Kolumne: Die Vergänglichkeit der Klamotten

28. April 2013 von in

„Ich will am liebsten jeden Tag shoppen, weil mir nichts in meinem Kleiderschrank gefällt“, sagte Amelie vor ein paar Tagen zu mir. „Ich am liebsten ne komplett neue Garderobe“, kam von Antonia. Und auch ich habe momentan das dringende Bedürfnis nach neuen Teilen. Es mag vielleicht am Frühling liegen, vielleicht aber auch an der Tatsache, dass wir, seit es amazed gibt, viel regelmäßiger neue Outfits zeigen als davor. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem, die einem immer wieder, selbst wenn man noch so für Nachhaltigkeit ist, das Gefühl gibt: Ich brauche – dringend, unbedingt – neue Teile im Kleiderschrank.

Grundsätzlich sind wir uns ja alle einig: Die allgemeine Tendenz geht in die Richtung, das Shoppen auf ein Mindestmaß zu reduzieren, keine flüchtigen Trendteile mehr zu kaufen und in hochwertige Klassiker zu investieren. Gerade habe ich bei meinem Umzug auch wieder kistenweise meinen Schrank erleichtert und fühle mich sehr gut damit. Immernoch quetschen sich viel zu viele beladene Kleiderhaken in meinem Schrank und einer zusätzlichen Kleiderstange aneinander. Und trotzdem kommt das Gefühl immer wieder, nichts gutes (mehr) zum anziehen zu haben.

Dieselbe Outfitkombi in mehreren Outfitposts zu zeigen, macht natürlich keinen Sinn. Outfitposts abzuschaffen genausowenig, wir hasslieben sie doch alle, ohne Frage. Ich tendiere also dazu, auf alte Teile zu setzen und diese immer wieder neu zu kombinieren, wie kürzlich schon ausgeführt. So ganz ohne neue Teile geht es trotzdem nicht, und habe ich mal einen Schwung Neuzugänge im Kleiderschrank, fühle ich mich sofort beflügelt, wie es sein sollte, aber irgendwie auch als ein besserer Blogger.

Was macht aber einen guten Blogger aus? Sind es die ständig neuen Teile, die es ermöglichen, den Lesern immer neue Outfits zu präsentieren? Oder sind es gerade die Kombinationsmöglichkeiten mit öfter mal denselben Teilen, die Outfitposts interessant machen?

Schaut man sich den Querschnitt der Blogs an, scheint es, als wäre es eher ersteres. Vor allem das Einbauen teurer Hype-Teile und allgemeinen Luxusdingen scheint Leser anzuziehen wie nackte Brüste. Viele Outfitposts werden sowieso nur noch dazu genutzt, die neu geshoppten Teile getragen zu präsentieren. Ein neues Teil in einem Outfitpost zu zeigen macht Spaß, keine Frage. Aber für jeden Outfitpost eines bis unendlich viele neue Teile anzuschaffen, das ist pervers. Der Wert der Klamotten darf nach einmal tragen und abfotografieren nicht so rapide abfallen.

Vielleicht helfen selbstauferlegte Shopping-Verbote, die eigene Kreativität wieder anzukurbeln und damit länger Freude am Inhalt des Kleiderschrankes zu haben. Vielleicht reicht es auch, sich ab und zu einfach mal Gedanken zum Thema zu machen. Ein guter Trick, um wirklich nur das zu kaufen, was einem längerfristig Freude bereitet, wäre zum Beispiel, sich vor dem Kauf mindestens fünf verschiedene Kombinationsmöglichkeiten mit der schon vorhandenen Garderobe zu überlegen. Oder die eigenen Lieblingsteile mal zusammensuchen, feststellen, was sie gemeinsam haben und nur neue Teile kaufen, in denen man das wiederfindet.

