Buch-Review: „Anziehungskraft“ von Guido Maria Kretschmer

27. November 2013 von in ,

Fragt man mich nach meinen Lieblingsdesignern oder Labels, fallen Namen wie Isabel Marant, Acne oder Proenza Schouler. Niemals aber Guido Maria Kretschmer. Und seid mir nicht böse, aber mit der Mode von „Guidoooo“, wie ihn viele Shopping-Queen-Ladys nennen, kann ich nichts anfangen. Zu viel Chi Chi, zu trutschig und oft einfach eine Portion too much. Gut, er ist nicht Harald Glöckler – und trotzdem modetechnisch hätte ich den guten Guido eher ins Abseits gestellt.

Dafür kann der Guido eines sehr gut: erzählen, reden und unterhalten. Das beweist er täglich in seiner Kultsendung Shopping Queen. Diese überaus phänomenale Sozialstudie (hier mein Lesetipp dazu) beweist tagtäglich, wie es um Deutschland und seine Haushalte modetechnisch bestellt ist. Nämlich katastrophal. Wie viele Frauen nicht wissen, was ihnen steht, wie viele Frauen gar keinen Stil besitzen (weil sie sich noch nicht damit auseinander gesetzt haben) oder wissen, wie sie gut aussehen könnten, ist jedesmal wieder aufs Neue erschreckend. Für Guido, für mich und für die Teilnehmer selbst vielleicht auch. Gleichzeitig hatten alle unheimlich viel Spaß, auch wenn die „Damen am Ende des Tages mehr einem explodierten Cupcake gleichen, als einer sleeken Elin Kling“. Zum Glück gibt es dann Guido, der Kritiken liebevoll verpackt, aber trotzdem kein Blatt vor den Mund nimmt und auch jeder Frau ihren Spaß und selbstgewählten Stil irgendwie lässt. Ja, der Guido kann sehr gut humoristisch Dinge auf den Punkt bringen. Und deswegen gucke ich hin und wieder Shopping Queen.

Doch Guido Maria Kretschmer kann noch mehr – als opulente Chi-Chi-Mode und Shopping Queen. Wer sich mit dem Designer aus Münster auseinandersetzt, merkt schnell: Hier sitzt jemand, der genau weiß, was er tut. Der schöne Kleider und Frauen liebt. Und der weiß, wie Mode funktioniert. Kein Wunder, schließlich hat Guido Maria Kretschmer bereits mit neun Jahren eigene Kleider genäht und schnell die ganze Nachbarschaft ausgestattet. Mit 14 gründete er sein eigenes Business, nähte später die Uniformen von Flugzeuglinien und ist heute – auch wenn es Geschmackssache ist – ein anerkannter Designer.

So – und jetzt hat der Guido ein Buch geschrieben. Und jeder denkt sich: Oh nee. Nicht noch ein Promi, der jetzt auf der Höhe seiner Karriere meint, ein Buch schreiben zu müssen. Und wisst ihr was: Ja, wahrscheinlich wurde dem Guido geraten, ein Buch auf der Höhe seiner Karriere zu schreiben, weil es sich verdammt gut verkaufen wird. Und da hat der Guido ja gesagt. Weil er ein pfiffiges Kerlchen ist.
Doch: Der Guido ist schlau – und hat das gemacht, was er am besten kann: Modetipps geben und unterhalten. In Anziehungskraft nimmt er sich alle Frauen dieser Welt vor – unterteilt in verschiedenen Figurtypen. Und berät sie. Was passt zu jemanden, der völlig androgyn ist? Welche Schnitte schmeicheln? Was sollte man tunlichst unterlassen? Und was ruhig öfter ausprobieren?

Klingt erstmal banal, aber für nicht-modeaffine Menschen könnte dieses Buch die Bibel werden. Ich bin eigentlich gegen „Tragen-Sie-bei-einem-Apfelpo-niemals-diese-xy-Jeans“, aber: Manchmal stimmt es. Schnitt- und Passform sind in der Mode extrem wichtig – und manchmal helfen zwei, drei kleine Tipps, und man sieht ganz anders aus – weil der Schnitt einem mehr schmeichelt, die Jeans das Bein optisch streckt oder ein Spaghetti-Trägertop doch besser passt als ein Tanktop. Es sind Nuancen, die in der Mode viel ausmachen – und die manch einer nie gelesen geschweige denn gehört hat. Weil er einfach in den Laden marschierte und kaufte, was gefällt. Ganz unter dem Motto „Es ist rosa, es glitzert, ich will es.“ Oder: wie bei Shopping Queen. Guido Maria Kretschmer verbindet seine sehr konkreten Tipps in dem Ratgeber mit Anekdoten aus seiner Karriere, und das auf sehr amüsante Art und Weise. Seine Message: Liebt euch so wie ihr seid – versucht nicht, wer anderes zu sein, sondern arbeitet mit dem, was ihr habt. Nehmt euch in den Arm und schnappt euch schöne Kleidung, die zu euch passt!

