Debbie ist amazed!

8. Januar 2019 von in

Debbie Schmitt ist 20 Jahre jung und studiert Sozialwissenschaften – doch dabei weiß sie gar nicht so genau, warum sie das überhaupt studiert. Dieses Sinnfragen zieht sich durch ihr gesamtes Leben und als wir sie kennenlernten, waren wir drei gleich hin und weg von ihr. Denn man fühlt sich ja irgendwie zu Menschen hingezogen, die einem ähnelt und so erinnert uns @debbieschmitt an uns, als wir 20 Jahre waren. Sieben bis elf Jahre liegen zwischen uns und ihr und das klingt womöglich nach nicht viel, doch wenn wir uns an unser Vergangenheits-Ich Anno 20 Jahre jung zurück erinnern, liegen Welten zwischen damals und heute. Und das meinen wir ganz wertlos. Schließlich verändert man sich im besten Fall sein Leben lang und das spürten wir, als wir uns die Texte von Debbie durchlasen. Sie sind gefühlvoll, und ihre Träume lassen einen in eine Melancholie der Vergangenheit fallen. Bereits ihre erste Kolumne „Von Lasagne und dem schlechten Ruf aufgewärmter Beziehungen“, fand nicht nur bei uns, sondern auch bei euch Anklang. Deshalb wollen wir unser Team vergrößern. Debbie ist ab sofort amazed und sie wird uns und auch euch regelmäßig mit Kolumnen über ihre Gefühlswelt bereichern.

Bevor es losgeht wollen wir aber, dass ihr Debbie besser kennenlernt. Ein Frage-Antwort-Spiel:

Wie alt bist du und was studierst du?

Ich bin 20 und studiere Sozialwissenschaften, wobei die Wissenschaft eigentlich gar nicht so meins ist. Oder ich bin nichts für die Wissenschaft, das kann auch sein. Bei der Frage, was ich studieren sollte, fühle ich mich eher wie 16. Aber das war ja zum Glück gar nicht die Frage.

Bist du ein Dorf- oder Stadtkind? 

Stadtkind! Meine Kindheit und Jugend, wie man so schön sagt, verbrachte ich auf dem Dorf mit Familie und Freunden. Die sind auch der einzige Grund für mich, dorthin zurückzukehren. Ab und zu in schon lang bekannte Arme zu fallen ist doch was Schönes. Aber mit dem Dorfleben verbinde ich eben auch Gerüchte und schiefe Blicke für Dinge, die den Großstadtmenschen herzlich egal sind. Die Gleichgültigkeit in der Großstadt befreit mich. Außerdem bin ich gerne flexibel und froh, wenn ich statt 50 Minuten nur fünf Minuten auf die nächste Bahn warten muss. Ohne Auto ist man auf dem Dorf aufgeschmissen. Und selbst dann, wer macht jetzt eigentlich Fahrer nächstes Wochenende beim Feiern? Die Großstadt, vor allem Berlin, steht für mich für Weltoffenhei,. während ich das Dorf leider eher mit konservativen Nachbarn verbinde.

In welcher Stadt oder welchem Land wolltest du immer schon einmal wohnen?

London! Meine Schwester studierte dort und hatte ein kleines Zimmer mit Fensterzugang aufs Dach, wo man während des Frühstücks sehen konnte, wie die Sonne aufgeht. Überall gab es süße Teeläden und Cafés. Ich mochte auch die Sprache, und die Menschen schienen mir viel netter und höflicher zu sein als in Deutschland. Diese Erinnerungen an London sind geblieben und in meinem Kopf ist es ein wunderschöner Ort. Aber ohne meine Schwester und das Frühstück auf dem Dach, wäre ich sicher etwas enttäuscht.

Welchen Beruf wolltest du in der Grundschule ausüben, „wenn du mal groß bist“?

