Kolumne: Immer höher, immer weiter. Niemals nach unten.

12. April 2015 von in

Neulich sitze ich mit ein paar Leuten zusammen, als einer von einer Freundin erzählt: „Sarah hat gerade ihren Job verloren, jetzt ist sie in einem tiefen Loch. Sie fühlt sich, als wäre sie auf voller Linie gescheitert.“ „Aber sie ist doch nicht gescheitert, Tausende verlieren jeden Tag ihren Job. Sie hat ja keine Millionen in den Sand gesetzt.“ An diesem Punkt hake ich ein: „Scheitern ist doch ein sehr persönliches Gefühl – und jeder setzt den Maßstab seines Scheiterns anders.“
Nicken in der Runde, dann betretenes Schweigen. Wie oft war Sarah wohl in der letzten Zeit gesagt worden, dass sie nun mal echt nicht traurig sein brauche?

Scheitern, auf die Nase fliegen, etwas in den Sand setzen, das ist etwas sehr Persönliches. Und vor allem etwas sehr Privates. In Zeiten, in denen wir unsere Müslischüssel so perfekt für ein Foto drapieren, ist das Scheitern im privaten und beruflichen Umfeld nicht gern gesehen. Schwäche zeigen, einmal nicht funktionieren können gilt als Versagen, in einer Gesellschaft, in der nach Perfektion und Karriere gestrebt wird. Es geht immer höher, immer weiter. Jedoch niemals nach unten. Und wer doch auf die Nase fliegt, bleibt für sich.

Die große Trauer um eine gescheiterte Liebe. In den ersten Tagen wird geweint, getröstet und geflucht. Doch bitte, irgendwann ist damit aber auch dann mal Schluss. Es muss doch weitergehen. Dass das Verlieren der großen Liebe aber seine Zeit braucht, die auch jeder für sich persönlich definiert, wird in einer Leistungs- und Funktionsgesellschaft wie unserer vergessen. Irgendwann dreht sich die Welt weiter – der, der schwach bleibt, robbt am Ende seiner Kräfte hinterher.

Genauso der Verlust des Traumjobs. Die Befristung zu Ende, der Vertrag wird nicht verlängert. Und plötzlich steht man da. Die Kollegen bemitleiden einen, sind aber schon bald wieder in ihrer eigenen Welt, in der man nicht mehr existiert. Das Loch wird groß und größer. Das Gefühl des Scheiterns schleicht sich langsam ein. Wenngleich man vielleicht nicht 10 Millionen an die Wand gefahren hat. In der Relation ist das eigene Leid immer kleiner, aber eben auch zehnmal näher.

Ehrlich gesagt: Ich wusste lange nicht, ob ich es aufgrund meines selbstständigen Arbeitspensums überhaupt schaffe, mein Magisterstudium ernsthaft zu beenden. Immer wieder kam etwas dazwischen, die fehlenden Scheine rückten in weite Ferne. In manchen Nächten schnürte es mir den Hals zu, wenn ich daran dachte, das Studium zu schmeißen. Was würden die Leute denken? Wie schwachsinnig eigentlich. Einzig mein doch minimal vorhandener Ehrgeiz und mein Stolz trieben mich die letzten Monate an, doch noch irgendwie das Ganze hinzukriegen. Mit der Abgabe der Magisterarbeit fielen damit aber auch zentnergroße Steine von meinen Schultern. Vorerst das Scheitern abgewendet. Drückt die Daumen, dass es gereicht hat und meine Prüfungen auch gut hinhauen.

Dafür scheitere ich immer wieder im Kleinen im Alltag. An meinen Ansprüchen, meinem Zeitmanagement und an meinen Ängsten. So viel zu erledigen, so wenig Zeit. Aber der Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Manchmal verplane ich Treffen, weil so viel zu erledigen ist, und ich muss absagen. Nicht nett, und am meisten ärgere ich mich dann über mich selbst. Genauso wie es mir die Luft zu schnürt, wenn die U-Bahn länger als eine Minute im Tunnel steht. Für viele Leute ein Klacks, für mich definitiv unangenehm , sodass ich jedes Mal aufatme, wenn sie weiterfährt. Ist das schon Scheitern? Zumindest eine Schwäche. Ein Scheitern in seiner kleinsten Möglichkeit. Auch wenn ich bisher Glück hatte, beruflich wie privat, das große Scheitern blieb aus. Trotzdem spreche ich ungern über die kleinen Schwächen, meine Angriffsflächen.

