Would you rather: Monogamie oder Polyamorie?

17. Juli 2019 von in

Would you rather? Das Spiel hat neben Flaschendrehen und „Never have I ever“ eine sentimentale Daseinsberechtigung. Dabei wusste ich früher gar nicht, wie viel Psychologie hinter dem Spiel „Would you rather“ steckt. Die Regeln sind ganz simpel: Der Spielmaster gibt zwei mögliche Varianten zur Auswahl, die beide unterschiedlicher nicht sein könnten. Die teilnehmenden SpielerInnen wählen zwischen der symbolischen „Pest oder Cholera“ und erläutern ihre Entscheidung. Dabei lässt sich über die teilnehmenden Personen mehr herausfinden, als man zunächst meinen möchte.

Lasst uns Would You Rather Spielen! Wir befragen verschiedene Personen zu unterschiedlichen Fragen, die sich mit der Liebe, der Moral, oder dem Leben beschäftigen. Wir wollen wissen, wieso sie sich für die eine oder andere Variante entscheiden würden und wollen sie somit etwas besser kennenlernen. Wir starten aber erstmal mit uns als Team.

WOULD YOU RATHER…?

Für immer in Monogamie leben mit einem Menschen, den man nicht liebt oder für immer in Polyamorie mit einem Menschen leben, den man liebt und gerne für sich alleine hätte?

Amelie

Ich habe in meinem Leben bisher schon sowohl in einer ungewollten Affäre gelebt, die ich nicht wollte, als auch in einer monogamen Beziehung, die ich nicht wollte. Fest steht, dass beide Zustände ziemlich doof sind. Aber darum soll’s hier ja auch gehen! In der Affäre habe ich mich klein und unbedeutend gefühlt, benutzt und wertlos, weil ich im Grunde etwas völlig anderes wollte, als gelegentlichen Sex. Das ist jetzt nicht exakt vergleichbar mit einer polyamoren Beziehung, jedoch könnte ich mir vorstellen, dass ich mich ähnlich fühlen würde, wenn ich sie gegen meinen Willen führen müsste.

Eine monogame Beziehung mit einem Menschen geführt zu haben, den ich nicht liebte, war für mich allerdings noch schlimmer. Die Beziehung hat mich so eingeengt, dass ich wortwörtlich Platzangst bekam. Panikattacken. Herzrasen. Ich habe mich gefühlt, wie in einem zu engen Aufzug stecken zu bleiben. Deshalb würde ich mich für die polyamore Beziehung entscheiden, die mir zwar ein unsicheres Leben beschert und sicherlich endlos viele verzweifelte Tage und Wochen, aber die mich nicht einengt. Ich könnte an mir und meinen Verlustängsten arbeiten, mich selbst besser kennenlernen und würde versuchen, das Beste aus der zunächst hoffnungslos scheinenden Situation zu machen.

Antonia

Gerade jene Unsicherheit einer polyamoren Beziehung würde mich verrückt machen. Ich brauche Ruhe und Stabilität sowie Sicherheit in einer Beziehung. Aus der bitteren Erfahrung des Betrogen-Werdens und des Wissens über andere Frauen neben mir weiß ich, wie schlecht es mir damit ging. Verzweifelte Tage und Nächte, das Gefühl des Nicht-Ausreichens und dem Verlust der Kontrolle sowie das schreckliche Gefühl der Unsicherheit. Deshalb würde ich mich wohl für die Option der monogamen Beziehung mit einem Menschen entscheiden, den ich zwar nicht liebe, aber ganz okay finde. Der mir die Ruhe und Stabilität gibt, mit dem ich gerne meine Zeit verbringe, und der mir nah ist, auch wenn die großen Gefühle nicht da sind.

Das klingt bitterer, als ich es mir tatsächlich in der Realität vorstelle. Gerade die Anfangsgefühle einer Beziehung werden ja nach Jahren von dem Gefühl der Geborgenheit und Verbundenheit abgelöst. Vielleicht würde man das in einer monogamen Beziehung, mit jemanden, den man nie geliebt, aber gemocht hat, hinbekommen. Sicher, die Sehnsucht nach der großen Liebe und den Schmetterlingen im Bauch würde bleiben, aber mir ist die Nähe, die Intimität mit einem Menschen, den ich über alles liebe, so wichtig und wertvoll, dass ich sie nie mehr teilen will (oder sogar muss).

