Der Selbstversuch: Die Internetdiät

31. März 2015 von in

Was machst du als erstes nach dem Aufwachen? Denk darüber nach – ich persönlich weiß es schon seit einiger Zeit. Mein Wecker klingelt, ich greife nach meinem Handy, stelle den Flugzeugmodus aus, lese die WhatsApp Nachrichten und checke Instagram. Was machst du als letztes vor dem Einschlafen? Ich streame einen Film oder eine Serie, bin auf WhatsApp und checke Instagram.

Ich bin keiner von den Menschen, die das Internet verteufeln und es als moderne Pest und Cholera sehen, im Gegenteil. Ich liebe das Internet – es ist mein Job und mein größtes Hobby und da liegt auch schon das Problem. Vor allem im letzten Jahr, seit ich alleine wohne, hat sich die vermehrte Nutzung angehäuft, und es wird immer noch extremer als besser: Ich bin daueronline.

Man muss sich das nicht als Handyzombie vorstellen, dessen Gesicht kaum noch ohne Blaustich des Bildschirms zu sehen ist, sondern eher ein Teilzeit-Handyzombie, der ohne Gesellschaft sein Handy immer in der Hand hat. Wenn ich alleine zu Hause koche, wenn ich einen Film schaue, kurz vor dem Duschen, kurz nach dem Duschen, beim Kaffeetrinken und auf dem Weg zum Bäcker. Der Dauerkontakt zu meinen Freunden und die ewige Onlinepräsenz lösen eine extreme innere Unruhe in mir aus, die mittlerweile an schlechten Tagen sogar zu Schlafstörungen führt, zu Konzentrationsproblemen, Inspirationslosigkeit und einer immer kleiner werdenden Geduldsspanne. Ein gutes Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund, kann mit einer WhatsApp Nachricht zerstört werden, eine Nachricht kann dich mit Leichtigkeit aus deiner Konzentration reißen und zwar immer und überall.

In dieser Woche habe ich mir deshalb bis Sonntag explizite Internetzeiten eingerichtet, die es mir möglich machen, meinen normalen Alltag und meine Arbeit zu bewältigen. Zwischen 9 und 19 Uhr (also im Schnitt meine klassische Arbeitszeit) bin ich unter der Woche, also von Montag bis Freitag, online und erreichbar. Samstag und Sonntag bin ich komplett offline und nur über Anrufe oder wahlweise SMS erreichbar. Tatsächlich geht es bei diesem Projekt weniger darum, nicht auf Facebook zu sein, Blogs zu lesen, eben zu surfen, sondern um WhatsApp und die Dauererreichbarkeit zu reduzieren. Es geht dabei nicht darum, abstinent zu werden, sondern auf gesunde Art und Weise zu diätieren.

Meine Erwartungen? Ich möchte innere Ruhe einkehren lassen, mich mehr auf mein Umfeld konzentrieren und die Zeit mit mir selbst in vollen Zügen genießen können, ohne mich mit Chatgesprächen und Instagramfotos abzulenken. Vielleicht werde ich nach Jahren wieder in den Genuss der Langeweile kommen? Ich möchte herausfinden, ob auch nur eine Woche Internetdiät etwas in mir verändert.

Nächste Woche werdet ihr einen ausführlichen Bericht auf amazed lesen können!

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15 Antworten zu “Der Selbstversuch: Die Internetdiät”

  1. Na da bin ich ja mal gespannt, was du so nach einer Woche zu berichten hast. Vielleicht ist eine Woche gar nicht unbedingt lang genug, um wirklich Abstand von all dem zu gewinnen … wer weiß, vielleicht kommst du ja auf den Geschmack und verlängerst deine „Diät“ um noch ein paar Tage/Wochen? :-)
    Ich glaube am schlimmsten ist es, wenn sich Leute nicht mehr auf das tatsächliche Gegenüber und das Gespräch konzentrieren können sondern nur noch mit dem Handy beschäftigt sind – im Restaurant, im Café, in der Bar … wo es ja eigentlich um den Austausch mit anderen und Freunden gehen sollte! Ich versuche immer, wenn ich mit anderen unterwegs bin, mein Handy tief in der Tasche zu verstauen und wenn man sich am Tisch gegenüber sitzt, das Handy erst gar nicht neben mich auf den Tisch zu legen – das hilft auf alle Fälle und ist schon mal ein kleiner Schritt, um seine Zeit ohne Facebook/Whatsapp/Instagram und Co. besser zu genießen!

    • Liebe Carla, ja, mein Ziel ist es auch, das länger durchzuhalten. Wenn ich wie gesagt mit Leuten unterwegs bin, bin ich mit meinem Handygebrauch wirklich auszuhalten. Trotzdem stört es oft und reißt einen aus Gesprächen! Aber primär geht es um die Zeit, die ich alleine ohne Gesellschaft verbringe und die ich zukünftig auch WIRKLICH alleine ohne Gesellschaft verbringen möchte.

