Kolumne: Toxische Weiblichkeit – gibt es das?

28. Januar 2019 von in

Die große Männlichkeitskrise. Unzählige Artikel, Bücher, Diskussionsrunden, Filme und Serien haben sie in den letzten paar Jahren festgestellt und diskutiert. Auch das Konzept der toxischen Männlichkeit steht hoch im Kurs und hat sich inzwischen seinen Weg hinaus aus rein feministischen Kreisen und hinein in den Mainstream gebahnt. Und das zurecht: Denn es steht außer Frage, dass die gängige Definition von Männlichkeit Männern und Frauen sehr viel Schaden zufügen kann. Doch wie steht es mit der Weiblichkeit? Zweifellos herrscht in unserer Kultur auch ein starres Bild vom Frausein vor. Ist es genauso gefährlich?

Das binäre Verständnis von Geschlecht – Mann und Frau und nichts dazwischen – ist inkorrekt und gefährlich. Davon wird bei allen folgenden Aussagen ausgegangen. Um der Frage nach der toxischen Weiblichkeit nachzugehen, wird im Folgenden trotzdem viel mit dieser binären Denkweise umgegangen. Auch die Verschränkungen mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Homo- und Transphobie werden des Verständnisses wegen ausgeklammert – auch wenn sie mit der Thematik verknüpft sind.

Wann ist der Mann ein Mann?

Zu dem bei uns gängigen Männlichkeitsbild gehören eine ganze Menge Stereotype, denen Jungs und Männer sich anpassen müssen, um in unserer Gesellschaft als „männlich“ zu gelten. Dazu gehören Eigenschaften wie das Unterdrücken von Emotionen, körperliche Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, Ehrgefühl und Potenz. Es gibt keine offizielle Definition von toxischer Männlichkeit, aber hier ist eine sehr treffende:

Toxische Männlichkeit ist eine begrenzte und repressive Beschreibung von Männlichkeit, die das Mannsein durch Gewalt, Sexualität, Status und Aggression begründet sieht. Sie umschreibt das kulturelle Ideal von Männlichkeit, in der die Zurschaustellung von Stärke zentral ist, während die Zurschaustellung von Emotionen als Schwäche gedeutet wird. Männlichkeit wird mithilfe von Sex und Brutalität festgestellt, während scheinbar weibliche Eigenschaften – von emotionaler Verletzlichkeit bis hin zu sexueller Unlust – dazu führen können, dass der Status der Männlichkeit aberkannt wird.

An der Existenz und Gefahr von toxischer Männlichkeit besteht meiner Meinung nach kein Zweifel. Zu oft habe ich selbst schon erlebt, wie Männer und Frauen unter genau diesen Zuschreibungen gelitten haben. Das Konzept der toxischen Männlichkeit lässt sich auch wissenschaftlich stützen. So gibt es beispielsweise Studien, die aufzeigen, wie sehr klassische Männlichkeitsbilder schaden: Je mehr ein Mann sich mit der gängigen Definition von Männlichkeit identifiziert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er unter Depressionen oder sogar Suizidgedanken leidet, dass er suchtkrank ist oder Straftaten begeht.

Wann ist die Frau eine Frau?

Aber was ist mit der Weiblichkeit? In dieser Welt, in der wir leben, wird Gender leider meist nach wie vor als ein binäres System betrachtet. Genauso wie Männern bestimmte Charaktereigenschaften und Rollenbilder zugeschrieben werden, passiert es auch mit Frauen. In den meisten Fällen werden Männer und Frauen in unserer Kultur immer noch als eine Art Gegenteilpaar dargestellt: Yin und Yang, Blau und Rosa – die einen kommen vom Mars, die anderen von der Venus. Müsste es da nicht auf der Hand legen, dass auch Frauen toxischen Geschlechterzuschreibungen ausgesetzt sind?

Ich muss zugeben, dass mein erster Denkimpuls ein klares Ja war. Denn ich habe es selbst erlebt: Von kleinauf konnte ich mich nur wenig mit weiblichen Zuschreibungen identifizieren, sei es ein Interesse für Mode und Beauty, ein ausgeprägter Sinn für Romantik, der Hang zum Lästern oder der Unterstellung, ich könnte unmöglich alleine meine Autoreifen wechseln. Ohne Zweifel gibt es dieselbe Masse an einseitigen Zuschreibungen für Frauen wie für Männer. Doch die wichtige Frage ist: Sind sie genauso schädlich?

