Fatshaming: Wir brauchen dringend eine Body Neutrality Bewegung!

24. Juli 2020 von in

Ein paar Speckrollen zieren als Nahaufnahme das Foto. Kurvige Körper in Unterwäsche, darunter lange Captions, die von Selbstliebe handeln. Alle Körper seien schön, auch die, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen, das sowieso fast keiner erreichen kann. Ein nackter Körper räkelt sich auf einem Sofa, auf dessen Bauch Dehnungsstreifen und Narben zu erkennen sind. Die Caption erzählt davon, dass nicht alle Körper makellos sind. Dass Makel normal, nein schön sind. Darunter immer wieder der eine Hashstag: #Bodypositivity

Die #Bodypositivity Bewegung muss sein

Die Bewegung ist wichtig. Sie muss Menschen daran erinnern, dass nicht alle Frauen dünne Oberschenkel, einen flachen Bauch und eine schmale Taille haben. Dabei geht es in der #Bodypositivity Bewegung darum, sich selbst und den eigenen Körper zu lieben, abseits des gesellschaftlichen Ideals. Worüber wir nämlich noch viel zu selten sprechen, ist der gesellschaftliche Hass auf kurvige oder dicke Menschen. Es ist wirklich beeindrucken zu sehen, wie sehr sich das Stigma der Frau, die aus der schmalen Konfektionsgröße fällt, verfestigt hat, und in Filmen und Serien bis heute reproduziert wird.

Fatshaming at its best

Fangen wir mal an mit „Fat Monica“ von Friends. Okay. Die Serie Friends ist sowieso schlecht gealtert, denn sie erfüllt alle Anforderungen in puncto „problematisch“. Sie ist zu weiß, frauenfeindlich, homophob, und macht sich zudem auch noch über „Fat Monica“ lustig. Uff. Dabei ist, wenn man sich die Serie rückblickend ansieht, Monica von früher nicht einmal wirklich „dick“. Sie hat wahrscheinlich eine ziemlich durchschnittliche amerikanische Konfektionsgröße. Und, kleine Notiz am Rande, sie nimmt schlussendlich nur ab und wird zu „Thin Monica“ beziehungsweise aus der Friends-Sicht „Normal Monica“, weil Chandler sie damals als „fett“ bezeichnete. How much worse can it get?!

Okay, ihr könnt jetzt sagen: „Die Serie ist 20 Jahre alt. Damals war der Humor eben so.“. Auch wenn ich damit nicht gut leben kann, von mir aus. Ich gebe euch diese Ausrede. Die Sache ist nur: Es ist heute kein bisschen besser. Allerhöchstens subtiler. Nehmen wir den Netflix-Film „Duff“ zum Beispiel. „Duff“ bedeutet „Designated ugly fat friend“ und wird gespielt von einer ziemlich schlanken und hübschen Schauspielerin, die am Ende des Films feststellt, dass sie ja gar nicht „fett“ und „hässlich“ wäre. Ugh. Mit dem Film „I feel pretty“, in dem Amy Schumer die Protagonistin spielt, möchte ich gar nicht erst anfangen. Spart es euch einfach, dieses Grauen an Film anzusehen und macht lieber etwas Schönes. Basteln oder so.

Dieser kleine Ausflug beweist nur, dass die Bodypositivty-Bewegung mehr als nötig ist. Schon alleine, um die Gesellschaft an Bilder zu gewöhnen, die ihnen normalerweise von den Medien vorenthalten werden. Bilder von echten Menschen und von echten Körpern. Doch so langsam ist es an der Zeit, dass wir außerdem über Body Neutrality sprechen.

Die #Bodyneutrality Bewegung muss noch mehr sein

Body Neutrality ist ein Begriff, der zuerst 2015 aufkam und von der Bloggerin Melissa Fabello geprägt wurde. Tatsächlich habe auch ich zu dieser Zeit bereits über das Phänomen geschrieben, ohne den Begriff „Body Neutrality“ zu kennen. Die Grundaussage war jedoch dieselbe: Wir müssen alle weg vom Körperkult. Weg vom Äußeren. Weg davon, unsere Körper in den Fokus von allem zu stellen. Das Aussehen von Körpern muss egaler werden. Wichtig sollte das Innere des Körpers sein. Wir sollten uns eher die Frage stellen: „Wie geht es mir und meinem Körper“, und weniger „Wie sehe ich und mein Körper aus“.

Leider ist das eine Utopievorstellung, von der wir noch weit entfernt sind. Anders als früher bin ich jedoch heute der Meinung, dass die Body-Positivity-Bewegung trotzdem bestehen bleiben muss. Sie hat unheimlich viel gebracht und muss weiter die Menschheit daran erinnern, dass unperfekte Körper die Norm sind. Vermeintliche „Makel“ keine Makel sind, sondern eben stinknormale Körper. Get over it. Gewöhn dich dran.

Get over it!

Doch neben dieser Bewegung muss eine neue Bewegung entstehen. Die, zu der wir hoffentlich langfristig hinkommen. Body Neutrality. Damit wir alle aufhören, unsere Körper mit anderen zu vergleichen. Damit wir aufhören, in den Spiegel zu sehen und uns zu hassen. Wir müssen unsere Körper ja nicht gleich lieben und wunderschön finden. Wir müssen sie akzeptieren und dem Äußeren bestenfalls nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken. Es gibt schließlich Wichtigeres als das Aussehen von Körpern, oder?

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4 Antworten zu “Fatshaming: Wir brauchen dringend eine Body Neutrality Bewegung!”

  1. Danke für diesen Text ich sehe das ganz genauso wie du! Schade, wieviele (meist schlechte) Energien viel zu viele Leute verschwenden, mit ihren Körpern (auf Äußerlichkeit bezogen). Verschiedene Körperbilder müssen in unsere Hirne rein, ich bin immer wieder perplex wie oft ich gefragt werde ob ich schwanger bin, weil es anscheinend keine Frauen gibt, die auch ohne Schwangerschaft ein Bäuchlein haben können, etc. Body Neutrality it is! LG *thea

  2. Yaaaas! Ich habe gerade besagten Artikel von „damals“ nochmal durchgelesen. Vor drei Jahren habe ich dazu auch einen Kommentar geschrieben (was ich nur sehr selten tue) und freue mich, deine jetzige Ansicht zu 💯 Prozent teilen zu können. Schade nur, dass sich gefühlt seitdem wenig getan hat…. Diversität in den kommerziellen Medien ist nach wie vor ein Fremdwort. Meinen Schülern fehlt es auch heute noch an einer großen Bandbreite an Identifikationsfiguren, das Aussehen steht immer noch weit oben in ihrer Prioritätenliste…
    Danke, dass ihr das thematisiert. Hört nicht auf damit… #bodyneutrality

  3. Naja, aber wenn dir das Thema so wichtig ist, dann wäre es schön, wenn die Vielfalt von Körpern auch von dir dargestellt wird. Hast ja schließlich den Einfluss auf deine Leser*innen. Scrolle ich durch deine Artikel, sehe ich überwiegend große, schlanke Frauen. Beispiel „9 Outfits auf Instagram, die ich selbst gerne tragen will“ etc. pp

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