Coffee Break: Du bist deine Beziehung

15. November 2015 von in

Ein Freund von mir trifft immer wieder Frauen, die psychische Krankheiten haben – von B wie Bulimie bis P wie Persönlichkeitsstörung war schon alles dabei. Und er ist geübt in der Rolle des Retters, des Helfers, des Zuhörers. Das ist natürlich nicht, wie es laufen sollte – dass man sich nur um den Anderen kümmert, während man selbst auf der Strecke bleibt. Er beschwert sich auch ständig darüber, trotzdem hat und hatte er solche Beziehungen zu genüge. Danach und manchmal auch schon währenddessen fragt er sich dann, warum genau er immer diese Frauen trifft.

Die Antwort ist, glaube ich, ganz einfach: Weil er sie trifft. Weil sie etwas mit ihm zu tun haben. Und es wird ihm so lange passieren, bis es ihm nicht mehr passiert. Bis er irgendetwas daraus gelernt hat, der Knoten bei ihm geplatzt ist. Denn: Es sind nicht die Frauen, die schuld sind. Da draußen laufen etliche Frauen (und auch Männer) herum, die psychische Probleme haben. Dass mein Freund immer genau die Problemfälle trifft und sich ihnen annimmt, ist, ganz hart gesagt, sein Problem.

Aber es müssen ja nicht gleich psychische Störungen sein; es gibt auch Light-Versionen: Wir alle tragen Muster herum, die uns in Beziehungen oder im Verliebtsein immer wieder begegnen. Anstatt uns aber selbst einmal zu fragen, was das mit uns zu tun hat, wird die Schuld beim Anderen gesucht. Ist ja auch viel einfacher. Eher tauschen wir dann unsere Partner aus, um früher oder später mit jemand Neuem wieder genau vor demselben Problem zu stehen.

Ich kenne sehr viele Menschen, die, wenn in ihren Beziehungen immer wieder wegen den selben Dingen gestritten wird, sie immer wieder auf denselben Typ Mensch treffen und ihnen in der Liebe immer wieder ähnliche Themen begegnen, dazu neigen, Sätze zu sagen wie „Warum treffe ich immer diese Männer/Frauen?“. Wenn eine Beziehung gescheitert ist, man sich in tagelange Diskussionen verstrickt oder schlaflos im Bett liegt, das Telefon in der Hand und nervös auf eine Antwort wartend – ärgert man sich, dass das einem schon wieder passiert, anstatt einmal die Frage nach dem „Warum?“ zu stellen. Schon zu oft lag man hellwach im Bett und hat auf sein Handy gestarrt. Warum kann man nicht einfach trotzdem schlafen gehen? Warum wühlt es einen so auf, wenn der Andere sich nicht meldet?

Da können natürlich tausend verschiedene Gründe zu Tage kommen: Man vertraut dem Anderen nicht, weil man in seiner Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Man hat Angst, wenn man keine Kontrolle in der Beziehung hat. Wenn der Andere nicht antwortet, denkt man sofort daran, dass er jemand Neues kennengelernt hat – was im Klartext ja nur heißt, dass man sich selbst nicht gut genug fühlt. Und so weiter. Was trifft, betrifft schließlich auch. Doch selbst zu hinterfragen, ist nun einmal nicht ganz so einfach, wie wütend auf den Anderen zu sein.

In diesem Sinne, kann man sich schon fast auf den nächsten Streit freuen. Wenn man sich das nächste Mal in die Haare bekommt, sich grün und blau ärgert oder enttäuscht nicht einschlafen kann, lieber einmal auf sich selbst schauen, anstatt die Schuld vorschnell beim Anderen zu suchen. Und herausfinden, was man für Erwartungen hat, was für Ängste, was genau einen gerade eigentlich so wütend macht. Das hilft, sich selbst besser kennenzulernen und zu wissen, was man braucht und möchte – vielleicht kann man es so beim nächstes Mal auch besser machen.

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15 Antworten zu “Coffee Break: Du bist deine Beziehung”

  1. Wenn etwas nicht abwertend gemeint ist, solltest du vielleicht über die Gleichsetzung von psychischen Erkrankungen mit der lapidaren Formulierung „einen an der Waffel zu haben“ nachdenken.

  2. „einen an der Waffel haben“ ist im Zusammenhang mit „B wie Bulimie bis P wie Persönlichkeitsstörung“ wie du es so salopp schreibst reichlich deplatziert und uncool.. just sayin‘

  3. Kann Yvonne nur zustimmen und wollte gerade das selbe schreiben. Unglaublich, wie man sich so unüberlegt über ernsthafte Krankheiten äußern kann. Verstehe auch absolut gar nicht was die Aussage deines Textes sein soll: Wir sollen uns mal besser bemühen nicht immer diese Leute anzuziehen, die „eine an der Waffel haben“? Auch wenn es wahrscheinlich darum gehen soll destruktive Beziehungsmuster zu hinterfragen, kommt das wirklich überhaupt nicht rüber.

    • Die Aussage des Textes ist, dass es auch immer etwas mit einem selbst zu tun hat, was für Menschen man trifft. Und das mit der Waffel war unüberlegt – ja. Habe es geändert und mich auch eben schon entschuldigt. Ich habe selbst solche Fälle in der Familie, ist also nicht so, dass ich das Thema nicht ernst genug nehme.

