Kolumne: Der da ist Schuld!

5. April 2013 von in

Vor ein paar Monaten sah ich die Günther Jauch-Show zum Thema Textilwirtschaft. Mir war eigentlich schon klar, dass ich nichts absolut neues hören würde, aber da ich es wichtig finde, mich mit dem Thema auseinander zu setzen, war klar, dass ich es mir ansehen musste. Es wurde wild diskutiert, vor allem aber fielen Schuldzuweisungen. Der Verbraucher sollte mehr auf faire Ware achten, hochwertiger einkaufen – doch wie soll das gehen ohne Geld? Ist es für jemanden, dessen Budget am deutschen Existenzminimum grenzt, überhaupt möglich, Kik, H&M, C&A & Co zu umgehen? Es wäre wohl nicht möglich, so Jauchs Runde. Doch die Konzerne, die können was ändern – die sollten ihre Arbeitsbedingungen, die Sklaverei, die Ausbeutung im asiatischen Raum verbessern oder gar in den europäischen Raum ziehen. Applaus.

Diese Situation geht mir sichtlich bis heute nicht aus dem Kopf. Ich wollte etwas zu dem Thema schreiben, doch ich wusste nicht, wie. Die Problematik musste ich irgendwie ansprechen, es brannte mir auf der Zunge, wie damals im Sozialkunde-Unterricht. Damals, als Diskussionsrunden entstanden, man sich meldete und um’s Verrecken nicht aufgerufen wurde. Bis ich dann vergangene Woche über die Kommentare eines Horstson-Artikels zum Thema Nachhaltigkeitsbericht von H&M und Zaras Sklaverei stolperte. Endlich kann ich meinen Senf dazu geben.

Denn die Kommentatoren stimmten der Horstson-Kritik bezüglich der H&M- und Zara-Ausbeutung zu (es wäre auch merkwürdig, wenn jemand dagegen sprechen würde), mit dem Anhang, die Blogger sollten dies mehr publik machen und etwas verändern. Zum Beispiel nicht mehr bei den großen Ketten einkaufen, die schlechten Produktionsbedingungen thematisieren, für ein T-Shirt ein paar Euros mehr auszugeben. Ich fühle mich da natürlich angesprochen und mit der Jauch-Vorgeschichte macht es mich auch gleichzeitig ziemlich wütend.

Warum richten wir immer den Finger auf die Anderen?

Ich kaufe meine Unterhosen bei C&A (die haben halt eine große Auswahl …), meine Strumpfhosen bei H&M, meine Basics bei COS und meine Modefakes bei Zara und bin nicht stolz darauf. Und selbst wenn ich die Kohle stecken hätte: Ob es jetzt besser wäre, das Geld en masse in High Class- Produktionen zu stopfen, das wage ich zu bezweifeln. Weniger ist der Schlüssel – nicht Gucci oder Chanel. Ich versuche meinen Konsum zu reduzieren, versage aber kläglich. Es stört mich, dass ich verhältnismäßig viel einkaufe, aber gleichzeitig scheint es mich zu wenig zu stören, um es schlagartig zu ändern. Und deshalb fühle ich mich nicht in der richtigen Position, meinen Lesern die strenge Mama vorzugaukeln. Kinder, hört auf, so viel einzukaufen! Wäre das nicht heuchlerisch?

Es freut mich, dass scheinbar immer mehr Menschen über die Produktionsumstände und ihren eigenen Konsum nachdenken. Aber ich bekomme gegenteilige Gefühle, wenn ich Verbesserungsvorschläge und hämmernde Kritik von genau denen höre, die selbst auch kein Nelson Mandela sind. Die Anderen sollen besser werden, wieso kauft „man“ nur im Primark ein und wieso denkt keiner der „verlogenen Blogger“ nach, „jeder“ erzählt dir dieselbe „weichgespülte Scheiße“.

