Wo ist der Emoji-Feminismus?

5. April 2016 von in

Mir ist etwas #imzugpassiert. Ich bin über etwas gestolpert. Über ein Emoji genauer gesagt. Es war kein gewöhnliches Emoji, nicht das nette Emoji von nebenan. Sondern eine Adaption von J. Howard Millers „We Can Do It!“ Poster von 1943. Ihr wisst schon, diese Arbeiterin mit dem gepunkteten Kopftuch, die mit hochgekrempelten Ärmeln ihren Bizeps in die Kamera hält. 

Dann stolperte ich weiter, in den Artikel hinein, über dem das Emoji baumelte. New York Times, Sunday Review, Amy Butcher (großartig btw!) – und sie will mehr Emojis, die weniger girly sind. Ich fand das schon immer schlimm. Jetzt hatte es endlich mal jemand gesagt. 

Ganz heimlich mag ich diese girly Emojis ja. Ich benutze sie selber recht oft – also für mich. Da passen die immer gut. Ich in verliebter Kätzchenoptik. Ich mit pinken Nagellackfingern. Ich mit Prinzessinnenkrönchen. Ich im pinken Top melde mich für irgendwas. Ich beim Flamencotanzen. Die Emojis und ich, wir haben Spaß. 

Ich habe gelesen, dass man in den USA sogar eine echte signierte Aubergine verschicken kann, in Anlehnung an das große und wunderbare Penis-EmojiWenn ich aber einer Frau ein Emoji schicken will, das sich auf ebenjene Frau bezieht, habe ich ein Problem. Ich finde diese Dinger jetzt nicht unbedingt sexistisch, aber doch irgendwie… beschränkt. Schublade auf, Frau rein, Schublade zu. Die Emojifrauen sehe ich öfters als echte Frauen; das prägt mich. Vielleicht denke ich irgendwann, alle Frauen sind pink. 

Männer dürfen wenigstens ein paar verschiedene Emojis sein. Wir sind gelber Notarzt und bleicher Polizist, schwarzer Santa oder cappuccinofarbener Detektiv. Wir sind mit Turban, wir sind ohne Turban. Auch der Surfer ist männlich, der hat nur lange Haare. Der Schwimmer, der Basketballer, der Radler, der Ruderer. Die haben alle keine erkennbaren Brüste. 

Die Ladies haben die Flamencotänzerin (so cool sie auch ist). Dann gibt es die Prinzessin, die Braut, die zwei Playboyhasen und achja, die Flamencotänzerin. Und das in einer Sprache, die eigentlich die neue Welt einführen sollte: die Welt der Gender Equality und des Gratispopcorn für alle. Die alle alten Geschlechterstereotypen und verstaubten Weltbilder hinter sich lassen wollte. Da kämpfen wir viele jahrzehntelang für Gleichberechtigung in den Köpfen, Büros und Gehaltszetteln unserer westlichen Welt – und dann ist die einzige Farbe, die die Emojifrau tragen darf, pink. PINK. Als wäre die Emojiwelt eine Welt, in der standardmäßig langhaarige Frauen ständig zwischen Spa und Shopping-Mall pendeln, während ihre Männer die Kreditkarten decken und ab und zu eine Aubergine senden. 

Wo sind die alleinerziehenden Mütter, die nebenbei studieren und arbeiten? Wo sind die Uniprofessorinnen? Die Politikerinnen? Die Journalistinnen? Die Künstlerinnen? Klar, man kann nicht für alles ein Emoji haben. Aber muss das alles so pink? 

Meine Zugfahrt verlief danach größtenteils reibungslos. Das ist nicht immer so. Aber als ich auf der Unisex-Zugtoilette saß, fragte ich mich, ob wir generell für alles immer diese Mann/Frau Kategorien brauchen. Wie wäre es mit zusätzlichen neutraleren Varianten? Schließlich geht es bei Emojis um Gefühle, nicht um Geschlechtsteile. Chris Rock hat bei den Oscars auch gefragt, warum wir eigentlich die besten Schauspieler in Männer und Frauen aufteilen. Als ob Robert De Niro mal langsam machen müsste, damit Meryl Streep nachkommt. BEIM SCHAUSPIELERN. Niemand in dem Saal wusste wirklich, warum wir das machen. 

Ich weiß nur, was Emojis betrifft, die werden auch nach dem Nachfrage-Prinzip gestaltet. Müssen dann die Emoji-Gurus nachhelfen? Das Unicode-Konsortium hat zumindest schon einmal klar gemacht, dass sie mehr weibliche Emojis wollen.  

3 Antworten zu “Wo ist der Emoji-Feminismus?”

  1. Wieder mal ein super Text von dir Nils. Ich feier dich und deinen Humor.
    Ich denke immer noch an die Katze im Baum und das Bier in der Hand.
    Mach weiter so, ich freu mich auf den nächsten Post!

    LG

    Astrid

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