Milena

Für mich ist es fast unmöglich, diese Frage zu beantworten. Die Vorstellung, jemanden mit Haut und Haar zu lieben und mir eine monogame Beziehung und Zukunft mit diesem Partner zu wünschen, aber zu einer polyamoren Beziehung gezwungen zu sein, fühlt sich kaum aushaltbar an. Jeden Tag neben jemandem einzuschlafen, den ich nicht liebe, wäre allerdings genauso schlimm. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich trotzdem das Modell der Monogamie wählen. Das liegt bestimmt daran, dass ich bisher nur mit Menschen zusammen war, die ich geliebt habe, eine Beziehung nie als einengend empfunden habe und mir die Situation nicht richtig vorstellen kann. Es liegt aber auch ein bisschen an dem, was man von Menschen in langen Beziehungen so über die Liebe hört: Das, was wir in unserem Alter für Liebe halten, ist oft die alles überlagernde, überwältigende Verliebtheit der Anfangszeit. Was man nach zehn, 20 oder auch 50 Jahren fühlt, hat mit romantischen Schmetterlingen oft nichts mehr zu tun, sondern mehr mit Vertrautheit, Verbundenheit und Nähe. Und die Bedürfnisse von älteren Kolleginnen oder Bekannten, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, weichen dabei oft sehr stark von denen Ende 20 ab: Da geht es oft nicht mehr um große Abenteuer und Schmetterlinge im Bauch, sondern um Stabilität und Geborgenheit, um Kinder und Familie, um gemeinsame Kräfte, um all das zu stemmen. Ob man langjährige Verbundenheit und Vertrautheit auch mit jemandem haben kann, den man nie geliebt hat? Ich weiß es nicht. Ein stabiles Leben mit Kindern lässt sich bestimmt auch als Team, das kein Liebespaar ist, führen. Sehr sicher würde der Wunsch nach Gefühlsexplosionen und Abenteuern allerdings das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit irgendwann ablösen – und somit bin ich wieder bei der Unmöglichkeit der Beantwortung dieser Frage.

Jowa

Ich finde die Vorstellung einer polyamoren Beziehung nicht so absurd. Ich bin überzeugt, dass das unter den richtigen Voraussetzungen sehr gut funktionieren kann. Aber bei diesem Spiel hier nehmen wir ja an, dass wir genau das nicht wollen und es uns verletzen würde. Wäre es eine Option, würde ich dann natürlich sagen: Keines von beidem, lieber alleine glücklich bleiben. Und kann eine Partnerschaft überhaupt funktionieren, wenn beide so unterschiedliche Dinge wollen? Aber wenn ich mich entscheiden muss, dann nehme ich trotzdem Option eins und bin lieber in einer ungewollt polyamoren Beziehung mit jemandem, den ich liebe statt gefangen in einer monogamen Beziehung mit jemandem, den ich nicht liebe, aber nicht verlassen darf. Einfach nur, weil es für mich viel unerträglicher klingt, so viel Zeit und vielleicht sogar ein Bett mit jemandem teilen zu müssen, den ich nicht wirklich mag. Dann teile ich lieber die Person, die ich liebe, auch wenn mir das wehtut.

Debbie

Zweites! Monogamie ohne Liebe hört sich an wie Pizza ohne Käse. Dann lieber Pizza mit Käse, die ich teilen muss. Aber mal ehrlich: Eine Beziehung mit Liebe läuft ja schon Gefahr, nicht zum Alltags- Gewohnheits- und Einheitsbrei zu werden. Wie soll das dann aussehen, wenn das einzige, was da Schwung reinbringt (Gefühle) wegfällt? Trostloser Alltag, in dem alles zur Pflicht wird – Nein danke.

Dann lieber lieben und leiden. Aber ich denke auch, dass nicht nur mein Geliebter ab und an attraktive Menschen trifft, mit denen er gerne intim werden möchte. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass jeder Mensch ganz viele andere treffen kann, mit denen man sich mehr vorstellen kann. Das muss ja nicht gleich in einer (lebenslangen) Beziehung enden. Also könnte ich, auch wenn ich ihn gerne für mich alleine hätte, auch einfach meine eigene Freiheit genießen, wenn ich es eh nicht ändern kann. Oder?

Wenn ich mich dann selbst auch auslebe, wird es sicher nicht langweilig. Nach und nach könnte ich vielleicht auch akzeptieren, dass er genauso frei ist und wir uns nicht gegenseitig besitzen und ich keinen Anspruch an ihm habe. Wenn wir lebenslang zusammen sind, habe ich ja schonmal die Sicherheit, dass er bei mir länger bleibt als bei sonst irgendwem. Das ist ja auch schonmal eine Art Commitment. Wir werden uns nie gehören, immer nur einen Teil unserer Zeit verschenken – Ich finde den Gedanken gar nicht so schlecht. Naja, zumindest nicht so schlecht wie Pizza ohne Käse.

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