Über Tipps bei Periodenschmerzen, den Zyklus und PMS als Wohltat

30. März 2021 von in
Illustration: @katharina.lorenz
(*) Wenn wir in diesem Artikel von Frauen sprechen, meinen wir menstruierende Menschen. Uns ist bewusst, dass es Frauen gibt, die nicht menstruieren und es wiederum Personen gibt, die keine Frau sind und trotzdem menstruieren. Um alle menstruierende und zyklische Personen so gut wie möglich einzuschließen, verwenden wir in diesem Artikel unterschiedliche Termina.

Eva Teja ist Doula und Zykluscoach. Das eine geht nicht selbstverständlich mit dem anderen einher – leider. Denn der weibliche Zyklus ist immer noch ein unerforschtes Feld, das sich fast schon als Phänomen bezeichnen lässt. Wahrscheinlich wird mir fast jede Frau (*) zustimmen, die in ihrem Leben mindestens einen enttäuschenden Besuch in einer Gynäkologie hatte, weil sie sich zu wenig aufgeklärt und verstanden gefühlt hat.

Ich glaube, wir menstruierende Personen wissen viel zu wenig über unseren Zyklus, Yoni, unsere Vulva und Vagina. Wir kennen uns gar nicht so gut, und viele mögen sich selbst auch gar nicht. Stattdessen quälen wir uns mit Periodenschmerzen herum, weil wir nicht wissen, wie wir ihnen entgegen wirken können. Wir schimpfen über PMS, ohne zu erkennen, welche Vorteile PMS haben kann. Wir schämen uns für unsere Geschlechtsteile, weil uns anerzogen wurde, dass unsere Vulva peinlich ist. Dass Ausfluss eklig oder gar gefährlich ist. Dass man über Blutung nicht spricht. Dass menstruierende Menschen irgendwie komisch sind. Dabei sind wir zyklischen Wesen verdammt großartig. Wir können Menschen gebären, hallo? Wie krass ist das denn? Und unser Zyklus kann, wenn man ihn richtig kennt, ein Rettungsanker und emotionaler Kompass für unser Leben sein. 

Eva hat viel Erfahrung im Bereich Zykluslehre, Selbstliebe, Vaginal Steaming und Schwangerschaft, und ist somit die perfekte Ansprechpartnerin für alle Fragen, die ich zu dem Thema habe. Deshalb habe ich mit ihr über Periodenschmerzen gesprochen, die Prämenstruelle Sensibilität statt Symptom, Misogynie und den eigenen Zyklus, den es zu verstehen und lieben gilt. 

Liebe Eva, lass uns direkt in das Thema einsteigen. Ich persönlich empfinde es als einfacher „Penis“ zu sagen als „Vagina“ oder „Vulva“. Woran könnte das liegen?

Ich denke, das hat mit unserer Sozialisierung zu tun und auch damit, dass wir deutlich öfter von Penis Zeichnungen und Abbildungen umgeben sind. Die Vagina hingegen war schon immer versteckt und wurde, zum „unsichtbares Loch“ abgetan. Das sagt ja auch das Wort Vagina, das übersetzt Scheide bedeutet. Die Scheide, die zum Schwert passt. Als würde das weibliche Organ nicht ohne das männliche existieren können. Ich finde es schade, dass es im deutschen keinen Begriff für die Gesamtheit der weiblichen Sexualorgane gibt, deshalb entlehne ich gerne das Sanskrit Wort und sage „Yoni“. Damit meine ich dann alles zusammen, Vagina, Vulva, Klitoris, Gebärmutter, Zervix, Eierstöcke. Eben alles, was uns biologisch zur Frau macht. 

Übrigens ist es meiner Meinung nach auch total wichtig, als Frau den Unterschied zwischen Vagina und Vulva zu erkennen. Vulva ist alles, was man äußerlich sehen kann und Vagina ist der Raum, der Gebärmutter und Zervix mit der Vulva verbindet, auch der Geburtskanal genannt.

 

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Glaubst du, viele menstruierende Frauen haben ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Vulva? 

Zu ihrer Vulva, ihrer Menstruation und ihrer Weiblichkeit, ja. Es ist ja nicht so, als würden wir in unserer Gesellschaft dafür gefeiert werden, Frauen zu sein. Im Patriarchat sind wir als Frauen  nicht viel Wert, da ist es natürlich einfacher, sich vom eigenen Geschlecht zu distanzieren. Es ist auch weniger schmerzhaft. Allerdings wünsche ich allen Frauen, sich mit ihrer Yoni, ihrer Vulva, ihrem Zyklus und ihrer Weiblichkeit auseinanderzusetzen, denn nur so kommen wir Frauen endlich wieder in unsere Urkraft. 

