Natur Retreat kruut

Fermentieren, Gärtnern und dem Körper Gutes tun: Ein Retreat, das euch auch im Lockdown tiefer in die Natur eintauchen lässt

22. April 2021 von in

Letzten Frühling legte sich das Gefühl des Eingesperrtseins über uns alle. Noch nie war der Radius so klein, noch nie waren wir mehr in unseren Wohnungen als im Lockdown. Für mich und viele andere hat sich im Laufe des letzten Jahres der Blick auf die Natur, auf abgeschiedene Wälder und Wiesen, auf frische Luft und die Düfte des Waldes und auf all die Heilkräfte aus Kräutern und wilden Pflanzen intensiviert. Noch nie habe ich die Natur auf so viele Weisen zu schätzen gelernt wie in der Zeit seit letztem Frühjahr. Und diesen neuen Bezug werde ich auch ohne Lockdown nicht mehr verlieren.

Verschiedene wunderbare Frauen haben mir in den letzten Monaten diese ganz neuen Welten eröffnet, mir einen neuen Natur-Zugang geschenkt. Egal ob zum Gärtnern, zu ätherischen Ölen, zur Bewegung an der frischen Luft, Yoga und Wandern, zum Räuchern oder Fermentieren oder auch zu Wildkräutern habe ich immer wieder Neues gelernt, was meinen Horizont erweitert hat. Bei einer Wildkräuterwanderung letzten Spätsommer lernte ich Annika von kruut persönlich kennen, die sich für diesen Frühling nun etwas ganz Besonderes für alle überlegt hat, die gerade ebenfalls das Bedürfnis haben, tiefer in die Natur einzutauchen: Ein Online-Retreat, das all die inspirierenden Frauen mit ihren unterschiedlichen Themengebieten zusammenbringt, von denen ich schon seit Monaten so viel Spannendes lerne. Natürlich wäre ein Natur-Retreat am schönsten, wenn man sich wirklich eine Woche in einem verwunschenen Haus auf dem Land treffen könnte. Aber auch im Lockdown schafft das Wilde Natur Retreat, dass man sich dabei wie im Landhaus fühlt: Verschiedene Videos steigen tief in unterschiedliche Natur-Themen ein, dazu gibt es eine Frühjahrskur von kruut mit Kräuterauszügen. Man kann sich den Themen eine Woche lang ganz bewusst widmen, und alles im Anschluss aus der virtuellen in die reale Welt mitnehmen – oder sich nach und nach die einzelnen Videos ansehen, wenn einem danach ist.

Weil mich jedes einzelne der Retreat-Themen schon beim Durchlesen glücklich macht, habe ich Annika zu jedem Themengebiet ein paar Fragen gestellt. Im Interview bekommt ihr einen Überblick, in was das Retreat tiefer eintaucht. Zur Anmeldung geht es hier entlang!

Jahreskreisfeste: Euer Retreat startet mit dem 1. Mai an „Beltane“: Was hat es mit diesem Jahreskreisfest auf sich, und wie kann man diese besonderen Tage in den Alltagsrhythmus integrieren?

Jahreskreisfeste sind die naturgebundenen acht Feiertage der alten Kelten. Die vier Sonnen- und vier Mondfeste stehen in engem Bezug zur Natur und richten sich nach dem Stand der Sonne, des Mondes und der jeweiligen Jahreszeit. In vielen Kulturen der Erde haben die Feste auch heute noch eine Bedeutung. Hier feiern wir diese Feste jedoch meist „unbewusst“. Der Tanz in den Mai oder Halloween haben ihren Naturbezug leider verloren – dabei wären sie eine perfekte Möglichkeit, um sich dem Wandel der Natur in unserer technischen Welt wieder bewusst zu werden und ihn zu feiern. So werden wir sensibler für den Rhythmus der Natur, in den wir alle eingebunden sind und erkennen auch unseren eigenen Rhythmus an. Denn es kann nicht immer Sommer voller Kraft und Leichtigkeit sein. Auch die dunkleren Zeiten haben ihre Berechtigung.

