Selbstakzeptanz

Kolumne: Selbstakzeptanz statt Beautywahn

10. August 2014 von in

Collage: Afterdrk/Topshop

Im Jahr 2014 ist beautymässig ja so gut wie alles möglich. Es gibt neue Wimperntuschen im Vier-Wochen-Takt, damit unser Augenaufschlag toller, größer und unwiderstehlicher wird. Lippenstiftfarben in allen Variationen, Highlighter, Bronzer, Farbe für braune Beine und und und. Ganz abgesehen von der extrem hochentwickelten Schönheitschirurgie. Aber gut, anderes Thema. Wer bei Instagram seinen Natural-Look postet, trägt trotzdem meist noch BB-Cream und Wimperntusche, die Augenbrauen in Form gebürstet. So richtig natürlich ist am Ende doch nichts mehr. Wir optimieren uns selbst – bis ins kleinste Detail. Und vergessen, dass man eben doch nicht alles haben kann – und vor allem: muss.

Denn als ich diese Woche bei Sabrina von AfterDrk vorbeisah und dann über diesen Post stolperte, bin ich fast vom Stuhl gekippt. Topshop bietet einen Freckle-Pen an. Einen Stift – zugegebenermaßen könntes auch ein Augenbrauenstift sein – für Sommersprossen. Sicherlich, die Idee ist nicht neu, so mancher malte sich schon vor Jahrzehnten das salonfähige Muttermal ins Gesicht, aber um ehrlich zu sein, ich frage mich: Muss das sein? Liebe Beauty-Welt, was ist denn bitte mit dir los?

Sommersprossen sehen süß aus – wenn man der Typ dafür ist. Wir können heute so viel – Haare färben, Augenbrauen färben, Wimpern färben. Haare verlängern, verkürzen – alles innerhalb von Stunden. Und seit Neuestem eben mal mit oder ohne Sommersprossen herumlaufen. Wozu? Macht das meinen Typ wirklich schöner, besser, wenn ich mir Sommersporssen aufmale und sie beim Tanzen im Club irgendwann verwische? Ehrlich, ich habe da meine Zweifel.

„Man will immer das haben, was man nicht hat“, hat früher meine Mutter gesagt. Während ich früher mit glatten Haaren von einem Lockenkopf träumte und zu gerne eine Blondine gewesen wäre, kann ich heute entspannter damit umgehen.  Schließlich ist das Gras immer irgendwie grüner beim Nachbarn. Was wir vergessen: Das ist nur der oberflächliche Blick.  Statt in ständiger Selbstoptimierung mich mit anderen zu vergleichen, versuche ich mich zu mögen. Das klappt natürlich nicht immer, aber im Großen und Ganzen ist das alles schon okay. Selbstakzeptanz ist das Stichwort. Es hat meistens einen Grund, warum man eben so ist und nicht so. Wer zuerst anfängt, sich zu mögen, ist schon einen Schritt weiter. Jetzt bin ich gefestigt, was das Ganze angeht. Wenn ich aber an die ganzen jungen Mädchen denke, die in der heutigen Beautywelt vorgelebt bekommen, wie man zu sein haben scheint, wird mir bange.

Sicherlich: Experimente sind toll. Unsere vielen Möglichkeiten, uns beautymäßig auszutoben, auch. All das will ich gar nicht verteufeln. Dass wir uns zurechtmachen, unsere Vorzüge hervorheben und auch mal in den Beauty-Wundertopf greifen, ist völlig legitim. Auch ich nutze Anti-Falten-Cremes, Highlighter und ein Wimpernserum. Der Freckle Pen ist somit nur die Spitze des Eisberges und führt  die Absurdität unseres Selbstoptimierungswahns vor Augen. Was, wenn der neue Schwarm sich in den Sommersprossen-Typ verliebt, obwohl man gar keine hat? Also morgens ganz schnell ins Bad verschwinden und neu aufmalen? Was für ein Stress! Dann doch lieber einfach ohne Sommersprossen die Nacht durchfeiern. Denn mal ehrlich: Wer mit sich im Reinen ist, sieht mit und ohne Sommersprossen gleich schön aus. Ich wage sogar zu behaupten: Wer ohne Sommersprossen gesegnet ist, wirkt ohne auch natürlicher.

Statt  in das Selbstoptimierungs-Becken zu hechten, sollten wir fröhlich neben dem Pool stehen und uns akzeptieren – so wie wir sind. Die Natürlichkeit unterstreichen, denn sie macht uns aus. Und wer sich selbst mag, strahlt das auch aus. Da braucht es dann sicherlich keinen Freckle Pen. Ein Lachen reicht.

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3 Antworten zu “Kolumne: Selbstakzeptanz statt Beautywahn”

  1. sehr schöne worte und ich gebe dir absolut recht!
    zu meinem natürlichkeitslook zählen leider auch immer noch puder, wimperntusche und optimierte augenbrauen. ich wünschte, es wäre nicht so, aber mit diesen produkten als minimum kann ich mich schon zufrieden geben – wenn ich an zeiten von vor jahren denke, in denen ich mich damit absolut unwohl gefühlt hätte!

  2. Recht hast du! Ich finde Sommersprossen auch sooo schön, aber da muss man wirklich der Typ dafür sein. Ich hab gestern ein graues Haar entdeckt…und es drin gelassen! So!

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