What Is Love? 5 Sachbücher über die Liebe

10. Oktober 2018 von in ,

Erinnert ihr euch noch an den Moment, als zum ersten Mal alle Liebeslieder im Radio Sinn ergeben haben? Unendliche Mythen ranken sich um das unbeschreibliche Gefühl, das wir romantische Liebe nennen und die Dummheiten, die wir für es bereit sind zu begehen. Aber auch, wenn die Emotion vielleicht auf ewig ein kleines bisschen unergründlich und unbeschreiblich bleiben wird, gibt es doch so einiges, was man an der Liebe sehr wohl verstehen kann. Denn Partnerschaft und Paarbeziehungen sind kulturellem Wandel unterzogen, wie wir Liebe definieren ist auch eine gesellschaftliche Frage – und ja, Liebe ist auch politisch. All das besser zu verstehen kann dabei helfen, aufrichtiger und reflektierter zu lieben. Viele WissenschaftlerInnen, AutorInnen und IllustratorInnen haben sich deshalb dem Thema angenommen. Hier sind einige von ihnen.

Liv Strömquist – Der Ursprung der Liebe

 

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Die schwedische Illustratorin Liv Strömquist malt nicht einfach nur Comics: Sie verpackt wissenschaftliche Erkenntnisse in gut verständliche Häppchen – und ist dabei auch noch unfassbar witzig. In ihrem Erstlingswerk „Der Ursprung der Welt“ von 2017 erzählt sie die Kulturgeschichte der Vulva nach und man lernt auf jeder Seite einen neuen Fakt, der einen die Welt in ganz anderem Licht erscheinen lässt. So ist es auch mit „Ursprung der Liebe“: Mit wissenschaftlichen Referenzen wird hier beispielsweise erklärt, wieso die erfolgreichsten Comedians unserer Zeit eigentlich bloß Witze darüber machen, dass ihre Frauen zu viel Aufmerksamkeit von ihnen verlangen oder welche psychologischen Mechanismen dazu führen, dass Frauen bei übergriffigen Partnern bleiben. Selbst gestandenen Feministinnen wird hier ihr gefährliches, genderspezifisches Bindungsverhalten um die Ohren gehauen und es wird klar: Das Patriarchat lauert in jedem Doppelbett.

Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

„Die meisten Menschen sehen das Problem der Liebe in erster Linie als das Problem, selbst
geliebt zu werden, statt zu lieben und lieben zu können. Daher geht es für sie nur darum, wie
man es erreicht, geliebt zu werden, wie man liebenswert wird.“

1956 schrieb der Sozialpsychologe Erich Fromm das vermutlich bekannteste gesellschaftskritische Werk zum Thema Liebe. Fromm kritisiert in einer lesbaren und manchmal sogar sehr poetischen Sprache das zeitgenössische Verständnis von Liebe und möchte, dass wir den Begriff weniger als ein Gefühl, sondern stattdessen als eine Praktik – als ein Verb – verstehen. Wer geliebt werden will, muss auch selbst zur aktiven Liebe – und auch zum Eingehen von Risiken – fähig sein. Für diese Verklärung von Liebe macht er unter anderem den Kapitalismus verantwortlich: Dieser versteht Liebe als ein Produkt, das man einfach so erwerben kann. Damit legte Fromm einen Grundstein für einen kritischen Blick auf die romantische Liebe, der bis heute die Wissenschaft umtreibt – auch wenn man heute über einige seiner Formulierungen stolpert.

Eva Illouz – Warum Liebe wehtut

Die israelische Soziologin Eva Illouz ist die unangefochtene Expertin, wenn es um eine gesellschaftliche Analyse von Liebe, Partnerschaft, Gesellschaft, Kapitalismus und Modernisierung geht. Neben dem 650-Seiten-Wälzer „Warum Liebe wehtut“ schrieb sie auch kürzere Bücher über bestimmte Teilphänomene: So nimmt sie zum Beispiel in „Der Konsum der Romantik“ und „Gefühle in Zeiten die Kapitalismus“ die Verschränkung von Ökonomie und Liebe auseinander. „Warum Liebe wehtut“ bietet einen gut lesbaren Überblick über ihre soziologischen Erkenntnisse in Sachen Liebe: Wie wurde die romantische Liebe zu dem, was sie heute ist? Was macht die Modernisierung und Aufklärung mit ihr? Und wieso zur Hölle tut es so weh, wenn wir an ihr scheitern? Dieses Buch war für mich ein einziges, langes Heureka.

bell hooks – All About Love: New Visions

 

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Die legendäre Feministin, Humanistin und Kulturkritikerin bell hooks (die ihren Künstlernamen immer in Kleinschreibung verwendet) beschränkt sich in ihrem 2000 erschienenen Buch „All About Love“ nicht nur auf die romantische Liebe, sondern setzt jede Form von Liebe in einen gesellschaftlichen Kontext: Von den Regeln der „Transaktion Liebe“, die wir als Kinder erlernen über die Wichtigkeit einer nicht-narzisstischen Form der Selbstliebe bis hin zu der wichtigen Erkenntnis, dass die romantische Liebe nicht mehr länger als die wichtigste aller Erscheinungsformen gesehen werden sollte.

Niklas Luhmann – Liebe, eine Übung

„In der Liebe findet man, wie oft bemerkt, eine unbedingte Bestätigung des eigenen Selbst, der personalen Identität. Hier, und vielleicht nur hier, fühlt man sich als der akzeptiert, der man ist – ohne Vorbehalte und ohne Befristung, ohne Rücksicht auf Status und ohne Rücksicht auf Leistungen. Man findet sich in der Weltsicht des anderen erwartet als derjenige, der zu sein man sich bemüht. Die Fremderwartungen des anderen konvergieren mit den Eigenerwartungen des Ich, mit der Selbstprojektion. Das befreit vom ewigen Kreisen des inneren Monologs.“

Für alle, die ein Faible für wissenschaftliche Sprache, Gesellschaftstheorie und verschachtelte Sätze haben, ist der Soziologe Niklas Luhmann ein kleiner Gott. Es bedarf zugegeben ein kleines bisschen Übung in Sachen Konzentrationsfähigkeit, wenn man Luhmann lesen will. Aber: „Liebe – eine Übung“ ist eventuell das für Normalsterbliche lesbarste Buch aus seiner gesamten Literaturliste. Es basiert auf einem Aufsatz, den er 1968 vorbereitete und der erst 2008 wieder auftauchte. Auf nur knapp 70 Seiten versucht er, der Liebe aus soziologischer Perspektive auf die Schliche zu kommen und hat dabei einige interessante Ideen.

 

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2 Antworten zu “What Is Love? 5 Sachbücher über die Liebe”

  1. Hey! Dank deines Books that shaped and saved my life features bei den Janes, bin ich immer noch mit einem recht dicken und bisher einwandfrei interessantem Bücherstapel neben dem Bett gesegnet. Gerade: der Steppenwolf (gott wie schön kann denn bitte die deutsche Sprache sein?). Demnächst dann: Warum Liebe weh tut. Bin gespannt!

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