Neben euren Wildkräuterauszügen kann man auch Räucherwerk wie Salbei in eurem Shop kaufen. Welche Eigenschaften werden Salbei beim Räuchern zugeschrieben und wie sieht ein kleines Räucher-Ritual damit aus?

Der Name Salbei leitet sich von lateinisch salvare ab, was heilen bedeutet. Dies zeigt schon die hohe Wertschätzung, die der Pflanze seit jeher entgegengebracht wurde. Die ätherischen Öle der Heilpflanze wirken antibakteriell und zum Teil auch antiviral.

Der Echte Salbei wird schon seit Jahrhunderten zum Räuchern verwendet und geschätzt. Er sorgt für mehr Klarheit und Harmonie und ist perfekt um Räume, Dinge und Gedanken zu reinigen.

Ein reinigendes Räucherritual kann so aussehen:
1. Intention. Nimm dir einen ruhigen Moment. Überlege dir, welche Dinge, Menschen, Gedanken du loslassen möchtest.
2. Anzünden. Zünde die Spitze des Räucherbündels an und lösche die Flamme, sobald sich eine Glut gebildet hat.
3. Ritual. Bewege das Bündel langsam hin und her, so dass die Glut Luft bekommt. Wenn du einen bestimmten Raum reinigen möchtest, gehe diesen ab.
4. Beenden. Wenn du dein Ritual beenden möchtest, steckst du das Bündel einfach in eine Schale mit Sand.
5. Neue Energien. Lüfte danach den Raum gut durch. So kommt frische Luft und neue Energie in den Raum.

Phytotherapie: Welche Grundlagen sollte man zu Hause haben, wenn man sich selber Cremes und Öle herstellen will – und welche drei Basic-Pflanzenstoffe hast du selbst immer zu Hause, um sie auch in Cremes und Öle zu mischen?

Ich liebe es simpel. Daher bevorzuge ich Cremes mit Bio-Bienenwachs. Dann braucht man eigentlich nur noch ein gutes Öl, wie Olivenöl oder Hanföl. Das hat man meistens eh zuhause. Und dann die Kräuter, die man verwenden möchte: zum Beispiel Ringelblume, Kamille oder Schafgarbe. Sobald man es einmal gemacht hat, ist es dann gar nicht mehr so schwer. Die Hürde muss man einmal nehmen, dann kann man selbst die Inhaltsstoffe seiner Cremes bestimmen und genau auf die Bedürfnisse seiner Haut abstimmen.

Kamille wirkt entzündungshemmend und beruhigt – super bei irritierter Haut.
Ringelblume unterstützt die Wundheilung und Regeneration.
Schafgarbe ist ebenfalls sehr entzündungshemmend und hilft bei Ekzemen.

Aromatherapie: Düfte können Einfluss auf Körper und Psyche haben und leicht in den Alltag zu Hause integriert werden. Welche ätherische Öle sollten sich Einsteiger anschaffen und was ist ihre Wirkung?

Aromatherapie ist super alltagstauglich. Ich habe zum Beispiel meinen Diffusor auch immer neben dem Schreibtisch laufen. Meine Favoriten sind die folgenden Öle:

Zirbe
Entspannt: super am Abend, wenn du die Batterien aufladen möchtest
Reinigend: löst alte Energien
Wie ein kleines Waldbad
Melisse
Regt an und beruhigt: perfekt, um mehr innere Balance zu finden
Sonnig warm, etwas zitronig frisch
Wie ein Sommerausflug
Lärche
Erkältungsöl: wirkt schleimlösend und auswurffördernd
Vermittelt Leichtigkeit und lässt einen besser atmen
Wie ein Spaziergang zum Durchatmen

Fermentation: Was passiert mit Lebensmitteln, wenn man sie fermentiert – und was daran ist gesund?

