#letmeworkit: „Warum machst DU eigentlich so viel Sport?“

19. Juli 2018 von in

Eine Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, seitdem ich so viel Sport mache, ist die nach dem Warum. „Warum machst du eigentlich so viel Sport?“, fiel erst letztens wieder. Die Betonung lag auf dem Du -und der Blick schweift auf meine Figur hinab. Nachfolgend kam dann der Satz: „Also,wenn ich deine Figur hätte, würde ich gar keinen Sport machen.“

Tatsächlich wusste ich gar nicht so recht, was ich darauf antworten sollte. Ja, ich hatte Glück. Meine Gene sind seit Kindheitstagen auf einen guten Stoffwechsel ausgelegt, ich bin schon immer schlank und das, obwohl ich gerne Pizza und Eis verdrücke. Nur: Seit wann heißt das, dass man keinen Sport zu machen braucht?

„Sport ist mein Ausgleich“, gab ich an, und spürte den Blick. Geglaubt wurde mir nicht. Der Stempel der Sportverrückten klebte bereits auf meiner Stirn.

Für viele in meinem Umfeld ist Sport nur das Mittel zum Zweck.

Dann, wenn die Hose kneift, der Sommer ansteht oder es doch einen mal packt. Die Erfolgsbilanz ist niederschmetternd. In meinem Freundeskreis gibt es nur zwei Personen neben mir die wirklich regelmäßig Sport machen. Der Rest gibt irgendwann auf und wirft das Handtuch.

Niemand muss Sport machen, doch die Verknüpfung Sport = Diät ist falsch. Sicher, ich werde nicht jünger, auch ich nehme zu, wenn ich nur Pizza esse, und der Nebeneffekt für den Körper und die Figur des Sports ist die Kirsche auf der eh schon tollen Sahnetorte. Doch mein Antrieb ist ein anderer. Ich möchte gesund sein. Körperlich wie geistig. Und dabei hilft mir der Sport.

Nicht immer ist Sport mit Selbstoptimierung verbunden, aber immer mit „sich was gutes tun“. 

Sport ist tatsächlich mein Ausgleich. Ich fühle mich fit und gesund, spüre meine wachsende Kraft und erlange Vertrauen in meinen Körper. Ich gehe jedes Mal an meine körperlichen Grenzen und darüber hinaus, mein Puls schlägt mir bis zum Hals, und ich überlebe es. Das Gefühl danach ist unbezahlbar – und es gibt mir Sicherheit. Ich weiß, mein Körper funktioniert, selbst wenn ich glaube, er tut es nicht mehr.

Sport pustet meinen Kopf frei, es ist die eine Stunde am Tag, in der ich weder an Emails, Texte noch ans Handy denke. Ich powere mich aus und fühle mich wie frisch geboren. Außerdem bewege ich mich grundsätzlich mehr, seitdem ich Sport in meinen Alltag integriert habe. High-Intensitiy-Training ist nicht für jeden was, Bewegung im Alltag wie Radfahren,Treppensteigen und Spazierengehen aber für jeden möglich. Man könnte also auch einfach sagen: Sport ist mein Hobby.

Ich finde, die Bodypositivity-Bewegung großartig. Welch eine schöne Idee, dass wir uns alle endlich umarmen, unseren Frieden mit allen möglichen Körperformen schließen und keinen extremen Idealen den Raum geben, die sowieso nur ein minimaler Prozentsatz mit viel Arbeit erreichen kann.

Aber – da kommt es das große Aber – es darf genauso sein, dass wir all jene akzeptieren, die bereit sind, diese Arbeit auf sich zu nehmen und bei einem gesunden Maß bleiben. Die sich trotz guter Gene gerne bewegen – aus welchen Beweggründen auch immer. Die zu akzeptieren, die Sport als Hobby haben. Die, die trotz curvy Formen, Sport machen und nicht angefeindet werden sollten, dass sie sich plötzlich nicht mehr akzeptieren. Denn Sport ist sehr viel mehr.

Und Sport und Selbstliebe gehören nämlich ganz eng zusammen.

Dann, wenn man für sich entschieden hat, dass Sport nicht nur das Mittel zum Zweck ist, sondern die Bewegung für einen zu einem gesunden Leben dazugehört – ganz unabhängig davon, wie die körperlichen Voraussetzungen sind. Dass man Sport für sich machen kann. Dass Bewegung und Anstrengung sehr viel mehr Einfluss auf uns haben, als nur auf unser Körperbild. Dass Sport auch Hobby und Spaß sein kann. Dass Sport einem gut tut – ohne den Blick auf die Waage zu haben.

Mittlerweile antworte ich auf die Frage immer: „Weils mir Spaß macht.“ Und das ist die Wahrheit.

 

 

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4 Antworten zu “#letmeworkit: „Warum machst DU eigentlich so viel Sport?“”

  1. Ich mache zwar selber keinen Sport (ist einfach so. Alles andere äre gelogen haha), aber allein die Tatsache, dass Menschen Sport heute noch nur mit Abnehmen und Diät verbinden, regt mich ziemlich auf. Ziemlich vorsintflutlich :/ oder auch: Die haben wohl noch nie Sport gemacht und kennen das Gefühl wenn man total total fertig, aber glücklich, nachhause kommt. :) dafür alleine lohnt es sich doch schon.

  2. Jeder halbwegs informierte Mensch weiß doch inzwischen, dass Sport die beste Vorsorge zum gesund bleiben ist? Deswegen finde ich es seltsam, wenn jemand fragt warum man Sport macht – einfach weil man vielleicht noch mit 55 Jahren ohne Probleme bis in den 3. Stock laufen möchte? Muskelaufbau ist suuuper wichtig schon jetzt mit um die 30, einfach um kraftvoll durch den Alltag zu kommen. Und sich dann wundern warum man Rückenschmerzen hat, weil man x Stunden auf dem Stuhl sitzt aber nix für die Rückenmuskulatur macht….

    • Liebe Ava!
      Absolut – so sehe ich das auch! Aber ich glaube, viele Leute irritiert es, wenn man als Mensch ohne Figurprobleme doch so viel Sport macht (4mal die Woche). Da glauben viele, man hätte eher Diät-Gedanken dahinter – so kam es zumindest bei mir an!Aber wie du sagst,Haltung und Muskulatur ist so wichtig – und Sport hilft hier so gut! :)

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