Kolumne: Von Leinenbettwäsche und dem Erwachsenwerden

3. August 2018 von in ,

Pflanzen und Leinenbettwäsche haben mehrere Dinge gemeinsam. Beides sind Faktoren einer Wohnung, deren Wohlfühlfaktor über das bloße Dach über dem Kopf mit Bett darin hinaus geht. Beides ist für den Wohnliebhaber in etwa so wie für den Feinschmecker eine richtig gute Burrata, knuspriges Weißbrot, das innen perfekt warm und weich ist, oder kaltgepresstes Olivenöl aus Sizilien. Und beides war mir bis vor Kurzem relativ egal.

Doch wer einmal das perfekte Weißbrot in richtig gutes Olivenöl getunkt, wer einmal das sahnige Innere einer Burrata erlebt, wer einmal die Schönheit eines frisch gewachsenen Strelitzienblattes bemerkt, oder wer einmal in Leinenbettwäsche geschlafen hat – der kann nicht mehr zurück. Es sind diese Feinheiten des Lebens, die man nach und nach entdeckt – und bei denen, wie Anja hier sehr treffend feststellte, zugegebenermaßen der Bon-Vivant-Faktor des Älterwerdens mitschwingt.

„Wir sind eher in der Lebensphase, in der man in Pärchenwohnungen zieht, sich eine Edelstahl-Siebträgermaschine kauft und zweihundert Euro für Leinenbettwäsche ausgibt. Die, in der man eigentlich schon ein Nest baut, ohne zugeben zu wollen, dass man ein Nest baut. In der man es sich zuhause so richtig gemütlich macht. Für sich, versteht sich. In der unordentliche WG-Küchen und Balkone als Bierkästen-Abstellplatz der Vergangenheit angehören – und lieber schön gemacht werden wollen.“

Wahre Worte, denn die Zeiten von WG-Küchen sind für mich schon sehr lange dahin und waren um ehrlich gesagt noch nie wirklich meins, und ich kann seit Neuestem besonders gut schlafen, weil ich endlich eine ansehnliche Lösung für den Bierkastenstellplatz meines Freundes in der Küche gefunden habe (ein sehr schöner Hocker übrigens, unter dem der Kasten verschwindet). Die 200-Euro-Leinenbettwäschekäuferin war ebenfalls ich, denn das, meine Freunde, ist meine neueste Entdeckung, und ich kann nicht mehr zurück.

Dazu ein kleiner Rückblick: Mit 14 zierte mein 90-Zentimeter-Bett eine rosarote Playboybettwäsche aus „Satin“, was bei dem damaligen Preis 100% Polyester hieß. Das war mir egal, denn der Aufdruck zählte, und so schwitzte ich regelmäßig mit meinem damaligen Freund unter glänzenden Plastiklaken, während „Abschlussklasse 04“ im Fernsehen lief. Irgendwo muss auch damals schon mein Bon-Vivant-Gen verankert gewesen sein, denn besonders lang hielten es die Playboy-Laken nicht in meinem Zimmer aus, und meine Mutter war sehr erleichtert, als ich sie zu Ebay stellte. Das Material sei mir wichtig, erklärte ich meiner Mutter, und so begann meine Zeit der besseren Bettwäsche.

Wirklich etwas dafür ausgeben wollte ich nie, und so wünschte ich mir regelmäßig zu Weihnachten neue Bettwäsche von Oma und Opa, außer farblich ohne besondere Wünsche, denn Omas wissen bekanntlich, was gute Bettwäsche ausmacht. Jahre später entdeckte ich Flanell für mich, das weichste, was Bettwäsche so bieten kann, und kuschelte mich fortan in meine neuen Lieblingslaken in Dunkelgrau – bis sie mir im Trockenraum meines ehemaligen Hauses geklaut wurden. Ein verstörender Einschnitt in meiner Bettwäschenvergangenheit, die mir eins klar machte: Bettwäsche ist mehr, als der bloße Schutz des Bettzeugs vor Schmutz. Bettwäsche ist Lebensphilosophie, und die ist etwas wert. Viel wert.

Und dann kam der Leinen-Hype, der sich wie immer nicht nur in der Mode, sondern auch im Interior ausbreitet wie ein Lauffeuer. Nachdem ich mich selten wohler in Klamotten gefühlt hatte, als in meinen neuen Leinenteilen, stöberte ich also mal ganz unvoreingenommen nach Bettwäsche aus der Natur-Flachsfaser, und kippte kurz darauf ziemlich aus meinen gemütlichen Schafsfell-Latschen: Mit der Leinenbettwäsche habe ich den Olymp der Laken entdeckt, die VIP-Section des Bettwäschenkosmos.