Fermentation ist ein wahres Naturkunstwerk. Gemüse wird nicht erhitzt, sondern eingelegt. Natürliche Mikroorganismen wandeln Zucker und Stärke im Gemüse zu Milchsäure um, dabei entstehen völlig neue Aromen und auch Stoffe wie Vitamin B12. Der Prozess der Fermentation verwandelt Obst und Gemüse in ein buntes, kohlenhydratarmes, aber nährstoffreiches Lebensmittel mit ganz neuen Geschmacksnuancen, das übrigens auch für den Darm sehr gesund ist. Überall auf der Welt fermentieren Menschen seit Jahrtausenden alle möglichen Lebensmittel und machen sich so die Nährstoffe das ganze Jahr über verfügbar: Früher hat man so die Ernte des Sommers für den Winter haltbar gemacht.

Darmgesundheit: Apfelessig, Bitterstoffe oder Ballaststoffe: Was sind ganz einfache Alltagstipps für alle, die noch nicht tiefer eingestiegen sind, die aber ihrem Darm etwas Gutes tun wollen?

Da hast du schon super Stichworte genannt. Bitterstoffe sind einfach extrem gesund für uns. Früher haben wir ganz automatisch genug davon mit unserer Nahrung aufgenommen. Doch mit der Zeit wurden Bitterstoffe aus unseren Pflanzen herausgezüchtet, da der Mensch schlicht und einfach ungern bitter isst. Alles soll eher gleichmäßig und süss schmecken.
Bitterstoffe unterstützen jedoch unseren Verdauungsapparat. Die Wirkung entfaltet sich bereits im Mund: Die Produktion der Verdauungssäfte wird angeregt, die Darmbewegung aktiviert. Die Resorption von Nährstoffen, wie B12 und Eisen wird durch eine verstärkte Durchblutung im Verdauungstrakt verbessert. Bitter ist die stärkste Geschmacksrichtung, die wir kennen. Es gibt Pflanzen, die speziell als Bittermittel (Amarum) klassifiziert werden: Wermut, Tausendgüldenkraut oder Andorn. Diese kann man einfach als Tee, Frischpflanzen oder Oxymel in den Alltag integrieren. Das Gute: Man gewöhnt sich an den Geschmack.

Apfelessig unterstützt die guten Bakterien im Darm und lässt den schlechten weniger Überlebenschance. Der Trunk regt auch die Bildung von Magensäure an, wenn wir uns nach einem reichhaltigen Essen schwer fühlen. So wird der Darm unterstützt und unser Körper kann wertvolle Mineralstoffe aus den Lebensmitteln viel besser aufnehmen. Als Hausmittel sollte er nur in bester Qualität verwendet werden: naturtrüb, nicht pasteurisiert und in Bioqualität. Nur so sind noch alle Inhaltsstoffe erhalten.

Die Kurzanleitung für bessere Darmgesundheit: 
Bewusst mehr Bitterstoffe integrieren
Apfelessig mit Wasser verdünnt trinken: Toll ist es, morgens mit einem Glas Apfelessig in lauwarmem Wasser in den Tag zu starten.
Bewusst kauen. So nehmen wir unserem Verdauungsapparat schon einiges an Arbeit ab und sorgen für eine gute Verwertbarkeit

Bewegung & Körpergesundheit: Im Retreat haben wir mit Nicole Schurz und Anna Seitner Yoga- und Bewegungsexpertinnen an der Seite, die zeigen, wie wichtig Bewegung für körperliche wie mentale Gesundheit ist. Wie schaffst du es selbst in stressigen Zeiten mit viel Bildschirmzeit, Bewegung in den Alltag zu integrieren?

Unsere Vorfahren waren die meiste Zeit über unterwegs. Die wenigsten Arbeiten fanden im Sitzen statt – und das noch bis ins 20. Jahrhundert.
Heute hingegen verbringen wir meistens acht Stunden pro Tag sitzend.

