Berlin Diary: Ich habe Angst vor dem Winter!

20. Juli 2018 von in

Frisch nach Berlin gezogen zu sein ist schon toll. So viele neue Eindrücke, neue Herausforderungen und neue Genüsse zugleich. Die Zeit, die ich mir für mich in der Hasenheide nehme zum Beispiel, die nur einen Katzensprung von mir entfernt ist, Grillen am Görli oder Menschen beobachten, das macht einfach Spaß. Sommer in Berlin ist schon etwas Tolles. Da sind Mamas, die an einem sonnigen Sonntagmittag mit Kindern auf dem Arm ein Minz-Cheesecake-Eis essen. Oder Millionen Seen in und um Berlin herum, die für eine Abkühlung zwischendrin sorgen. Besucht habe ich bereits den Bernsteinsee, den Schlachtensee, Selchowersee, Krumme Lanke und die Havel und kann ein für allemal sagen: Berlin hat viele schöne Seen.

Gar keine Frage, das habe ich mir wenn ich ehrlich bin auch ganz anders vorgestellt. Ich dachte, in der Hauptstadt gebe es keine Natur und keine Erfrischung, da gibt es nur Beton und Hafermilchkaffee, aber da habe ich vorschnell geurteilt und revidiere meine damalige Einstellung zu Sommeraktivitäten in Berlin. Den Beton, den Lärm und die Menschenmassen gibt es hier natürlich trotzdem, die fantastischen und überfüllten Lokale ebenso, doch man kann auch ganz leicht die Flucht ergreifen und sich ein ruhiges Fleckchen Land suchen, das doch eigentlich gar nicht so weit weg ist, wie es oft zu sein scheint. Seit April ist hier Hochsommer und bin beeindruckt von dem ewigen Sommer hier. Heiß ist es in einer Tour, Regenschauer überfallen uns kaum und wenn doch, dann atmen alle schwitzenden EinwohnerInnen aus: endlich Regen!

Die sozialen Aktivitäten finden hauptsächlich vor der Tür statt, was natürlich etwas schade ist, wenn man eine wunderschöne, frisch bezogene Wohnung bewohnt, von der man aktuell kaum etwas hat, doch umso schöner für die Stadt selbst ist, die man gerade völlig neu entdeckt. Einfach toll so ein Sommer. Ich kann den Herbst auch kaum erwarten, denn ehrlich gesagt habe ich die ganz leiste Vermutung, dass Herbst und Frühling in Neukölln fast noch schöner werden als der Sommer. Aber ich lasse mich überraschen, schließlich kenne ich hier bislang nur eine Jahreszeit. Und die übernächste, die folgen soll, wird mich nicht umbringen, aber stärker machen.

Ich weiß nicht, wie oft ich bereits vor dem Berliner Winter gewarnt wurde. Als sei er Voldemord, dessen Name nicht genannt werden darf, flüstern meine Berliner Freunde und Bekanntschaften schon fast, wenn sie von ihm sprechen: „Nimm dich in Acht“, sagen sie dann und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich das genau machen soll. Ich erinnere mich an den Winter in Berlin, ich habe ihn an Fashion Weeks im Januar erlebt und ich gebe zu, dass ich bereits schönere Wetterlagen erlebt habe. Doch macht es natürlich einen Unterschied, ob ich 6 Tage eine graue Matte an dem fernen Etwas beäuge, das sich einst „Himmel“ nannte, oder mindestens 3 Monate. Alle haben hier Respekt vor dem Winter und ich habe es noch nie erlebt, wie eine Stadt so oft von dem Wetter spricht, wie hier. Aber eben nur von dem einen Wetter, auf das absolut keiner Lust zu haben scheint und das ist dieser scheiß Winter, der nicht nur kalt ist, sondern windig und vor allen Dingen eines: dunkel. Monatelang sieht man keinen Sonnenstrahl und ich denke jetzt schon über ein Quartalsabo beim Solarium nach. Denn jetzt, wo mich jede zweite Person, die ich in Berlin kennenlernte, vor dem bösen Winter in Berlin warnte, habe ich auch ein bisschen Schiss.