Wenn wir neue Menschen treffen, fragen wir immer: Und, was machst du so? Wo geht es für dich hin? Ganz nach dem Motto: meine Familie, mein Haus, mein Hund, mein Garten, mein Auto, mein Traumjob, meine Mega-Karriere. Die Frage „Und was hast du zuletzt so richtig versemmelt?“ stellt sich nie. Wer dann sagt: „Ich habe gerade keinen Job, denn es geht mir schlecht“, erntet Schweigen, betretene Gesichter. Ein „Das kenn ich. Mir gings vor sechs Monaten auch richtig dreckig.“ würde helfen. Entspannen. Hemmschwellen senken.

Wenn Sarah jemanden erzählt hätte, sie hat den Job verloren und ihr wäre entgegengekommen: „Oh shit, das kenn ich. Gehts dir auch so mies? Die ersten Monate waren Horror, aber dann gings langsam.“ Ich denke, es wäre ihr besser gegangen. Ein verständnisvolles Umfeld gibt Kraft, ein verständnisloses raubt sie.  Nach dem Gespräch war mir bewusster als je zuvor, dass man sich kein Urteil über die Schwächen anderer erlauben darf. Jeder empfindet anders. Während ich keinen Stress habe mit beruflichen Unsicherheiten zu leben, kann der andere dafür stressfrei Stunden im U-Bahn-Tunnel stehen. So ist das eben. Wir alle sind anders. Genauso wie jeder Mensch mal in seinem Leben am Punkt des Scheiterns steht. Wie groß und klein das ist, definiert jeder für sich. Was bei allem hilft: sich gemeinsam unterstützen. Auch in schwachen Zeiten. Sich zeigen, dass in unserer Instragram-Ästhetik-perfektionierten Welt nicht alles so perfekt ist – und vor allem perfekt sein muss.

Und deswegen frage ich euch: Was habt ihr zuletzt so richtig versemmelt? Wie sind eure Erfahrungen mit dem großen Wort des Scheiterns? Und welche kleinen Schwächen habt ihr so im Alltag?

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23 Antworten zu “Kolumne: Immer höher, immer weiter. Niemals nach unten.”

  1. Wow, ein wundervoller Text. Du sprichst mir wirklich aus der Seele! Mir geht es gerade ähnlich, allerdings habe ich nicht meinen Job verloren, sondern vermutlich mein Studium versemmelt. Endgültig durch Statistik durchgefallen, weil Mathe einfach nie mein Ding war. Und weil ich mit Psychologie nie das Auswerten von Statistiken und Integrale und Wahrscheinlichkeiten und all dieses BlaBla verbunden habe, sondern das Gefühl, Menschen helfen zu können. Und das ist etwas, was ich wirklich kann, aber jetzt ist mir dieser Weg verbaut. Wegen Mathe. Und die Menschen um mich herum verstehen es nicht oder wollen es nicht verstehen und ständig bekomme ich zu hören: „Hättest dich halt mehr angestrengt.“ So als hätte ich nicht sowieso schon alles gegeben. Seelisch, Physisch und Psychisch. Aber stattdessen wird einem vor Augen gehalten, dass man versagt hat in dieser Welt, die nur noch dafür da ist, immer schneller und weiter und höher zu kommen…. Und dann noch die eigenen Selbstvorwürfe. Was hätte man anders machen können? War es beeinflussbar? Hätte ich das nicht von vornherein wissen können? Bin ich einfach zu blöd dafür? Manchmal hasse ich diese Welt, in der man nur gefragt wird: „Und was arbeitest du?“ und dann eine hochgezogene Augenbraue erntet. In der es nur noch darum geht, schnellstmöglichst Karriere zu machen, einen Haufen Geld zu verdienen und der Gesellschaft gerecht zu werden. Was ist damit, was man selbst möchte? Das zu tun, was einem Spaß macht? Hat das keinen Wert? ..

