Buchreview: Gone Girl

30. September 2013 von in

Im Petit Four noch als Empfehlung vorgestellt, muss ich jetzt doch noch eine Review zu Gone Girl schreiben. Weil mich dieses Buch von Gillian Flynn nach dem Beenden aufregt und ich mich frage: Bin ich als Vielleser vielleicht zu sehr an Thriller gewöhnt oder sind alle Kritiker wahnsinnig?

Denn: Seit Wochen steht dieses Buch auf der Bestseller-Liste, in Magazinen und Zeitungen wird das Buch abgefeiert ohne Ende, sogar die Filmrechte wurden schon verkauft.
Und ich? Ich fands okay. Durchschnittlich. Eine ganz gute Wendung. Aber das wars. In die Begeisterungsstürme kann ich irgendwie doch nicht miteinstimmen.

Amy und Nick sind ein Ehepaar, seit fünf Jahren verheiratet und haben gerade eine Krise. Monate zuvor lebten die beiden noch im Luxus als Autorin und Journalist in New York, bis sie nacheinander ihre Jobs verloren. Nick schleppte seine Ehefrau von der Großstadt in die Einöde von Michigan, um seine Mutter zu pflegen. Amy darüber mehr als begeistert zog natürlich mit. Und so leben sie seit geraumer Zeit in der Kleinstadt und steuern auf den fünften Hochzeitstag zu. An dem Amy plötzlich verschwindet. Erst sieht alles nach einem Überfall aus, doch dann gerät Nick nach und nach in das Visier der Polizei. Und über allem schwebt die Frage: Wie gut kennt man seinen Ehemann oder seine Ehefrau?

Aus psychologischer Sicht ist dieser Ansatz spannend und bietet wahnsinnig Potential für einen guten Thriller. Als ich ein Interview mit Gillian Flynn las, bevor ich das Buch überhaupt in den Händen hielt, ging es genau um die Thematik: Wie genau kann man einen Menschen überhaupt kennen – nach einem, zwei oder zehn  Jahren? Bleibt nicht immer ein Stück des Menschens verborgen? Und in wie weit kann man dem, dem man am nächsten steht, vertrauen? Diese Fragen finde ich unfassbar spannend, und wie gesagt, ich erwartete mir einen richtig guten Thriller.

Und dann las ich und las ich und las ich. Und so richtig kam der Flow nicht auf. Über 500 Seiten hat das Buch, bis knapp zur Mitte geht der erste Teil. Und das zieht sich. Obwohl ich echt verdammt schnell lese, fand ich, hätte man das Ganze etwas schneller entwickeln können, ohne große Einbußen in der Charakterausbildung einzukalkulieren.
Irgendwann gibt es eine Wendung (mehr wird nicht verraten), dann wird es spannend – zumindest kurzzeitig. Dauerhaft hat mich das Buch dann einfach nicht gepackt. Vielleicht bin ich weitaus spannendere Bücher gewohnt, zeitweise fühlte ich mich leider in der Langeweile an 50 Shades of Grey erinnert (ja, das habe ich auch gelesen – alle Buch-Hypes müssen gelesen werden!).

Dabei liegt es nicht mal am Schreibstil von Gillian Flynn. Sie schreibt flüssig, leserlich und auch nicht völlig lapidar. Aber irgendwie – es zieht sich. Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, vielleicht hätten 400 Seiten auch gereicht (ich bin mir eigentlich sicher). Vielleicht ist es auch ein typisches Hype-Buch, dem ich erlegen bin. Wer weiß…

Nichtsdestotrotz ist es ein solides Buch zum Entspannen – perfekt für Urlaube. Wer bei zu spannenden Thrillern nicht mehr schlafen kann, ist mit diesem Buch gut beraten – ein perfektes Thriller-Einsteiger-Buch.

Übrigens: Eine Verfilmung kann ich mir weitaus besser vorstellen.

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10 Antworten zu “Buchreview: Gone Girl”

  1. So ging es mir auch, besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich wollte schon nach 200 Seiten aufgeben, aber dann kam die Wendung und ich blieb dran. Aber umgehauen hat es mich nicht. :-(

  2. leider komme ich neben meinem lektürelastigen Studium kaum dazu, etwas für mich zu lesen, aber dieses Buch könnte ich mir gut für den nächsten Urlaub vorstellen. danke für deine Review!

