Engagement trotz Quarantäne: So können wir jetzt helfen

1. April 2020 von in

Schon klar. Am Besten hilft man gerade allen durch die Krise, indem man zu Hause bleibt. Wenn man kann. Das heißt allerdings nicht, dass wir dieser globalen Pandemie paralysiert beim Wüten zusehen müssen, denn auch in Quarantäne kann man einiges bewirken. Hier sind einige Möglichkeiten, wie ihr trotz Kontaktverboten Engagement zeigen könnt, sodass wir alle möglichst gut durch die Krise kommen – besonders die, die die Pandemie sehr hart trifft und akut bedroht. Die folgende Liste wird fortlaufend aktualisiert – wenn ihr Ergänzungen habt, hinterlasst einen Kommentar.

#LeaveNoOneBehind

Von Corona ganz besonders bedroht sind gerade die Geflüchteten an den europäischen Grenzen, die dort zusammengepfercht in Zelten und Verschlägen sich selbst überlassen werden, während wir bestraft werden, wenn wir nicht genug Abstand voneinander halten. Sobald Corona in die Lager vordringt, droht dort eine humanitäre Krise von ungeheurlichem Ausmaß. Deswegen ist es jetzt besonders wichtig, diesen Menschen so schnell wie möglich Hilfe zukommen zu lassen, sie zu evakuieren und sie endlich in menschenwürdige Verhältnisse zu bringen. Die Petition #leavenoonebehind fordert genau das – und das mindeste, was wir von zu Hause machen können, ist es, zu unterschreiben. Diejenigen unter uns, die ein paar Euros übrig haben, können beispielsweise an Seawatch, Mission Lifeline oder die Sea Punks spenden, die sich tagtäglich für die Einhaltung der Menschenrechte bei der Flucht einsetzen.

 

 

Hilfe für obdachlose Menschen

#staythefuckhome – aber wie, wenn man kein Zuhause hat? Für Obdachlose ist das Coronavirus eine besonders große Gefahr. Oft fehlt ihnen Zugang zu fließendem Wasser und Seife. Hinzu kommt, dass viele Obdachlose durch das jahrelange Leben auf der Straße an Krankheiten leiden und körperlich geschwächt sind. Sie sind daher eine Risikogruppe. Durch Corona müssen viele medizinische Hilfsangebote ihre Arbeit einschränken, die Tafeln haben nicht mehr genug Lebensmittel zur Verfügung und teilweise schließen Unterkünfte, weil die Ansteckungsgefahr dort zu hoch ist. Immer mehr Städte organisieren deswegen sogenannte Gabenzäune, an die Spenden für wohnungslose Menschen gehängt werden. Es gibt sie beispielsweise bereits in Berlin, Hamburg und München. Hier findet ihr eine Übersicht. Zudem kann man über Betterplace an einen Verein spenden, der in Berlin direkt 10 Euro direkt an Wohnungslose auszahlt, um ihnen durch die Krise zu helfen. Man kann auch deutschlandweit die Tafel unterstützen – durch Geld- und Warenspenden oder durch ehrenamtliche Hilfe.

 

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Einzelhandel und Shopping

Letzte Woche hat sich Amelie schon damit befasst, wie man in der Krise kleine Unternehmen, Cafés, Restaurants und Ladengeschäfte unterstützen kann. Diese sind von den Ausgangssperren hart betroffen . Um euren Lieblings-Shops durch die Krise zu helfen, bieten viele von ihnen jetzt Gutscheine an, die man nach der Krise einlösen kann. Diese bekommt man beispielsweise über paynoweatlater.de oder über helfen.berlin. Auf den Webseiten eurer liebsten Läden solltet ihr Informationen finden, ob sie bereits an einem der Programme teilnehmen. Manche Läden sammeln sich zudem über StartNext einen Rettungsschirm zusammen. Die Webseite fördert und sammelt alle Rettungsaktionen online.

Versorgt sein und dabei die Berliner Kultur unterstützen: Unter stayhomeclub-berlin.de könnt ihr Basics wie Obst und Gemüse, Getränke oder Kondome bestellen, die euch nach Hause geliefert werden – alles fair und nachhaltig. Mit jeder ausgelösten Bestellung werden 5 Euro an den Fonds für Berliner Clubs, Veranstalter*innen und Künstler*innen gespendet.

Wenn ihr gerne in’s Kino geht, dann könnt ihr nun euer Lieblingskino vorm Bankrott bewahren. Auf hilfdeinemkino.de könnt ihr entweder Kino-Werbespots anschauen, um so die Werbeeinkünfte der Kinos aufrecht zu erhalten – diese werden anteilig unter allen Kinos aufgeteilt. Oder ihr spendet direkt ein paar Euros an euer Lieblingskino.

Mundschutz!

Neuere Studien belegen, dass das Tragen von Atemschutzmasken – auch, wenn man keine Symptome hat – die Infektionsrate deutlich senken kann. Deswegen ist es auch sinnvoll, auch für den kurzen Spaziergang um den Block eine Maske zu tragen. Da die medizinischen Masken bekannterweise gerade Mangelware sind, kann man nun kreativ werden: Stoffe aus Baumwolle filtern etwa 70 Prozent der infektiösen Partikel. Geschirrhandtücher oder Staubsaugerbeutel halten sogar noch mehr zurück. Ein umfunktioniertes T-Shirt kann also schon Wunder wirken! Über den Sinn selbstgenähter Masken spricht der Virologe Christian Drosten in diesem Podcast vom 23. März. Wem das Shirt um den Mund nicht fashionable genug ist, der kann sich mit einer Nähanleitung einfach selbst eine Maske herstellen. In München kann man zu diesem Zweck sogar kostenlose Stoffreste abholen.