Da gibt es ganz schön viele. Als Kind hat man ja noch Träume, was? Früher spielten meine Brüder und ich oft mit unserem Lego Duplo, natürlich wollte ich auch mal genau so einen Bauernhof haben – also im echten Leben. Ich würde zwei Pferde haben und auch Hunde. Ich wollte doch tatsächlich auch mal Lehrerin werden, bis mich meine eigenen Schulerfahrungen eines besseren belehrt hatten – zum Glück! Naja und jetzt, jetzt ist trotzdem erstmal das Großstadtleben statt Bauernhöfe, Wälder und Seen dran. Mit dem Reiten hörte ich schon vor zwei Jahren auf und mein Duplo befindet sich, falls es noch existiert, irgendwo auf dem Speicher meiner Eltern. Wenn ich mein sechsjähriges Ich fragen würde, würde es mir raten, Schuldirektorin zu werden und mit meinen Pferden zur Schule zu reiten. Work-Life Balance, oder? Die ganzen anderen schönen Spinnereien, die ich als Kind hatte, habe ich schon wieder vergessen.

Wie sieht dein Frühstück an einem Sonntag aus?

Ehrlich gesagt frühstücke ich sehr selten und wenn, dann meist nur, wenn ich nicht alleine bin und die andere Person frühstücken möchte. Zum Beispiel meine Oma, die dann immer einen Riesenschreck bekommt, wenn ich auf die Frage, was ich denn sonst immer so frühstücke, nur verlegen grinse. Aber ich versuche jetzt seit Neustem, wenigstens etwas Obst und eine Tasse Tee zu mir zu nehmen. Dann hoffe ich, dass der Morgen und ich irgendwann doch noch Freunde werden. Vielleicht gibt es dann jeden Sonntag Blaubeerpancakes mit Ahornsirup.

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Lieblingsort.

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Wie würdest du gerne mit 30 leben? 

Wahrscheinlich habe ich alle Vorstellungen, die ich früher von meinem Leben als 20-Jährige hatte, auf mein Leben mit 30 verschoben. Ich will in einer süßen, nicht zu großen Wohnung leben, die schön eingerichtet ist und wo abends ein schummriges Licht brennt. Dann sitze ich in einem alten Ohrensessel. Neben mir ein Bücherregal aus altem Holz mit all meinen Lieblingsbüchern. Ich will mich oft mit meinen Freunden verabreden und zu schönen festlichen Veranstaltungen gehen. Gerne wäre ich selbstständig, glaube ich. Vielleicht hätte ich mein eigenes Café und würde nebenher noch schreiben. Geht das überhaupt? Ich hoffe natürlich meine Hündin lebt dann noch, vielleicht lege ich mir dann noch einen Berner Sennenhund zu, damit sie nie alleine ist. Beide würden ein flauschiges Körbchen neben meinem Sessel bekommen. Charakterlich wünsche ich mir, dass meine Liebsten immer bei mir klingeln können, weil ich mir immer Zeit für sie nehme – egal wie stressig der Alltag sein kann. Wie mein Beziehungsstatus aussehen soll weiß ich nicht. Früher dachte ich schließlich auch, ich würde mit 23 oder so heiraten. Das Lachen kann ich mir mittlerweile ganz gut verkneifen, wenn ich daran denke. Insgesamt wäre ich gerne so wie die Rolle von Sarah Parish in „Wedding Date“. 

Wie möchtest du mit 30 auf keinen Fall werden?

Spießig. Erwachsen. Festgefahren. Unflexibel. Nörgelnd. Ungeduldig. Ich will auf keinen Fall zu den Erwachsenen gehören, die sich über laute Kinder im Wartezimmer aufregen oder Jugendliche auf der Straße maßregeln. Wenn ich Glück habe, fühle ich mich vielleicht immer noch genauso jugendlich wie sie. Außerdem will ich nicht zu viel Zeit mit dem Haushalt verbringen, aber trotzdem irgendwann mal ganz gut kochen können. (Das hat die letzten zehn Jahre nämlich genauso wenig geklappt wie das Heiraten)

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Don't grow up, it's a trap. 🐥

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Wann warst du zum ersten Mal verliebt und wie hat es sich angefühlt?