  3. Als ich das in einer „Bücher-Ramsch-Kiste“ für 2,99£ fand, wusste ich nichts vom Hype um das Buch und habs mitgenommen, weil es sich nach einem passablen Thriller für zwischendurch angehört hat. DEN Krimi des Jahrtausends habe ich gar nicht erwartet und war trotzdem enttäuscht. Selten hat mich ein Buch aus diesem Genre derart gelangweilt, obwohl die Autorin -wie du zutreffend bemerkst- paraxoderweise einen guten Schreibstil hat.
    Zum Glück kommen im November pünktlich zu meinem Geburtstag ein neuer Wallander und ein neuer Harry Hole in die Regale und Jussi Adler-Olsen legt auch noch ein Werk nach! Skandinavier sind einfach die besten :)

    • Ja, genauso gings mir auch.
      Skandinavische Thriller mag ich persönlich ja gar nicht so gerne, ich kann Wallander nicht ab haha, aber Jussi-Adler-Olsen muss ich mal ausprobieren. :) Liebe Grüße!

  4. Ich habs mir gekauft, aber noch nicht gelesen! Zum Teil hab ichs mir aber auch gekauft weils hier in den „petite four“ erwähnt wurde, sowie natürlich woanders in Zeitschriften etc.
    Wieso empfiehlst du etwas („Petite four“) um es dann ein paar Posts später wieder runter zu reden?

    • Liebe Katha,
      Als ich es in den Petit Four vorgestellt habe, war ich noch nicht ganz fertig und eigentlich dem Buch wieder positiver gestimmt. Aber auch im Petit Four erwähnte ich bereits kleine Zweifel:) Jetzt nach dem Beenden kann ich immer noch nicht sagen, ob ich es gut oder schlecht fand, es lässt mich eher etwas zwiegespalten zurück. Es ist auf keinen Fall ein schlechtes Buch, wie ich schreibe, es lässt sich gut lesen, hat einen guten Twist und ist gut durchzulesen. Ich kann nur im Nachhinein den kompletten Hype überall nicht ganz nachvollziehen, weil ich es dann nicht so herausragend fand. Aber keinesfalls schlecht.:)
      Lass dir nicht die Freude nehmen am Buch, ich würde es immer noch empfehlen, aber eben mit weitaus niedrigeren Erwartungen, als die mir andere Literaturkritiker hinterlassen haben. :)
      Viel Spaß beim Lesen!
      Liebe Grüsse!

      • Hättest du Antonias Post vernünftig gelesen, wüsstest du auch, dass sie es dem anderen Post nicht gefeiert hat, sondern nur als Buch beschrieben hat, dass sie momentan eben liest und bisher ganz gut findet.

        Ich habe es übrigens jetzt auch angefangen und abgebrochen, weil es einfach zu langweilig wurde, die Wendung war zwar überraschend, aber (ACHTUNG SPOILER) für mich war doch von Anfang zu offensichtlich, dass man Nick als Leser verdächtigen sollte und es dadurch auch irgendwie klar war, dass er es nicht ist, weil es zu einfach war :D

        • Danke, liebe Carolin :)
          Ich habe es gewissermaßen schon empfohlen, weil ich es echt nicht megaschlecht fand, aber abgefeiert habe ich es nicht, ich habe ja sogar geschrieben, dass ich den Anfang ziemlich lame fand haha :) Spoiler: Das Ende fand ich dann auch wieder lame, so dass meine Gesamt-Review rauskam :) Aber danke :)

  5. Ich arbeite als Buchhändlerin und wir haben von „Gone Girl“ gleich 3 Leseexemplare bekommen (bei 4 Mitarbeitern). Der Hype den der Verlag um diesen Krimi gemacht hat (sogar die Treppenstufen des Berliner Hauptbahnhofs waren mit Werbung zu diesem Buch vollgekleistert), den kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Für einen Thriller war er ziemlich fad, wenn du dich mal so richtig „gruseln“ möchtest, dann empfehle ich dir „Stalking“ von Jason Starr (Diogenes Verlag).

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