Ein zweites Studium: Hirngespinst oder gute Idee?

23. Juli 2019 von in

Meine Neugierde ist unendlich. Manchmal so sehr, dass ich selbst denke, „niemand muss das wissen, reiß dich mal zusammen“. Und doch sitze ich dann nach der xten Dokumentation über Kriminalfälle in den USA und google über Mordfälle aus den 70er-Jahren, Gesetzesentwürfe und Präzendenzfälle. Manchmal aber lese ich auch über die Klimaauswirkungen am Nordpol, die Wahrscheinlichkeit von einem Kreuzfahrtschiff zu fallen und wie die Rechtslage bei Betrug in Guatemala ist. Ich will wissen, warum der Mensch Fomo hat, wie sich das EU-Parlament zusammensetzt und wie man einen Herzkatheter setzt. Wissen, das ich eigentlich nicht brauche für mein tägliches Leben, Wissen, das ich aber aufsauge wie eine ausgedorrte Pflanze, der man in der Hitzeperiode immer nur minimale Tropfen gegeben hat. Ich bin die Raupe Nimmersatt in Sachen Wissen & Fakten.

Ich lerne gerne Neues,
und ja, ich schmeiße auch gerne mit Wissen um mich.

Vielleicht ist das das berühmte Journalisten-Gen, das mir in die Wiege gelegt wurde, denn das Interesse für jede noch so unwichtige Nachricht ist da. Ich liebe es zu recherchieren, mich in Themen einzuarbeiten und am Ende ja, einfach ein bisschen mehr Wissen zu haben. Manchmal fluche ich, dass mir die Zeit fehlt, noch mehr zu lernen, mich noch mehr auszuprobieren, und einfach auf noch ein paar mehr Berufs- und Wissenshochzeiten zu tanzen.

Im Freundeskreis bin ich schon verrufen – „Komm wir fragen die Toni, die weiß es eh.“ Und wenn nicht google ich in Sekundenschnelle, während sich die anderen schon wieder ihrem Glas Wein widmen. Und so saß ich eines Abends mit meinen Freunden im Garten, schmiss mit irgendeinem absurden Fakt zum Thema Bücher um mich, als wir auf das Thema Studium kamen. Nach ein paar Gesprächsfetzen, unseren Unierfahrungen und der gruppendynamischen einhelligen Meinung, dass wir ja alle heilfroh waren, die Uni hinter uns gelassen zu haben, war bei mir hingegen eine kleine Saat gesetzt.

Abends im Bett überlegte ich ein bisschen länger, schlief eine Nacht drüber, überlegte weiter, googelte mich gefühlt durch das ganze Internet, überlegte wieder ein bisschen, bis ich es das erste Mal aussprach: „Leute, ich glaube, ich könnte mir vorstellen, nochmal zu studieren. Neben meinem Job.“

Ich erwartete verdutzte Gesichter, heftiges Kopfschütteln,
mir den Wahnsinn unterstellend.

Doch ich bekam: „Ein Zweitstudium? Genial“, „Richtig gut“, „Unbedingt probieren“. Der Tenor meiner Familie, meiner Freunde und auch der meiner Instagram-Gemeinde war: einfach machen. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Und so wurde aus der Saat mit diesem doch sehr guten Wasser ein kleines Pflänzlein.

Vielleicht ist es die verrückteste Idee, die ich nach dem Buch seit Langem habe. Aber vielleicht ist es auch genau das, was mich wachsen lässt und reifen lässt. Etwas Wissen aufsaugen, nur für einen selbst. Ohne den Traumberuf vor Augen zu haben, denn – welch Glück – den habe ich bereits. Aber das Studium kann eine Option sein, eine neue Ausrichtung, eine tolle Entwicklung oder am Ende vielleicht auch einfach riesengroßer Mist.

Aber wer weiß: Wer nicht wagt, gewinnt.

Und so geht’s nun tiefer in die Recherche, denn 2020 könnte das Jahr sein, in dem ich vielleicht der Uni doch nochmal von innen Hallo sage! Ganz entspannt, neben meiner Freiberuflichkeit und so flexibel wie möglich. Aber erstmal wird das Buch fertig geschrieben und veröffentlicht! Ein Projekt nach dem anderen! Und wenn ich nächstes Jahr entscheide, ich mache doch was ganz anderes, ist das auch okay.
Aber diese kleine Pflanze, ich denke, sie wird jetzt erstmal noch ein bisschen weiter mit Studium-Möglichkeiten und Recherche gewässert.

Deswegen meine Frage:
Wer von euch hat neben dem Job studiert? Wer hat ein Zweitstudium absolviert? Wie waren eure Erfahrungen?