Man muss kein Guido Maria Kretschmer Fan sein, um das Buch Anziehungskraft zu mögen. Menschen, die ihren Stil gefunden haben oder keinesfalls Modetipps für ihre Figur haben wollen, brauchen das Buch nicht lesen. Auch modeaffine Menschen könnte das Buch schnell langweilen. Doch für Menschen, die Mode perifär kennen, mehr in das Metier eintauchen wollen, mit der Vogue überfordert sind und erstmal gute Tipps von einer guten Freundin bekommen wollen, sollten das Buch lesen. Und all die Verkäuferinnen, die tagtäglich Menschen nicht passende Kleidung aufschwatzen, nur um ein Teil zu verkaufen, auch. Und dann hat der Guido die Modewelt vielleicht ein bisschen besser (und so manche Frau glücklicher) gemacht.

Wer von euch hat das Buch gelesen?

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26 Antworten zu “Buch-Review: „Anziehungskraft“ von Guido Maria Kretschmer”

  1. Ich teile eine ähnliche Meinung über den Guido wie du. Bei Shopping Queen finde ich seine Kommentare großartig und wahnsinnig unterhaltsam. Als Designer nehme ich ihn nicht wirklich wahr. Da bin ich nicht seine Zielgruppe und teile nicht seinen Geschmack. Weil ich mir dieses Buch wahrscheinlich niemals kaufen werde, fand ich deinen Artikel darüber sehr aufschlussreich. Also danke, dass du vor-gelesen hast!^^

    • Liebe Bina,
      das Buch braucht man auch wirklich nicht :) aber ist für den ein oder anderen ein nettes Geschenk. Ich muss immer so Hype-Bücher lesen, um mitreden zu können haha – da habe ich irgendwie so einen Drang :) Aber mir gehts wie dir: Guido in Shopping Queen ist große Klasse, seine Mode naja :)
      Liebe Grüße!

  2. Ein sehr schöner Kommentar! Guidos Mode ist halt eher was für ältere Frauen, aber seine Kommentare und seine herzliche Art finde ich großartig! Selbst wenn er sagt „das sieht ja furchtbar aus“ klingt es niemals gehässig, man merkt wirklich, dass er Frauen und Kleider liebt und will, dass sie gut aussehen. So sympathisch!
    Das Buch würde ich nicht kaufen, aber wenn ich das nächste Mal in derCity bin, guck ich mal rein. Hört sich interessant an (könnte was für meine Mama sein:-D)

    Es stimmt, was du über die deutschen „mode-Haushalte“ schreibst, allerdings wäre ich auch wirklich überrascht, wenn eine Teilnehmerin der Sendung in Acne etc rumlaufen sollte – seienwir ehrlich,dieSendung ist nur wegen der teilweise schrecklichen Outfits lustig. Das guckt man nicht, weil man sich Modetipps erhofft…:-)

    • Liebe Kitty,
      absolut, Guido Maria Kretschmer hat eine absolut sympathische Art und Weise Kritik rüberzubringen, da könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden :)
      Das Buch ist nett – gerade als Geschenk – aber absolut kein Muss :) schon gar nicht für Modefreaks!

      Ja, das stimmt, die Sendung für den Zuschauer ist sehr lustig, aber ich finde es auch extrem interessant, was für unterschiedliche Geschmäcker und Auffassungen Menschen von schöner Mode haben :)
      Liebe Grüße!

