Kolumne: Plötzlich gelangweilt

21. Juli 2015 von in

Vielleicht ist es ganz normal, dass sich nach einer anstrengenden Phase im Leben eine Art Müdigkeit einstellt. Dass man erstmal am liebsten nur entspannen will, das ganze Onlineleben uninteressant findet, weil das echte Leben da draußen so viel interessanter ist. Dass die Kreativität eine Pause macht, obwohl man es so gar nicht will. Dass man all seine Energie für das Lieblingsthema aufwenden will, und sich doch ein bisschen leergesaugt fühlt. Aber ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mir das passiert. Tatsächlich bin ich gerade ziemlich müde – müde von den neusten Zugängen der Onlineshops, der aktuellsten Trends und der Freude am Konsum. Die Mode und ich, gerade sind wir keine großen Freunde.

Und das ist tatsächlich ziemlich ungewöhnlich. Denn ich liebe Mode. Das Schreiben über Mode, das Beschäftigen mit Trends, ja selbst das reine Durchklicken der New-in-Abteilung der Onlineshops ist für mich die perfekte Zeitvertreibung. Hach, schau mal, wie schön das ist. Auch bin ich eigentlich immer topinformiert, was auf anderen nationalen und internationalen Blogs passiert. Nur momentan bleibt mein Laptop die meiste Zeit aus.

Ein kleines Problem, wenn das Ganze doch der Job ist. Aber ehrlich, so ein bisschen hat sich bei mir gerade Überdrüssigkeit eingestellt. Verteidigte ich bisher Modethemen bis aufs Blut, fehlt mir gerade so ein bisschen der Sinn dahinter. Fragen wie „Sollte ich nicht über Wichtigeres schreiben?“ und „Sollte ich mich nicht lieber sozial engagieren?“ schießen mir durch den Kopf. Gefolgt von: Was ist denn jetzt mit dir los?

So ein kleines bisschen schiebe ich das Ganze auf den Uniabschluss. Zwar habe ich die Prüfungsphase als gar nicht anstrengend empfunden, dennoch war man ja ein klein wenig gefangen. Freie Freizeitgestaltung – not! Und während ich mich im ganzen Juni mit Brecht, Dante und anderen Themen beschäftigte, hat mich wohl das Relevanz-Monster erwischt. Denn so ein bisschen frage ich mich nun: Wie relevant ist das Ganze eigentlich?

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Mode weiterhin, auch amazed ist mein liebstes Projekt. Ich habe tierisch Lust, all meine Energie da hineinzustecken. Und trotzdem bin ich grad sowas von gelangweilt, was mich hemmt. Vielleicht ist es das vorgezogene Sommerloch, aber der 10. Sale-Artikel auf Blogs nervt mich, statt dass er mich kickt. Die Instagram-Ästhetik kriege ich sowieso nicht so perfekt hin und ich will auch nicht mein ganzes Leben auf Snapchat ausbreiten, um Erfolg in diesem Fach zu haben. Neue Geschichten, spannende Themen rund um Mode und Co. und ein bisschen Tiefe, das fehlt mir gerade – nicht nur bei mir, sondern auch im Gesamten. Bleibt nur die schwierige und am Ende leider ausschlaggebende Frage: Wird das auch geklickt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich – sobald das Wetter herbstlich wird und die Neuzugänge immer mehr werden – meine Modelust neu erwacht. Und ehrlich, darauf freue ich mich auch. Denn es ist ja auch ein bisschen schade, wenn das Lieblingskuscheltier plötzlich links liegen gelassen wird. Ich bin mir sicher, bald kuscheln wir wieder. Solange brainstorme ich und sammle tiefere Themen und neuen Content auf meiner Ideenliste. Und klar, auch die amüsanten, unterhaltsamen und leichten Artikel dürfen nicht fehlen. Unterhalten, Spaß machen, auch das hat Sinn. 