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13 Antworten zu “Ein zweites Studium: Hirngespinst oder gute Idee?”

  1. Ich habe den ersten Teil meines BWL-Studiums an einer Präsenzuni absolviert, dann erstmal eine Ausbildung gemacht und danach das Studium an der FernUni fertig gemacht. Das hat damals sehr gut für mich funktioniert und gepasst. Danach habe ich dann noch aus reinem Interesse ein paar Semester Slawistik studiert.

  2. Ich habe mich im Juli dazu entschieden noch meinen Bilanzbuchhalter zu machen als Fernstudium über 2 Jahre. Ich bin also noch ganz frisch dabei und weiß noch gar nicht wirklich was mich die nächsten Jahre erwartet und wie ich alles unter einen Hut bringen soll. Aber ich denke wo ein Wille ist, ist auch ein Weg :)

  3. Ich habe vor 1,5 Jahren mein Zweitstudium (Grafik Design, nachdem ich erfolgreich Modejournalismus&Medienkommunikation, mit Fashion Management & Communication als Aufbaustudium) angefangen und bin unglaublich glücklich. Ich bin zwar jünger als du (25), aber würde es trotzdem jedem raten, der darüber nachdenkt.

    Welcher Studiengang wäre es denn bei dir? Das konnte ich irgendwie in deinem Beitrag nicht herauslesen. :-)

      • Ach, wie aufregend! Das ist natürlich ein spannendes Feld. Das kann ich gut verstehen.

        Den Aspekt (aus dem Kommentar unten) mit dem Gasthörer bzw. eingeschriebenem Studenten finde ich auch interessant. Die Frage stellte sich bei meinem Studium nicht.

        Ich habe mich dafür entschieden, weil ich gemerkt habe, dass die Modebranche mich nicht glücklich machen wird und da ich den Abschluss mit 21 gemacht habe und auf keinen Fall direkt arbeiten wollte, habe ich überlegt, was für ein Studium ich noch dranhängen könnte. Das vorherige kommt mir aber jetzt zugute, da ich tolle Nebenjobs machen kann, die mich auch im Kopf fordern – nicht „nur“ Kellnern oder so. :)

        Grafik Design ist dabei mein absolutes Wunsch-Studium. Ich habe nie damit gerechnet, dass die Hochschule mich akzeptiert (ich kenne viele Grafik Designer und war in meinem Freundeskreis IMMER „die mit der Mode“) und freue mich jeden Tag, dass ich mir diesen privaten Wunsch jetzt noch erfüllen kann. Das sorgt auch dafür, dass der Druck ein ganz anderer ist, weil ich 1. schon einen Abschluss habe, der mich weiterbringt und 2. einfach absolut privates Interesse an dem Fach habe.

        Go for it! :)

    • Hi,

      das ist die große Frage. Idealerweise würde ich mich am liebsten einschreiben lassen, um dann in der weiten Zukunft auch das ganze nutzen zu können, sollte es aber nicht klappen, würde ich evt. auch einfach Gasthörer sein. Da überlege ich gerade eben rum :)

  4. Hey Antonia, ich studiere neben dem Job in Teilzeit Psychologie (BSc) an der Fernuni in Hagen und schreibe derzeit meine Bachelorarbeit. Einfach aus reinem Interesse, ohne mit dem Abschluss etwas machen zu wollen. Mir hat das Studium total viel Spaß gemacht, ich habe wahnsinnig nette Menschen kennengelernt, interessante Praktika gemacht, eine Bereicherung, ich würde es sofort wieder machen. Kostengünstig ist es zudem. Es fallen ca. 120 Euro pro Teilzeit Semester an. Zusätzlich hat München den Vorteil eines Regionalzentrums. Dort kann man umsonst Räume für Lerngruppen mieten, so dass man nicht nur aus der Ferne studieren muss. Außerdem werden die Klausuren und notwendigen Präsenzseminare auch in München angeboten, so dass man nicht herumreisen muss. Ein paar Einschränkungen will ich aber nicht verschweigen: Begonnen habe ich Ende 2012, abschließen werde ich erst Ende 2019. Man braucht also einen langen Atem, obwohl ich größtenteils im Job eine 4 Tage Woche hatte. Die Unterrichtsinhalte haben mir gut gefallen, allerdings ist Statistik ein nicht zu unterschätzender Bestandteil. Das mag nicht jeder. Und das ist wahrscheinlich auch der Hauptpunkt: Inhalt des Studiums sind in erster Linie quantitative Studien. Wenn man sich erhofft, dass man viel über sich selbst lernt, liegt man jedenfalls in Hagen eher falsch. Das enttäuscht viele. Außerdem sind die Klausuren so nervige Multiple Choice Aufgaben. Da muss man sich beim Lernen auf die Klausuren speziell drauf vorbereiten und aufpassen, dass man nicht die Lust am eigentlichen Stoff verliert. Die Abbrecherquote ist leider enorm. Aber lass dich nicht abschrecken. Ausprobieren solltest du es auf jeden Fall! Das ist so eine tolle Idee und man schaut wirklich mal wieder über den Tellerrand hinaus. Zusätzlich ist es ein wenig planvoller, als einfach nur Bücher übers Thema zu lesen. Liebe Grüße und viel Spaß bei der Umsetzung deines Plans. Marion

