7 Gründe, weshalb so viele Erstwählende der Gen Z die FDP gewählt haben

29. September 2021 von in

Der erste Schock ist vorüber, die ersten Stresssymptome überbrückt. Die Bundestagswahlen sind vorüber, und obgleich noch viele Fragen offen stehen, sind die Stimmen für die jeweiligen Parteien gezählt. Ich weiß nicht, wie es euch erging. Doch bei mir läuft der Tag nach den Wahlen eigentlich immer gleich ab: Nie erwarte ich etwas von den Bundestagswahlen, und doch bin ich am Ende immer enttäuscht. Der größte Schocker des diesjährigen Ergebnisses: Die FDP war unter den Erstwählenden die stärkste Partei. Um genau zu sein: 23% der Achtzehnjährigen wählten die FDP.

Die FDP, die Partei, die für Sozialstaatabbau steht, für Privatisierung, für Steuersenkungen und Streichung des Solizuschlags für Unternehmen, was insbesondere reichen Menschen zu Gute kommt. Bedeutet: Die FDP fördert und pflegt den Wohlstand der Reichen – und lässt den Mittelstand und Geringverdienende auf sich alleine gestellt. Wieso zum Teufel sollten das Achtzehnjährige gut finden? Ich habe euch sieben Gründe zusammen gesucht, die kurz erklären, wie es dazu kommen konnte. Und warum sich das ändern sollte. 

1. Digitalisierung

Zwar sind mittlerweile viele Parteien auf die Priorität der Digitalisierung gekommen – spätestens seit der Lockdownzeit. Doch die FDP gehörte zu den ersten Parteien, die sich Digitalisierung auf die Fahne schrieb.

2. Moderner Wahlkampf 

Die Plakate sind chic, die Website gefühlt nicht von 1998, man nennt sie auch die TikTok-Partei. Dort veröffentlichte nicht nur Parteichef Lindner regelmäßig Videos. Auf TikTok tauschen sich in einer Bubble junge Menschen über Finanzen aus, geben sich Steuertipps und besprechen Aktien, ETFs und Krypto. Während Die Grünen auf Instagram stark sind, so hat die FDP insbesondere auf TikTok eine große Reichweite – und erreicht somit die Jungliberalen, die schon früh anfangen, sich mit Finanzen auseinanderzusetzen.

3. Freiheitsrechte im Lockdown 

Gerade während der Lockdownzeit beharrte die FDP (neben der AfD) als einzige Partei konsequent auf individuelle „Freiheitsrechte“. Ich persönlich würde sie allerdings eher „Egorechte“ nennen: Sie war gegen einen Lockdown, da die FDP grundsätzlich eine Partei ist, die sich für individuelle Vorteile interessiert, abseits von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Doch besonders junge Menschen litten unter dem Lockdown stärker als andere. Aufgrund der Schul- und Universitätsschließungen sowie dem Verbot, Freund:innen zu treffen, oder sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Gerade in der Lockdownzeit spielte Digitalisierung eine große Rolle, die insbesondere in den geschlossenen Monaten wichtig und erleichternd gewesen wäre. Stattdessen war Deutschland allerdings beispielsweise mit Onlineunterricht rückschrittlich. 

4. Liberale Drogenpolitik 

Die Quote der Rauchenden zwischen 12 und 20 Jahren liegt aktuell bei einem Tiefstand. Junge Menschen rauchen und trinken weniger. Doch kiffen, das tun sie richtig gerne. Demnach hat fast die Hälfte der Befragten zwischen 18 und 25 mindestens einmal Gras geraucht. Die FDP verfolgt eine liberalere Drogenpolitik, die unter anderem für die kontrollierte Legalisierung von Cannabis ab 18 Jahren steht. Kein Wunder, dass das viele junge Menschen überzeugt. Doch bevor ihr jetzt alle vorhabt, das nächste Mal die FDP zu wählen, weil ihr gerne kifft.

Don’t do it: Die Grünen sowie die Linkspartei stehen schon seit Ewigkeiten – auch schon von der FDP – für die Legalisierung von Cannabis. 

5. Individuelle Verantwortung, oder auch: Sozialstaatabbau

„Individuelle Verantwortung“ nennt die FDP „Freiheitsrechte schützen“. Wie gesagt steht die FDP für Ego statt Gemeinschaft. So auch im gesamten Sozialstaat. Zwar klingen Themen wie „Steuersenkung“ erst einmal toll, allerdings bedeutet dies auch zwangsläufig den systematischen Abbau des gesamten Sozialstaates, in welchen zwar alle einzahlen – jedoch auch gemeinsam profitieren. Für viele junge Menschen, die noch nicht voll ins Arbeitsleben eingestiegen sind, klingt das erst einmal super: Weniger Steuern zahlen und mehr „Freiheiten“ erfahren. Vor allem deshalb, weil viele unter ihnen das Vertrauen in den Staat gänzlich verloren haben – und viele Angst haben, beispielsweise niemals eine Rente zu bekommen, und sich deshalb lieber selbstständig abzusichern. Diese Denkweise ist ein Teufelskreis: Denn wenn diese Personen die FDP wählen, werden sie vermutlich erst recht keine Rente bekommen. Viele glauben zudem, sie können sich alleine hocharbeiten – unter anderem wegen der YouTuber und TikToker, die aus ihrem Kanal ein ganzes Business gemacht haben, das für ihre Zuschauer:innen beispielhaft ist. „Ich kann alles schaffen“, ist eine Message, die bei vielen Menschen verankert ist, die noch nicht voll ins Arbeitsleben eingestiegen sind – und die nicht von den Rücklagen der Eltern profitieren. Außerdem ist diese Message unter den Heranwachsenden Fakt, die bereits das vorgezogene Erbe der wohlhabenden Eltern in Aktien investiert, oder bereits vor ein paar Jahren beispielsweise mit Krypto ordentlich Kohle gemacht haben. 