Der weibliche Zyklus ist etwas, wogegen viele Frauen ankämpfen. Dabei ist er ein natürlicher Teil von uns. Welche Aufgabe hat die Prämenstruelle Sensibilität? 

Viel zu viele Frauen leben gegen statt mit ihrem Zyklus. Auch das wird uns vorgelebt und eingetrichtert. Wir haben komplett vergessen, dass wir alle zyklische Wesen sind und unser Zyklus unseren Alltag auch auf eine positive Art und Weise beeinflussen kann. Man kann den Zyklus in 4 Phasen einteilen, die ersten beiden Phasen von der Menstruation bis zum Eisprung und die anderen beiden vom Eisprung bis zur Menstruation. Wenn man das mit den Jahreszeiten vergleicht, dann kann man sagen, dass unser innerer Frühling und Sommer (nach der Menstruation bis inkl. Eisprung) etwas sind, das in unserer Gesellschaft gerne gesehen wird. Wohingegen der Herbst, hallo PMS und der Winter, hallo Menstruation – nicht gerne gesehen werden. Und da sind wir dann auch schon mitten im Thema. PMS steht für Prämenstruelles Syndrom wobei darunter über 140 verschiedene Symptome fallen, die Frauen in dieser Zeit haben können. Deshalb nenne ich es auch lieber prämenstruelle Sensibilität, denn hormonell gesehen, ist es völlig natürlich, sich in der Zeit vor der Menstruation zurückziehen zu wollen. Gleichzeitig haben wir mehr Hunger, weil die Menstruation bevorsteht und wir sind sensibler aufgrund des Progesterons. Diese Zeit im Zyklus bereitet uns als eigentlich darauf vor, uns für die Menstruation zurückzuziehen, weniger Kontakt mit anderen Menschen zu haben und uns zu erholen. Klar, dass wir dann gereizt reagieren, wenn uns jemand dabei stört oder wir selbst nicht auf unsere Körpersignale hören. 

Viele leiden unter stark ausgeprägtem PMS, die bis zur Depression führen können. Was kann einem in diese Phase helfen?

Pauschal gesagt, passt etwas mit dem Zyklus nicht, wenn man unter starkem PMS leidet. Frauen, die die Pille nehmen bekommen schon mal Depressionen, das ist eine häufige Nebenwirkung der Pille und sollte unbedingt beachtet werden. Hat man einen hormonfreien Zyklus und starkes PMS, dann sollte man sich anschauen, wie die Länge und Blutung des Zyklus ist, ob ein Nährstoffmangel besteht, ob man emotional überanstrengt ist und ob man zu viel Stress hat. Je ausgeglichener der Lebensstil und je besser der Körper mit Nährstoffen versorgt ist, desto gesünder ist der Zyklus.

Ich kenne Frauen, die jeden Monat Schmerztabletten nehmen müssen, weil sie unter sehr starken Periodenschmerzen leiden. Wie kann man diese Schmerzen langfristig lindern? 

Auch ich war mal so eine Frau. Im ersten Schritt ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen. Am besten durch eine verständnisvolle Frauenärztin oder auch einen Zykluscoach. Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen für Menstruationsschmerzen, die von Problemen am Organ (wie Endometriose oder eine falsche Lage der Gebärmutter), bis zu hormonellen Störungen gehen können. Was vielen Frauen hilft, ist den Lebensstil auf eine zyklischere Lebensweise zu ändern. Andere typische Tipps sind Magnesium, Frauenmanteltee und mein Favorit: Vaginal Steaming!

 

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Du propagierst einen liebevollen Umgang mit sich selbst und der eigenen Vulva. Bestimmte Riten können helfen, uns und unseren Zyklus mehr anzunehmen. Welche Rituale können uns darin unterstützen, uns als zyklisches Wesen zu akzeptieren? 