  3. Guido ist wirklich ein Phänomen, irgendwie gibt es niemanden, der ihn nicht mag. Sogar ich find ihn irgendwie total sympathisch, und ich krieg eigentlich bei sämtlichen Formaten von Sat1, Pro7, Vox und Konsorten akuten Brechdurchfall. Irgendwie gönnt man ihm den Erfolg. Vielleicht verschenke ich das Buch zu Weihnachten :D

  4. Danke für die Rezension! Ich interessiere mich zwar auch ein wenig für Mode und lese auch den ein oder anderen Modeblog, aber ich bin sicher noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ich nichts mehr dazulernen könnte :) Deswegen werd ich mir das Buch bestimmt mal ankucken.

    Noch was zur Sendung:
    Ich schaue sie regelmäßig, weil ich Guido ziemlich witzig und authentisch finde und die Sendung auch sonst recht gut gemacht ist. Perfekt zum Abschalten nach einem langen Tag :)
    Und klar, es sind Frauen dabei, die sich wirklich unvorteilhaft kleiden – sei es im Alltag oder direkt in der Sendung. Aber ich bin auch ganz, ganz oft total überrascht, wie viele Frauen Unmengen an Klamotten, Schuhen und Taschen zuhause haben. Es gehört schon fast zum guten Ton eine Designerhandtasche, die mehrere hundert Euro kostet, im Schrank zu haben. Das überrascht mich wirklich total und führt auch teilweise dazu, dass ich mich schon seltsam finden, weil ich nur einen normalgroßen Kleiderschrank zuhause habe und kein begehbares Ankleidezimmer.
    Und dass viele Frauen einfach keine Klamotten von Acne oder Isabel Marant im Kleiderschrank haben, liegt halt möglicherweise nicht daran, dass sie keinen Geschmack haben, sondern dass sie sich die Sachen nicht leisten können. Das sollte man m. E. nicht vergessen.

    • Liebe Eva,
      ja, für jemanden, der mehr über Mode lernen will und auch figurtechnisch unsicher ist, ist das Buch wirklich gut geeignet. Für Modefreaks eher nicht :)

      Das stimmt, ich bin auch immer entsetzt, wie viele Frauen bei Shopping Queen ganze Regale voller Schuhe haben oder ein ganzes Zimmer als Ankleideraum. Da merkt man schnell: Guter Stil zeichnet sich nicht durch Masse aus. Ich würde durchdrehen, ich muss ständig ausmisten, ein begehbarer Kleiderschrank mein Albtraum :)
      Und klar, nicht jeder kann sich Acne und Co. leisten, aber wenn man diese Schuhregale sieht, weiß man auch: 10 günstige Paare machen vl. auch ein Designerteil. Aber: Stil ist nicht abhängig von günstig oder teuer – insofern darf jeder seinen Stil und seine Liebe zur Mode leben. Und man kann auch extrem stilvoll mit günstigen Klamotten aussehen :)
      Das ist mir ganz wichtig, weil ich keinesfalls vorleben will, dass nur teure Sachen toll sind. Aber manchmal sieht man die Qualität (bspw. bei Schuhen) dann doch.
      Liebe Grüße!

      • Das ist mir auch schon aufgefallen, dass es zum guten Ton zu gehören scheint, mega viele Klamotten zu haben. Ich seh es ganz so wie ihr! Sortiere auch 1-2 mal im Jahr aus.
        Ich finds nicht schön mich selbst so zuzumüllen, auch wenn mich Freundinnen oft fragen, wie ich mit dem kleinen Kleiderschrank auskommen kann. Dazu muss man sagen, ich stehe absolut auf Ordnung, ein Messi Schrank wo unten am besten noch die Schuhe durcheinander rumfliegen ist mein persönlicher Horror.

        Aber komisch dass bei der Sendung die Menge der Klamotten qualitätsunabhängig gleich Stil / Modebegeisterung gesetzt wird. Diese Weiber…;-)

        Bestimmt machen einige der Frauen auch nur mit um der Welt mal zu zeigen, dass auch sie eine „Lui Vittonn“ oder „Loubuttängs“ haben :-D :-D

  5. Danke für den Tipp, das werd ich lesen (mehr aus professioneller Sicht, wie ich es auch wichtig fand Fifty Shades of Grey oder so zu lesen). Und für eine gute Freundin habe ich damit auch schon das perfekte Weihnachtsgeschenk = ) Bin gespannt!

    now-then-forever.blogspot.com

    • Liebe Cecile,
      genau so gehts mir auch :) Ich muss so Hype-Bücher immer lesen, um mitreden zu können und aus professioneller, beruflicher Sicht :) Ich werde es wohl auch weiterschenken :)

  6. Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, aber deine Review liest sich spannend. Ich betrachte zwar gerne Mode und setze mich auch damit ein bisschen auseinander, aber sobald es ums Kaufen geht, bin ich wieder total unsicher. Vor allem bin ich Ratschlägen von Freundinnen gegenüber immer etwas kritisch. Meistens beurteilen sie aus ihrer Sicht und nach ihrem Geschmack… Vielen Dank fürs Vorstellen!

