Strahlende Frauen und Sommergefühl: La Belle Saison

24. Mai 2016 von in

Paris in den 70ern: Als Delphine vom Land in die Stadt zieht, ist sie auf der Suche nach sich selbst. Nach ihrer eigenen Sexualität, nach der Möglichkeit, offen Liebe für Frauen zu empfinden und nach konventionslosem Denken – nach allem, was auf dem Dorf ihrer Eltern absolut unmöglich gewesen wäre. Auf dem Dorf, wo ihre letzte Liebe zu einer Frau dadurch beendet wurde, dass diese nun mit einem Mann zusammen sein werde. „Was ernstes“ eben.

Delphine läuft eine Pariser Straße entlang, ist neugierig und inspiriert von dem völlig anderen Stadtleben. Da läuft plötzlich eine Horde Frauen mit den schönsten Haaren an ihr vorbei, kreischend und lachend und den Männern an den Hintern fassend. Und Delphine läuft einfach mit, vorbei an den Männern und hinein in die ultimative Gruppe der Frauenbewegung. Die Pille, freie Geburtenkontrolle und Gleichberechtigung sind die Themen, die die Frauen rauchend in Hörsälen oder auf Hauptquartiertstreffen besprechen – und die Sexualität wird auf einmal zur selbstverständlichen Freiheit, die über allem schwebt. Freund, Freundin, Single – alles ist auf einmal wunderbar normal in der neuen Welt, die Paris für Delphine verkörpert.

Zwischen Flugblattaktionen und öffentlichen Revolten hat sie von Anfang an nur Augen für eine: Carole. Das Mädchen mit den wunderschönen Locken, die eigentlich mit Manuel zusammen ist und zusammen lebt. Delphine kann nicht anders, packt sich Carole und küsst sie – und die beiden verlieben sich so wahnsinnig ineinander, dass es schöner kaum sein könnte.

Doch als Delphines Vater einen Herzinfarkt bekommt, muss sie zurück auf den Bauernhof ihrer Eltern, um seine Rolle zu übernehmen. Zurück in die Welt Vergangenheit, in der in gleichgeschlechtlicher Liebe der Teufel vermutet wird und Frauen keine Entscheidungen treffen dürfen. Der Kontrast zwischen Paris und dem Land könnte kaum größer sein, und doch halten die beiden es keine Sekunde ohne einander aus.

La Belle Saison ist der absolut schönste lesbische Liebesfilm seit Blau ist eine warme Farbe, gepaart mit einem Sommergefühl, das kaum intensiver sein könnte. Catherine Corsini fängt die Schönheit der Einfachheit des Landes so grandios ein, dass man sofort rausfahren möchte aus der Stadt, und wie Delphine und Carole im Bach schwimmen und sich danach im Gras trocknen lassen will. Gleichzeitig zeigt der Film vor allem eines: Wunderbare, intelligente und mutige Frauen mit Visionen. Frauen, die sich nicht mehr unterkriegen lassen wollen. Und denen die Selbstverwirklichung ein wahnsinniges Strahlen verleiht. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte das schnellstens nachholen – in München am besten im Arena!

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