    Ich wünsche Sarah auf jeden Fall viel Glück auf ihrem weiteren Weg und dass sie Menschen findet, die für sie da sind, ohne ihr zu sagen, dass sie sich nicht so anstellen soll…

    Sorry, eigentlich wollte ich keinen Roman hier schreiben :D Irgendwie musste das jetzt nur mal raus… ;)

    Liebe Grüße
    Madita
    lucciola-test.blogspot.de

    • Liebe Madita,
      erstmal vielen lieben Dank für deinen langen Kommentar und deine Ehrlichkeit.
      Das mit deinem Studium tut mir leid :( All deine Gedanken kann ich nachvollziehen und ich drücke dir alle meine Daumen, dass du ganz schnell einen Weg findest, doch noch deinen Traum zu verwirklichen, Menschen zu helfen. Es macht mich wütend, wenn ich höre, wie dann Menschen reagieren. Und man eh schon so sehr von Selbstzweifeln getrieben ist. Sich einzugestehen, dass man nicht weiterkommt oder/und es nicht das Richtige für einen ist, kostet so viel Kraft, da braucht es nicht noch Menschen, die einem sagen, es ginge schon, wenn man sich nur anstrenge. Ähnlich wie Anna (ein Kommentar weiter unten) es sagt, ist das Abbrechen des Studiums nicht zwingend ein Scheitern, sondern auch das Eingestehen, dass es nicht funktioniert hat. Das ist sehr mutig – und gleichzeitig für jemanden, dessen Traum es ist, auch traurig. Es wäre wirklich toll, wenn wir uns alle von einer absoluten Leistungsgesellschaft wegbewegen und uns mehr Raum für kurvige, ungerade Wege sowie auch die ein oder andere Sackgasse geben. Heute wird einem ja leider oft vermittelt, dass nur ein Monat Lücke im Lebenslauf das Ende bedeuten könnte. Dem ist nicht so.
      Vielen Dank für deinen langen Kommentar und wirklich alles Glück der Welt, dass du das Mathethema und das Ende des Studiums schnell hinter dir lassen kannst, für etwas, das dir Spaß macht und dich erfüllt! Fühl dich gedrückt!

  2. Interessantes Thema…je nachdem wie man Scheitern betrachtet. Ich finde, wenn man sein Bestes gegeben hat, dann gibt es kein Scheitern. Dann war der Job vielleicht doch nicht das Richtige, das Studium die falsche Wahl (nicht, wenn man mal eine Prüfung versemmelt, sondern, wenn man sich bspw. von Anfang an durch quält). Dadurch, dass wir das als Scheitern empfinden, versteifen wir uns sehr und machen dicht. Dabei gibt es so viele andere Wege, die man gehen kann. Ein neuer Job kommt und wird vielleicht besser, das andere Studienfach oder die Ausbildung liegen einem vielleicht mehr. Und dass eine Liebe zu Ende geht ist sicher kein Scheitern – das ist das Leben.
    Ich finde, wir sind viel zu sehr darauf getrimmt, dass wir bekommen, was wir wollen und wenn dem nicht der Fall ist, sind wir dermaßen perplex, dass wir das Scheitern nennen. Dabei läuft so einfach das Leben. Manchmal klappt es, manchmal nicht. :)
    Viele Grüße und einen schönen sonnigen Tag wünsche ich dir!

    • Liebe Anna,
      da hast du Recht. Ich sehe das eigentlich sehr ähnlich wie du. Wenn man immer das Beste gegeben hat und es doch nicht gelingt oder an seine Grenzen stößt oder eben merkt, dass etwas zu einem nicht passt, ist es kein Scheitern, sondern der Weg zu einem selbst. Gleichzeitig wird einem aber von außen schnell beigebracht, man wäre gescheitert, weil man eben nich den einen gerade Weg geht, sondern mehrere Kurven, Abbiegungen und Einbahnstraßen fährt, bis man zum Ziel kommt.
      Zum Thema Liebe: Natürlich gehen Beziehungen auseinander, scheitern an Alltag, etc. Und natürlich ist das das Leben. Gleichzeitig fühlt man sich vielleicht gescheitert, wenn es auseinandergeht, während der Lebensplan ein anderer war und alle Freunde plötzlich heiraten. Auch aus diesem Loch muss man herausklettern und wie lange das dauert, liegt bei einem selbst. Trotzdem – und darauf beziehe ich mich im Text – wird schnell von außen verlangt, wieder zu funktionieren. Sucht man sich eben den nächsten, mit dem es klappt. Dass man aber vielleicht erstmal trauert, überfordert ist und Zeit braucht, dem wird oft nur wenig Raum gegeben. Es muss ja weitergehen.
      Auf jeden Fall ein guter und wichtiger Einwand! Liebe Grüße!

