Über das Erwachsenwerden und den Abschied von Milena

23. März 2018 von in

Meine letzte Woche in München ist angebrochen. Die Umzugskisten machen sich in meiner kleinen Küche breit und füllen sich nach und nach mit Büchern, Kleidern, Tassen. Tassen, die ich mit Milena in Kopenhagen gekauft habe, Bücher, die ich mit Milena gelesen habe.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins zum Beispiel, das Buch, das ich in meinem Buchclub vor vielen Jahren mit Milena, Anja und weiteren Freundinnen von uns gemeinsam las. Guten Tag von Peter T. Schulz, das wir gleichermaßen verehrten und in dem wir vor rund 10 Jahren gemeinsam stöberten und uns inspirieren ließen. Als ich Milena vor zwölf Jahren  kennenlernte, waren wir jung, romantisch, durcheinander und Träumer – so, wie man es eben ist, mit 15 oder 16 Jahren. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens mit ihr verbracht, sie fast täglich gesehen, meine ersten Parties mit ihr gefeiert, mich gemeinsam mit ihr in die Münchner Szene geworfen, tausende Reisen und Trips gemacht, geweint, gelacht, Freundeskreise aufgebaut, ein Unternehmen gegründet und überhaupt. Es gibt keinen Menschen, mit dem ich intensiver mein Leben geteilt hätte, als mit Milli. Und es ist keine Überraschung, dass es eine verdammt große Herausforderung ist, die Stadt zu verlassen, in der meine große Liebe noch wohnt.

Denn so sehr ich München auch mag, die eigentliche Herausforderung sind Freunde, Familie und eben Milli, da gerade sie so intensiv an meinem Leben teilgenommen hat wie kein anderer Mensch auf der Welt. Und doch ist es Zeit, den nächsten Schritt zu wagen.

Bei all den Tränen und Melancholität, die in mir hervorkommen, wenn ich daran denke, meine beste Freundin in München zurück zu lassen, bleibt auch nicht vergessen, dass die Freundschaft weiterhin hält. Dass amazed weiterhin Bestand hat. Dass unsere Freundschaft, unsere Liebe, weiterhin währt. Nur eben anders als zuvor. Weniger Alltag vielleicht, mehr echte Momente, die man sich füreinander nimmt.

Das mit dem Erwachsenwerden ist eine komische Sache. Ich hätte nicht gedacht, dass man es so spürt. Ich habe den Moment gespürt. Er war plötzlich da, mit einem Ruck, und sagte mir: So, Amelie, jetzt bist du erwachsen. Und dann zog Milli mit ihrem Freund zusammen und baute sich ihr neues Leben auf und ich beschloss mit meinem Freund nach Berlin zu ziehen und mir dort mein Leben aufzubauen.


Fotos aus Berlin 2011-2012

Es wäre eine Lüge zu sagen, unsere Entwicklung hätten nichts mit Männern zu tun. Doch, doch, hat sie sicherlich, aber im Grunde passiert gerade das, was Milena und ich uns unser Leben lang erträumt haben und was wir nur lange genug aufschieben konnten, beziehungsweise was glücklicherweise lange genug kein akutes Thema war. Milli hat ihre Traumwohnung und ihre Traumbeziehung in München gefunden – und ich? Ich kann mich endlich auf in die Hauptstadt machen und mir somit einen zehn Jahre alten Punkt auf meiner Lifetime-Bucket-List erfüllen. Und mit wem? Mit meinem Freund, der ein besserer und passenderer Partner für mich nicht sein könnte.

So traurig ein Abschied sein mag, Milena und ich haben doch ziemliches Glück. Denn am Ende ist das kein finales Good Bye, sondern eine Umstellung. Es wäre, als würden wir die Wohnung unserer Freundschaft nur sanieren, etwas auffrischen, umbauen. Da geht nichts verloren, da kommt nur etwas Neues dazu.

Ich winke mit keinem weißen Taschentuch, denn ich bin ja gar nicht weg. Aber ein bisschen weinen, naja, ein bisschen weinen tu ich trotzdem, weil aller Abschied ist schwer. Zumindest, wenn es um Milli geht.

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4 Antworten zu “Über das Erwachsenwerden und den Abschied von Milena”

  1. Mir kamen die Tränen beim Lesen, so gerührt und inspiriert bin ich von eurer Liebe.

    Und diese Bilder aus Berlin! Krass, das fühlt sich an wie aus einer anderen Welt. Wahnsinn, was sich seit dem getan hat.

    Ich freue mich mit dir auf dieses neue Kapitel. Es wird bestimmt fabelhaft. Ich hoffe ich bekomme dich ein paar Mal zu Gesicht bevor ich wieder abhaue.

    Ich bin total gespannt was Berlin mit dir machen wird.

  2. Ihr zwei <3 seit BV konnte ich eure Entwicklung verfolgen! Wunderbar, wie ihr euren weg geht. Ich habe das bloggen leider aufgegeben aber es ist ja nie zu spät nochmal anzufangen :) ich wünsche dir die beste Zeit und einen wunderbaren neuen Start.

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