Zwei Seiten, eine Medaille?

Um das herauszufinden, drehen wir die Definiton von toxischer Männlichkeit doch einmal ins Gegenteil um:

Toxische Weiblichkeit ist eine begrenzte und repressive Beschreibung von Weiblichkeit, die das Frausein durch Kooperationsfähigkeit, sexueller Unterwürfigkeit und Passivität begründet sieht. Sie umschreibt das kulturelle Ideal von Weiblichkeit, in der die Zurschaustellung von Emotionen zentral ist, während die Zurschaustellung von Aggression als Schwäche gedeutet wird. Weiblichkeit wird mithilfe von Fügsamkeit und Empathie festgestellt, während scheinbar männliche Eigenschaften – von der Zurschaustellung von Wut bis hin zu sexueller Unabhängigkeit – dazu führen können, dass der Status der Weiblichkeit aberkannt wird.

Uff. Das hat gesessen. Diese Definition ist erschreckend passend. Sie bestätigt in erster Linie, was wir sowieso schon wissen: Dass Männlichkeit und Weiblichkeit in unserer Kultur als ein Gegenteilpaar begriffen werden – als zwei Seiten derselben Medaille. Toxische Männlichkeit belohnt Aggression und Dominanz, während vermeintliche toxische Weiblichkeit Passivität und Sanftmut belohnt. Beides muss erfüllt werden, um den eigenen Wert in der Gesellschaft nicht zu gefährden. Ergo: Beides limitiert und verletzt sowohl Männer als auch Frauen.

Sexismus in rosa statt in blau

Aber: Wie auch in der patriarchalen Gesellschaft als Ganzes findet sich hier eine Hierarchie, bei der Männer an der Spitze stehen. Toxische Männlichkeit verfolgt allem voran das Ziel, Machtpositionen zu bekommen und zu behalten und belohnt dieses Verhalten mit dem Label „männlich“. Toxische Weiblichkeit (falls sie existiert) tut genau das Gegenteil: Sie belohnt Passivität und Fügsamkeit mit dem Label „weiblich“.

Während toxische Männlichkeit Männer also in Machtpositionen drängt, drängt toxische Weiblichkeit (falls es sie gibt) Frauen in die Passivität. Beide Stereotype sind auf die eine oder andere Weise frauenfeindlich: Sie wurden beide auf das Ziel der Aufrechterhaltung der patriarchalen Ordnung hin konstruiert. Was auch erklärt, wieso immer noch so viele Frauen Feminismus übertrieben oder gar unnötig finden und Sexismus stark verinnerlicht haben (das nennt man dann „internalized sexism“): Bei jeder anderen Handlungs- und Denkweise droht ihnen ein Verlust in ihrem Status als „ordnungsgemäß weiblich“.

Toxische Binarität

Toxische Männlichkeit und toxische Weiblichkeit – sofern sie existiert – dienen also demselben Herrn (pun intended): Dem Patriarchat. Und das bevorzugt nun mal Männer. Und obwohl es durchaus passiert, dass sowohl Männer als auch Frauen unter beiden Zuschreibungen leiden, ist es nicht möglich, sie als zwei sich entgegenwirkende Problematiken zu betrachten, denn sie arbeiten auf das selbe Ziel hin. Es handelt sich um kein Gegenteilpaar. Die logische Konsequenz lautet: Toxische Weiblichkeit existiert nicht. Was mit diesem Terminus gemeint ist, ist nur eine weitere Erscheinungsform von toxischer Männlichkeit. Man könnte sagen: Beide Phänomene sind Teil einer toxischen Binarität – beide ausgerichtet auf den Bestand einer von Männern dominierten Welt.

Es ist daher kein Zufall, dass man vor allem auf Webseiten von sogenannten Männerrechtlern und Verschwörungstheoretikern landet, wenn man „toxische Weiblichkeit“ googelt. Denn der Versuch, diese beiden Haufen an Stereotypen und gesellschaftlichen Zuschreibungen als zwei sich entgegengesetzte Phänomene zu betrachten, ist nur möglich, wenn man die gesamte Tragweite der patriarchalen Ordnung verleugnet.