Als ich mit 14 für ungefähr zwei bis drei Jahre in denselben Kerl verliebt war, hat sich das ziemlich verrückt angefühlt. Ich habe unfassbar viel an ihn gedacht, konnte nicht einschlafen, träumte von Begegnungen und freute mich schon Tage vorher, ihn zu sehen. Es war wohl mehr eine Schwärmerei. Er hatte süße Grübchen und ein schönes Lachen. Er machte viele Witze und ich war ganz verzaubert. Er war etwas älter als ich (das ist er übrigens immer noch) und sehr charmant. Ich mochte das Gefühl des Kontrollverlustes über meine Gedanken und Gefühle aber nicht so sehr und wollte lieber so selbstbewusst und sorglos wie er mir schien sein.

Welche drei Bücher könntest du immer wieder lesen?

Alle von Benedict Wells! „Vom Ende der Einsamkeit“ und „Spinner“ sind dabei meine Favoriten.

Jesper Lier in „Spinner“ ist mir zur Zeit so nah wie vermutlich keine andere (fiktive) Person. Er steckt voll in der Krise zwischen Scheinstudium, der Suche nach der Liebe und dem Sinn, guten Freunden und der Großstadt und in allem der großen Frage, was er von der Gegenwart und der Zukunft eigentlich halten soll. Er will Autor werden und scheitert, landet zuletzt im Krankenhaus und beschließt dann, einiges zu ändern und neuen Mut zu schöpfen in eine ungewisse, aber lebenswerte Zukunft. Kein anderer Autor trifft meine Tränendrüsen so treffsicher – auf die beste Art und Weise.

Ich mag auch die Bücher von Joachim Meyerhoff, vor allem „Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Meyerhoff erzählt darin von seinem eigenen Leben und seiner Familie. Als das Buch 2015 veröffentlicht wurde, gab er eine Lesung ganz in der Nähe meines Heimatortes. Er las einige Kapitel vor und mir war direkt klar: Ich muss es fertig lesen. Der Vorgänger „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war“, das zwei Jahre vorher rauskam, sprach mich früher wegen des Titels an. Ich las es, verkaufte es wieder und musste doch immer wieder daran denken. Das macht für mich ein gutes Buch aus: Man vergisst den Inhalt einfach nicht und es kommt einem fast so vor, als wäre man selbst dabei gewesen, wenn auch nur als Betrachter. Nun wünschte ich, ich hätte es nicht wieder verkauft, aber ich war jung und brauchte das Geld. 

Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ könnte ich wirklich nochmal lesen. Es ist nur gerade an eine Freundin verliehen, weil ich immer wieder das Bedürfnis habe, anderen meine Buchschätze aufzudrücken.

Zuletzt so richtig inspirierend fand ich „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski. Das habe ich meiner Oma geschenkt. Sie ließ sich ebenfalls schnell begeistern.

Streng genommen waren das jetzt schon vier Bücher, ich hoffe doch, ihr seht es mir nach.

Welche drei Filme immer wieder sehen?

Wedding Date (Nicht allein wegen Sarah Parish)

Diesen Film mag ich vor allem aus Gründen der Nostalgie. Meine Mutter, meine Schwester und ich können diesen Film immer wieder schauen. Meine Schwester hat das Geräusch, das Kat von sich gibt als Nick sich nach dem Duschen (nackt) zu ihr umdreht und sie von der Zeitung aufschaut, perfektioniert.

Mamma Mia (beide Teile)

Ich liebe diese Filme. Einige Kinoreihen vor mir saß eine ältere Frau, die alle ABBA-Texte auswendig konnte und die Arme in die Luft warf und mitfieberte. So habe ich mich innerlich auch gefühlt. Ich bekomme gute Laune und erinnere mich immer wieder an Filmabende mit etwas Wein und ganz vielen schiefen, aber schönen Tönen, die von links und rechts neben mir kommen.

