Homestory: Zu Besuch bei Oliver Tippl

31. Mai 2018 von in

Kaum ein Format macht mir mehr Spaß als Homestories! Ich freue mich über jeden Hausbesuch auf HerzundBlut, FreundevonFreunden und Co., denn die Kombination aus spannenden Persönlichkeiten und ihrem Zuhause ist für mich besonders faszinierend. Während mich Interior-Lookbooks tatsächlich kaum ansprechen, sind es die echten Wohnungen, die mich inspirieren. Ja, Homestories machen mich vor allem seit meinem Umzug glücklicher denn je, weshalb ich hiermit anfange, die schönsten Wohnungen Münchens mit ihren spannenden Bewohnern zu besuchen. Den Anfang macht die Traumwohnung von Oliver Tippl, Creative Director und Gründer des Wunder Journals, dessen erste Ausgabe bald an den Kiosk kommt. Letzte Woche habe ich Oli in seiner wunderbaren Wohnung mit Flügeltüren und Südbalkon im Westend besucht!

Du warst das Wunderkind bei uns im Stu, das schon während dem Abistress an jedem Wochenend- und Ferientag an seinem eigenen Magazin arbeitete. Kannst du uns mehr zu Wunder erzählen?

Wunderkind ist ein großes Wort und ich möchte mich nicht mit Mozart vergleichen. Das „Wunder“ darin ist viel interessanter. Ich habe vor einiger Zeit das Portrait-Magazin WUNDER gegründet. Es ist eine Printpublikation die den Menschen und dessen Geschichte in den Fokus stellt und mit Interviews und Fotostrecken Persönlichkeiten näher bringen will. Jede Ausgabe widmet sich einem Kernthema, nach dem wir das Magazin zusammen mit einem Fotografen kuratieren. Unsere erste Printausgabe, in der wir uns mit dem Thema „Timeless“ auseinander gesetzt haben kommt im September in die Läden.

Wie kamst du zu dem Vorhaben, ein Print Magazin auf den Markt zu bringen? Wie läuft das ab, bis das Magazin im Kiosk liegt und wie schwer ist das wirklich?

Grundsätzlich hatte ich schon seitdem ich denken kann ein Faible für Zeitschriften, Magazine und Bücher. Mit dem Alter ist das Interesse gestiegen und ich habe ersthaft darüber nachgedacht, darin meinen Beruf zu finden. Nachdem ich während der Schulzeit in der Schülerzeitung war und dadurch unter anderem die Möglichkeit hatte beim großen SPIEGEL Verlag hinein zu schnuppern gab es kein Zurück mehr. Ich habe mich gut mit Independent-Printpublikationen auseinandergesetzt, geguckt, was mir gefällt, aber auch was mir fehlt und so die Idee zu meinem eigenen Magazin entwickelt.
Von der Idee zum eigentlichen Print-Magazin, das wir am Bahnhof und in tollen Magazin-/Buchläden kaufen können, ist es aber ein nicht einfacher Weg. Es ist nicht unbedingt so, dass wir heutzutage alles nur Digital nutzen, weil uns im Internet jegliche aktuelle Information zugeflogen kommt. Das Interesse an Printpublikationen, Fotobändern, oder Coffee-Table-Books wie sie heute so schön heißen, besteht weiterhin, vielleicht um sich etwas Lebensqualität und Zeit zu erhalten, aber für die Magazin-Macher wird es nicht einfacher. Die Ausgaben finanzieren sich ja nicht von alleine und vor allem die Erstausgabe kann noch nicht von dem Verkauf der vorherigen leben. Das Problem, das wir durch die Digitalisierung haben ist, das uns Anzeigen-Kunden abspringen, weil das Budget nur in digitale Medien gesteckt wird.

Das Abi liegt schon eine Weile hinter dir, wie sieht dein Arbeitsleben mittlerweile aus und was steht als nächstes an?

Nach dem Abi ging es für mich direkt nach München, um weiter an WUNDER und als Creative Director zu arbeiten. Ich konnte mir während der Schule bereits einen kleinen Kundenstamm aufbauen und hatte auch einen Platz im Co-working-space „theStu“. Danach ging es zum Glück so weiter, und ich konnte daran arbeiten mein Portfolio zu erweitern, neue Kunden zu gewinnen und die erste Ausgabe von WUNDER fertigzustellen. Ich habe meine Zeit auch genutzt, mich in London am London College of Fashion zu bewerben und freue mich dort ab September studieren zu dürfen. Für mich war London schon immer ein großes Ziel und ich hoffe, während des Studiums weiter als Creative Director arbeiten zu können und weitere Ausgaben von WUNDER zu produzieren. Die nächste ist schon in Planung und in meinem Kopf sowieso schon fast fertig.