Gleichzeitig will ich mir aber einen Ausgleich zum Modejob verschaffen. Mich sozial engagieren, damit das blöde Gefühl ein bisschen weggeht. Anderen Menschen helfen ist mir schon immer wichtig, bislang tat ich das sporadisch, langfristig will ich aber gerne regelmäßig Gutes tun. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich ja beides – Mode und soziales Engagement – verbinden? Schließlich ist Mode eigentlich so gar nicht sinnlos. Schließlich kreieren wir unsere Identität aus der eigenen Zusammenstellung auf Kleidung, senden Zeichen an unser Gegenüber, welche er sofort deuten und einschätzen kann. Und nicht jeder Mensch kann sich mit Mode in dieser Form – sei es aus den verschiedensten Gründen – auseinandersetzen. Vielleicht sollte ich hier ansetzen?

Geht es jemanden von euch ähnlich? Ist es das Sommer-Sinnsuche-Loch? Welche Themen würden euch interessieren? Ich freue mich auf eure Antworten.

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22 Antworten zu “Kolumne: Plötzlich gelangweilt”

  1. Ach ich kann ganz gut nachvollziehen, was du meinst! Manchmal kommt mir das ganze auch sehr sinnlos, oberflächlich und fast schon egoistisch vor … dabei ist Mode ja wirklich eigentlich mehr als das – zumindest kann sie das sein, nicht immer! Ich habe deinen Artikel gerade wirklich sehr sehr gerne gelesen und ich persönlich würde mich über ähnliche Artikel, die sich vielleicht ein bisschen kritischer mit Mode und ein bisschen Theorie dahinter auseinandersetzen … es kann sein, dass ich damit alleine dastehe – aber ich würde mich da wirklich für interessieren! :-)

    Liebe Grüße und ich drück die Daumen, dass dein modisches Sommerloch bald ein Ende hat!

    Carla

    • Liebe Carla,
      vielen lieben Dank.
      Ja, egoistisch ist ein gutes Stichwort, so fühle ich mich manchmal auch :)
      Theorethische Artikel sind geplant, da ich ja auch meine Magisterarbeit über Mode und ihre Wirkung geschrieben habe :) Freut mich, wenn es Leute gibt, die das auch interessieren würde :)
      Liebe Grüße!

  2. Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Find ich wirklich gut & mir als sonst regelmäßige Blogleserin geht es ähnlich.

    Hier ein paar Anregungen:
    Du könntest Dich mehr auf Fair Fashion konzentrieren und Vorsätze so in die Tat umsetzen. Ihr habt hier mal angekündigt, günstige Fair Fashion Labels vorzustellen. Darauf warte ich wirklich sehnlichst. Ihr habt euch in wirklich guten Artikeln schon so kritisch mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen auseinander gesetzt&auch daraus geschlussfolgert, wie wichtig der Einsatz für faire Labels ist. Bisher fehlt mir da ein bisschen die Umsetzung.

    Ansonsten könntest Du Mode und soziales Engagement verbinden, in dem vielleicht eine Kleidersammlung, Flohmarkt oder einen großen Bloggersale veranstaltest und den Erlös (oder die Kleiderspenden) Flüchtigen zu Gute kommen lässt.

    • Liebe Wiebke,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und die guten Ideen :) Über Fair Fashion habe ich auch schon nachgedacht und auch der Flohmarkt ist eine gute Idee. Ich spende eh schon immer Kleidung für Flüchtlinge :) Aber vl. kann man ja was größeres machen!
      Liebe Grüße!

      • Super, dass Du schon spendest :)
        Soziales Engagement und Mode ist halt schwer, es ist ja schon irgendwie ein Luxus..
        Aber vielleicht fällt Dir ja auch irgendwas ein, um einen Kulturaustausch anzuregen. Einen Workshop oder so.

        Für Dich persönlich ist es aber vielleicht ja wirklich gut, mal gar nix mit Mode zu machen.  

        Carlas Anregung find ich super. Eine kritische Auseinandersetzung mit Mode wäre interessant und würde auch gut zu amazed passen.

