Female Gaze: 7 richtig gute queere Filme und Serien (vielleicht sogar die besten) Teil 1

22. Juli 2021 von in

Als queere Person kann ich selbst aus Erfahrung sprechen, wenn ich euch mit der Macht von Filmen und Serien vollsülze. Denn Fakt ist, dass ich ohne sie wahrscheinlich nicht an dem Punkt wäre, an dem ich heute bin. Meine Sexualität und das Zulassen von queeren Bedürfnissen und Denkweisen habe ich so manchen Filmen und Serien zu verdanken, die mir schon im frühen Alter erklärt haben, dass gleichgeschlechtliche Liebe okay ist und Gender ein Konstrukt ist (Danke an dieser Stelle noch einmal meiner Kindheitsqueen Haruka von Sailor Moon). Popkultur und Medien prägen und das glücklicherweise auch in eine gute Richtung. Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn die queeren Filme und Serien aus meiner Kindheit und Jugend endlich in immer besserer Gesellschaft sind.

Sie entwickeln sich auch glücklicherweise so weiter, dass sie nicht mehr überästhetisiert und fetischisiert werden: Looking at you – Blue is the warmest color. Der Film war früher einer meiner Lieblingsfilme, doch er ist aus heutiger Sicht maximal problematisch, da die lesbische Liebesgeschichte von dem Regisseur Abdellatif Kechiche maßlos fetischisiert wurde und sogar von beiden Schauspielerinnen damals öffentlich geoutcalled wurde. Deshalb werdet ihr den Film heute nicht finden, ebenso wenig Call me by your name, der zwar schön ist, aber in meinen Augen die verbotene Romanze der beiden Männer überästhetisiert. Das ist aber nur eine persönliche Meinung – die anderen Filme und Serien, die ich heute aufliste, finde ich einfach besser.

Jetzt aber zu den queeren Filmen und Serien, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören. Sie sind größtenteils lesbisch beziehungsweise mit und von Frauen, fällt mir gerade auf. Female Gaze also. Die Liste wurde außerdem insgesamt doch so lange, dass ich sie in zwei Teile aufgeteilt habe. Nächste Woche folgt Teil 2. Bis dahin könnt ihr schonmal Teil 1 durchbingen:

Female Gaze: 7 richtig gute queere Filme und Serien, die vielleicht sogar zu den besten überhaupt gehören.

Serie: Betty (2020)

Die erste Staffel der HBO Serie Betty kam erst letztes Jahr heraus. Aktuell läuft die 2. Staffel. Sie handelt von der Skaterszene in New York, in der eine Gruppe von befreundeten Girls versucht, ihren Platz zu finden.

Worum es wirklich geht: Betty schlägt einen unheimlich dankbaren und liebevollen Spagat aus Kritik am Patriarchat, ohne zu verurteilen oder auszugrenzen. Hier gibt’s wortwörtlich keine Bad Guys, sondern einfach nur positive Vibes und Gemeinschaftsgefühle.

Film: Lost & Delirious (2006)

Mary kommt auf ein strenges katholisches Mädcheninternat, auf dem sie Tori und Paulie kennenlernt. Mit der Zeit erkennt sie, dass die beiden ein heimliches Paar sind, das ihre verbotene Liebe geheim hält.

Worum es wirklich geht: Queere Filme erfahren leider oft das Konzept „Verbotene Liebe“, ebenso auch hier in Lost & Delirious. Ich will es dem Film aber verzeihen, schließlich ist er ein Drama – und was für eines. Ich habe ihn hundertmal gesehen und hundertmal Rotz und Wasser geheult. Lost & Delirious ist die lesbische Antwort auf Romeo und Julia. Ugly Cry at its best.

Film: But I’m a Cheerleader (1999)

Megans Eltern vermuten, dass die junge Highschoolerin lesbisch ist, und schicken sie daraufhin in ein Umerziehungslager. Dort sollen Megan und ihre queeren Kolleg:innen zu heteronormativen Menschen erzogen werden.

Worum es wirklich geht: But I’m a Cheerleader ist eine saukomische Satire, die besonders durch Ru Paul in der Rolle des Straight Mikes glänzt. Die skurrile Storyline ist dabei natürlich symbolisch zu sehen und soll zeigen, dass Sexualität und Gender keine Entscheidung ist, die sich ändern lässt.

Film: Rafiki (2018)

Kena und Ziki verlieben sich ineinander, und das, obwohl ihre zwei Väter politische Rivalen in Nairobi sind. Trotz der gesellschaftlichen und familiären Differenzen finden die zwei Frauen zueinander.

Worum es wirklich geht: Der kenianische Film Rafiki handelt von der Liebesgeschichte zwischen Kena und Ziki, die versuchen, sich den gesellschaftlichen Vorstellungen und Strukturen ihres Landes zu widersetzen. Homosexualität ist in Kenia bis heute illegal, was in diesem Film aufgegriffen wird.

Film: Shiva, Baby (2020)

Shiva, Baby ist im Stil eines Kammerspieles. Dort begegnet die Jüdin Danielle auf einer Shiva (Beerdigung) sowohl ihrem Sugar Daddy und dessen Familie, als auch ihrer Exfreundin. Die Szenerie ist unangenehm, aber auch skurril lustig.

Worum es wirklich geht: Shiva, Baby ist im Stil eines Horrors gefilmt. Der Horror liegt hier nicht in der Angst vor dem Tod, sondern in der Anxiety. Also Angststörungen und sozialer Angst, aufgrund der unterschiedlichen zwischenmenschlichen Herausforderungen, mit denen Danielle kämpfen muss.

Serie: Druck (2018)

Die deutsche Funk-Serie kann man problemlos komplett auf YouTube streamen. Sie handelt von bisher zwei unterschiedlichen Freund:innengruppen einer Abschlussklasse, und portraitiert dabei die unterschiedlichen Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Ich mag beide Generationen und alle Staffeln, doch meine zwei liebsten Staffeln sind die queeren Staffeln: die Geschichten von Fatou und Matteo.

Worum es wirklich geht: Druck ist eine Miniserie, die aufklärt und einen Dialog zwischen jungen Menschen schaffen will, die mit mehr oder weniger üblichen Problemen kämpfen. Statt diese zu verschweigen, sollen sie sich in Druck wieder erkennen und gesehen fühlen.

Serie: The L Word (2004 & 2021)

Die Serie The L Word ist sozusagen die Bibel der lesbischen, bi, trans, cis und hetero Frauen. Sie ist so beliebt in der LGBTQIA-Szene, dass es sogar einen Reboot des Klassikers von 2004 gibt, der in diesem Jahr herauskam. Sie handelt von einer Gruppe lesbischer Frauen in Los Angeles. Schon allein aus nostalgischen Gründen macht es noch mehr Spaß, die ursprüngliche Serie von 2004 anzusehen – und danach erst den Reboot.

Worum es wirklich geht: The L Word ist unter Anderem deshalb so wichtig, weil es wenige Serien gibt, die FLINTAs so viel Sichtbarkeit schenkt. Sie bearbeitet außerdem Tabu-Themen wie Abtreibung, Rassismus, Coming Out, Brustkrebs und viele weitere Themen, die sonst im kommerziellen Fernsehen selten angesprochen werden. Vor allem zur damaligen Zeit der 1. Generation.

Fotocredit: Unsplash 

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