Ich verstehe einerseits die Wut, vor allem, wenn man selbst mehr auf seinen Konsum achtet als andere. Und dennoch: Es geht immer besser, und wie wär’s wenn jeder von uns mal zur Abwechslung den Finger auf sich selbst richtet, statt auf die anderen? Wie wäre es mit Kommentaren wie „Ich muss weniger bei H&M einkaufen, ich will für meine T-Shirts zukünftig mehr Geld ausgeben und dafür sicher sein, wo sie produziert werden und unter welchen Umständen“ statt Schuldzuweisungen, die eh nichts bringen, außer, dass man sich selbst aus dem riesigen Schlamassel herausnimmt, das wir uns da eingebrockt haben. Und wer ist schuld? Wir. Und wer hat’s erfunden? Ricola.

 

Fotocredit: Clueless, © 1995 by Paramount Pictures

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30 Antworten zu “Kolumne: Der da ist Schuld!”

  1. Guter Artikel! Ich find das Thema auch unheimlich schwierig, aber auch unheimlich wichtig. Und letztlich gehts mir wie dir. Ich kaufe auch viel mehr, als ich eigentlich rechtfertigen kann. Ich kaufe gar nicht bei denen, die ganz extrem negative Presse bekommen (so wie. kik, nach den Sklavereischlagzeilen muss ich „eigentlich“ Zara dazu nehmen. ich hasse primark, weil es in meinen augen einfach DAS paradebeispiel für sinnlose billigkonsumsucht ist). aber dann wirds auch schon schwierig. cos gehört zu h&m, ist aber teuerer, und bei meiner aktuellen finanziellen lage schon das maximum, was ich mir so ab und zu leiste kann. wer garantiert mir aber, dass deren sachen fairer produziert werden, als die der h&m schwester?? Genuso sind auch hin und wieder teure marken in den schlagzeilen. die einen wesentlich geringeren einfluss auf produktionsstandards etc haben, wegen ihrer geringeren produktionsmengen, jaja, aber das machts auch nicht besser für den einzelnen arbeiter, der darunter leidet… Daher ist für mich die beste lösung einfach weniger und bedachter zu kaufen, egal ob bei h&m, cos, oder alexander wang, halt nicht bei kik (und zara!). durchziehen müsste man es halt…. wenn ich es mir mal leisten kann, würde ich auch konsequenter auf wirklich teurere, in europa produzierte produkte zurückgreifen, ist aber momentan einfach nicht drin…
    achja, ich kann schon verstehen, dass (wir) blogger beschuldigt werden, wir heizen einfach besagte konsumsucht an, manche mehr als andere…
    LG

    ps. mango hat doch so ein ökosigel – weißt du zufällig, ob das irgendeinen wert hat? mango ist immer so mein gutes gewissen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sie bei diesen preisen anders produzieren können, als die anderen…

    • Liebe Cato,
      Mango gehört ja zur Inditex-Gruppe, die wiederum auch unter anderem Zara zu sich zählt. Es würde mich wundern, wenn Mango andere Produktionsbedingungen hat als Zara. Aber ich recherchiere das mal, weil mich das auch interessiert.
      Danke für deinen Kommentar :)

        • Liebe Kristina,
          da hast du recht. Habe jetzt nochmal geschaut – und tatsächlich, Mango gehört nicht zu Inditex. War also mein Fehler :)
          Insofern neheme ich meine Aussage von oben zurück! :)
          Und recherchiere trotzdem mal weiter!

          • Sag mal Bescheid, wenn du mehr über Mango herausgefunden hast – ich interessier mich dafür auch sehr. Und danke übrigens für die neusten Cherry Picks, tolle Tipps, vor allem, da ich auch schon länger nicht mehr bei Garance vorbeigesehen und sie nun durch dich quasi „wiederentdeckt“ habe. Euch noch ein schönes restliches Wochenende!

