5 Frauen über die Frage: Welche Rolle spielt Sex in der Beziehung? Teil 1

13. April 2021 von in

Wie oft haben wir Sex? Was ist überhaupt wenig, was ist viel Sex in einer Beziehung? Was macht es mit uns und unserer Beziehung, wenn der Sex mal weniger wird – oder wenn er ganz ausbleibt? Oder besteht ein ständiger Druck, dem Partner sexuell gerecht zu werden, den Sex in den stressigen Alltag als weiteres To Do einzubauen? Wie viel und welche Art von Sex wollen und brauchen wir eigentlich selbst, ganz unabhängig von unserem Partner?

Egal, wie viel und welche Art von Sex wir haben: Das Thema spielt eine große Rolle in Beziehungen. Wir haben euch gefragt, welche Rolle Sex für euch spielt, welche Gedanken ihr euch dazu macht und was ihr vielleicht auch schon daraus gelernt habt. Hier kommt Teil 1 eurer Geschichten.

Ist Sex ein Spiegel für die Liebe?

Ich habe in vergangenen Beziehungen schon gemerkt, dass das Thema Sex eine größere Rolle gespielt hat – meist durch mich getrieben. Wenn es eine Phase gab, in der wir weniger Sex hatten, habe ich mich sofort gefragt, was nicht mit uns stimmt und habe mich teilweise sogar gefragt, warum mein Partner mich nicht mehr genug liebt. Ich weiß auf der einen Seite zwar, dass das oft nichts damit zu tun hat, aber bis heute, mit 32 Jahren und nach zwei sehr langen und innigen Beziehungen, kann ich das immer noch nicht loslassen. Ich habe das Gefühl, für mich ist Sex ein Zeichen von Liebe und der Gesundheit einer Beziehung. Wenn man ihn dann nicht mehr so häufig hat, dann geht mein Hirn direkt in den Panikmodus: „Etwas stimmt nicht, die Beziehung ist in Gefahr, er findet dich nicht mehr sexy, liebt dich weniger.“

Das Thema hatte ich bisher in jeder meiner Beziehungen, sobald sich „der Alltag“, oder woran auch immer das dann liegt, einpendelt. Ich wollte mehr, er war zufrieden mit der Situation und hat kein Problem gesehen. Das Problem bin dann immer eher ich, die verkrampft an dem Thema festhält und auf deren Laune sich das niederschlägt, was, wie man sich denken kann, auch eher kontraproduktiv ist.

In meiner aktuellen Beziehung – sehr leidenschaftlich, viel Begierde und die Liebe meines Lebens -, versuche ich, immer offen darüber zu sprechen, wenn ich mal wieder solche Gedanken habe. Ich frage meinen Freund dann, ob alles ok ist, ob sich etwas verändert hat und woran es liegt. Die Antwort darauf war bisher immer ein klares und ernst gemeintes „Es gibt keinen Grund, es ist alles ok“. Es folgen plausible Erklärungen, warum es in den letzten zwei Wochen eben mal weniger war, zum Beispiel einmal in zwei Wochen statt vier- bis sechsmal. Trotz dieser Erklärungen lässt mich das Thema nicht los und ich bilde mir ein, dass mehr dahinter steckt. Das einzige, was mir dann Sicherheit gibt, ist, wenn es sich wieder einpendelt und es nicht diesen krassen Unterschied zur aktuell gewohnten Anzahl gibt. Wenn ich das so im Freundeskreis bespreche, merke ich, dass ich eher die Ausnahme bin. Und dass meistens eher die Männer dieses Verhalten oder Thema haben, weil sie meist mehr Sex möchten als meine Freundinnen.

Bin ich zu gierig?

Es ist tatsächlich so, dass es in meiner ersten ernsthaften Beziehung immer wieder Phasen gab, in denen mein Freund mir wochenlang – gemeint war es von ihm damals wohl als kleiner Scherz – Sex verweigerte und das auch so kommunizierte, dass es eben nicht an seiner mangelnden Lust läge. Ich war damals noch wirklich jung, vielleicht 17 oder 18, und für mich war das eine beinahe traumatische Erfahrung. Ich habe es als Zurückweisung empfunden und nach Gründen bei mir gesucht, wieso ich wohl nicht anziehend sei. Das hat damals schon bestehende Ängste im Hinblick auf meinen Körper verstärkt und das Gefühl in mir geweckt, zu „gierig“ zu sein.