Meine tägliche Bewegung besteht in erster Linie aus Hunderunden. Diese sind mir heilig und ich merke es an allen Enden, wenn ich sie mal ausfallen lasse. Denn schon diese regelmäßige Bewegung und der kurze Aufenthalt in der Natur vertreiben bei mir den Stress. Besonders schön ist es, dabei ganz aufmerksam durch die Natur zu streifen und zu schauen, was alles wächst und blüht. So ist man ganz im Moment und vergisst nervige Mails- für mich ist das fast eine Art der Meditation.

Zu Hause gärtnern: Ob im Balkon oder auf dem Küchenfensterbrett: Welche Pflanzen für Anfänger geeignet sind und was man sich zu Hause selbst ziehen kann, wird Carolin im Retreat genauer zeigen. Was sind deine Expertinnen-Tipps für selbst angepflanzte Heilpflanzen und Wildkräuter?

Wir legen grade unseren ersten Garten an und setzen auf alte Sorten, Wildpflanzen und die Klassiker. Wichtig ist uns dabei, von Anfang an auch viele Wildkräuter und Heilpflanzen im Garten zu haben.

Wer schon einmal Gemüse angebaut oder Blumen gesät hat, weiß: Jede Pflanze hat so seine Bedürfnisse. Das ist auch bei Wildpflanzen so. Auch, wenn diese oft etwas robuster sind und uns vieles nicht ganz so übel nehmen. Damit die Ansiedlung im eigene Garten, auf dem Balkon oder im Hinterhof ein Erfolg wird, solltest du dich jedoch vorher einmal mit den Bedürfnisse der wilden Kräuter beschäftigen. Mag die Pflanze eher Sonne, Schatten oder Halbschatten? Wie sollte der Boden sein?

Für einen sonnigen Standort sind folgende Kräuter geeignet: Rotklee, Schafgarbe, Spitzwegerich, Labkraut oder Johanniskraut. Eher schattig mögen es hingegen: Bärlauch, Gundermann oder die Knoblauchsrauke. Dem Giersch ist eigentlich alles recht. Man pflanzt ihn am besten im Kübel, damit er sich nicht zu stark verbreitet, und erntet ihn vor der Blüte.

Wildpflanzen: Damit sind wir schon bei deinem Fachgebiet, das ich bei der Wildkräuterwanderung im letzten Spätsommer live mitten in einer blühenden Blumenwiese kennenlernen durfte: Nach welchen Wild- und Heilkräutern können wir jetzt im Mai Ausschau halten, und was sind ihre Besonderheiten?

Der Mai ist der absolute Wonnemonat. Jetzt blüht und sprießt es und die Natur erwacht. Gemeinsam zelebrieren wir im Retreat dieses Erwachen. Wildkräuter sind jetzt noch ganz saftig und frisch.

Gerade im Frühling lohnt es sich, das Blickfeld zu erweitern und auch nach Knospen und Blättern Ausschau zu halten. Super auch in der Stadt, denn diese sind außerhalb der Reichweite von Dreck und Hundepipi. Aber auch hier bitte nicht an der vierspurigen Straße sammeln. Außerdem ist die Veerwechslungfefahr geringer. Wir sammeln immer mit der Natur und nicht gegen sie. Daher nie mehr als drei bis fünf Knospen von einem Baum ernten. Ab Juni werden die Blätter härter und schmecken eher bitter.

Folgende junge Baumblätter oder junge Nadeln könnt ihr essen:

Ahorn – Haselnuss – Buche – Birke – Eiche – Esche – Linde – Brombeere – Himbeere – Apfelbaum und Kirsche – Lärche – Tanne

Der Geschmack ist total unterschiedlich. Die Nadeln der Lärche schmecken zitronig-frisch, Buchenblätter ähnlich wie Sauerampfer, Lindenblätter süßlich und die Birke schon fast nussig. Die Blätter der Kirsche schmecken nach Mandeln. Bei den Blättern von Robinie, Flieder und Eibe müsst ihr aufpassen, sie sind giftig und sollten nicht gegessen werden.

Mehr Infos zu kruut und dem Wilde Natur Retreat findet ihr hier!

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