Die Vergänglichkeit der Klamotten zu reduzieren tut nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch der allgemeinen Zufriedenheit gut. Sich mehrmals und immer wieder über ein Teil zu freuen, ist schließlich viel intensiver, als es nur einmal mit Stolz auszuführen. Ein komplettes Shoppingverbot würde mich unglücklich machen, da bin ich mir sicher. Ab und zu ein neues Teil macht Spaß, tut gut und bringt vor allem wieder einen neuen Schwung Kombinationsmöglichkeiten mit den alten Teilen. Das richtige Maß behalten und mit Bedacht neue Teile auszusuchen, das ist mein Vorsatz. Und einfach mal ein bisschen öfter darüber nachzudenken, für was man so sein Geld raushaut.

Sharing is caring

19 Antworten zu “Kolumne: Die Vergänglichkeit der Klamotten”

  1. Das „Ich habe nichts anzuziehen“ am Blogger-Sein festzumachen, halte ich für großen Quatsch. Da geht es jedem Menschen gleich. Und wenn es allen Ernstes Blogger gibt, die nur Klamotten kaufen um sie dann zu fotografieren und online zu stellen, dann finde ich das sehr zweifelhaft…

    • Liebe Kristl, klar geht das jedem so, ob Blogger oder nicht. Ich gehe von meiner Sicht ins Allgemeine. Und gerade die Perversion, die einige Modeblogger dabei an den Tag legen, wollte ich ansprechen!

  2. Ein Thema, das mich in letzter Zeit auch immer mehr beschäftigt. Ich kaufe schrecklich gerne ein, ohne Frage. Und gerade als Modebloggermädchen nimmt dieser Wahn manchmal Überhand. Aber es ist schrecklich zu sehen, wie viel hart erarbeitetes Geld für Sachen draufgeht, die schon bald wieder bei Ebay oder auf dem Flohmarkt landen. Was hätte man alles Besseres damit anstellen können… Ich für meinen Teil habe mir das Ziel gesetzt, in Zukunft tatsächlich bewusster zu shoppen. Und mir das diesmal nicht nur vorzunehmen, sondern auch durchzuhalten :-D

  3. schöner text. :)

    ich mach es auch so. überlege, ob es zum rest des kleiderschrank passt, ob ich schon ähnliche teile habe und ob es mir auch länger als eine saison gefällt.

    mir persönlich gefallen blogs besser, die verschiedene outfitkombis zeigen. :) das ist viel schwieriger und als „normalo“ kauft man sich nunmal nicht ständig neue sachen. ich hätte auch gar keine freude daran, meine sachen ständig zu wechseln. eine beständige garderobe macht auch irgendwie den stil aus. wenn man ständig mit den trends mitgeht, kann man gar nicht seinen eigenen stil entwickeln.

  4. Im Gegenteil! Eine Modebloggerin sollte doch eigentlich jemand sein, der ein Händchen für Mode hat – und das sieht man meiner Meinung nach vor allem daran, ob sie es schafft, ein einzelnes Kleidungsstück verschieden zu kombinieren und etwas eigenes daraus zu machen.
    Ich sehe auf der Strasse 200 Personen, die genau die Kleider tragen, die gerade angesagt sind – aber die echt guten Outfits seh ich dann meistens an Personen, welche es geschafft haben, 1 oder zwei tolle Teile mit schlichten Basics zu kombinieren, welche dann auch in einem komplett anderen Outfit getragen werden können.
    Ich hab mal irgendwo auf einem Modeblog gesehen, dass eine junge Frau (weiss leider nicht mehr, welcher Blog das war) 14 verschiedene – und zwar wirklich verschiedene! – Outfits präsentiert hat, in denen sie aber immer dasselbe Kleid trug. Einmal z.B. mit Stöckelschuhen und Dutt, das sah ziemlich elegant aus. Ein andermal trug sie Jeans darunter, ein farbiges Jäckchen und Sportschuhe – das sah dann völlig anders, aber auch super aus.
    Ihr könntet ja vielleicht auch mal sowas machen?
    Ich fand ihr Projekt damals super, weil es eben zeigte, wie verschieden man Kleider kombinieren kann. Und dass man ein Kleidungsstück, welches langweilig geworden ist, vielleicht auch mal ganz anders tragen kann.

