Coffee Break: Ich bin wieder da, nur ein bisschen älter!

12. November 2019 von in

Vor ein paar Jahren schrieb unsere Autorin Anja in ihrer Kolumne noch über die Liebe oder was man dafür halten könnte. Nun haben wir Coffee Break neu aufgelegt – und diesmal dreht sich alles um das Thema 30 werden. Über Freunde, die gehen und andere, die dazukommen. Wie man immer mehr weiß, was man kann und trotzdem an manchen Tagen so sehr an sich zweifelt, dass man lieber im Bett liegen bleibt. Darüber, dass man Angst hat, kein Baby bekommen zu können und gleichzeitig totale Angst davor hat, jetzt eines zu bekommen. 30 werden ist anstrengend, aber vor allem eines: wahnsinnig spannend.

Ich bin ganz ehrlich: Lange hab ich den Gedanken gar nicht zugelassen, dass ich diese Kolumne einmal weiterführen werde. Und das obwohl ich in den letzten Jahren immer wieder auf Coffee Break angesprochen wurde und es selber ab und an richtig vermisst habe. Denn meine Gedanken so frei aufzuschreiben, hat mir bisher noch kein anderes Medium ermöglicht. Nun bin ich also wieder hier, mit einem kleinen Rest an Selbstzweifeln, den man wohl ganz natürlicherweise hat in einer Lebensphase, in der es immer nur vorangehen sollte. In der man immer Neues, aber selten noch einmal dasselbe macht.

30 werden bedeutet nicht nur älter werden. Es bedeutet erwachsen werden, hoffen, erwachsen zu sein, auch wenn es sich immer noch nicht so anfühlt.

Und damit wären wir eigentlich schon mitten im Thema von dieser Kolumne, von Coffee Break, wie es nun weitergehen wird. Ich kann nicht mehr mit dramatischen Herzschmerz-Texten dienen – zum Glück –, aber da mein Kopf natürlich ununterbrochen weiterdenkt, gibt es auch abgesehen von Beziehungsthemen eine Menge, über die ich mir gerade Gedanken mache. Was all diese Sorgen, Ideen, Pläne und Überlegungen angeht, so eint sie vor allem eines: bald 30 werden. Obwohl ich noch sechs Monate Zeit habe, bin ich schon so gut wie mittendrin. Ich plane meinen Geburtstag, als wäre er eher in sechs Tagen. Sage manchmal aus Versehen, wenn ich gefragt werde, dass ich schon 30 bin und habe eine Handvoll mir bisher unbekannter Gedanken, die ich eigentlich nur darauf zurückführen kann, dass ich nächstes Jahr eine magische Altersgrenze übertrete.

Aber 30 werden bedeutet ja nicht nur älter werden. Es bedeutet erwachsen werden, hoffen, erwachsen zu sein, auch wenn es sich immer noch nicht so anfühlt. Angekommen sein irgendwo, bei einem Zwischenziel zumindest. Von der einen Seite bedrängt einen die Vorstellung, wie man dachte, dass man mit 30 sein wird, von der anderen lacht die Realität, die ja oft etwas anders aussieht. Aber dann gibt es da zum Glück auch noch all die Sachen, die man in den letzten Jahren gelernt hat, Fehler, die man nie wieder machen wird, Talente, die man bei sich entdeckt und Ziele, die man getrost hinter sich gelassen hat. Die Dinge, von denen man niemals dachte, dass man sie noch vor 30 machen wird. Und so viele Sachen sind einem plötzlich so herzlich egal – das ist vielleicht das allerbeste an diesem neuen Lebensabschnitt.

Vielleicht mochte man sich noch nie so gerne. Man sagt immer öfter „Nein“ zu Bullshit und „Ja“ zum eigene Wohlbefinden.

30 werden ist zum einen schmerzhaft – unser Blick auf uns selbst wird realistischer. Was kann ich? Was nicht? Und was will ich wirklich? Aber es ist auch wunderschön. Man wird ernster genommen, man traut sich mehr. Möchte nicht mehr tauschen, mit niemandem. Vielleicht mochte man sich noch nie so gerne. Man sagt immer öfter „Nein“ zu Bullshit und „Ja“ zum eigene Wohlbefinden. Man ist in den letzten Jahren schlauer geworden, was zum Glück nicht heißt, dass man immer vernünftiger ist. Man hat ein bisschen Leichtigkeit eingebüßt, aber wenn’s drauf ankommt, kann alles noch genauso leicht sein, wie man es haben möchte. So zum Beispiel mit einer wunderbaren Kolumne, die man einfach so wieder zum Leben erweckt, weil man nie einen adäquaten Ersatz für sie gefunden hat.

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4 Antworten zu “Coffee Break: Ich bin wieder da, nur ein bisschen älter!”

  1. Liebe Anja,

    wie schön! Ich bin zwar seit einiger Zeit Amazed Leserin, aber deine Kolumne kannte ich noch gar nicht, habe daher grade mal alle deine alten Texte gelesen und geliebt und freue mich umso sehr, dass du wieder dabei bist! Willkommen zurück!

  2. Ich hab dich vermisst! Und dann kommst du um die Ecke und schreibst genau, was ich gerade denke.
    „Darüber, dass man Angst hat, kein Baby bekommen zu können und gleichzeitig totale Angst davor hat, jetzt eines zu bekommen“

    Dicke umarmung von meinem gesellschaftsstressgeplagten Uterus <3

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