Nachbarschaftshilfe

Solidarität fängt schon im kleinsten Umfeld an – in eurem Mietshaus oder in eurer Straße. Ihr könnt jetzt für Menschen in eurer Nachbarschaft, die zur Risikogruppe gehören, wertvolle Hilfe leisten – indem ihr zum Beispiel für sie einkaufen geht. Dafür könnt ihr in einem Aushang eure Hilfe anbieten – hier ist ein Vordruck. Zudem kann man sich auf verschiedenen Plattformen auch online für Hilfe zur Verfügung stellen: Wir gegen Corona, nebenan.de,  Quarantänehelden,  Wirhelfen.eu und Solidaritäter. Manche Nachbarschaften organisieren sich im großen Stil: So zum Beispiel das Rhein-Main-Gebiet unter corona-soli-ffm.org. Wenn auch eure Region sich online organisiert, schreibt es gerne in die Kommentare. 

Wer auch außerhalb des nächsten Radius‘ Menschen unterstützen will, die durch das Coronavirus in finanzielle Not geraten sind, der kann die Aktion von der Autorin und Malerin Grit Maroske unterstützen, die via Twitter und Facebook einen solidarischen Spendentopf eröffnet hat: Über PayPal können willige Spender*innen einen Betrag ihrer Wahl in einen Spendenpool einzahlen, Bedürftige wiederum können Maroske eine Privatnachricht schicken. Zusammen mit einem Team von Helfer*innen werden dann Geldbeträge aus dem Spendentopf ausgezahlt, mit denen die Hilfsbedürftigen fürs erste über die Runden kommen können. Momentan sind knapp 5000 Euro im Spendentopf, insgesamt wurden schon knapp 20.000 Euro an Bedürftige ausgezahlt – ganz einfach, durch gegenseitige Unterstützung im Internet.

 

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Seelsorge

Die Isolation ist für manche Menschen eine immense psychische Belastung. Gerade ältere Menschen sind nun noch isolierter als oftmals ohnehin schon. Für diese könnt ihr euch nun einsetzen, indem ihr euch ein bisschen Zeit nehmt, um mit ihnen zu telefonieren – jetzt, wo selbst der Besuch der Enkelkinder ausbleibt. Unter silbernetz.org kann man sich registrieren, Wünsche äußern und wird zwei Tage darin geschult, um für die Gespräche vorbereitet zu sein. Einzige Bedingung: Man muss mindestens 18 Jahre alt sein.

 

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Ehrenamt

Ehrenamt geht auch online! Wenn ihr also gerade besonders viel Zeit habt, könnt ihr euch nach wie vor einbringen. Wer Talent in den Bereichen Kommunikation oder Design hat oder besonders digitalaffin ist, kann sich bei youvo.org einbringen. Youvo vermittelt ehrenamtliche Helfer an soziale Organisationen, die bei ihren Projekten Hilfe brauchen.

Wer mehrere Sprachen spricht, der kann nun lebensnotwendige Übersetzungsarbeit leisten: Das Projekt Triaphon bietet einen telefonischen Übersetzungsdienst an, um Patient*innen mit Sprachbarrieren zu unterstützen. Dringend gesucht werden Leute, die neben Deutsch eine der der folgenden Sprachen beherrschen: Arabisch, Bulgarisch, Farsi/Dari, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch oder Vietnamesisch. Hier könnt ihr euch als Sprachmittler*innen registrieren, um Gespräche zwischen medizinischem Personal und Patient*innen zu ermöglichen.

Blut spenden

Weil nun weniger Menschen zur Blutspende gehen, werden die Ressourcen knapp. Deswegen ist es jetzt für die unter uns, die gesund sind und nicht zur Risikogruppe gehören, nun besonders wichtig, Blut zu spenden. Alle Infos findet ihr unter blutspendedienst.com.

Wichtige Petitionen

Sonstiges

  • Unter handforahand.de wurde ein Hilfefonds für Freiberufler*innen im Kulturbetrieb eingerichtet.
  • Bei dsai.de könnt ihr durch eine Geldspende Menschen mit Immunerkrankungen unterstützen.
  • Auf erfahrungen-mit-corona.de könnt ihr einen Fragebogen ausfüllen, um einem Forschungsteam der TU München zu helfen, gegen das Virus anzugehen und es besser zu verstehen.

 

 

Bildcredits: Unsplash 1, 2

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2 Antworten zu “Engagement trotz Quarantäne: So können wir jetzt helfen”

  1. Hi Johanna, dankeschön für diese Übersicht! :)
    Unter https://gabenzaun.de/ gibt es eine ziemlich cool gestaltete Karte aller (dort registrierten) Gabenzäune in Deutschland / Österreich.
    Neu eingerichtete Gabenzäune können direkt an die Betreibenden der Seite gemeldet werden, der Standort wird dann mit in die Karte aufgenommen.
    Liebe Grüße, Leonie

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