Es geht nicht so sehr darum, uns zu akzeptieren, sondern zu verstehen, dass dieses Verständnis unser Leben transformieren wird. Frauen, die tatsächlich mit ihrem Zyklus leben haben Zugang zu einer anderen Form von Kraft und brennen nicht aus. Eines der wichtiges Rituale zu Beginn ist es, herauszufinden, an welchem Zyklustag man ist. Sich jeden Tag aufs neue zu beobachten, die eigenen Emotionen, Gefühle, Stimmung, Energielevel und das auf den Zyklustag umzulegen und herauszufinden, wo die Zusammenhänge bestehen. Andere Rituale wären zum Beispiel regelmäßiges Trinken von Zyklustees oder Vaginal Steaming. 

Sich selbst anzunehmen bedeutet auch, sich selbst zu kennen. Viele haben wahrscheinlich gar keine Ahnung von der Kraft ihres Körpers. 

Frauen sind unglaublich kraftvoll! Alleine die Tatsache, dass wir nicht nur ein anderes Wesen entstehen lassen können, sondern auch ein komplett unabhängiges Organ (die Plazenta) ist unglaublich faszinierend. Je mehr man sich mit dem Zyklus und der Gebärmutter auseinandersetzt, desto mehr kommt man ins Staunen. Der weibliche Körper ist unglaublich flexibel, passt sich an die unterschiedlichsten hormonellen Phasen, Lebensphase und Umstände an. Das beeindruckt mich immer wieder.

Viele Personen schämen sich für ihre Vulva und empfinden sie als schmutzig oder unrein. 

Es ist sehr traurig, dass wir uns von unseren Körper so weit distanziert haben, dass wir uns vor natürlichen Prozessen oder eigenen Organen ekeln. Ganz wichtig ist zu wissen, dass das antrainiertes Verhalten ist und nicht immer so bleiben muss. Um mit der eigenen Yoni in Kontakt zu kommen ist es wichtig, sich Zeit dafür zu nehmen. Schöne Übungen sind z.b. die eigene Vulva zu zeichnen, im Spiel anzuschauen und zu erforschen. Der Gedanke, dass wir unrein sind, ist zutiefst patriarchal und führt dazu, dass wir Frauen nicht in unsere Kraft kommen. Es ist also an sich schon ein rebellischer Akt, sich seinem Körper zu nähern und ihn anzunehmen, wie er ist. Ich finde jede Frau die sich auf diesen Weg macht unglaublich mutig und will sie darin bestärken.

Was genau ist Ausfluss und welche Aufgabe hat Schleim? 

Genau genommen ist es Zervixschleim. Das Wort Ausfluss ist sehr negativ behaftet und sollte auch eher im Kontext mit Infektionen verwendet werden. Zervixschleim hingegen ist ganz normal und sogar ein Zeichen von Gesundheit und Fruchtbarkeit. Dieser Schleim wird in den Krypten der Zervix – also des Gebärmutterhalses – gebildet. Er wird von den weiblichen Sexualhormonen beeinflusst, vor allem aber von Östrogen. Östrogen ist quasi ein schleimbildendes Hormon und befeuchtet alle Schleimhäute. Aus diesem Grund haben wir in der ersten Zyklusphase bis zum Eisprung mehr Zervixschleim und fühlen uns in der zweiten Zyklushälfte oft etwas ausgetrockneter. Zervixschleim führt auch dazu, dass Spermien länger überleben können. Am besten kann man den Zervixschleim/Ausfluss wieder in Balance bringen, indem man keine Seifen oder Duschgels verwendet, nur mit Wasser wäscht, fermentierte Lebensmittel zu sich nimmt oder Vaginal Steaming macht.

Was kann uns helfen, unseren Zyklus besser zu verstehen? 

Am besten fängt man damit an, den Zyklus zu tracken, also täglich aufzuschreiben, an welchem Zyklustag man ist. Dazu eignet sich auch gut ein Zyklustagebuch, um Stimmungsschwankungen, Energielevel, Gelüste, Emotionen und Träume aufzuschreiben. Wer tiefer in das Thema einsteigen will, kann auch beginn den Zervixschleim zu beobachten, oder den Muttermund abzutasten und die Aufwachtemperatur zu messen. Dadurch kann man genau erkennen, wo im Zyklus man sich gerade befindet, ob man in der fruchtbaren Zeit vor oder in der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung ist, oder ob überhaupt ein Eisprung stattgefunden hat. Außerdem wird man durch das Tracken nicht mehr so schnell von der Periode überrascht. Ich verwende am liebsten die symptothermale Methode und verwende sie auch zur Verhütung. Mit meiner Kollegin Thea biete ich dazu auch einen Online Kurs an. 

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Eva!

 

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