Buchclub: 5 Bücher, die ich im Februar verschlungen habe

22. Februar 2021 von in ,

Abends das Handy aus der Hand legen und lesen, einer meiner Vorsätze in diesem Jahr klappt doch ganz gut. Zumindest dann, wenn Pepe schläft, Polly längst auf dem Sofa die Augen geschlossen hat und ich noch etwas Energie für ein Buch habe und nicht einfach nur berieselt werden will. Und so schaffe ich es doch ganz gut, in ruhigen Minuten oder eben im Bett noch ein paar Seiten zu lesen.

Im Februar haben wieder einmal fünf Bücher zu mir gefunden und ich habe sie mit Freude in meinen freien Minuten verschlungen. Von Lina Mallons Nachfolgewerk über wundervolle Romane bis hin zu einer feministischen Streitschrift. Es war ein buntes Potpourri und ich habe jedes einzelne Buch daraus geliebt. Auf seine Art und Weise.

„Zweit.nah  – Wie wir lieben, wenn wir uns wagen“ von Lina Mallon

„Für alle Frauen da draußen, die den Mut aufbringen, nicht nur nach der Liebe zu suchen, sondern auch sich selbst zu finden.“ Hach ja, liebe Lina, treffender hätte man diese Reise als Singlefrau nicht beschreiben können. Lina schafft mit zweit.nah die wunderbare Fortsetzung ihres ersten Buches schnell.liebig. Ich empfinde zweit.nah noch persönlicher, noch nahhafter und vielleicht sogar fast ein bisschen authentischer. Nicht, dass schnell.liebig es nicht gewesen wäre, ich mochte die wunderbaren Dating-Erfahrungen, die Lina beschrieb und die ich so nachvollziehen konnte. In ihrem zweiten Buch wird Lina aber noch etwas offener, zeigt sich von der verletzlichen Seite und nimmt die Leser*innen mit auf die Reise zu sich selbst und der Frage: „Wer will ich sein, in einer Beziehung, nach all den Jahren alleine?“ Denn auch das Aufgeben des eigenen Single-Status‘, der Freiheit und der vermeintlichen Offenheit aller Optionen ein Ende zu setzen, liefert nicht nur Antworten, sondern eben neue Fragen.

Zweit.nah ist ein Plädoyer an alle Singles da draußen, sich selbst zu bewahren, sich nicht vom Wunsch einer Bindung leiten zu lassen, sondern vom Gefühl für eine Person. Denn so bleibt das Ich im Wir erhalten. Und eine moderne Beziehung findet ihren Anfang.

„Irgendwann wird es gut“ von Joey Goebel

So manches meiner liebsten Bücher stammt aus der Feder des Münchner Autors Benedict Wells. Gerade sein Buch „Becks letzter Sommer“ zaubert mir bis heute ein Lächeln ins Gesicht, so tragisch-schön ist dieses Buch. Als ich auf „Irgendwann wird es gut“ von Joey Goebel Benedicts Worte zum Buch las, war klar: Das muss ich lesen. Und ich kann mich Wells Worten „Wie sehr beneide ich alle, die seine Bücher noch nicht kennen und zum ersten Mal lesen dürfen“ nur anschließen. Lest dieses kleine, feine Buch.

In diesem Buch versammelt Joey Goebel zehn Kurzgeschichten, zehn Erzählungen über Menschen aus einer Kleinstadt in Kentucky. Da wäre ein Mädchen, das nicht zu schnell erwachsen werden will. Oder ein Messie, der endlich Mut für sein Leben schöpft, als er eine Frau trifft, deren Leben noch ein bisschen trauriger ist als seines. Und ein Mann, der mit zwei Drinks auf seine Angebetene wartet, bis sie auf der Mattscheibe im Fernsehen erscheint. Goebel versammelt ganz wunderbare, skurrile wie normale Menschen in seinem Buch, lässt sie trotz aller Traurigkeit in ihrem Leben Optimismus bewahren und zeigt auf, dass es Happy Ends gibt. Nicht die ganz großen, aber die kleinen. Irgendwann wird es eben immer gut.