  2. ich finde diesen kommtentar leider total nutzlos und schade, dass ich das hier so lesen zu müssen..
    unreflektierheit macht sich breit – der nutzen entgeht mir vollkommen, oder ging es jetzt um
    die reinwaschung der bloggerseele ?!
    die kritik, dass durch blogs + „mode“mags marken wie primark, h&m, zara gehypt werden ist in meinen augen richtig! ich meine wie sollen diese massen an klamotten zu diesem preis bitte fair hergestellt werden?! das zu beantworten ist ja einfacher als das 1×1! natürlich wird kritik diese ketten nicht ausmerzen und die menschen nicht davon abhalten dort einkaufen zu gehen. trotzdem ist die diskussion und die kritik wichtig um hinzusehen, nachzudenken, überdenken und vor allem um zu reflektieren.

    • Liebe Sarah, Ich bin mir nicht ganz sicher, was du nun genau anprangerst. Ich wollte die Bloggerseele nicht reinwaschen, wie du sagst, sondern lediglich klar machen, dass jeder seinen negativen Teil beizutragen hat. Dass es nichts bringt, den Finger immer auf Andere zu richten, sondern es sinnvoller wäre, über sich selbst und den eigenen Konsum nachzudenken, ohne immer alles auf den Rest der Welt zu schieben. Die Blogger, die Primark & co gut heißen, sind Schuld. Aber auch diejenigen, die keinen Blog haben und dort einkaufen und mindestens genau so die Unternehmen, die unter diesen Umständen produzieren lassen. Ich finde einfach, dass jeder an sich selbst arbeiten sollte und nicht immer den nächst besten verurteilen. Wir alle hängen da mit drinnen und ich habe mit diesem Beitrag versucht, die Leser zum Denken anzuregen.

  3. Hallo,

    ich finde es gut, dass das Thema angesprochen wird, muss allerdings sagen, dass die Alternative zu den unfair produzierten H&M etc Produkten nicht potentiell genauso unfair produzierten High-Class Kleidung ist, sondern Kleidung, die fair und nachhaltig produziert wird. Mittlerweile gibt es durchaus Marken, die schöne und erschwingliche (vergleichbar mit cos) Kleidung anbietet (z.B. Armed Angels oder Kuyichi, z.B. bei http://www.avocadostore.de/) und auch bei Öko-Anbietern wie hessnatur findet man schöne Basics. Ich versuche zum einen weniger und „nachhaltiger“ einzukaufen, also im Zweifel nur 1 Tshirt aus fairer Produktion anstatt 3 von H&M. Ich habe auch Sachen von Zara & Co, aber ich denke, dass es wichtig ist, überhaupt etwas zu tun und nicht nichts zu tun, nur weil man sich nicht auf einen Schlag 100% korrekt verhalten kann.

    Viele Grüße

    • … und ich würde mich sehr freuen, hier in Zukunft Berichte z.B. über fair hergestellte Tshirts, die gut aussehen oder nachhaltig produzierte Alternativen zu Trendteilen zu finden :)

      • das gleiche habe ich mir auch gedacht! letzten endes geht es ja nicht darum, seinen konsum von heute auf morgen komplett umzustellen, sondern es dort zu tun, wo es eben geht. wer im bereich seiner möglichkeiten das tut was er kann, der braucht auch kein schlechtes gewissen zu haben, bzw kann sich als integer ansehen.