Wie soll ich diesen verfluchten Winter überstehen, den keiner laut auszusprechen wagt? Orange eingefärbte Brillengläser sollten helfen für die Farbstimmung, das Abo habe ich bereits quasi abgeschlossen, viele Sommerfilme liegen bereits parat und und Trips nach München sind sowieso eingeplant. Vielleicht sollte eine adäquate Ausrüstung nicht fehlen. Ein Gesichtsschutz rettet mir bereits seit zwei Jahren den Winter und ob ihr es glaubt oder nicht, einen Schneeanzug habe ich auch schon in Petto.

Wie übersteht ihr den Berliner Winter? Ich bin dankbar über jeden Tipp!

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17 Antworten zu “Berlin Diary: Ich habe Angst vor dem Winter!”

  1. Sehr sehr schöner Beitrag! Nur leider habe ich keinen Tipp, habe nur mal drei Monate in Berlin gewohnt und nun mittlerweile am südlichsten Zipfel Deutschlands :) …. Das finde ich übrigens so toll an eurem Blog! Dass sich eben nicht immer alles um Mode- und Beautythemen dreht, sondern oft auch Themen aus dem „richtigen“ Leben aufgegriffen werden. Vielen Dank

  2. Einen richtig guten Tipp habe ich nicht, aber ich liebe auch den Berliner Winter.:D
    Ja, er ist dunkel. Ja, er ist mitunter sehr kalt. Ja, er ist extrem windig. Ja, alle Sommerfreunde HASSEN den Berliner Winter.
    Aber: im Winter fahre ich einfach das Kontrastprogramm zum Sommer. Ich netflixe viel. Ich liebe es, in warmen Cafés zu sitzen und Tee zu schlüren, während ich draußen in die graue Suppe starre – und dieses kühle Großstadtdunkel trotzdem wunderschön finde.
    Herbst/Winter ist Kultur-Zeit! Jetzt kann man alle Museen besuchen, die Theater haben alle Hochsaison und lohnen sich immer (besonders das Deutsche Theater und das Maxim Gorki).

    Ich mache auch bei Minusgraden große Spaziergänge durch die Stadt, sobald mal ein Sonnenstrahl rauskommt. Und auch wenn die Sonne nicht direkt scheint, hilft es, mittags immer einen Mini-Spaziergang einzuschieben. Frische Luft und Licht trotz Kälte!
    Wichtig: Ich bin stets dick genug angezogen. Mein Tipp: richtig dicke Thermoleggings, die innen angerauht sind. Wie diese hier z.B.: https://www.amazon.de/gp/product/B01M0R7SUQ/ref=oh_aui_detailpage_o02_s00?ie=UTF8&psc=1
    Dazu Longsleeve, dicker Strickpulli, Mantel, gute Mütze (die die Ohren gut wärmt!) und Schal.
    Die letzten Winter ist es gar nicht mehr so kalt geworden. Die Klimaerwärmung spüren wir hier schon deutlich. Aber windig ist es dennoch immer.

    Hab keine Angst, sondern suche dir Dinge, die du am Winter liebst und zelebriere sie. Und wenn es dann doch zu lange dunkel ist, helfen vermutlich Solarium und ein Trip in die Sonne.

    lg,
    Sarah

  3. Ganz wichtig: sich über den Frühling/Sommer/Herbst freuen so lange er dauert! Der Winter hier ist echt halb so schlimm, wenn man sich davon nicht verrückt machen lässt – wie so vieles im Leben.
    Und ganz ehrlich, es gibt so viel, das mich den Berliner Winter (believe it or not) inzwischen richtig ins Herz hat schließen lassen: Alles wird so schön muckelig, die eh schon tollen Cafés werden zu Oasen für alle, die sich aus dem Haus getraut haben, Museen und Galerien entfalten erst so richtig ihren Charme wenn der Regen gegen die Scheiben peitscht und sämtliche Spas, Thermen und Co. (Türkische Bäder und Floating kann ich insbesondere empfehlen!) sind Anlaufstellen für alle, die sich nach Wärme sehnen.
    Aber bis dahin kann man ja noch so viele Spätibiere kippen, Seen besuchen, Parks bewandern, Open Airs feiern, dass einem die Sonne bis mindestens Ende Januar aus dem Allerwertesten scheint!