Denn wer glaubt, 14,99 sei ein normaler Preis für Bettwäsche, der hat sich noch nicht über Ikea hinaus umgesehen. Im Kosmos der Leinenbettwäsche sehen die Preise anders aus, sie variieren im dreistelligen Bereich, und 200 Euro für ein Leinenbettwäsche-Ensemble war ein ganz besonderes Sale-Schnäppchen. Als dieses ankam, verstand ich auch, warum die Preise für Leinenbettwäsche sonst bis zu 500 Euro erreichen können: Leinen ist nicht gleich Leinen, und die günstige Leinenbettwäsche ist, zumindest anfangs, kratziger als die teure. Das unglaubliche Leinengefühl schlägt dennoch alles, was ich bisher kannte – aber es geht noch besser.

Denn ja, was nun mein Bettzeug umhüllt, liegt noch eine Mini-Liga weiter oben: Die Marc O’Polo Leinenbettwäsche, die mir vom Bon-Vivant-Shop Bedsupply zur Verfügung gestellt wurde. Und mit der sich alle Fragen beantworten. Nichts kratzt, nichts ziept. Und das Leinen entfaltet seine vollständige Magie, sobald meine Haut es berührt: Es hat die unglaubliche Fähigkeit, gleichzeitig zu wärmen und zu kühlen, wodurch ich selbst bei der aktuellen Hitzewelle unter der Decke liegen kann. Leinen atmet, wodurch man absolut nie darunter schwitzt. Und Leinen katapultiert einen in wenigen Sekunden auf grüne Almen bei Sonnenuntergang, an weiße Strände bei Meeresrauschen, und man kann das Almöhi-Heu und die salzige Meeresluft fast riechen, wenn man sich unter diese Decke legt.

Ja, Leinenbettwäsche kauft man sich nicht mit 14, und hat man einmal seinen großen Zeh hineingedippt in diese Welt, dann kann man nicht mehr zurück. Vielleicht ist es das Erwachsenwerden, vielleicht einfach das Bon-Vivant-Gen, das immer wählerischer in den kleinen Feinheiten des Alltags wird. Aber seitdem ich einmal in Leinenbettwäsche lag, geht für mich kein Weg mehr zurück. Vielen Dank an diesen Höhepunkt in meiner Leinenbettwäsche-Sammlung, die hiermit erstmal vollendet ist

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7 Antworten zu “Kolumne: Von Leinenbettwäsche und dem Erwachsenwerden”

  1. Irgendwie ergibt doch der Artikel keinen Sinn, wenn du erst schreibst, was es für ein Schritt sei, sich hochwertige Bettwäsche zu kaufen, eine Investition die sich lohnt etc. und dann stellt sich raus, dass du diesen Schritt gar nicht gehen musstest, weil du sie geschenkt gekriegt hast. Was ja ok ist, abner dann macht doch der Gedankengang mit dem „sich etwas gönnen“ gar keinen Sinn.

    • Habe mir selbst schon 2 Leinenbettwäschen gekauft, wie ich auch schreibe (für 200 Euro z.B.) und jetzt auch noch eine zur Verfügung gestellt bekommen, die als Bildmaterial für diesen Text dient, und die qualitativ alles toppt. Das Thema stand aber auch unabhängig davon schon lange auf meiner Artikelliste, weil ich sie so für mich entdeckt habe und auch momentan überall in der Interior-Bubble sehe. Also war wohl wiedersprüchlich formuliert: besitze jetzt 3 Leinenbettwäschen, zwei davon selbst bezahlt :)

  2. ich hatte das glück schon eher so mit 16 jahren oder so, als meine oma uralte, weiße leinenbettwäsche aussortiert hat. von da an gab es auf meinem bett eigentlich nichts anderes mehr. weil die bettwäsche vermutlich schon jahrzehnte alt ist, ist sie vom vielen waschen besonders weich. wieviel man für so ein set ausgeben kann, hab ich dann bemerkt als ich mir eine 1,60×2,20m bettdecke geholt hab :D

    • Oh wie schön, es geht nichts über weiße Leinenbettwäsche! Aber das mit der Größe ist so ärgerlich, ganz genau das ist auch mein Problem, jetzt haben wir im Bett zwei genauso große Decken und drei Kissen, da mussten erstmal neue Bettwäschen her, und wenn man da eine neue anschafft, wird sie gleich besonders teuer. Aber gerade bei der Hitze lohnt es sich einfach so sehr, und 2-3 zeitlose Leinenbettwäschen reichen dann auch völlig :)

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