        • Liebe Wiebke,
          Ja, Luxus und Mode steht immer etwas konträr zum sozialen Engagement. Aber ich finde, beides schließt sich nicht aus. Denn auch ich darf mein Geld auch für egoistische Dinge ausgeben, nur sollte man vl auch etwas zurückgeben, wenn es einem so gut geht. Deswegen spende ich immer wieder was – sei es Geld an Obdachlose/Flüchtlinge oder eben Sachspenden.
          Ein Kulturaustausch klingt interessant, vielleicht eine Diskussionsrunde. Ich will mich weiterhin mit Mode auseinandersetzen, auch auf leichte Art, gleichzeitig aber nicht nur, sondern eben auch tiefer. Falls das falsch rübergekommen sein sollte:)

          • Neinnein,ich glaub, Du hast mich falsch ververstanden :)
            Ich meinte eher, dass es schwer ist, eine Brücke zwischen beiden Dingen in einer Aktion zu schlagen. Du sollst dich ganz unbedingt weiter viel mit Mode beschäftigen – ich lese und seh gern davon.

          • Ohja, dann war’s ein Missverständnis :) ja die Brücke ist schwierig, aber sicherlich machbar:) und keine Sorge, die Mode bleibt – ich hab grad schon wieder was entdeckt :) Haha so schlimm ist die Krise also doch nicht;)

  3. Ein schöner Artikel. Ich muss gestehen, dass ich amazed anfangs (kurz nach dem Launch) als sehr abwechslungsreich und anders empfunden habe, hier war inhaltlich mehr Tiefgang drin. Das ist meiner Meinung nach etwas verloren gegangen. Insbesondere Deine Artikel, liebe Antonia, fand ich immer sehr interessant und anreged, von meiner Seite also ein großes JA! Mode ist doch wirlich viel mehr als Lookbooks, Kaufanregung und Outfitposts.

    Grüße,
    maja

    P.S. Leider empfinde ich auch die Sonntagskolumne als thematisch sehr eng gefasst, vielleicht wäre da auch mehr drin? Gerne eine Sonntagskolumne zu aktuellen Kultur-, Stil- oder Zeitgeistthemen o.ä.

    • Liebe Maja,
      Vielen lieben Dank. Ich war sehr unsicher, ob man so einen Artikel schreiben kann, wenn man doch auch viele Artikel zum Thema schreibt. Aber ich denke, gerade ein Gedankenaustausch hilft ja auch. Lookbooks, Outfitposts und Kaufanregungen machen Spaß und gehören dazu, aber es muss sich für mich die Waage halten. Aber ich denke, ab sofort wird das auch wieder besser:) wir alle haben schon viele Ideen, sodass wir beides – leichte und tiefe Artikel – euch liefern können. Schön, dass wir solche Leser haben, die Anregungen und Kritik liefern. Danke!

  4. Witzig, dass du das jetzt gerade schreibst. Mir geht es genauso. Ich fühle mich regelrechr leergesaugt, mir fallen keine Themen ein, stumpfe Outfitposts nerven mich, aber für Kolumnen fällt mir nichts ein. Mir gefällt gerade nix, ich habe einfach nur Lust auf bequeme Gammeloutfits und momentan erscheint mir mein Leben überhaupt nicht geeignet für Instagram-Bilder. Demensprechend ruhig ist es leider auch auf dem Blog und Instagram.
    Ich hoffe auf erneute Inspiration im Urlaub. Woran das liegt, kann ich dir allerdings auch nicht sagen. Vielleicht hat man, wenn man sich in der Freizeit und auch noch beruflich stark mit einem Thema befasst, einmal im Jahr eine Phase, wo man denkt, was mache ich hier eigentlich?

    • Liebe Marie,
      Leergesaugt ist das richtige Wort. Genau das habe ich gesucht. Nach dem ganzen Stress bin ich leergesaugt:) aber ich denke, das kommt zurück und ist auch normal nach so einer Doppelbelastung. Ich habe ja Lust und Spaß daran :) Auch den Ansatz, dass – sobald man ein Hobby zum Beruf macht – in so Phasen gerät, finde ich interessant. Das stimmt und ist ein wichtiger Punkt. Je mehr ich eure Kommentare lese, umso motivierter bin ich. Lieben Dank dafür.