„Erkenntnis und Schönheit“ von Ian McEwan

Huch ja, ein Buch, mit dem ich irgendwie auf Kriegsfuß stehe, gleichzeitig es in den Himmel loben will. Ich mag die Bücher von Ian McEwan, sein letztes Buch „Maschinen und ich“ über die Freude und Gefahr von künstlicher Intelligenz hat mich nachdenklich zurückgelassen. Jetzt wagt sich der Autor an eine Art literarisches Sachbuch und taucht ein in die Verbindung von Wissenschaft, Literatur und Religion.

In „Erkenntnis und Schönheit“ blickt Ian McEwan in die Geschichte der Wissenschaft und hinterfragt gekonnt, wie zugänglich uns Menschen überhaupt jene Erkenntnisse sind – und warum wir trotzdem immer wieder in die Religion flüchten. Welche Verbindung haben Wissenschaft und Religion? Und inwiefern findet die Literatur ihren Platz? Denn auch die Wissenschaft lebt von Mut, dem Mut zu Scheitern, Dinge voranzutreiben und Inspirationen zu finden. Fast wie ein Autor vor dem weißen Blatt.

Es ist eine abenteuerliche Reise, dieses Buch. Und ich mag es irgendwie, diese Erzählung über Wissenschaft. Gleichzeitig wäre mir ein neuer Roman auch lieb gewesen.

„Dieses ganze Leben“ von Raffaela Romagnolo

Paola ist 16 Jahre alt und stammt aus einer reichen Familie. Aufgewachsen in einer wunderschönen Villa sieht ihr Leben nach außen hin perfekt aus. Doch wie so oft trügt der Schein. Denn innerhalb ihrer Familie brodelt es. Paolas Mutter findet ihre Tochter viel zu dick. Und so schickt sie ihre Tochter jeden Tag nach draußen. Bewegung, abnehmen. Nicht ganz uneigennützig, denn Paola soll ihren Bruder im Rollstuhl durch das Villenviertel schieben. Bewegung für die 16-Jährige, Luft für den Bruder. Und die Mutter? Muss sich nicht den Blicken der High-Society ergeben. Denn in deren Augen sind ihre Kinder vor allem eines: nicht so wie gewünscht. Jeden Tag dreht sie ihre Runden mit ihrem Bruder und kommt nach und nach einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Raffaela Romagnolo erzählt in „Dieses ganze Leben“ eine tragische wie schöne Geschichte über die 16-jährige Paola, die zwar bitter lernen muss, dass ihre Familie mehr Hass als Liebe in sich trägt und das Akzeptieren des eigenen Körpers harte Arbeit sein kann, gleichzeitig emanzipiert sie sich und erfährt: Die Welt da draußen ist eine andere. Eine, die auch Liebe bereit hält. Da, wo die Familie keine für sie (und ihren Bruder) hat.

„Es geht nur gemeinsam“ von Jutta Allmendinger

Seit Jutta Allmendinger im Zeit-Podcast „Alles gesagt“ zu Gast war, bin ich großer Fan. Kaum eine andere Frau in Deutschland schafft es, so pointiert und klar auf die Ungerechtigkeiten in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aufmerksam zu machen. So konnte ich es kaum erwarten, ihre neuste Streitschrift „Es geht nur gemeinsam“ zu lesen. Und ich liebe sie. Denn Jutta Allmendinger reicht’s. Seit über 30 Jahren untersucht sie die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen und musste dank Corona-Pandemie feststellen: Wir bewegen uns immer noch nicht vorwärts, nein, es geht sogar wieder rückwärts. Beim Lesen ihrer Fakten wurde mir fast übel. Himmel, es muss sich endlich was tun! Glücklicherweise liefert die Soziologin auch gleich Lösungsvorschläge in ihrem Buch, denn „Es geht nur gemeinsam“. Danke, Jutta Allmendinger!

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