Ich finde die Musik, Lily James und Meryl Streep großartig und ich höre sogar Pierce Brosnan gerne singen. Der Soundtrack von Mamma Mia war ein Geschenk meiner Schwester an mich. Früher habe ich es beim Puzzlen gehört und konnte die ganze CD auswendig.

Emil und die Detektive

In dem Film spielt Maria Schrader die Pastorin, die chronisch unter Zeitnot und Stress zu leiden scheint, was mir als Kind das Sinnbild des Erwachsenseins zu sein schien. Ihr Sohn Gustav ändert zusammen mit Gypsie, der sich als Emil ausgibt, ihre Predigt in eine Kinderrechtsrede um. Endlich sprach mal jemand mit den Erwachsenen, was wirklich wichtig ist – nämlich wir Kinder. Die Anführerin der Kinderbande ist Pony Hütchen. Ich hab sie geliebt. Ihre Klamotten, ihre Witze und vor allem ihre Schlagfertigkeit. Sie ließ nicht alles mit sich machen und zeigt sich in einer Szene doch sehr verletzlich. Ich wollte immer sein wie sie.

Maria Schrader sah ich vor nicht allzu langer Zeit wieder auf dem Bildschirm. Sie spielt die Geheimdienst-Tante der Hauptperson bei Deutschland 83 bzw. 86. Natürlich wusste ich direkt, woher mir das Gesicht bekannt vorkam. Das ist doch die Pastorin aus „Emil und die Detektive“!

Welche sind die 5-10 inspirierendsten Instagram-Accounts?

Im Moment lasse ich mich vor allem fotografisch inspirieren, hier sind meines liebsten Accounts:

Josh Kern 

Die warme Stimmung in seinen Fotos mag ich sehr. WG-Küchentische, küssende, lachende, weinende, kotzende, liebende, sprechende, laufende, rauchende, traurige, lesende, verletzte und blutende Menschen. Und jedes Mal finde ich die Atmosphäre so echt und real.

Asli 

Sie studiert Fotografie und macht wunderschöne und vor allem sehr aussagekräftige Fotostrecken, die mir oft neue Denkanstöße geben.

Fukuzo 

Sie hat ein eigenes Café in Japan. Ihre Fotos sind sehr melancholisch. Sie strahlen Ruhe und Nachdenklichkeit aus, was mir sehr gefällt. 

Florentine Pilvi

Ihre Fotos lassen mich etwas mehr auf Details und kleine Dinge achten. Sie unterscheiden sich sehr von den anderen, die ich in meinem Feed sehe. Ich frage mich oft, wie man auf die Idee kommt, solche Dinge und Ausschnitte zu fotografieren und sie so darzustellen. Davon bin ich überrascht, aber zur gleichen Zeit bewundere ich es sehr.

David Hugo Schmitz

Ich liebe seine Fotos und die Texte darunter, die meist über die durchschnittliche Kalenderspruchlänge hinausgehen und auch inhaltlich nicht vergleichbar sind. Inspirierend und echt, wie ich finde.

Wana Limar 

Man kann sie in keine Schublade stecken. Sie ist selbstironisch und wirft Fragen über den ganzen Influencermarkt auf, von dem sie trotz all der Kritik auch ein humorvoller, ironischer Teil ist.

Gentle reminders 

Dinge, die meine Oma zu mir sagen würde. Die Erkenntnis des Jahres für mich war „self care is not selfish.“ Ich liebe es, dass es so einfache Sätze sind, die mir ein bisschen Mut machen, und die ich oft viel später noch im Kopf habe und mich an diese kleinen, netten Worte erinnere.

Moé 

Sein Inhalt fängt für mich die Atmosphäre und den Lifestyle in Berlin ein. Seine Fotos wirken echt, so ungefiltert und nicht perfektionsbemüht.

Ronja von Rönne

Ich liebe ihren Sarkasmus und die Offenheit, dass das Leben und alles drumherum gar nicht immer so rosarot ist wie es uns der Rest der Instagramwelt manchmal gerne vormachen will.

Liebe Debbie, wir freuen uns sehr auf die Zeit mit dir!

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