    • Ja ich fände es toll, wenn ihr so etwas in der Art mal machen könntet! Finde dein Thema ziemlich spannend und es spricht mir aus der Seele.
      Vor einem Jahr habe ich meinen Kleiderschrank ziemlich stark ausgemistet, habe wirklich nur noch das behalten was ich trage, was mir gut steht und mir gefällt. Die restlichen Klamotten und Schuhe habe ich auf Kleiderkreisel verkauft und auf der einen Seite schön viel Geld damit verdient, auf der anderen Seite aber auch gesehen wieviel Mist ich mir gekauft hab (teilweise auch ungetragene Sachen). Seitdem stehe ich viel seltener vor dem Kleiderschrank und weiß nicht was ich anziehen soll! Das spart Zeit und macht so auch viel mehr Spaß. Kann ich nur jedem empfehlen.

  5. ich kann das irgendwie eh alles nicht nachvollziehen. woher habt ihr denn die ganze Zeit das Geld welches ihr dann in Klamotten investiert, nicht nur große Blogger so wie ihr aber auch sonst. ich überlege drei mal ob ich mein Geld in irgendwelche Klamotten investiere die mir demnächst nicht mehr gefallen könnten… aber gut. so ist das vielleicht, wenn man 4 Jobs neben Vollzeitstudium hat um sein Leben selber zu finanzieren kann ich diese Art von Problemen einfach nur schlecht nachvollziehen…

  6. Ich stelle mir beim Einkaufen immer die Frage „Habe ich schon so ein ähnliches Teil, dass ich lieber mag?“ „Ja“ = nicht kaufen, „Nein“= Kaufen. Denn oft ist es ja so, dass man sich neue Sachen kauft und nachdem die erste Euphorie vorbei ist, doch wieder bei den Lieblingsteilen landet.

  7. Ich habe es in den letzten 1, 2 Jahren tatsächlich geschafft, bis auf ein paar überschaubare Ausnahmen wie ein fehlerhafter Besuch bei Primark, nur wenige neue Sachen pro Monat zu kaufen – früher war das bei mir viel schlimmer. Ich achte viiiiel mehr auf Qualität, kaufe keine Viskose-Pullis mehr für den Winter weil sie ohnehin nicht warm halten und mache ja eh viele Klamotten selbst. Auch beim Ausmisten hab ich letztens festgestellt, dass ich auch nur Dinge aussortiere, die ich vor drei, vier oder mehr Jahren gekauft habe – es klappt also schon irgendwie. Dennoch frage ich mich: Warum hat man trotzdem ständig das Bedürfnis nach neuen Sachen? All unsere Schränke bieten wahrscheinlich jeweils unendlich viele Kombinationsmöglivhkeiten, aber trotzdem finde ich es leider inspirierender, sich ein neues Teil zu kaufen.

  8. Du hast absolut recht. Wir alle haben immer den Zwang immer mehr zu kaufen und immer mehr zu wollen. Ich war gestern auf Zalando und hatte in nu einen Warenwert von 300 Euro zusammen, und als ich mir dann überlegt hatte, ob ich die Sachen wirklich brauche, wurde mir echt klar, dass es nur wenige Teile waren, die es wert sind bestellt zu werden.

    Liebe Grüße,
    Caro
    http://dorfgetuschel.blogspot.de/

  9. „Was macht aber einen guten Blogger aus? Sind es die ständig neuen Teile, die es ermöglichen, den Lesern immer neue Outfits zu präsentieren? Oder sind es gerade die Kombinationsmöglichkeiten mit öfter mal denselben Teilen, die Outfitposts interessant machen?“ Ganz klar letzteres. ersteres kann ja jeder möchte ich behaupten.

    ich find auch den trick sehr gut, dass für jedes neu gekaufte stück ein altes ähnliches aussortiert werden muss. wenn man sich von nix trennen kann braucht man wohl auch nix neues oder so ;)