Du bist wahnsinnig erfolgreich für dein Alter. Was sind die 3 wichtigsten Tipps, die du jungen Kreativen mit auf den Weg geben würdest?

Gerade in der Kreativszene ist es sehr wichtig, schnell Kontakte zu knüpfen. Es bringt nichts, an seinem Schreibtisch zu sitzen und darauf zu warten, bis einem die Aufträge zugeflogen kommen, man muss dran bleiben, auf Veranstaltungen gehen und gerade Heute Leute anschreiben und sich vernetzen.
Ich denke, es ist auch wichtig, sich sich mit den sozialen Netzwerken auseinanderzusetzen und zu wissen, wie wir uns nach außen präsentieren wollen. Fluch oder Segen, aber genau das ist es, worauf es bei Instagram und Co. ankommt: Wir können selbst steuern wie wir gesehen werden wollen.
Am Wichtigsten ist aber, sich treu zu bleiben und – das wird man noch öfter hören – zu versuchen, nicht das zu machen, was die Anderen machen, sondern den eigen Weg zu finden, Dinge auszudrücken.

Du schaffst es, eine Klarheit in alle Dinge zu bringen – ist dein Arbeitsalltag auch so strukturiert? Wie konzentrierst du dich am besten?

Mir ist auf jeden Fall wichtig zu wissen, was ich selbst schaffen kann. Viele Kreative neigen dazu zu viel machen zu wollen. Es ist gut, wenn man Dinge hat, die einen antreiben, aber ich glaube bei der Kunst ist es ähnlich wie mit dem Handwerk, man sieht selten einen Schreiner ein Haus mauern. Das ist vielleicht auch noch ein Tipp! Wenn ich eine Anfrage bekomme, müssen ein paar Kriterien erfüllt sein, damit ich die Anfrage annehme. Meine Zeit und die Energie, die ich aufbringen kann, sind zwei davon.
Ich muss auch sagen, dass es mir leichter fällt zu arbeiten, wenn mein Umfeld stimmt. Das fängt zum einen mit den Menschen an, mit denen ich arbeite und die Kommunikation, die wir miteinander haben, und hört bei dem Ästhetischen auf. Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich mich wohlfühlen, wo ich arbeite, wenn ich auf einem Stuhl sitze, der bequem ist und mir der Stift gefällt, mit dem ich schreibe.

Worauf hast du beim Einrichten deiner Wohnung geachtet?

Wie du schon angesprochen hast, mag ich es, wenn Dinge eine klare Linie haben. So war das auch mit der Wohnung. Mir war zum Beispiel wichtig, dass die Zimmer nicht überladen sind, und ich nicht zu viel Stauraum habe. Das klingt ein bisschen komisch, aber für mich war es wichtig, mit der neuen Wohnung anzufangen, mich von Sachen zu trennen und nicht alles aufheben zu müssen. Außerdem fühle ich mich in hellen Räumen wohl, deswegen ist die Farbauswahl bei den meisten Möbeln auf weiß gefallen.

Was sind deine liebsten Interior-Labels?

Ich habe beim Einrichten meiner Wohnung viele kleine Labels und Läden aus Deutschland gefunden. Hier in Münchener Westend gehe ich gerne in den Laden „Vinduu“ und finde Berliner Labels wie „New Tendency“ oder „Objekte unserer Tage“ toll.
Grundsätzlich bin ich aber ein großer Fan von skandinavischen Marken wie „HAY“ oder „ferm“ und von Klassikern wie „String“. Von den Labels findet man wohl am meisten in meiner Wohnung.

Und deine 3 Lieblingsdinge in deiner Wohnung?

Ich müsste wahrscheinlich sagen W-LAN-Router, Spül- und Waschmaschine, aber um den ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden sage ich: der Freischwinger von Marcel Breuer, mein Schallplattenspieler und meine Pflanzen!

Vielen Dank an Robin Kater für die Portraits!

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