Jahresrückblick 2018: Jowa

4. Januar 2019 von in

Es ist wirklich kein origineller Einleitungsspruch, wenn es um Jahresrücklicke geht, aber: Oh mein Gott, wo ist die Zeit hin? Dieses Jahr ist in einem rasanten Tempo an mir vorbei gerauscht – obwohl so unglaublich viel passiert ist, die Welt ist nicht mehr dieselbe. Oder vielleicht gerade deswegen? Jedenfalls habe ich noch nie so gebannt die Nachrichten verfolgt wie 2018 – kein Wunder, wenn man jede Minute mit der Totalkatastrophe rechnet. Polizeiaufgabengesetz, Hambacher Forst, Hetzjagd in Chemnitz, #metwo, Hitzewelle und Klimawandel. 2018 hat mich – und ich glaube, auch viele andere – um einiges politisiert und radikalisiert und ich habe viel mehr schlechte Nachrichten verkraften können, als ich es 2017 noch für möglich gehalten hätte. Die Nerven wachsen mit ihren Aufgaben, I guess. Und spätestens dieses Jahr lässt sich die politische Entwicklung auch nicht mehr von der persönlichen trennen. Denn eigentlich war mein persönliches 2018 sehr ruhig und beständig: Ich bin in München angekommen und fühle mich zu Hause, habe nach wie vor tolle Freundschaften über das ganze Land verstreut und kann mich wirklich nicht beschweren. Trotzdem wird 2018 als ein Tumult-Jahr in mein imaginär-persönliches Geschichtsbuch eingehen: Als das Jahr, in dem endgültig alle bekloppt geworden sind.

2018 war irre und anstrengend. Irre anstrengend!

In diesem Jahr habe ich erkannt, dass Geschichte sich wiederholen kann, wenn wir nicht aufpassen.

Mein liebstes Instagramfoto ist bei meinem zweiten richtigen Trip mit meinem neuen Camper entstanden – am Walchensee, im Sonnenuntergang, mit Spaghetti vom Camping-Gasherd. Der Auftakt des Jahrhundertsommers 2018 – und dem neuen Abschnitt „Jowa & das Vanlife“.

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es ist das motherfuckin #vanlife

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Der schönste Trip: Im Sommer habe ich knapp fünf Wochen eine Freundin in Indien und Nepal besucht und habe den brutalsten, aber auch lehrreichsten Kulturschock meines Lebens erlebt. Indien hat mich komplett überfordert – und in Nepal hab ich mich verliebt.

Das Lied, das ich 2018 am meisten gehört habe, war: 2018 ist etwas passiert, was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich hab deutsche Musik für mich entdeckt. Und ganz besonders Ton Steine Scherben – passend zur Politisierung, irgendwie. Mein Lieblingssong ist mit Abstand „Halt dich an deiner Liebe fest“. Mein meist gehörter Track war allerdings ein Ton Steine Scherben Cover: „Für immer und dich“ von Jan Delay. Dessen Stimme ich in jedem anderen Song gewöhnungsbedürftig finde.

Das habe ich 2018 zum ersten Mal gemacht: Ich war zum ersten Mal in Asien – und dann auch direkt im vielleicht eindrucksvollsten Land von allen, in Indien.

Ein Ort, den ich 2018 neu entdeckt habe: Meinen „neuen“ Bezirk Untergiesing. Ich habe nämlich vor Kurzem beschlossen, dass ich jetzt 1860-München-Fan werde und gehe regelmäßig zu den Heimspielen ins Grünwalder Stadion, das nur ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt ist.

Liebste drei Artikel auf amazed: Ich werde auch zehn Monate später immer noch auf den Artikel zum Emma-Stone-Syndrom angesprochen, der anscheinend noch viel mehr Nerven getroffen hat, als ich dachte. Ähnlich war es mit der Kolumne „Selbstwert ohne Männer“. Außerdem war ich froh, über das Refugee-Camp in Calais schreiben zu können und 600 Euro spenden sammeln zu können!

Ein Kauf, an dem ich noch lange Freude haben werde: Vermutlich der beste Kauf des ganzen Jahrzehnts, wenn er mir nicht unter’m Hintern wegrostet: Mein Camper! Im April hab ich endlich meinem Sehnen nachgegeben, mein Sparkonto geplündert, mir einen Transporter gekauft und ihn zum Wohnmobil umgebaut. Bei zwei Festivals hat er schon gute Dienste geleistet. Im Sommer 2019 wird’s dann aber richtig ernst!

Menschen, die mich in diesem Jahr bereichert haben: Dieses Jahr hat sich mein Instagram-Feed unglaublich politisiert, und ich liebe die Entwicklung, dass immer mehr Menschen die App nicht mehr für Fotos auf aufblasbaren Flamingos in Infinity-Pools nutzen, sondern ihre Reichweite für politische Aufklärung und gegenseitiges Empowerment nutzen. Ohne die vielen tollen, politisierten Frauen (ohne Männer ausschließen zu wollen, aber es sind eben nur Frauen) auf Instagram hätte ich 2018 bestimmt schlechter verkraftet. Hier sind einige von ihnen: @cemeronialsofsavage, @ffabae, @lilithwrusch, @fraupassmann, @maedelsabende, @miriam_suter, @alexandra_stanic and many more! Privat bin ich wie jedes Jahr extrem dankbar für meine FreundInnen, nicht nur in München und Berlin, sondern überall verstreut. Danke, dass ihr mit mir rumhängt, für mich da seid und vor allem auch ehrlich seid, wenn ich mal Blödsinn rede. Ihr wisst wer ihr seid!

3 Dinge, wofür ich dankbar bin: Meine FreundInnen und Familie, meine Gesundheit und die Tatsache, dass ich mir nur selten einen Wecker stellen muss.

Worauf ich 2019 verzichten kann: Ich könnte jetzt genau das selbe schreiben wie schon im letzten Jahr: Nämlich, dass ich liebend gern auf „rassistischen, sexistischen, homophoben, transphoben, klassistischen, islamophoben, antisemitischen, … (die Liste hier bitte über 10 Zeilen weiter führen) Bullshit“ verzichten würde. Weise, wie ich bin, wusste ich aber auch schon vor einem Jahr, dass das ein eher utopischer Wunsch ist. Deswegen verzichte ich stattdessen auf Diskussionen mit eben diesen Menschen, die mich mit Absicht missverstehen – das habe ich 2018 endgültig und endlich gelernt.

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Bildcredits: Andrew McElroy via Unsplash

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