  7. Ich hatte nicht ansatzweise die Ambition mir das Buch zu kaufen, nun denke ich darüber nach. Auch wenn ich meinen Stil gefunden habe aber dennoch mit einer Vogue nichts anfangen kann :)

    • Liebe Ines,
      wenn du der volle Modefreak bist und eigentlich weißt, was dir steht, brauchst du das Buch nicht :) Aber guck mal rein, vielleicht findest du es ja doch gut :)
      LIebe Grüße!

  8. Interessanter Artikel. Ich habe erst in letzter Zeit angefangen Shopping Queen ab und an zu schauen und was mich vor allem fasziniert, Guido wirkt immer interessiert und voll dabei. Wie du schon geschrieben hast wirkt er auch ehrlich und nimmt kein Blatt vom Mund ohne „bösartig“ zu wirken, denn was für mich ist Shopping Queen nichts anderes als das „Wer wird Superstar“ für Hausfrauen. Man stellt sich einem Publikum zur Schau um mehr oder weniger gnadenlos benotet zu werden, eine Form von Ehrlichkeit die man oft nicht mehr im Umfeld findet.

    • Liebe Nathalie,
      das stimmt. Guido ist extrem authentisch und immer sehr nett und nah am Menschen dran. Das finde ich bei der Sendung sehr schön – aber natürlich ist es rein vom Format nicht viel besser als Wer wird Superstar & Co :)
      Liebe Grüße!

  9. Ich hab Muttis Weihnachtsgeschenk gefunden. Gelobet seist du Antonia! Und danke für den Lesetipp. Nein Selbstbeweihräucherung ist nicht mein Stil aber in dem Fall..ach doch.

  10. Hallo,
    danke für deine Rezension; ich schaue auch öfter mal Fashion Queen – einfach, weil ich Guido witzig und und die Vorstellungen von Mode der Kandidatinnen interessant finde.

    Allerdings finde ich die Vorstellung „Ich muss etwas tragen, das meiner Körperform entspricht.“ „…das mir steht.“ oder auch das Verlachen von Outfits bei Shopping Queen schwierig. Warum sollten wir nur Kleidung tragen, die uns schmeichelt und anderen gefällt? Und nicht einfach Spaß mit Mode haben und das tragen, das uns glücklich macht? Das kann und darf Glööckler, Kretzschmar, Acne sein. Frei nach dem Bonmot: „“How to dress for your shape: are you human-shaped? play up your natural sex appeal by wearing whatever the fuck you want.“
    Sehr interessant fand ich hierzu folgenden Blogeintrag: http://www.dressaday.com/2006/10/20/you-dont-have-to-be-pretty/

    Just my two cents.
    Grüße,
    Lisa

    • Liebe Lisa,
      absolut, da stimme ich dir zu. Die Liebe und Freude an der Mode sollte immer im Vordergrund stehen. Und ist jemand zufrieden mit seinem Outfit und fühlt sich wohl, ist es auch völlig egal, was er trägt, ob das zu demjenigen nach allen gesellschaftlichen Konventionen passt oder nicht. Derjenige liebt es. Punkt.
      Das Buch ist nicht für solche Menschen geeignet, es ist eher für Menschen, die unsicher sind, was sie tragen sollen, die sich schön kleiden wollen, bislang aber nicht den ihren Stil gefunden haben, weil sie gar nicht wissen, wo sie figur- und modetechnisch ansetzen sollen. Die zwar Fashion Week hören, aber gar nicht genau wissen, was es damit auf sich hat.
      Für Menschen, die Glöckler tragen und damit glücklich sind, ist es nicht. Und das ist auch okay. Keiner muss Acne & Co. tragen, um „gut“ auszusehen. Denn am Ende zählt nur eines: die Ausstrahlung. Und das merkt man auch den Leuten bei Shopping Queen an – wer sich wohl fühlt, sieht toll aus – auch wenn es nicht mein Look ist. :)
      Liebe Grüße und danke für den Link!

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