  3. Spannendes Thema, liebe Antonia. Ich finde, dass es gut ist, wenn du sowas ansprichst. Grade in unserer Leistungsgesellschaft, wo busy sein angesagt ist und man keine Gefühle hat, aber dafür jede Menge Swag.
    Klar muss es weiter gehen, aber jeder von uns in seinem eigenen Tempo bitte. Und ich finde immer noch, dass jeder das Recht haben sollte, zu trauern oder ängstlich zu sein oder mal nicht weiter zu wissen. Freunde können natürlich eingreifen, wenn sich etwas zum Beispiel zu einer ausgewachsene Depression entwickelt, aber solange es noch im Rahmen ist, finde ich, dass man eben einfach mal da sein muss und zumindest versuchen sollte, den anderen zu verstehen – selbst, wenn man die DInge ganz anders sieht. Weiter geht es irgendwann von ganz allein… auch, wenn man in dem Moment nicht dran glauben kann.

    • Liebe Kathi,
      Danke für deinen Kommentar. Absolut, Freunde sollten eingreifen, wenn der einzelne es nicht alleine rausschafft oder eben Hilfe benötigt, ansonsten kann ich dir auch nur zustimmen! Liebe Grüße!

  4. Hallo Antonia, danke für deinen Post. Ich denke viel darüber nach warum in unserer Gesellschaft Scheitern so negativ betrachtet wird. Muss das Leben immer berauf gehen? Kann es das? Ich denke nicht. Mal stagniert es mal geht es auch bergab. Und ich habe gelernt dass man aus den schwierigeren Phasen am meisten lernt auch wenn sie schmerzhaft sein können. Wichtig nur dass man nicht den Kopf in den Sand steckt und auch diesen Momenten erlaubt einen wichtigen Teil beizutragen. Das klingt jetzt aber sehr philosophisch ups… :) Und es stimmt es würde glaube ich mehr helfen in solchen Momenten Verständnis und Mitgefühl zu hören!
    Liebe Grüße!

    • Liebe Kathi, ein wichtiger Punkt, den du ansprichst! Ich finde nämlich auch, dass Scheitern nicht zwingend negativ ist. Auch in dunklen Momenten lernt man viel über sich und andere, schafft man es aus der Krise heraus, ist man meist stärker und offener für neues. Das Leben geht nie für jemanden immer nur bergauf, deswegen wäre es schön, wenn es nicht immer den Anschein hätte, dass es das müsse. Vielen Dank für deinen Kommentar. Liebe Grüße!

  5. Aber bewegt sich die Gesellschaft nicht schon minimal in diese Richtung? In den USA gibt es bereits Treffen, von Leuten die mit ihrer eigenen Firma „gescheitert“ sind, sie tauschen sich aus, um daraus mitzunehmen, was sie vielleicht besser hätten machen können oder was ihnen auch gefehlt hat.
    Scheitern ist also nicht immer nur verlorene Zeit, sondern auch Lernen. Das muss sich in der Gesellschaft ändern – Scheitern, Neuanfang bringt einen nur immer weiter!
    Ich als Personaler beurteile auch einen Lebenslauf, in dem jemand versucht hat siche bspw. Selbstständig zu machen und er musst dies wieder aufgeben, nicht als negativ, sondern als positiv. Derjenige hat sich wenigstens mal was getraut!

    • Liebe Jule,
      Das sage ich ja auch nicht, also das Scheitern verlorene Zeit ist. Im Gegenteil: Wer scheitert oder auf die Nase fällt, lernt viel über sich und seine Umwelt, macht Erfahrungen etc. Nur in unserer Gesellschaft gilt es oft immer noch als verpönt, nicht zu funktionieren. Ein Umdenken ist wichtig und findet auch langsam statt: wie beispielsweise in sogenannten Failnights, in denen Menschen erzählen, was schief gelaufen ist und wie sie daraus gelernt haben. Liebe Grüße!