    • Liebe Marion,

      danke für diesen umfangreichen Einblick!
      Die Fernuni Hagen steht auch auf meiner Liste, sollte die Bewerbung direkt an der Uni fürs Zweitstudium nicht klappen!
      Tatsächlich ist mein Antrieb einfach, tiefer in die Materie einzutauchen. Ich finde Therapie und alles, was damit zu tun hat, so aufschlussreich und hilfreich, dass ich hier gerne noch mehr in die Tiefe gehen würde.
      Ich hatte Mathe-Leistungskurs, sodass ich zwar Respekt vor Statistik habe, es aber zumindest versuchen würde :) Ich denke auch, einfach ausprobieren, ein wenig über den Tellerrand blicken und wenn es am Ende doch eine verrückte Idee war, ist das auch okay :)

      Liebe Grüße und danke dir!

    • Die Abbruchquote ist auch so hoch, weil
      sich viele einschreiben, um eingeschrieben zu sein, so lange man den Studentenstatus benötigt. Aber ja, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man an der FernUni Disziplin benötigt.

  5. Liebe Antonia,

    Ach was für eine tolle Idee. Ich habe selbst Psychologie studiert, den Bachelor in Vollzeit, den Master dann berufsbegleitend. Allerdings nur mit 60%. Ich glaube, es hängt sehr stark von der Uni ab, ob das berufsbegleitend machbar ist. Bei uns gab es sehr viele Pflichtveranstaltungen, da war nicht viel mit Flexibilität. Das dürfte allerdings an der Fernuni kein Problem sein, schätze ich. Und, wie hier auch schon beschrieben wurde, insbesondere im Bachelor ist Psychologie wirklich sehr theoretisch, methoden- und statistiklastig. Wobei ich Statistik immer mochte – trotz 5-Punkte-Abi in Mathe ;) Wirklich spannend wird’s dann – finde ich – erst in der Therapieausbildung. Trotz allem finde ich, das Studiun lohnt sich, wenn man Lust drauf hat!
    Ich bin gespannt, wie du dich entscheidest.

  6. Ein Studium ist schon sehr anstrengend neben der Arbeit. Wenn jemand unglücklich in seinem Job ist, würde ich immer dafür plädieren, umzusatteln bzw. durch ein anderes Studium/Ausbildung nachzujustieren. Mir ging es ganz genauso. Andererseits hatte ich auch das Gefühl, irgendwann ankommen zu wollen. Man fühlt sich auch immer ein bisschen zerrissen und ein Studium neben der Arbeit ist eben wirklich manchmal die doppelte Belastung, zumindest im Kopf. Wie oft ich im Urlaub Bücher für die Uni gewälzt habe statt abzuschalten… Und auch , wenn das Studienfach deine Leidenschaft ist – wie in diesem Fall Psychologie -, liest du den ganzen Kram eben nicht nur zum Vergnügen. Es ist vielleicht ein langweiliger Rat, aber ich würde mir lange Gedanken machen, was für einen Nutzen – mental, also für dein Wohlbefinden, und auch für dein späteres Berufsleben – du aus einem Studium ziehen kannst und ob es dir das wert ist. Wenn ja – go for it!

  7. Wenn man unbedingt noch was zweites studieren möchte, sollte man das mMn unbedingt machen, denn ich denke, dafür ist es nie zu spät.
    Ich selbst habe (übrigens nach einem Bachelor in Psychologie) noch ein Zweitstudium angefangen, und auch wenn es manchmal schwer ist, bereue ich die Entscheidung nicht, denn so wird mein Wissensdurst gestillt und es ermöglicht mir zudem mehr berufliche Optionen zu ergreifen.
    Allerdings arbeite ich auch nur geringfügig nebenbei, da sich mehr bei meinem Studium nicht ausgehen würde.

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