Bildcredits: Shayna Take / Sharon McCutcheon via Unsplash

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3 Antworten zu “Kolumne: Toxische Weiblichkeit – gibt es das?”

  1. Hallo Johanna,
    mit großem Interesse habe ich deinen Artikel gelesen. Zuerst möchte ich sagen, dass ich dem Fazit eigentlich ziemlich zustimme. Und ich stimme auch deiner Definition von toxischer Männlichkeit zu. Als Randnotiz: Das Konzept ist zwar vollkommen richtig, der Name toxische Männlichkeit hingegen nicht ganz unproblematisch, weil er suggeriert, dass es hier nicht um die Toxizität der genannten Eigenschaften von Männlichkeit geht (unbestritten richtig), sondern, dass Männlichkeit in der Gesellschaft generell toxisch ist. Und damit bringt man leider viele Menschen gegen sich auf, die sich mit dem Konzept nicht weiter auseinandersetzen, sondern nur den Namen hören. „Toxische Eigenschaften von Männlichkeit“ vielleicht weniger catchy, aber auch konsensfähiger.
    Aber genug davon. Ich wollte eigentlich zu deinem Artikel auf einen Zirkelschluss hinweisen, der damit leider die Argumentation schwächt. Die toxischen Eigenschaften der Männlichkeit sind, wenn man sie mal ganz aus dem Genderkontext herausnimmt, in der Gesellschaft generell negativ angesehen. Jeder würde zustimmen, dass Gewalt und Aggressivität, Unterwerfung von anderen und Dominanz keine guten Eigenschaften sind. Während viele der traditionell Frauen zugeschriebenen Eigenschaften objektiv positiv sind. Darstellung von Emotionalität, Einfühlvermögen, Kooperationsfähigkeit. Vielleicht mit Ausnahme der sexuellen Unterwürfigkeit, aber da ist es etwas unklar. Dagegen ist ja auch garnichts einzuwenden. Aber du schreibst nun die Definition von toxischer Männlichkeit um und setzt all diese objektiv positiven Eigenschaften ein. Natürlich klingt der Text dann ironisch und vollkommen unproblematisch. Um ein valides Argument zu haben, müsstest du nach Eigenschaften, die gemeinhin Frauen zugeschrieben werden suchen, die im objektiven Kontext von der Gesellschaft negativ bewertet werden. Nimm zum Beispiel das Intrigantsein, die emotionale Manipulation, das gezielte Ausnutzen von Schwäche, die Unehrlichkeit. Ich will damit garnicht ausdrücken, dass ich hinter diesen Stereotypen stehe und auch nicht relativieren, dass wohl die aggressiven Merkmale der Männlichkeit schwerer wiegen. Aber es gibt auch diese negativen Eigenschaften. Setz diese mal in die Definition ein und es ließe sich damit auch das Argument aufbauen, dass es toxische Weiblichkeit gibt. Als Gegenpole könntest du positive Männern zugeschrieben Eigenschaften einsetzen, wie Zuvorkommendsein, Fürsorge oder Hilfsbereitschaft.
    Damit ließe sich ein Text formulieren, der begründet, dass toxische Weiblichkeit existiert. Mit der selben Methode! Beide hingegen sind durchaus gerechtfertigt und führen zu zwei gerechtfertigten Ergebnissen. Nicht zuletzt hingegen sind die Eigenschaften von toxischer Weiblichkeit, wenn man sie denn so konstruiert, mit Sicherheit weniger toxisch, als der Männlichkeit. Sie fügt anderen Menschen weniger direkten Schaden zu.
    Hier kommt daher mein Fazit. Es lassen sich sowohl für toxische Männlichkeit, als auch Weiblichkeit Argumente finden. Ganz nach dem Motto Nobody is Perfect oder auch No gender is perfect. Natürlich gibt es negative Eigenschaften auf beiden Seiten (zur Vereinfachung spreche ich auch mal binär). Beide Seiten bedingen einander, denn gesellschaftliche Prozesse sind komplex und eben nicht einfach binär. Das Resultat ist eine Machtverteilung, genauso wie du sagst. Diese liegt in der Gesellschaft im Großen beim Mann, daher die Teilnahme der so konstruierten toxischen Weiblichkeit an der toxischen Männlichkeit zur Manifestierung dieser Strukturen. Innerhalb von Familien ist die Machtverteilung oftmals anders gepolt. Auch hier helfen die toxischen Eigenschaften dabei, die Strukturen zu manifestieren.
    Also gibt es toxische Weiblichkeit? Ja, aber ihre Toxizität ist geringer, als die der toxischen Männlichkeit.
    Dabei fehlt die Betrachtung von der größten Toxizität: Die Zuschreibung von starren Attributen zur Definition von Geschlechterrollen, die es gilt, als Ganzes zu überkommen. Darin sind wir sicherlich einer Meinung.