  4. Der Winter im Norden ist der Hauptgrund, warum ich wohl nie südlicher als Frankfurt werden leben können… Der Winter in Berlin….puh…deine Angst ist nicht unbegründet ;)

  5. Also, ich mag auch den Winter in Berlin – sehr sogar. Viel Zeit in der gemütlichen Altbauwohnung, Spaziergänge in Parks, die endlich nicht mehr überfüllt, sondern schön leer sind. Mal wieder Zeit im schwarzen Cafe verbringen; Weihnachtsmärkte etc..Ich kann es ehrlich gesagt, nicht nachvollziehen, was alle mit dem Berliner Winter haben. Allerdings: ich mag halt auch die Dunkelheit. Und vor allem: die Ruhe.
    Mach’s dir gemütlich :-)

  6. Hey Amelie! Also ich kann leider über den Winter nicht sonderlich viel gutes berichten, also rein objektiv betrachtet. Vor allem komme ich selbst aus München und dort ist der Winter zwar auch super kalt, aber immerhin gibt es öfters mal blauen Himmel und Sonne. Das gibts hier leider sehr selten… Berlin wird im Sommer wirklich zu einer komplett anderen Stadt. Das meinten auch meine ganzen internationalen Kommilitonen, die mit mir im Wintersemester den Master begonnen haben. Die waren erstmal nicht so begeistert von der Stadt, haha. Jetzt aber will circa 70% in Berlin bleiben, weil sie sich so in die Stadt verliebt haben seit Frühling. Ich stimme den Kommentatorinnen zu, dass man sich es aber richtig gemütlich machen kann! Zeit, neue Cafés und Restaurants auszuprobieren (welche Stadt hat da mehr Auswahl zu bieten), gemütliche Brunch Dates mit Freunden zuhause veranstalten, in die Badewanne oder gleich ins Spa gehen (Sauna im Winter ist einfach so viel besser!!), ins Kino gehen (im Winter kommen ja bekanntlich die guten Filme) und klar, wie die anderen auch schon gesagt haben: netflixen, Museen usw. usw.. außerdem: der Herbst ist noch super schön, dann die Zeit bis Weihnachten ist auch schön mit den Weihnachtsmärkten und der ganzen Weihnachtsvorfreude. Hart sind Januar und Februar, aber dann kommt irgendwann Ostern und nach Ostern ist dann fast schon wieder Frühling! ;) ich liebe diese Stadt trotz Winter sehr, denn, wie gesagt, so schlimm ist es nicht.. und wenn du mal wieder bisschen blauen Himmel brauchst, investiere das Geld lieber in ne Zufahrt runter in die Heimfahrt als ins Solarium!
    Liebste Grüße, Greta

  7. Also, ich kann dich beruhigen: Wie schon jemand sagte, ist der Winter seit ein paar Jahren nicht mehr so schlimm. 2009, 2010, 2011… das waren noch schlimme Winter. Ich erinnere mich an -17 Grad. Das ist inzwischen Vergangenheit! Jetzt ist es wirklich auszuhalten. Und zum Glück gibt es viel mehr coole Cafés als in München. Mindestens ebenso viele Ausstellungen. Mehr Theater. Bessere Clubs. Gerade in Neukölln ein sehr cooles Hallenbad. Falafelbuden. Man kann sich größere, schönere Wohnungen leisten. Usw. Das wird gut!

  8. Fahr mal am Wochenende über die Nebelgrenze!

    Ich wohne in der Schweiz, im Winter ist es bei uns im „Unterland“ bis zu 800 Höhenmeter meistens grau und neblig, und darüber aber blau und sonnig! Der Wetterbericht ist daher meistens: „obe blau, unde grau“ ;-). Vielleicht ist das in Berlin ja ähnlich.
    Mir hilft das immer, wenn ich nach einer grauen Woche über die Nebelgrenze fahre und ein paar Sonnenstrahlen erwischen kann :-)

  9. wir sind hier nicht in nordschweden. der winter ist total in ordnung und wenn es schneit sogar wunderschön. frostige tage mit kaltem sonnenschein machen lust auf spaziergänge, nach denen man mit roter nase irgendwo nen tee trinken gehen kann. es gibt phasen, in denen es tatsächlich ne weile grau ist, aber da kommt ja dann deine wohnung ins spiel. zu hause einkuscheln mit gutem essen, freunden und filmen ist das beste!

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