  6. Liebe Antonia,

    das ist ein sehr schöner und auch sehr wichtiger Text.
    Ich selbst kenne das Gefühl des Scheiterns auch sehr gut. Nach dem Ende meines letzten Jobs im Oktober letztes Jahr hab ich immer noch nix neues gefunden und bin in den letzten 6 Wochen in ein richtiges Loch gefallen. Langsam geht’s wieder und ich schöpfe wieder Hoffnung, weil mich mein Freundeskreis auch sehr unterstützt.
    In Berlin gab es übrigens vor einer Weile auch mal ein Treffen von Wirtschaftsleuten und gerade auch Start-Up-Gründern, in denen es ums Scheitern geht.

    Man kann das Scheitern auch immer wieder als eine Chance für etwas neues Begreifen.
    Ich bin raus aus dem Job – gut, dann hab ich Zeit, mich zu hinterfragen: Was will ich in meinem neuen Job? Was möchte ich nicht nochmal erleben. Und dann können entstehen Chancen, etwas neues zu schaffen, eine positive Veränderung zu schaffen.

    • Liebe Christina,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich sehe das sehr ähnlich: Wer scheitert, hat auch die Chance, sich zu überlegen, was will ich, wohin soll es gehen, warum ist das so und so passiert? Das habe ich im Text etwas vernachlässigt, weil es mir eher darum gehen, wie die Umwelt eben oft reagiert. Sich einzugestehen, schwach zu sein und gerade nicht den absoluten Peil von irgendwas zu haben, fällt in unserer Gesellschaft schwer. Das finde ich so schade, denn jeder kommt in seinem Leben an den Punkt. Und dann wäre es schön, wenn das alles gar kein Problem wäre, im Gegenteil, es eben so gesehen werden würde, dass es auch was gutes hat und dass es mutig ist, auch zu sagen, jetzt gerade läuft es nicht so rund.

      Ich wünsche dir, dass du ganz schnell einen neuen Job findest, der dich erfüllt und dir Spaß macht. Ich drücke alle Daumen! Und es ist super toll zu hören, dass du Freunde hast, die dich unterstützen. Alles Liebe dir! Antonia

  7. Liebe Antonia,

    ein großes Lob für deine Worte! Ein schwieriges Thema, gerade bei vielen unserer „Generation“ (ich mag diese Phrase über Generationsprobleme eigentlich nicht ;-)) und du hast einen schönen, einfühlsamen Text dazu geschrieben, den ich definitiv weiter empfehlen werde, für Freunde, die sich gerade mit dem „Scheitern“ auseinander setzen.
    Ich stehe ganz kurz vor meinem Examen und Scheitern ist eine Angst, mit der ich täglich aufwache und einschlafe. Wenn ich das vergeige, hab ich 7 Jahre umsonst studiert. Und es macht mir Angst, dass ich für etwas, was ich gerne mache, vllt nicht „gut genug“ bin.
    Letztlich hat Scheitern aber wohl immer zwei Seiten: Wer scheitert darf auch traurig sein und sich definitiv ein paar Tage im Selbstmitleid suhlen, aber ich finde den Gedanken schön, dass man aus allem etwas lernen kann und es manchmal einfach so sein soll, wie es eben ist.
    Vielen Dank für den tollen Beitrag, ich kann nur immer wieder sagen, dass ich es toll finde, dass man von Euch auch immer wieder angeregt wird sich über interessante Themen Gedanken zu machen. <3
    Liebe Grüße

    • Liebe Henrike,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ohja, deine Gefühle kann ich nachvollziehen. Kurz vor dem Examen ist der Druck sehr hoch und das mögliche Scheitern pendelt wahrscheinlich wie ein Damoklesschwert täglich über einen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass du das packst. :) Ich drücke alle Daumen!

      Absolut, wer scheitert, darf traurig sein und auch mal alles blöd finden, im Idealfall nimmt man aber etwas daraus mit und lernt viel über sich. Kein Scheitern ist umsonst, das hätte ich vl. noch näher beleuchten müssen. Schließt sich eine Tür, öffnet sich einer andere. Sie würde nur vielleicht nicht so zugeknallt werden, wenn der Umgang mit dem Scheitern in unserer Gesellschaft offener und weniger leistungsbelegt wäre.
      Vielen Dank für deine lieben Worte und ganz ganz viel Erfolg für dein Examen!
      Liebe Grüße!