      • Ich finde bei dem thema kann man keine moralisch vollkommen korrekte lösung finden. Ich selbst kaufe auch viel bei h&m, zara und co und mache mir oft gedanken darüber dass ich mehr auf faire herstellungsbedingungen achten sollte. Dann hab ich angefangen nach labels zu suchen, die darauf wert legen, dass alles fair hergestellt wird. Aber nach einiger recherche kam ich zu dem schluss, dass ich meinen konsum nicht komplett umstellen kann. Die fair hergestellte Kleidung hat halt auch seinen preis und ein t-shirt für 100 Euro (!) zu kaufen, dass ich bei h&m für 10 bekomme lässt meinen geldbeutel aufschreien. Sich dann zu entscheiden das eine t-shirt zu kaufen anstelle von mehreren teilen bei h&m schafft man meiner meinung nach allein schon deshalb nicht, weil man zu rational denkt. Natürlich wollen wir möglichst viel für unser geld, das wir uns ja auch verdienen, bekommen. trotzdem glaube ich kann jeder einen beitrag dazu leisten, dass fairer produziert wird. In meiner stadt gibt es zum beispiel einen kleinen laden bei edm es eher unbekannte, deutsche marken gibt. Dort finde ich immer ganz besondere teile, die dann natürlich auch ihren preis haben. Leider läuft der laden nicht so gut, weil die menschen in meiner stadt lieber bekannte marken tragen die alle haben und status symbolisieren. Aber gerade diese großen marken stellen ihre kleidung, schuhe und co unter unfairen bedingungen her. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir nicht immer nur auf markennamen achten, denn die kleineren unbekannten marken stellen ihre kleidung selbst her.
        Bei basicteilen ist es meiner meinung nach vollkommen ok sie bei den großen ketten zu kaufen. Aber wenn man für sein geld auch noch etwas besonderes und dazu faires bekommt lohnt es sich doch!
        ich selbst gehöre auch zu den diy- liebhabern. Anstatt mich jede saison komplett neu einzudecken, hole ich lieber meine „alten“ sachen raus und mache was neues aus ihnen. Mit ein wenig stoff und perlen kann man mehr verändern als man denkt. Und die selbst gemachten sachen sind dann wirklich fair hergestellt (auch wenn die ein oder andere nacht dafür draufgeht und die finger komplett zerstochen sind).

  4. Ich denke auch sehr oft darüber nach, und versuche mich selbst zu drosseln, was wirklich sehr schwierig ist, da diese schnellebige Komsumwelt völlig gegen den „Endverbraucher“ arbeitet und „auf die schnelle Mark“ setzt anstatt auf langlebige, qualitativ gute Kleidung.
    Ich habe auch das Gefühl, dass die Kleidung heute nicht mehr mit der aus den 80er oder 90er Jahren mithalten kann, „früher“ als Teenager konnte ich Sachen viel länger tragen aufgrund der Qualität. Heute muss, abgesehen vom sehr klassischen Bereich für Herren, tw Damen, kaum etwas lange halten, da sich die Mode ständig wandelt.
    Ein weiteres Bsp: meine Großeltern und Eltern hatten/haben Heimtextilien, z,Bsp. Bettwäsche aus Leinen, sehr gut verarbeitet, top Qualität, überlebt mehrere Generationen, das findet man heute kaum noch.

    Zu der industriellen Fertigung: das liegt leiderleider an der Globalisierung, der Gewinnmaximierung der Unternehmen und natürlich den stagnierenden bzw. sinkenden Löhnen in den Industrieländern (bes. Deutschland). Zu DDR Zeiten wurden günstige Textilien dort gefertigt, oder z,.Bsp. (sehr bekanntes Bsp) Ikea Möbel, generell eben viel im ehm. „Ostblock“, und diese Waren wurden dann günstig in den Westen exportiert. Nicht anderes geschieht doch gerade in Asien und nun beginnt man auch, in Afrika in etwas größerem Stil zu produzieren, Sobald ein Standort zu teuer wird, ziehen die Unternehmen weiter. Das ist die absolut logische Konsequenz des Kapitalismus, ansonsten könnte das Unternehmen nicht dauerhaft bestehen, da Produktivität und Wachstum immer zunehmen müssen- und das in einer endlichen Welt.
    Und irgendwann, wenn die Leute hier so weit unten sind, dass sie für 2€/h arbeiten müssen, dann kommen H&M, Zara, Ikea auch bestimmt wieder hierhin. Mal etwas überspitzt dargestellt.
    Ich denke, es muss sich grundlegend etwas ändern. Wir müssen unsere natürlich Ressourcen mehr respektieren und bei Produkten wieder auf Langlebigkeit setzen, bes. auch um den vielen Abfall zu vermeiden (Alt- PCs, etc)
    Leider zähle ich mich auch dazu, man lässt sich nunmal leicht beeinflussen von anderen Menschen oder unterbewusst durch Werbung, etc. und es ist wirklich hart, an sich und seinem Verhalten zu arbeiten, wenn die westliche Welt sich mittlerweile fast nur durch Konsum definiert.
    Im übrigen werden die Konzerne zunächst nichts an ihrer Politik ändern, und glaube mal nicht, dass es einer Verkäuferin bei H&M oder sonstwo besser geht, die bluten auch für ubsere billigen Klamotten. Ich denke, da helfen nur Gesetzte im jeweiligen Land, v.a. wegen Umweltschutz.