    • Hallo Johanna, hallo Sakana

      ich antworte hier auf den Kommentar, weil viele Sachen, die mir beim Lesen des Artikels durch den Kopf gegangen sind von Sakana aufgriffen wurden. Ein paar ergänzende Anmerkungen aus meiner Sicht möchte ich aber noch hinzufügen:

      Ich finde, der Artikel suggeriert, dass toxische Männlichkeit Frauen schadet und Männern nutzt. Das ist m.E. nicht ganz richtet. Das toxische Männlichkeit Frauen schadet ist unbestritten, sie schadet aber wesentlich auch dieser Art von Männern selbst. Solche Männer sind im Kern emotionale Krüppel und führen sicherlich kein besonders erfülltes Leben. Das sie das nicht zugeben würden, liegt eben genau an diesem Rollenbild. Ich glaube auch, auch wenn sich das sicherlich nicht belegen lässt, dass auch aufgrund dieser Rollenbilder vor allem Männer in die sogenannte Mid-Life kommen.
      Der Vollständigkeit halber müsste also gesagt sein, dass toxische Männlichkeit a) Frauen schadet, b) den Männern selber schadet und c) auch der Gesellschaft.
      Um c) aber vollständig zu fassen, fehlt meines Erachtens tatsächlich das Komplementär der toxischen Weiblichkeit. Genau wie Sakana halte ich es nicht für angebracht, toxische Weiblichkeit in der Negation toxischer Männlichkeit zu suchen, ebenso wenig macht es ja Sinn, Weiblichkeit als Negation von Männlichkeit aufzufassen. Anders als Sakana schlage ich aber vor, als Ausgangspunkt auf der Suche nach toxischer Weiblichkeit, die Toxizität und nicht übliche Rollenbilder in den Fokus zu stellen. Die hier vorgeschlagene Definition für „toxisch“ im Falle toxischer Männlichkeit wäre demnach für den Fall toxischer Weiblichkeit zu übernehmen.
      Um das zu wiederholen: toxische Männlichkeit ist toxisch, weil sie a) Frauen schadet, b) Männern schadet und c) der Gesellschaft schadet. Völlig analog dazu ist toxische Weiblichkeit toxisch, weil sie a) Frauen schadet, b) Männern schadet und c) der Gesellschaft schadet. Auf diese Definition scheint genau ein Rollenbild zu passen, das auch Sakana schon angedeutet hat: Es ist das der emotionalen und (meine Hinzufügung) sexuellen Manipulation. Sie schadet a) den Frauen selber, weil sie zu Gewissensbissen führen kann und im Fall von sexueller Manipulation letztlich eine Art von Prostitution ist. Sie schadet b) den Männern, weil diese hier Opfer von Manipulation werden, sich falsche Hoffnungen machen etc. pp. Sie schadet aber c) auch der Gesellschaft. Dieser Punkt ist nun so zu verstehen, dass sich die toxische Weiblichkeit und toxische Männlichkeit gegenseitig begünstigen. Frauen, die das Gefühl haben, dass sie in einer Gesellschaft von toxischen Männlichkeiten leben, können zu dem Schluss kommen, dass die Manipulation der einzige Weg ist, um zu bekommen, was sie wollen. Männer, die solche Manipulation erleben, können sich, um sich davor zu schützen, genötigt fühlen, sich emotional abzuschotten und Frauen dem eigenen Willen zu unterwerfen, was wiederum dazu führen kann, dass Frauen zum Mittel der Manipulation greifen.