  4. Ich litt jahrelang unter Bulimie, die Krankheit zu überwinden war schwer und auch nur möglich dank der Hilfe lieber Menschen, die mir zugehört, mir Kraft gegeben und mich positiv bestärkt haben. Ich bin all ihnen so unendlich dankbar. Keiner dieser Menschen hat mich abgewertet mit der Meinung, dass ich einen an der Waffel hätte“…. Dein Text macht mich so unglaublich wütend, ich kann es gar nicht in Worte fassen.
    Gruss
    Miri

  5. Mag sein, daß ein ‚psychisch krank‘ statt ‚einen an der Waffel haben‘ den Schwung aus der Einleitung nimmt, aber so ’nen kleinen Gag auf Kosten kranker Menschen kann man sich vielleicht auch einfach sparen.

  6. Ich fand das mit dem Alzheimer-Instagram schon etwas unangenehm, aber dachte, dass ich das vielleicht einfach etwas sensibel reagiere. Aber hier erneut sowas… Ich bin mir sicher, dass du das nicht absichtlich machst und böse meinst, aber das ist auf eine Weise wirklich verletzend und diskriminierend. Man muss nicht immer Krankheiten nehmen, um einen Witz zu generieren.

    Liebe Grüße dennoch!

  7. Ich finde es gut und richtig, dass du den ersten Absatz geändert hast, obwohl ich mir sicher bin, dass sich dahinter keine böse Absicht versteckte.

    Du hast eine schwere Aufgabe. Du musst tiefe und wahre Gedanken in einen unterhaltsamen, vielleicht sogar etwas reißerischen Artikel verpacken, sodass sich das Publikum davon nicht nur verstanden sondern auch noch unterhalten fühlt. Übertreibungen und Augenzwinkernde Bemerkungen helfen dabei sicherlich. Hier wurden Menschen jedoch damit verletzt, wenn auch nicht willentlich. Fehler passieren, das ist menschlich. Das ist natürlich. Du standest zu deinem Fehler, hast dich entschuldigt, damit sollte die Sache erledigt sein.

    Die Aussage, dass amazed ohne dich vielleicht besser dran sein, kann ich nicht unterstützen. Denn du bereicherst meinen Sonntag. Hast mir schon viele Dinge aus meiner Vergangenheit erklärt und mir dabei geholfen, sie endlich zu überwinden.

    Ich freue mich auf den nächsten Sonntag und den nächsten Artikel von dir!
    Liebe Grüße

  8. Ich liebe euch, das wisst ihr, aber einen Text zu publizieren, der besagt, dass man es sich selbst aussucht wenn man einen kranken Menschen als Partner hat, ist leider Bullshit. Das tut man nämlich bestimmt nicht. Klar kann man gewisse Muster erkennen, wen man anziehend findet , aber das auf eine – oder verschiedene- Krankheiten zu projizieren ist leider für die Leute die solche Probleme zuhause haben sicherlich nicht so geil. Leider etwas unsensibel, da Krankheiten auch erst im Laufe der Zeit entstehen können.
    Und der Freund hatte bis jetzt einfach Pech.

    Liebe Grüße,
    xx

    • Wieso muss das Pech sein? Ich kenne eine ähnliche Situation: Ein Bekannter lernt oft Menschen kennen und lässt sich dann auf diese ein, die von Anfang an distanzlos sind und sich schnell mit ihm in eine Beziehung stürzen möchten. Man kann natürlich sagen, das wäre Zufall. Aber warum nicht reflektieren, wenn man ein bestimmtes Muster erkennt?

  9. Ich finde sehr wohl, dass es Muster gibt, die besser zueinander passen als andere.
    Besser meint hier nicht, dass es gut sein muss.
    Aber oftmals hat das auch damit zu tun, dass besonders Menschen mit einem Helfersyndrom – und das ist durchweg positiv gemeint – gerne an Menschen geraten, die Hilfe brauchen.
    Und das ist gut so, dass es dann Plus und Minus gibt.
    Ich bin sicher, dein Freund gibt diesen Frauen auch etwas und auch er gewinnt daraus etwas, auch wenn dies für ihn nicht sofort zu erkennen ist.
    Nicht ausnahmslos egozentrisch zu sein, sondern an Menschen / Frauen zu geraten, die eben nicht der klinisch reinen Norm entsprechen, spricht in meinen Augen für deinen Freund, statt ihn zu einem Pechvogel zu degradieren.

    Und ich bin super froh, dass ich einen an der Klatsche habe – so kann ich das fröhlich und frei verwenden und mal unter uns – wer oder was ist schon „normal“.
    Jeder, da bin ich fast sicher, hat Tendenzen in die eine oder andere Richtung und ist nicht super ausbalanciert.
    Ausserdem – wer sagt, dass die vermeintlich psychisch kranken nicht eigentlich die gesunden unter uns sind. Definiere einer mal psychisch krank. Da hat jede Zeit wohl ihre eigenen Krankheiten zum Thema, Stichwort Burn out – das konnte man sich früher eben existentiell einfach nicht leisten, bin aber sicher bei einem 16 Stunden Tag ohne Urlaub hatte das so mancher – ohne, dass man dem Leiden einen Namen gab.

    Ich bin froh, dass du hier schreibst liebe Anja und ich wünschte mir manchmal, dass man sich heutzutage nicht jedes Wort 100 mal überlegen müsste, bevor man es verwendet, sondern einfach mal frei von der Leber weg schreiben könnte ohne sich von allen Seiten angreifbar zu machen.

    Von daher – mach weiter so, lass dich nicht unterkriegen und 1x entschuldigen muss immer reichen.

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