    Retschreibfehler & Tippfehler sind geschenkt.

  5. Hallo Amélie,
    das Thema habe ich ja, als ich noch einen Blog hatte, selbst schon öfter aufgegriffen, deswegen finde ich es schön, dass es auch hier diskutiert wird.
    Was meiner Meinung nach schwierig ist: Erkennen, was „fair“ hergestellt wurde. Klar, dass man bei H&M etc. nicht erwarten kann, dass die Sachen, die man kauft unter guten Bedingungen produziert worden sind, ist, denke ich, selbstredend. Aber gerade bei Bekleidungsherstellern in der mittleren Preisklasse, also die Sachen, die man in kleinen Boutiquen, Conceptstores etc. bekommt, bin ich oft nicht sicher, wie „fair“ sie sind. Da mag zwar drinstehen, „Made in Italy“, aber sobald da in Italien jemand nur einen Knopf reingenäht hat, kann man das ja schon reinschreiben. Vielleicht wäre da ja mal ein sinnvolles EU-Projekt: Bei jedem Ei können wir zurückverfolgen, wo es herkommt, vielleicht wäre ein übersichtlich gestaltetes, verpflichtendes Etikett gut, dem man entnehmen kann, woher die Sachen wirklich kommen.
    Ich selbst habe mein Konsumverhalten vor ca. 1,5 Jahren stark verändert, aber nicht wirklich aus ökologischer Sicht, sondern viel mehr, weil ich mich zunehmend über Qualität und Service bei H&M und Co. geärgert habe. Das heißt jetzt nicht, dass ich plötzlich Prada und Gucci shoppe – das geht ja auch gar nicht als Studentin, aber ich kaufe weniger, dafür gezielter und mit besserer Qualität. Ich kaufe oft „azyklisch“, d.h. ich gucke mir die Sachen im Laden an und kaufe das, was ich schön finde, wirklich erst dann, wenn Schlussverkauf ist – auch auf die Gefahr hin, dass es das Teil dann nicht mehr gibt oder ich es erst nächste Saison trage. Das funktioniert aber, gebe ich zu, nur, wenn man nicht zu sehr mit den Trends mitgeht, nicht um jeden Preis modisch sein will und auch sehr gut weiß, was einem steht, was einem gefällt, was man braucht und was im Schrank da ist, wozu man es kombinieren kann. Das heißt jetzt nicht, dass ich radikal das alte Zeug von H&M aussortiert habe, das, was mir gefällt, habe ich noch, aber das Sortiment von H&M, Primark etc. übt auf mich nicht mehr so einen großen Reiz aus, wie früher. Da bin ich wirklich alle zwei Wochen shoppen gegangen, hatte unendlich viel Zeug im Schrank und habe natürlich sehr viele Fehlkäufe gemacht. Oder, wie ich es formuliert habe: „Egal welches Motto deine Party hat, mein Kostüm gewinnt!“ – aber das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Inzwischen fühle ich mich in den H&M-Stores ein bisschen wie ein Alien, weil meine Begeisterung mehr als nur gebremst ist und mir auch immer mehr die qualitativen Mängel auffallen – bei vielen Produkten haben die von reiner Baumwolle auf Mischfasern umgestellt, gerade so Acryl-Pullis sehen schnell abgetragen aus, dass sich die Investition für 10 – 20 Euro mehr in hochwertiger Sachen schon lohnt. (Das einzige, was ich bei H&M einmal im Jahr noch kaufe sind einfarbig graue Baumwolltops, aber sonst auch nichts.) Gerade bei Jeans lohnt es sich auch sehr, da in ein Fachgeschäft zu gehen. Zum einen hat man Beratung, was mir zunehmend wichtiger ist, zum anderen sind die Hosen nicht nur vom Tragekomfort, sondern oft auch von ihrer Langlebigkeit her deutlich besser. Früher musste ich einmal im Jahr neue Jeans kaufen gehen, weil alle anderen ein Loch hatten – bei etwas teuren Sachen passiert das nicht so leicht. Ebenso Schuhe: Ein etwas teurer (Echtleder-)Schuh hält einfach länger als so ein 20-Euro-Paar. V.a. kann man den auch reparieren lassen, wenn eine neue Sohle oder ein Absatz nötig ist, was bei Billigschuhen allein schon auf Grund der Art, wie sie konzipiert sind, nicht immer möglich ist.
    Und obwohl ich inzwischen etwas „teurer“ einkaufe, gebe ich nicht wirklich mehr Geld aus. Ich gehe seltener, aber gezielter einkaufen, lasse mich gut beraten und versuche, die Sachen zu pflegen. Ob das nun ökologischer ist, weiß ich nicht, aber ich fühle mich mit meinem Konsumverhalten wohler.

