Coffee Break: Hör deinem Körper zu, wenn er sich meldet!

18. Februar 2020 von in

Vor ein paar Jahren schrieb unsere Autorin Anja in ihrer Kolumne noch über die Liebe oder was man dafür halten könnte. Nun haben wir Coffee Break neu aufgelegt – und diesmal dreht sich alles um das Thema 30 werden. Über Freunde, die gehen und andere, die dazukommen. Wie man immer mehr weiß, was man kann und trotzdem an manchen Tagen so sehr an sich zweifelt, dass man lieber im Bett liegen bleibt. Darüber, dass man Angst hat, kein Baby bekommen zu können und gleichzeitig totale Angst davor hat, jetzt eines zu bekommen. 30 werden ist anstrengend, aber vor allem eines: wahnsinnig spannend.

Eine der wahrscheinlich wichtigsten Erkenntnisse meiner Zwanziger: Meinem Körper zuhören, wenn er sich meldet. Das passt zugegeben, nicht immer ganz so gut rein, denn selbst eine Erkältung hat meist ein echt mieses Timing. Wie, wenn man gerade sehr beschäftigt ist und gar keine Zeit zu sprechen hat und genau dann aber das Telefon klingelt. Nun kann man sich entscheiden: den Anrufer wegdrücken oder rangehen.

Ich wollte stark sein, das „schaffen“, meine damalige Beziehung retten, meinem Job gewachsen sein. Und ich habe mich oft dafür geschämt, dass ich so verdammt empfindlich bin und nicht so tough wie die Anderen.

Mich hat in den letzten Jahren sehr oft eine alte Bekannte angerufen: die Blasenentzündung. Manchmal bin ich tatsächlich rangegangen, aber nur um sie anzuschreien. Ja, manchmal war ich sogar verständnisvoll, aber ich hab sie dabei immer gehasst. Ich hab es gehasst, dass Andere schöne Winterjacken tragen konnten, während ich immer im Mantel rumlaufen musste. Ich hab es gehasst, dass ich dann keinen Alkohol trinken konnte, keinen Sex haben. Eigentlich alles, was Spaß macht. Stattdessen musste ich mit Wärmflasche und Wollsocken Blasentee trinken. Bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Aber wie heißt es immer so schön: Wenn du deinem Körper keine Ruhe verordnest, dann nimmt er sie sich eben selbst.

Oft war ich beim Arzt und habe gehofft, dass es etwas gibt, das ich einfach nehmen kann, damit das aufhört. Ein Rezept, ein paar Euro ausgeben und vorbei. Und eigentlich habe ich schon gewusst, dass kein Medikament die Situation langfristig ändern kann, sondern nur ich selbst. Weil ich tief drin gespürt habe, dass es mir gerade überhaupt nicht gut geht, ich wollte es nur nicht hören. Ich wollte nicht zuhören am Telefon. Lieber habe ich mich verbogen, um in Situationen hineinzupassen, die ich nicht mochte. Ich wollte stark sein, das „schaffen“, meine damalige Beziehung retten, meinem Job gewachsen sein. Und ich habe mich oft dafür geschämt, dass ich so verdammt empfindlich bin und nicht so tough wie die Anderen.

Wenn man es so sieht, ist die Blasenentzündung eigentlich die ehrlichste Freundschaft, die ich je hatte. Manchmal ein bisschen zu ehrlich.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückschaue, bin ich nicht nur froh, dass sie vorbei ist, sondern auch, dass ich mein persönliches Warnsignal über die letzten Jahre so gut kennengelernt habe. Denn manche Menschen fehlen diese Warnsignale. Die machen einfach weiter, bis es eben nicht mehr weitergeht. Und wer kann es ihnen verübeln? Ich hätte es auch getan. Und wenn man es so sieht, ist die Blasenentzündung eigentlich die ehrlichste Freundschaft, die ich je hatte. Manchmal sogar ein bisschen zu ehrlich. Heute bin ich dankbar, denn „meine Krankheit“ ist auch mein Kompass dafür, wie gut es mir geht. Und seitdem ich selbstständig bin, so arbeite, wie ich das möchte und mich aus Beziehungen gelöst habe, die mir nicht gut tun, bekomme ich auch immer weniger Anrufe.

Ich glaube, dass jeder von uns eine „Blasenentzündung“ hat. Bei dem einen sind es eben die Ohren, bei dem Anderen der Rücken, der auf Stress jeglicher Art reagiert. Manche bekommen auch immer sofort eine Erkältung, egal wie gesund sie sich ernähren und wie viel Sport sie treiben. Ein Anderer muss erst Panikattacken bekommen, um zu erkennen, dass er schon lange nicht mehr glücklich ist in seiner Beziehung. Wenn du also zu den „Glücklichen“ gehörst, die Warnsignale bekommen, dann dank deinem Körper dafür, anstatt ihn zu verurteilen, dass er gerade schon wieder nicht so funktioniert, wie du das möchtest. Und wenn du dir die Zeit nimmst, die Zeichen zu deuten, dann kommst du meistens auch selbst darauf, was dir gerade fehlt.

Wenn du zu den „Glücklichen“ gehörst, die Warnsignale bekommen, dann dank deinem Körper dafür, anstatt ihn zu verurteilen, dass er nicht so funktioniert, wie du das möchtest.

Meine letzten Jahre waren geprägt von viel Stress – dementsprechend war ich auf oft krank. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich deshalb Angst: Wie soll ich Geld verdienen, wenn ich ständig krank bin? Diese Angst war eigentlich die größte rund um die Selbstständigkeit – so sehr hatte ich mein schlechtes Immunsystem schon als Teil von mir akzeptiert. Meine Freunde, die schon lange frei arbeiten, meinten dann nur: „Mach dir keine Sorgen, du wirst überhaupt nicht mehr so oft krank sein!“ Und ich kann bisher nur sagen: Sie hatten Recht.

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