Leben auf unsere Weise genieße und diese positive Energie in irgendeiner Form weitergeben.
    Nicht wirklich vergleichbar, aber ich musste dran denken: letzten Mai bin ich mit der Schule nach Auschwitz gefahren und während wir dahin gefahren sind, fand ich das total ekelig mit einem Reisebus einen Ausflug zu machen und abends wieder im gemütlichen Bett zu liegen – vielleicht sogar einen tollen Abend mit Freunden zu verbringen. Und auch als ich durch das Lager gelaufen bin, hatte ich immer wieder Gedanken, dass es doch komisch, dass es eine „Attraktion“ ist, die ich mir angucke. Aber ich war schon vorort, nachher abends im Bett und heute sehr sehr froh, dass ich diese Erfahrung gemacht hat, weil ich sehr viel mitgenommen habe. Ich lege jedem ans Herz mal nach Auschwitz zu fahren. Es war also defintiv richtig dahin zu fahren, auch wenn es sich teilweise sehr falsch angefühlt hat.

    LG Katrin

  6. Gute Gedanken!

    Ich habe mich für ein „jetzt erst recht“ entschieden und mich dabei allerdings auf ein Land eingeschränkt: Marokko. Denn dieses Land, das ganz im Stillen intensiv mit Europa kooperiet, hat immer noch heftige soziale Problem und braucht unsere Hilfe.

    Ich bin im Laufe des letztes Jahres dort auf viele soziale und kulturelle Projekte gestoßen – meist ehrenamtlich von Europäern initiiert doch von Marrokanern unterstützt. Und alle arbeiten so enthusiastisch und mit vielen unterschiedlichen Ideen daran, den Menschen zu helfen und Gründe für Flucht zu verhindern: Seien es Spenden für Schuluniformen, Unterstützung bei einer Lehre – oder Boarding-Häuser für Mädchen im Atlas, die sonst nie eine Schulausbildung machen könnten.

    Wann immer möglich, fliege ich nach Marrakesh – und ich genieße die Zeit dort (aber nicht im Super-Luxus), sondern gucke, wo ich selber was machen kann, wie ich helfen kann und welche Initiativen unterstützenswert sind.

    Ich bin überzeugt: Wer sich mit offenen Augen und Herzen auf ein Land einläßt kann so viel Gutes tun! Und, die guten Kontakte zum Helfen findet man eben nicht einfach so bei einem Luxus-Wochenendtripp. Das braucht Zeit – aber ich habe erlebt, dass das in Marokko recht schnell gehen kann. Da sind zehn Tage vor Ort schon hilfreich.

    Nun gut, das ist mein Weg. Und Ähnliches lässt sich siche rin vielen Ländern diese Erde umsetzten. Vielleicht ist das sowas wie „slow tourism“?
    Sanna

    • Liebe Sanna, das ist wirklich eine sehr schöne Art zu Reisen, vielen Dank für diese Anstöße. Bei unserer Türkei-Reise handelt es sich natürlich um einen kurzen Pressetrip, der so etwas nicht möglich machen wird. Das war auch der Anstoß meines Gewissenskonfliktes. Trotzdem bin ich nach euren Antworten der Meinung, dass es nichts bringen würde, den Trip einfach abzusagen, sondern man auch daraus ein Bewusstsein schaffen kann.

  7. Das war ein wirklich guter Artikel. Ich finde es sehr gut, wenn ihr solchen Themen hier auch eine Plattform bietet und auch über euer Engagement berichtet, warum nicht. Denjenigen, die unentschlossen sind, selber aktiv zu werden, hilft es vielleicht. Ich finde, in Zeiten wie diesen (Wahlergebnisse Hessen?) kann man jede Chance nutzen, aufzuklären, zu berichten, usw. auch wenn es nicht in das ursprüngliche Konzept passt.
    Zum Reisen noch ein Gedanke: ich habe mich mit einer Syrerin angefreundet, die vor einem halben Jahr nach Deutschland gekommen ist. Sie ist auf dramatischem Weg in die EU gekommen und saß dann irgendwann alleine auf einer griechischen Insel fest. Sie meinte, das hätte ihr Perspektive gegeben, Mut, dass das Leben auch wieder anders wird und sie es dahin schaffen kann, selber mal dort Urlaub zu machen. Ich fand den Gedanken irgendwie gut, so fest entschlossen und lebensmutig.
    Ich glaube nicht, dass man deswegen nicht mehr Reisen sollte. Man kann aber überlegen, die Reisen zu nutzen, zu helfen, mit Leuten zu sprechen, Essen oder Wasser zu den Leuten zu bringen. Man kann sich auch im Urlaub erholen und abschalten und dann zu Hause weiterhelfen oder Geld spenden oder sich gegen Rechts engagieren. Vielleicht ist der Unterschied, dass man nicht mehr sorglose Ferien macht, wenn ein paar Kilometer weiter Menschen ertrinken. Aber Reisen ist nicht Ferien machen, es öffnet den Horizont und zum Reisen gehört auch die Auseinandersetzung mit den Problemen einer Region.
    So, mein Plädoyer. Entschuldigt den Roman. Und da ist die wieder, die wunderschöne Illustration von der Simone Klimmeck.