      Eine weitere Anmerkung, die ich hier anbringen möchte, bezieht sich darauf, dass Sakana sich beeilt zu betonen, dass toxische Männlichkeit alles in allem das größere Problem sei. Die Tatsache, dass das betont wird zeigt m.E. einen grundlegenden Missstand in der ganzen Debatte auf: Es ist völlig gleichgültig, ob toxische Männlichkeit oder toxische Weiblichkeit mehr Schaden anrichtet. Insgesamt muss es einfach darum gehen, Formen der sozialen Koordination zu finden, die möglichst wenig Menschen schaden. Gegenseitige Schuldzuweisungen, wie sie in der aktuellen Debatte von allen Seiten gemacht werden, helfen dabei nicht weiter. Sie führen einzig und allein zu einer Verhärtung der Fronten, weil sich beide Seite (insgeheim oder öffentlich) angegriffen fühlen. Und in diesem Punkt scheint mir die Psyche von Männern und Frauen relativ ähnlich: fühlen wir uns angegriffen, schalten viele von uns um auf Aggression. Genau aus diesem Grunde, und da stimme ich Sakana zu, ist auch der Begriff „toxische Männlichkeit“ unglücklich gewählt. Er wird in der Debatte nicht selten missbraucht, weil er sich dazu so gut eignet, und sämtliche kritische Kommentare werden als Instantiierungen von toxischer Männlichkeit gestempelt, häufig ohne überhaupt auf Inhalte einzugehen. Das führt insgesamt bei vielen zu dem Eindruck, dass sich „toxische Männlichkeit“ nicht nur auf ein bestimmtes Rollenbild zutrifft, sondern schlicht auf alle Männer, die sich nicht bedingungslos einem Künftigen Matriarchat unterwerfen.

      Kürzlich habe ich in einer Cafeteria mit einer Freundin über ähnliches diskutiert und kritisiert, dass leider! weite Teile der Feminismusbewegung ideologisch geführt werden. (Zuletzt hat das vor allem auch die Debatte um Helen Pluckrose, Peter Boghossian, und James Lindsay gezeigt. Die drei haben in „wissenschaftlichen“ Magazinen – mit Peer-Review! – insgesamt 20 Hoax-Paper veröffentlicht. Darunter ein Artikel mit dem Titel „Our struggle is my struggle“ der letztlich aus nur leicht umgeschriebenen Passagen aus Hitlers „Mein Kampf“ besteht. Das zeigt hinlänglich das Niveau der Debatte. Hier ein Link zum Thema: https://www.chronicle.com/article/What-the-Grievance/244753) Daraufhin trat eine Frau vom Nachbartisch hinzu und sagte mir, ich solle mit meiner toxischen Cis-Männlichkeit ja den Mund halten. Dieser letztlich sexistische (da Vorurteile aufgrund des Geschlechts) Kommentar hat mich so betroffen gemacht, dass mir die Tränen kamen.

      Ich plädiere als für ein ideologiefreies Vokabular in der Feminismusbewegung, die ja ansonsten so vorsichtig ist, wenn es um Sprache geht. Nur dann, kann wirklich langfristiger und nachhaltiger sozialer Umschwung geschafft werden!

  2. Ich frage mich aber auch, was mit den toxischen Bully-Girls ist, die einem das Leben (vor allem in Peer Groups oder im Beruf) schwer machen, weil introvertierte Frauen (noch) nicht die Kraft besitzen, sich durchzusetzen, zu festigen, aber trotzdem aufgrund von Authentizität sympathisch sind und ohne große Ambitionen für ein Kämpfertum (ist das überhaupt notwendig oder reicht Aufgeklärtheit und Besonnenheit?) oder ausgeprägten Feminismus (was jeder für sich selbst definieren kann und auch unfreiwillig zu einem interpersonellem „Gefälle“ führen kann) grundlegend zufrieden sind? Thema: Eifersucht, Macht und Kontrolle unter Frauen. Ich sehe diese Misere leider bei (überspitzt gesagt) hierarchischen Situationen zwischen Frauen, deren Stellung sie gefährdet sehen, manchmal sogar aufgrund von unterschiedlichem Bildungswegen. Sozusagen ein „schwer machen, weil man es selbst nicht leicht hatte“. Leider. Es ist schlimm, es existiert, es gibt Frauen, die darunter deutlich mehr leiden als unter Männer oder herkömmlichem Patriarchat.

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