Bis heute lässt es mich nicht los und ich werde nervös, wenn mein derzeitiger Partner einfach einmal keine Lust hat. Mir hilft es da auch nur bedingt, dass ich eigentlich ja genau weiß, dass wir sogar ziemlich häufig miteinander schlafen und insgesamt eine total schöne, befriedigende Sexualität miteinander teilen.

Warum habe ich kein Bedürfnis nach Sex?

Ich bin recht spät mit Sex und Partnerschaft gestartet, mit knapp 20. In meinen Beziehungen hat es anfangs immer eine große Rolle gespielt,  in der Anfangsphase einer Partnerschaft hatte ich oft Sex. Daher hab ich bei mir nie in Frage gestellt, ob es mir wichtig war – es kam irgendwie natürlich und das Bedürfnis danach hatte ich auch.
Nachdem ich mit meinem jetzigen Partner fast zehn Jahre zusammen bin und wir auch zusammen leben, hat das Thema für mich persönlich einen geringeren Stellenwert eingenommen, ich habe einfach gar kein Bedürfnis mehr nach Sex. Nix – kein Bedürfnis, kein gar nix.
Am Anfang haben wir es auf Stress durch Studium und Doktorarbeit geschoben, ich habe mich oft einfach überwunden und mitgemacht, nach dem Motto „Der Appetit kommt mit dem Essen“. War auch ok, aber um ehrlich zu sein würde mir nichts fehlen, wenn ich nie mehr welchen hätte.
Meinen Freund hat das extrem belastet oder belastet es immer noch, er hat immer Lust und das setzt mich unter Druck, auch wenn er mir den nicht machen will. Ich war damals deswegen auch bei meiner Gynäkologin, die das ungewöhnlich fand. Ich habe daraufhin die Pille abgesetzt, da diese auch dazu beitragen kann. Aber so wirklich hat sich nichts getan, ich hab viele andere Dinge ausprobiert: Entspannung, Massagen, Masturbationskurse, und bin irgendwann persönlich zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach kein Mensch bin, der sonderlich sexuell ist oder ein körperliches Bedürfnis danach empfindet – auch, wenn ich in der Verliebtheitsphase hormonell getriggert dann ganz anders drauf bin.
Ich für mich bin fein damit, dass es so ist und empfinde mich nicht als defizitär, oder als ob ich therapiebedürftige wäre. Aber wenn ich mit anderen Menschen spreche, bekomme ich gespiegelt, dass es nicht „normal“ ist. Meine Partnerschaft leidet nach wie vor darunter, aber so richtig fällt mir keine Lösung ein. Ich frage mich oft, ob die Gesellschaft, in der wir leben, die so aus dem männlichen Blickwinkel gestaltet ist, ein verzerrtes Bild hat, und ob es nicht einfach ok ist.

Wie fordere ich meine Wünsche ein, ohne zu kritisieren?

Früher war für mich Sex nicht wichtig und ich habe mich wahnsinnig unter Druck gesetzt gefühlt, wenn meine Ex-Partner immer mehr wollten als ich – mit mehr meine ich hier übrigens etwa einmal die Woche. Dann hatte ich aber eine Beziehung, die sexuell völlig gepasst hat. Und mir ist bewusst geworden, warum ich vorher weniger Lust hatte: Vor allem für mich als Frau ist es unfassbar wichtig, dass ich das Gefühl habe, dem Mann geht es darum, dass ich eine gute Zeit habe. Mir ist im Nachhinein bewusst geworden, dass genau das bei meinen Ex-Beziehungen nicht so war. In dieser Beziehung hatte ich plötzlich ganz viel Lust: Wir hatten bestimmt im Durchschnitt siebenmal pro Woche Sex. Unsere längste Zeit ohne Sex in zwei Jahren Beziehung waren zehn Tage. Wir haben auch immer sehr viel kommuniziert, oft direkt im Anschluss, wie was war und was man vielleicht hätte anders schöner machen können.

