#TVDUELL und Wahlen: In Zeiten der Frustration

4. September 2017 von in

Gestern ist das passiert, wovor sich alle gefürchtet haben: gar nichts. Im TV Duell wurde viel um den heißen Brei gesprochen, über Bildung, Digitalisierung und Klimawandel aber zum Beispiel gar nicht.

Wäre ich nicht nach fünfzehn Minuten vor gähnender Langeweile eingeschlafen, hätte ich mich gefühlt wie das kleine Kind, das am Rockzipfel der Mama zieht, die an langweiligen Familienfesten schon vor gefühlten tausend Jahren gesagt hat: „Wir gehen jetzt.“, aber immer noch da steht und mit irgendwelchen Erwachsenen ratscht. Ich leide bis heute mit jedem Kind mit, das mit Foltermethoden wie diese an den Rand seiner Ungeduld getrieben wird. So wurden wir an jenem Abend also im Kollektiv gefoltert: Irgendwie wartend auf etwas, das aber einfach nicht kam.

Kurz bevor ich beim öffentlich rechtlichen Trauerspiel einschlief, führte ich eine Diskussion mit einem Familienmitglied beim Kaffeeklatsch. „Ich wähl gar nix.“, war die Meinung, die ich mit möglichst soliden Argumenten auszuhebeln versuchte. „Ich werd’ von denen allen verarscht. Es ist völlig egal, was ich wähle. Die machen doch eh, was sie wollen. Keine Partei sagt mir zu. Ich hab keine Lust mehr.“, schmetterte mir mein Gegenüber auf den Tisch, und ich habe selten eine so freundliche Diskussion zum Thema Politik und Wahlen geführt, denn: Ich fühle mich sehr ähnlich.

Ich wollte es nicht wahrhaben und habe die letzten Monate versucht, der Zukunft positiv entgegen zu blicken. Weil jetzt haben wir noch die Chance, diese Zukunft, vor der sich so viele fürchten, zu gestalten. Also Kopf hoch! Dann machte ich den Fehler und las mir am nächsten Morgen die Tweets zu dem Hashtag #TVDuell durch. Die sind negativ, frustriert, wütend, ironisch, sarkastisch, fies, und ich versteh schon, dass es zum guten Ton auf Twitter gehört, frustriert, sarkastisch und fies zu ein, und ich verstehe auch, dass es nichts Neues ist, dass sich die gesamte Welt über das TV Duell lustig macht. Doch im Anbetracht der Tatsache, dass die Wahlen in zwei Wochen vor der Tür stehen, ist Wut, Panik und Frustration keine motivierende Grundstimmung.


Wut ist ein Gefühl, das Veränderung antreibt – positiver und negativer Art. Wut setzt Energien frei, die radikal sein können, aber auch gleichzeitig unüberlegt und dumm. Zum Beispiel aus Wut nicht zu wählen, ist eine Entscheidung, die nachvollziehbar ist, aber noch weniger verändern wird, als seine liberale Stimme einer Partei zu geben, hinter der man nicht mal wirklich steht und von der man ausgeht, dass sie sowieso nichts reißen wird. Die AfD zu wählen, nur damit etwas passiert, ist ein Fehler. Eine Spaßpartei zu wählen mag im ersten Moment lustig sein und ist ein Statement, das sinnbildlich für die Unzufriedenheit der Gesellschaft und Kritik an so ziemlich allem steht, doch auch diese Entscheidung wird langfristig nicht die richtige Entscheidung sein. 

Positiv bleiben ist in einer Zeit, in der das geringste Übel Deutschland regiert, eine Herausforderung. In der man die Wahl hat zwischen „mittel“ und „naja“. Und doch sollte man realistisch bleiben und seine Wut in klaren Momenten bei Seite legen.

Wir haben JETZT die Wahl. Wir haben JETZT die Möglichkeit, es nicht ganz so schlimm werden zu lassen, wie wir es womöglich befürchten. Wir haben JETZT die Chance, in zwei Jahren nicht da zu stehen und zu sagen: Wieso hat das keiner kommen sehen? Wir können es JETZT kommen sehen und wir können JETZT etwas dagegen tun. Vielleicht gibt es nicht die Partei oder den Menschen, die oder der für all das steht, für was wir stehen. Doch es gibt Parteien, die Interessen Vertreten, die nicht gegen alles stehen, für was wir stehen. Und wenn wir nicht das geringste Übel wählen, dann regiert am Ende das absolute Übel.

Informiert euch. Macht das Beste draus. Hört auf zu meckern. Fangt an, für irgendwas zu stehen. Lest unsere YOUR VOTE Beiträge. Macht den WAHLOMATEN. Seht euch Parteiprogramme an. Und geht wählen.

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