  8. irgendwie hinterlassen mich artikel und kommentare gerade ganz sprachlos und gerührt. weil sich jeder von uns sich wohl immer mal wieder einem rotierenden gedankenwust ausgesetzt fühlt, den man langsam auseinanderpflückt, am ende jedoch mit fragezeichen im bauch und ohne schlussplädoyer dasteht. das ist superschön in worte gefasst und auch einfach wichtig, die unfähigkeit zur absoluten lösung einfach zu akzeptieren. alles, was hier am ende bleibt, ist eine hoffnungsvolle stimmung. yes dazu.
    ich sollte mal meine hormone checken lassen, weil mich das grad so emotional bewegt ;)

    • Wir haben ganz einfach Kontakt mit den Bewohnern einer Unterkunft aufgenommen, die in der Nähe unseres Büros ist – quasi Kontaktaufnahme mit den neuen Nachbarn. Ich war selbst erstaunt, wie einfach das eigentlich ist und wie schnell sich daraus ganz natürlich gemeinsame Aktivitäten ergeben. Unser primäres Interesse war eigentlich eine gemeinsame Ausstellung, die wir momentan mit ein paar Interessierten planen, aber wir treffen uns mittlerweile auch, um einfach zusammen Fußball zu gucken oder sowas. Und sind außerdem Ansprechpartner für alle möglichen Fragen, begleiten sie zu Terminen etc – ich finde den individuellen Kontakt zu Einzelnen besonders schön und sinnvoll, weil man so ganz gezielt helfen kann. Ich hatte immer eine Hemmschwelle, ganz einfach zu einer Flüchtlingsunterkunft zu gehen. Aber das war die beste Entscheidung, denn wir haben dort sofort wahnsinnig interessante und tolle Menschen kennengelernt. Ich kann das wirklich jedem nur ans Herz legen und wünschte, die Hemmschwelle wäre für viele nicht so hoch!

  9. Hallo, ihr Lieben, danke euch allen für eure Gedanken. Meine Freunde und ich, wir reisen auch immer mit offenen Augen, Ohren, Herzen und Stiften, haben schon so einiges erfahren und versucht, es in unseren Reiseberichten zu verarbeiten. Ich will mich kurz fassen und nur ein Beispiel präsentieren, was mich einst heftig umgetrieben und auch 16 Jahre später nicht verlassen hat: New York City bei -17°C. Mein Kumpel Mäsjuh und ich in einem Hotel, das wir uns eigentlich gar nicht leisten konnten, aber aus logistischen Gründen mehr oder weniger geleistet haben. Lästige Stadtwanderungen am Tag, jede Abwechslung in einer geschlossenen Räumlichkeit willkommen, humorvolle Bezeichnung: „Innenbiwak“. Mäsjuh abends mit Erkältungssymptomen früh ins Kingsize-Bett gelegt (statt zwei hätten locker vier Erwachsene drin schlafen können). Ich noch mal um die Häuser gezogen, auf der Suche nach einer bestimmten Bar. Und dann sah ich sie: Dutzende Obdachlose, in Schlafsäcken, zusammengedrängt auf Lüftungsgittern eines Kaufhauses. Und dann, ja dann … -17°C! Innenbiwak! Kingsize! Ich glaube, ihr versteht, was ich meine… Bleibt, wie ihr seid, und vor allem gesund. Sixtus

  10. […] Hier habe ich das Thema schon vor ein paar Wochen angesprochen und war überrascht von euren positiven Reaktionen. Je mehr ich darüber nachgedacht hatte, desto unmoralischer und absurder schien es mir, genau jetzt in die Türkei zu fahren und dort einen Pressetrip zu machen. Gleichzeitig kamen die Gegenargumente, die mir auch im Kopf herum schwebten: Nicht zu fahren bringt niemandem etwas, zu fahren könnte zumindest zeigen, wie schön es nach wie vor an der türkischen Riviera sein kann, während der dortige Tourismus momentan einzubrechen droht. „Jetzt erst recht“ statt aus Angst zu Hause zu bleiben, während man eigentlich nirgends mehr wirklich sicher vor Anschlägen sein kann. Und alles im Bewusstsein der aktuellen Lage tun und gleichzeitig Bewusstsein dafür schaffen. […]

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