Dann kam meine jetzige Beziehung. Und wieder das Thema, dass es ihm auch großteils um seinen Spaß geht. Auf die Art: „Wenn du nichts für mich machst, mach ich auch nichts für dich“. Am Anfang unserer Beziehung war das ein riesiges Thema. Weil ich immer darüber reden wollte, wie wir gemeinsam daran arbeiten können, den Sex schöner zu machen. Für ihn kam aber immer nur an, dass er schlecht sei und etwas ändern müsste. Diese Diskussion hat sich tatsächlich monatelang gezogen. Und da kam ich schon an den Punkt, dass ich dachte, unsere Beziehung ist schlecht, weil wir nur alle drei Wochen einmal Sex haben.

Das hat mich wahnsinnig unter Druck gesetzt, ich hatte auch mehrmals den Gedanken, die Beziehung deswegen zu beenden, obwohl alles andere perfekt lief. Mir hat es extrem geholfen, andere Geschichten in Artikeln oder auf Instagram zu lesen. Das hat mir das Gefühl genommen, dass Sex immer leidenschaftlich, am besten drei Stunden lang und fünfmal die Woche sein muss. Mittlerweile haben mein Freund und ich einen tollen Rhythmus und Weg für uns gefunden. Ich musste mich aber erstmal stark neu orientieren und Abschied von meiner Vorstellung nehmen. Seitdem ist es anders, aber super schön.

Sind meine sexuellen Bedürfnisse an Liebe gekoppelt?

Ich habe eine reine Sex-Beziehung, exklusiv. Wir treffen uns privat nur selten, ohne dann auch Sex zu haben. Etwa zweimal die Woche sehen wir uns bei einem von uns zuhause. Das planen wir meistens, damit es keine Missverständnisse gibt, schon länger im voraus. Auch haben wir klare Absprachen, da wir auch auf der Arbeit jeden Tag miteinander viel Zeit verbringen.

Für mich ist es viel Sex, wenn wir uns dreimal die Woche sehen, auch weil wir meisten mehrmals pro Treffen Sex haben. Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie ist das für mich ein super Abkommen. Früher dachte ich immer, für sexuelle Erfüllung muss es krasse, romantische Liebe sein. Das hat sich aber mit diesem Mann geändert. Es ist einfach unkompliziert, wir mögen uns, wertschätzen uns und können sehr ehrlich sein.

Mit ihm habe ich viel mehr Sex im Vergleich mit früheren Partnern. Auch meine Einschätzung, was viel und was wenig Sex ist, hat sich stark verändert. Früher habe ich auch in Beziehungen viel masturbiert, weil ich die Harmonie in der Beziehung über meine eigenen Bedürfnisse gestellt habe. In romantischen Beziehungen erlebt man vielleicht ein gemeinsames sexuelles Hoch am Anfang, was jedoch oft abflacht und sich in eine Routine verwandelt, die sexy vibes killt. Dadurch, dass wir uns in meinem jetzigen Verhältnis nicht gegenseitig für unser Wohlbefinden verantwortlich machen, wie es leider in vielen Beziehungen für mich der Fall gewesen ist, bleibt es frisch und aufregend zwischen uns. Das genieße ich sehr. Wenn es Themen zwischen uns gibt, machen wir die meist erst mit uns selbst und dann erst im Gespräch miteinander aus.

Bildquelle: cottonbro

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Eine Antwort zu “5 Frauen über die Frage: Welche Rolle spielt Sex in der Beziehung? Teil 1”

  1. Danke für diesen Beitrag! Ich erkenne mich in den Beiträgen wieder (man möchte mehr Sex als der Partner und fühlt sich schnell zurück gewiesen und denkt dann, dass irgendwas nicht stimmt und das das bei den anderen ja sicher anders ist usw.) und es fühlt sich befreiend an zu erfahren, dass es anderen Frauen auch so geht. Man wächst auch mit dem totalen Irrglauben daran auf, dass Männer immer mehr Sex wollen als Frauen. Und ist dann erstmal „geschockt“ und verwirrt, wenn es andersrum ist :D

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