    Liebe Grüße,
    Caro

    • Das finde ich toll, dass du das so gut im Griff hast. Ich selbst bin sehr selten im H&M und wenn ich mal dort bin, schreit alles so dermaßen nach billig, dass ich eigentlich schon gar keine Lust mehr habe etwas zu kaufen. Und wenn ichs mache, kann ich damit rechnen, dass die Freude nicht von Dauer sein wird, denn entweder geht das Teil nach einem Waschgang kaputt oder mir gefällt es selber nicht mehr. Ich finde es schön, dass wir so viele Leser haben, die sich ebenso Gedanken über ihr Konsumverhalten machen und das als ein sehr bedeutsames Thema empfinden, so wie wir alle drei auch. Vielen Dank für deine Worte!

  6. Ich möchte mal nur kurz dazu anmerken, dass es doch nicht um „teurer“ einkaufen geht!!! Klar, wirklich nachhaltige Mode MUSS ja teurer sein, aber nur weil man mehr für die Kleidung zählt muss dass nicht sofort heißen dass die Kleidung unter besseren Umständen hergestellt wurde.
    Selbst Marken wie Joop oder Tommy Hilfiger stellen teilweise in den gleichen Fabriken her wie H&M…

    • Ja, genau das wollte ich ebenso sagen, mit dem Satz, dass weniger der Schlüssel wäre und nicht Chanel. Ich habe keine Belege und keine Auflistung der Produktionsstätten verschiedener Läden, aber wie du auch schon sagtest: teuer heißt nicht zwangsläufig Qualität!

  7. seit einiger zeit gibt es viele designer, die sich auf eco fashion design spezialisiert haben (bei der fashion week berlin gibts mittlerweile auch einen green showroom). das ist mode, die fashion und nachhaltigkeit in einklang zu bringen versucht. und diese eco fashion ist nicht zu vergleichen mit der „öko-mode“ von vor 20 jahren.

    klar ist diese kleidung teurer und nicht jeder kann es sich leisten. daher finde ich dein argument sehr angebracht, lieber weniger zu konsumieren und dafür hochwertiger.