  5. Liebe Antonia,
    ich verstehe voll und ganz deine Gedanken! Ich selbst habe mir erst kürzlich auch zu dem Thema Gedanken gemacht. (http://www.roedluvan.at/livestyle/warum-ich-ueberhaupt-wieder-zum-bloggen-angefangen-habe/)
    Mode ist ja wirklich toll aber nicht alles daran ist gut. Ich würde mich auch extrem über Fair Fashion Beiträge freuen. Möchte komplett weg von den großen Ketten und vielleicht habt ihr ein paar tolle Onlineshops im Petto die ihr vorstellen könntet?
    Finde euer Magazin so toll und hätte auch gar nichts dagegen wenn ihr etwas kritischer mit dem Mode bzw. Blogger Thema umgeht. Mode heißt doch nicht immer gleich das man alles konsumieren muss was gerade in ist.

    • Liebe Mira,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, der Mix machts – und der ist irgendwie ein bisschen in meinem Stress verloren gegangen. Aber die Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung ;)
      Fair Fashion steht auf unserer Liste, genauso wie kritische Texte und Modetheorie. Ich freue mich jetzt – auch dank der zahlreichen Kommentare – ganz arg auf die nächste Zeit :) Und die leichten Konsumartikel bleiben natürlich auch, denn insgeheim liebe ich auch die :)
      Liebe Grüße!

  6. Ich verstehe dich auch, denke das geht jedem ab und zu mal so. Gerade in der Bloggerszene kommt es ja häufig vor, dass überall das selbe Produkt vorgestellt wird, auf einmal alle das selbe Teil tragen – da hat amazed bisher immer ganz gut die Kurve bekommen. Nach so einer stressigen Abschlussphase wie du sie zu deinem Abschluss an der Uni hattest, ist einem alles andere vielleicht überdrüssig, weil man so viel geleistet hat in den letzten Monaten und die Uni war so ein wichtiger Teil für dich. Da ordnet man seine Prioritäten wieder neu. Hoffe du findest einen guten Weg aus diesem „Loch“ heraus – in jedem Fall wird es eine Bereicherung sein für Amazed :)
    Franzi von http://www.beeminent.wordpress.com

    • Liebe Franzi,
      wie lieb. Ja mittlerweile glaube ich auch, dass es normal ist und nichts mit „Unlust“ zu tun hat, sondern einfach ein kleines Krea-Tief (mein Hass-Wortspiel;)). Die stressige Phase ist vorbei, da sortiert man sich auch mal neu. Liebe Grüße <3

  7. Auch ich fände etwas tiefgreifendere Themen durchaus toll, denn mir geht es ein bisschen wie dir, speziell wenn ich auf mehreren Blogs, die ich eigentlich alle gut finde, fast die selben Themen sehe… von daher: gerne mehr individuelle Themen, fair fashion und auch theoretischer Sachen.

  8. Liebste Antonia

    Diese innerliche Müdigkeit und das Bedürfnis nach einem geschlossene Laptop, du hättest das Gefühl nicht besser beschreiben können. Danke dafür! Und genauso wie du geniesse ich die sonnigen Stunden im hier und jetzt, aber sehne „modisch“ und „blogtechnisch“ nach dem Herbst! Neue Inspiration, Abwechslung und vielleicht auch wieder einen kühlen Kopf.

    Liebste Grüsse nach München,
    Fabienne

  9. Hallo Antonia!

    Ich hatte genau dasselbe Problem im Mai und Juni, die Motivation für den Blog war weg und die Ideen blieben aus. Schwer wurde es seitdem ich auch mehr Gutes tun möchte, auf H&M und Co. verzichte und gleichzeitig kein „Fairtrade-Öko-Blog“ wie jeder zweite schreiben will. Man (also in meinem Fall) sucht den Sinn, hat ein „schlechtes Gewissen“ weil man eventuell über „Oberflächlichkeiten“ schreibt.. Dabei gehört auch das zum Leben und es ist gut und wichtig Dinge zu überdenken, etwas Neues mit einzubringen und anders zu sein. Ansonsten lesen die Besucher das x-te Bloggerevent durch und davon gibt es ja schon genug.

    Es freut mich sehr Deinen Text gelesen zu haben und ich persönlich freue mich auch auf den Herbst (wieder) und dieses Motivations-Tief kommt und geht :-) Freue mich auf mehr Mode und Gedanken-Input von Euch!

    http://blackmintblog.blogspot.de/

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