6. Mal wieder: Menners

Obwohl die FDP unter den Erstwählenden die stärkste Partei ist, so sind ihr Die Grünen fast gleichauf. Die Geister scheiden sich besonders unter den beiden Parteien. Ihr größter Unterschied: Die Grünen setzen sich stark für das Klima ein, die FDP für Privatisierung. Auch interessant: Bei der Wahl zwischen die Grünen und der FDP greift die Gender Gap. So wählten 24% aller Männer unter 30 Jahren die FDP. Bei Frauen unter 30 Jahren liegt die Prozentzahl nur bei 13%. Bei den Grünen ist das Geschlechterverhältnis genau umgekehrt. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Zahlen andere Parteien wachrütteln. Denn klar ist: Die FDP wird sich nur für einen Bruchteil der Deutschen einsetzen. Und einen guten Wahlkampf, ein modernes Wahlprogramm, das Digitalisierung, Bildung, Umweltschutz, Legalisierung von Cannabis und Gemeinschaft einschließt – das können andere Parteien auch. Vielleicht dann nächstes Mal – in vier Jahren. 

7. Microtargeting 

Microtargeting ist mittlerweile zu einer klassischen Werbekampagnenstrategie für alle Parteien geworden. Microtargeting, das ist die personenspezifische Werbung, die zum Beispiel auf Facebook nur einer ganze bestimmten Zielgruppe ausgespielt wird. Anders als bei klassischer Offline-Plakatwerbung wird diese Form von Werbung kaum bis gar nicht überprüft – und gibt den Parteien freie Fahrt im Wahlkampf. Bei Microtargeting geht es darum, die Stimmen und Meinungen der Personen zu festigen, die sowieso schon mit einer bestimmten Partei flirten oder möglicherweise flirten werden. Die FDP spielte ihre Werbung also mit Hilfe von zugeschnittener Werbung an die Personen aus, die sich sowieso schon für Finanzen und Immobilien interessierten.  Weiter noch spielte die FDP so perfekt zugeschnittene Werbung an Einzelpersonen aus, dass sich die Aussagen in der jeweiligen Werbung teilweise komplett widersprach. So spielten sie einerseits Umweltschützenden Werbung für mehr Klimaschutz aus, andererseits Werbung gegen CO2-Regulierungen für vielfliegende Globaljetter. 

 

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6 Antworten zu “7 Gründe, weshalb so viele Erstwählende der Gen Z die FDP gewählt haben”

  1. Puh.. Freiheitsrechte als « Egorechte » abzustempeln, das tut echt weh. Mehr als ein paar Vorurteile enthält der Artikel leider auch nicht. Eine ehrliche Auseinandersetzung, warum die FDP gerade bei jungen Leuten gut abschneidet, ist das leider nicht. Vielleicht mal dran gedacht, dass gerade viele junge Leute psychisch unter dem Lockdown, verantwortet insbesondere von CDU und SPD, gelitten haben? Und die FDP tatsächlich die einzige Partei war, die daran konstruktive Kritik geäußert hat? Und dass nicht alle Wähler, ob jung oder alt, Fridays for Future Anhänger sind? Und das auch völlig ok ist? Ein bisschen mehr Bescheidenheit und ehrliches Interesse für das Anliegen der Wähler hätte diesem Beitrag wirklich sehr geholfen!

    • Gerade der Umweltschutz ist kein persönliches Lieblingsthema – er geht uns alle was an. Gerade jüngere Personen werden extrem unter den Ausmaßen des Klimawandels leiden. Die FDP wird sich nicht dafür einsetzen, das Klima zu schützen – und das ist definitiv nicht okay. Und dass viele Menschen psychisch unter dem Lockdown gelitten haben, steht im Text: „Doch besonders junge Menschen litten unter dem Lockdown stärker als andere. Aufgrund der Schul- und Universitätsschließungen sowie dem Verbot, Freund:innen zu treffen, oder sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Gerade in der Lockdownzeit spielte Digitalisierung eine große Rolle, die insbesondere in den geschlossenen Monaten wichtig und erleichternd gewesen wäre.“.

  2. Der Artikel erhebt doch auch gar nicht den Anspruch, wissenschaftlich zu sein, H. Er nennt Gründe und bewertet diese. Das ist ok. Und wenn sie deiner persönlichen Meinung nicht entsprechen, dann ist das auch ok. Ich sehe das so wie Amelie.

  3. Mich überraschte es auch, dass so viele junge Leute ausgerechnet FDP wählen und bin da ganz bei dir. Ich muss aber an der Stelle einräumen, dass der Artikel sehr emotional geschrieben und von deiner politischen Haltung geprägt ist. Es ist also vielleicht eher eine Kolumne. Ich hätte mir hier eine sachlichere Auseinandersetzung gewünscht – nicht für mich, sondern für Leser wie H, die du damit vielleicht wirklich zum Nachdenken gebracht hättest. So führt er eher zu einer Abwehrreaktion bei denjenigen, die eine andere Meinung haben als du (und ich).

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