  8. Liebe Amelie,

    dass Blogger kritisiert werden bzw. dazu aufgerufen werden, ihr Konsumverhalten und die oftmals noch kostenlose Werbung für große Marken und Ketten zu überdenken, ist doch absolut nachvollziehbar: Ihr als Blogger habt mittlerweile eine viel größere Lobby und Einfluss auf das aktuelle Modegeschehen – ihr werdet zu Events eingeladen, arbeitet in Kooperationen mit, bekommt Einblicke in neue Kollektionen und so weiter. Das sind Momente, die ihr für kritisches Nachfragen, Diskussionen und Kritik nutzen könnt. Als „normaler“ Leser bekommt man diese Chance nicht – man landet bezüglich Anregungen und Kritik maximal beim Kundenservice.

    Natürlich seid ihr von amazed kein magazin für nachhaltige Fashion – trotzdem wäre es interessant, wenn ihr zu der Thematik auch mal mehr bringt als auf ein Shirt von American Apparell zu verweisen.
    Firmen, die nachhaltig produzieren oder Shops, die nachhaltige/faire Kleidung verkaufen, profitieren sicher gern von so einer Plattform – vielleicht werden sie euch nicht auf eine Nacht in der Luxusabsteige einladen und die giveaway-tüte fällt vielleicht auch kleiner aus – aber über eine Anfrage freuen sie sich sicher.

  9. Liebe Amelie,
    vielen Dank für diesen Artikel. Der trifft bei mir momentan genau ins Schwarze, weil dies ein Thema ist mit dem auch ich mich in letzter Zeit viel befasst habe. Und schön dass du es mal wieder geschafft hast, ohne erhobenen Zeigefinger und / oder Beschuldigungen zum Nachdenken anzuregen.
    Auch den Kommentar von Carolina fand ich sehr beeindruckend und ich finde es sehr bewundernswert sein Konsumverhalten so umzugestalten.
    ich würde hier gerne mehr zu diesem Thema lesen!
    Liebste Grüße
    Sarah

  10. Vielen Dank für den Artikel! Ich finde das Thema in der Tat etwas schwierig, da nicht jeder es sich aussuchen kann in welcher Preisklasse er einkaufen muss.

    Ich für meinen Teil habe in den letzten Jahren eine gewisse Sättigung erreicht was Kleidung betrifft. Basics und schnelllebige Trends kaufe ich bei H&M (Zara ist mir da zu teuer, da ich die Qualität nicht toll finde). Ich habe es allerdings satt, dass meine Lieblingsteile immer nach 4-5 x Waschen auseinander fallen. Das war für mich auch mit ein Grund auch mal in qualitativ hochwertigere Stücke zu investieren. Und ich merke nun für mich, dass ich einfach mehr davon habe.

    Klar dauert es länger bis ich das Geld für ein Stück zusammen habe und ich könnte mir zB für 1 Lederjacke von Acne locker 20 davon von H&M holen. Aber will ich das? Nein. Ich spare nun lieber auf so ein Teil als 10 Jacken davon hier rumhängen zu haben, denn ich kann ja auch immer nur eine anziehen.
    Das gleiche gilt bei Parka, Mäntel, Taschen und Schuhe. Hier investiere ich lieber mehr. Das hat weniger mit schlechtem Gewissen bzw „Reinwaschen“ zu tun (denn wer sagt mir, dass bei Isabel Marant und Co. alles gerecht abläuft? Letztlich zählen Umsatz und Gewinn und das mit wenigstens niedrigem Aufwand), als damit, dass ich gerne mehr von meinem verdienten und hart zusammengesparten Geld haben will, als lediglich eine Saison.

    Mein Konsum ist dadurch natürlich deutlich gesunken (außer bei Kosmetik, DVDs und Musik) und ich fühle mich dadurch richtig gut. Mein Schrank ist zwar immer noch voll, aber nicht mehr so extrem wie noch vor einigen Jahren und regelmäßiges Ausmisten schafft zusätzlich einen Überblick.