  2. Uahhhh das hört sich mega spannend an. Ich glaube, viele erkennen sich hier wieder. Vorallem, dass morgens als erstes und abends als letztes das Handy mit Instagram in der Hand ist. Bekloppt, oder? Ich frage mich das wirklich manchmal. Ist es schon eine Sucht? Ich glaube leider ja…
    Bin auf deinen Bericht gespannt. Vielleicht kannst du uns alle für eine gesunde #Internetdiät begeistern :)

    Liebste Grüße
    Janine

      • Ich glaube das muss ich Janine zustimmen, da sind wir auch etwas „diätreif“ :)
        Das klingt für mich auf jedenfall nach einem interessanten Experiment – viel wichtiger finde ich es außerdem das man die Zeit „offline“ mit lieben Menschen verbringt egal ob zum gemeinsamen Kochen oder quatschen – da relativiert sich vieles, was einem im Web wichtig erscheint sehr schnell wieder…

        Grüße von Consti*

  3. Sehr spannendes Thema!
    Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich innerlich unruhig werde, wenn ich eine Weile nicht aufs Handy schaue und ständig das Gefühl habe, jemandem antworten zu müssen. Ich finde das macht es auch mit am Schlimmsten, das jeder erwartet, dass man allzeit bereit ist und jederzeit antwortet. („Warum hat sie es denn gelesen? Und warum antwortet sie denn nicht?“) Ich bin ja selber so! Und dann gibt es die Momente, an einem richtig guten Abend mit Freunden z.B., wo man die Technik vollkommen vergisst und nichts vermisst.

    Ich muss mich auch einfach mal wieder vermehrt dazu zwingen das Handy Handy sein zu lassen oder vllt einfach wieder auf ein Nokia 3310 umsteigen ;-) Statt Instagram eine Runde Snake spielen, klingt ja auch sehr verlockend. Ich freu mich auf die Updates dazu und werde mich inspirieren lassen.

    Viele Grüße!

  4. Habe letztens auch einen Artikel darüber gelesen, dass wir zuviel überm Smartphone hängen. Ich war letzte Woche paar Tage im Ausland und habe unterwegs eigentlich nicht wirklich viel vermisst (und hatte eben kein mobiles Internet) bzw. fand es sogar irgendwie befreiend. Eigentlich bin ich auch kein typischer Smartphone-Typ, bis November letzten Jahres habe ich es ohne Whatsapp und Apps, nur mit einem Browserfenster geschafft, durchs Leben zu kommen. Aber die Kommunikation wird (leider) durch Whatsapp verbessert, die Leute antworten mir regelmäßig oder vielleicht sogar endlich mal, was bei den SMS nicht der Fall war. Das finde ich das große Problem, was mich auch davon abhält, es wieder zu deinstalieren (außerdem kann ich per SMS keine lustigen Fotos verschicken).
    Ich hatte mir jetzt vorgenommen, nach meinem Urlaub, wenn ich unterwegs bin, das mobile Internet nur jede Stunde einmal anzuschalten (denn wenn etwas wirklich wichtiges passiert, kann man immer anrufen), aber so richtig geklappt hat es dann irgendwie doch nicht, weil ich etwas nachsehen musste im Internet und es dann doch nicht wieder ausgeschaltet habe.
    Viel Glück dir, vielleicht klappt es ja ein bisschen besser!

    Liebe Grüße :-)

  5. Eine tolle Idee. Aber ich schließe mich Carla an. Eine Woche ist vielleicht eine knapp bemessene Testphase.
    Ich wollte erst nicht so wirklich wahrhaben, wie viel Zeit ich am Smartphone pro Tag verbringe. Bis ich dann mal eine App drauf packte, die immer schön die Zeit zusammen rechnete, die ich an dem Teil dran häng. Ich war erschrocken. Kein Wunder, dass der Tag plötzlich so wenige Stunden hatte!

    Nach längerem Probieren hat es mir geholfen, sämtliche Benachrichtigungstöne dauerhaft zu deaktivieren. Meist rennt man ja doch sofort, wenns Handy piept. Jetzt „renn“ ich nur noch, wenn ein Anruf kommt. Denn da könnte es ja auch was Wichtiges sein. WhatsApp und Co wird nur noch berücksichtigt, wenn ich zwischendrin mal etwas Luft habe. Ansonsten liegt das Teil jetzt konsequent außerhalb des Blickfeldes.

    Das hat die Online-Phasen deutlich reduziert.

    Aber meine 30 Minuten am Morgen vor dem Aufstehen genieße ich. Da bin ich dann auch bewusst online :)

  6. […] Eine Woche lang habe ich mir bewusste Internetzeiten eingerichtet, die dem ursprünglichen Arbeitsmodell entsprechen. Montag bis Freitag war ich von 9 bis 18 Uhr im Internet erreichbar, am Wochenende gar nicht. Welche Motivation mich zu dem Selbstversuch getrieben hat, könnt ihr hier lesen. […]

  7. Welch wahre Worte. Das schlimme, bei mir ist es ganz genauso. Das erste was ich am morgen tue, ist der Blick auf’s Handy. Das letze am Abend ist die Arbeit am Laptop. Bin gespannt auf deinen Bericht und was bei rum kommt.

    Liebste Grüße
    Vossi | blog.modiami.com

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