  8. Sehr guter Text und sehr wahr! Ich komme gerade selbst aus einem Loch. Eine gescheiterte Beziehung, die keine wirkliche war. Man fühlt sich allein und nicht gut genug. Am Anfang kann man sich bei der Freundin noch ausheulen, aber nach 4 Monaten will sie nichts mehr davon wissen. Schließlich war es ja nicht so lange und sie hat viel schlimmeres erlebt. Dass das immer subjektiv ist, hilft auch nicht. Ich weiß, dass man nach einer bestimmten Zeit wieder nach vorne schauen muss, aber manchmal fällt es schwer. Dann gibt es wieder diese Momente, in denen alles hochkommt. Von Unbeteiligten bekommt man dann nur Unverständnis, weil es einem jetzt doch wieder gut ging.
    Und dann ist da natürlich immer diese Angst, dass das mit dem Studium doch nichts wird. Auch wenn ich nun schon mehr am Ende als am Anfang bin, ist ein Scheitern immer noch möglich und dann bleibt mir nichts als Abitur und ein Neuanfang. Das sind immer so Dinge, die einen lähmen. Aber dadurch wird es nicht besser. Ich denke mir mittlerweile, dass nichts ohne Grund geschieht und dass alles einen Sinn hat. Wenn nicht dieser Weg, dann sicher ein anderer. Puh, langer Text :D

    • Liebe Sabina,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine ehrlichen Worte.
      Ich kenne das. Da ist man tieftraurig, selbst nach ein paar Monaten übermannt es einen noch und die Leute um einen herum können es gar nicht nachvollziehen, weil ist doch jetzt schon so lange her und überhaupt, war doch eh ein Depp. Ja, macht das mal dem Herzen klar? Wenn alles so einfach immer wäre :) Schmerz und Trauer sind immer subjektiv und natürlich sollte man auch immer nach vorne schauen, aber es ist auch völlig in Ordnung, wenn man auch nach einer gesellschaftlich akzeptierten „Trauer“-Zeit noch Tage hat, an denen es einem scheiße geht. Im nächsten Moment lacht man wieder, aber in dem Moment ist man eben traurig. Das ist okay und gut so.
      Genauso mit dem Studium: Das haut sicher hin. Aber natürlich gibt es Tage, an denen man sich denkt, ohje, was mache ich bloß, wenn es doch nicht hinhaut? Ich sitze manchmal da und denke mir: Oh Gott, ich kann nur schreiben und quasseln. Von Bwl habe ich keine Ahnung. Hilfe. Dass ich aber doch mehr kann und stolz auf das Erreichte sein kann, vergesse ich in Momenten des Selbstzweifels. Ich denke, das ist sehr normal.
      Wie du sagst: Nichts geschieht ohne Grund und schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Da bin ich mir auch ziemlich sicher.

      Ich wünsche dir, dass du ganz schnell deinen Herzschmerz vergessen kannst und bald noch schönere Momente auf dich warten. Das Studium klappt bestimmt :) Nur das Beste für dich! Alles Liebe!

      • Danke liebe Antonia :) Ich merke gerade wie bewusst ich lebe, ich kann es nicht wirklich erklären, aber seit „er weg ist“ mache ich so viel und werde zB auch im Sommer meinen lange geträumten Traum „ein Praktikum in München“ endlich in Erfüllung gehen lassen. Komisch, dass man dazu erst so ein negatives Erlebnis braucht, um endlich seine Ängste zu überwinden. Das ist auch das, was mich aktuell vorantreibt. Das Wissen, dass es mir ohne diesen Menschen so viel besser geht. LG :)

  9. Liebe Antonia,

    wie recht du hast.
    13 jahre schule, 5 jahre studium und 2 jahre referendariat. das sind 20 jahre, denen man sich dem leistungsdruck ausgesetzt hat. ständig ging es um beurteilungen und noten.
    noch heute mit 32 jahren habe ich wiederkehrende albträume, in denen es um „gescheiterte“ prüfungen geht.
    ich würde von mir behaupten, dass ich grundsätzlich ein lockerer typ bin und wäre ich in der vergangenheit persönlich gescheitert, hätte es mich nicht allzu sehr aus der bahn geworfen. jedoch ist es nun mal so, dass man manchmal sehr viel investiert, je weiter man kommt. hätte ich mein studium versemmelt, hätte ich ganz schön viel zeit und geld in den sand gesetzt. das ist eine tatsache.
    mir gefällt diese leistungsgesellschaft überhaupt nicht und ich weiß nicht, ob ich mir für meinen sohn nicht einen einfacheren werdegang wünsche.

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