    Man kann als Verbraucher also durchaus etwas ändern, nur gilt das nicht für jeden, da oft die finanzielle Situation keine wöchentlichen Einkäufe bei Acne und Co. zulässt und deswegen sollten die Unternehmen auch etwas an ihrer Firmenpolitik ändern.

    LG und ein schönes Wochenende :)

  11. ich finds super, dass du/ihr euch auch mit solchen themen beschäftigt. selbst wenn man nicht das durchhaltevermögen oder die nötigen mittel dazu hat, überall auf grün umzusteigen etc., so ist eine kritische haltung doch das mindeste.. !

  12. Ich finds sehr schön dieses Thema überhaupt mal auf einem Blog erwähnt zu finden, denn es wird genrell viel zu wenig darüber geredet.
    Es gibt ja inzwischen wirklich durchaus gute Alternativen, klar ist das teurer als h&m, aber wie oben schon erwähnt nicht viel teurer als cos und co, und wenn man nicht viel kauft geht dass schon.

    In München gibts zb den ikiM in der Reichenbachstr (neberm oxford laden), der Glore in der Baaderstraße (den ich sehr empfehlen kann, die haben zb super jeans!), der project 3 in der Schellingstraße hat auch faire marken soweit ich weiß. Gibt noch in paar mehr die mir gerade nicht einfallen, aber die lohnen sich auf jeden Fall :) in der sz war da auch mal eine Übersicht.

    Generell finde ich hast du recht, die Blogger haben nicht mehr „Schuld“ als alle anderen, allerdings erreichen sie nun mal viele Leute und haben bei ihren Lesen durchaus Einfluss auf deren Kaufverhalten. Von demher kann man da schon auch ein bisschen von Verantwortung bzw einer „Vorbildfunktion“ sprechen. und das finde ich eben schade dass kaum jemand seine Bekanntheit nutzt um da ein Umdenken zu bewirken, in dem er da was anderes vorlebt. Damit meine ich keine großen Belehrungen, aber würden Blogger Teile von fair produzierenden Marken tragen und darüber schreiben, würden die bekannter werden und andere Leute würden dass auch mehr kaufen.

    Ich sollte hier vielleicht noch sagen dass ich total glücklich darüber bin wie sich deine Beiträge hier entwickeln und deinen kritische Blick auf Mode sehr erfrischend finde.

  13. Ich kann dir nur zustimmen.
    Ich finde auch, bei sich selbst anzufangen ist das Beste,
    Zumal man die Anderen ohnehin nicht ändern kann.
    Wobei ich oft nicht verstehe warum Konzerne wirklich nur auf den Gewinn schauen, und alle anderen Probleme wie z.b. Kinderarbeit ignorieren oder billigend in Kauf nehmen.

  14. ich habe mal eine zeit lang bei breuninger gearbeitet und es sind tatsächlich leute auf mich zugekommen die meinten sie kaufen lieber hier ein als ein pullover von H&M der von kindern hergestellt wird. witzig oder? nur weil ein sweatshirt nun 60€ anstatt 10€ kostet heißt dass noch lange nicht, dass sie fair hergestellt werden.
    ich seh das eigentlich ähnlich, aber naja. es gibt so viele dinge die man ändern sollte, und fährt man deswegen trotzdem jeden tag mit dem fahrrad?
    ich finde man darf sich auch etwas gönnen, man sollte dafür dann aber auf andere sachen verzichten, sozusagen als ausgleich…

  15. Gut gesagt! Ich finde, jeder hat das Recht, ein bisschen was zu tun, ohne direkt alles richtig machen zu müssen. Also nicht nur schwarz und weiß, sondern auch alle Grautöne dazwischen. Wenn ich also wahrnehme, dass die Textilindustrie nicht immer (oder vielleicht auch fast nie…) ethisch korrekt produzieren lässt, kann ich durchaus trotzdem bei H&M einkaufen… (meine Meinung).
    Liebe Grüße, Katja

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