  10. Die ganzen ,,hype Luxusteile“ nerven mich – wirklich! Ich sage nur: Kenzo!
    Klar, es ist schön, wenn man sich ein Teil von einem Designer gönnt bzw. leisten kann, aber da würde ich eher auf Klassiker setzten, aber das entscheidet ja jeder für sich selbst. (Ganz zu schweigen von dem unterschiedlichen Budget das man hat.
    Ich kaufe gerne ein, jedoch nicht mehr jeden Trend, als ich jünger war, war ich dafür total anfällig schnelllebige Teile zu kaufen, die nach max. 2x tragen im Schrank einfach nur Platz weggenommen haben.
    Das ,Problem‘ ist auch das Internet: die Trend verbreiten sich hier extrem schnell, er gibt täglich neue Sachen, die man sieht, Reizüberflutung könnte man es auch nennen. Man muss die Eindrücke wirklich gut filtern, finde ich. Von allen Seiten kriegt man neue Sachen gezeigt, aber das ist auch eine gute Übung, sich selbst zu finden und auch mal zu einem Trend-Teil nein zu sagen.

  11. Seit ich vor meinem Studiumsbeginn meinen Schrank ausgemistet habe und feststellen musste, dass ich mit meinen Fehlkäufen locker das ein oder andere Designerteil hätte finanzieren können, achte ich auch sehr darauf was ich kaufe. So habe ich im letzten Jahr höchstens 20 Kleidungsstücke gekauft (vorher waren es deutlich mehr) und erst jetzt passend zum Frühling musste wieder was neues her. Ich finde es mittlerweile sehr wichtig beim Kauf den Kopf einzuschalten (was mir vorher nicht so gelungen ist ;) ).
    Trotzdem denke ich nicht, dass dieses „nichts anzuziehen Phänomen“ nur Blogger haben. Ich kenne das eigentlich schon seit meiner Pubertät und es ist immer wieder schön etwas neues zu haben, solange es in Maßen ist.
    Ein guter Blogger zeichnet sich für mich sowieso eher dadurch aus, dass er alte bzw liebgewonnene Teile immer wieder neu kombiniert und nicht nur die neuesten (gesponserten) Designerteile :)

  12. Du hast vollkommen recht! Gerade wir Frauen kaufen und kaufen und kaufen Klamotten. Immer neue Sachen wollen wir haben, weil wir mit dem, was sich in unserem Schrank befindet, vermeintlich nichts anfangen können. Manchmal kaufen wir sogar ohne Sinn und Verstand: Teile, die uns nicht richtig passen, Teile, die wir in zig Varianten schon haben, Teile, die einfach Trend sind, ohne uns wirklich zu gefallen. Oft ist schon allein das Einkaufen das, was uns Freude bereitet. Zu Hause angekommen, ist diese Freude oft schon verflogen, weil sich der Verstand wieder meldet. Aber nur kurz, denn zurückbringen wollen wir die Sachen ja auch nicht, jeden Falls meistens nicht. Dann tragen wir sie ein, zwei oder auch dreimal, dann bleiben sie liegen, weil längst neue Teile unser Interesse geweckt haben. Verglichen mit der Menge an Sachen, die wir so über die Zeit kaufen, ist die Menge der Dinge, die sich zu echten Lieblingen mausern, verschwindend gering. Die wenigsten Klamotten tragen wir doch über einen längeren Zeitraum, vielleicht sogar mehrere Jahre, bis sie wirklich nicht mehr schön oder kaputt sind. Von billigem Schrott, der schon die erste Wäsche nicht übersteht, will ich gar nicht erst anfangen. Sachen für irgendwelche Posts zu kaufen, ist ohnehin absurd. Wir sollten viel öfter darüber nachdenken, wofür wir unser Geld so ausgeben, da gebe ich dir zu 1000% Recht. Also bitte mehr Outfitposts, mit vielen verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten. Damit der Shoppingwahn ein Ende hat :). Lg

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.