Zeigt her eure Wärmflasche! Wie femitale Periodenschmerzen leichter und sichtbar macht

14. November 2019 von in ,

Einen Erfolg durften wir Frauen vergangene Woche feiern: Die Mehrwertsteuer auf Hygieneprodukte für die Frau wurde auf 7 Prozent runtergesetzt! Endlich! Trotzdem: Die weibliche Periode ist noch immer ein Tabu-Thema, die Schmerzen und PMS oft eher belächelt als ernst genommen.

Lisa-Maria Reisinger aus Österreich will das ändern. Die 28-Jährige hat gerade ihr Label femitale gegründet, Mode für die ganz besonderen Tage im Monat einer Frau. Wie sie auf die Idee kam? Starke Regelschmerzen plagten Lisa immer wieder, 2015 ging sie zum Arzt. Wenig später hatte sie – 10 Jahre nach der ersten Periode – eine Diagnose: Endometriose. Die Krankheit, die zu den zehn häufigsten gynäkologischen Erkrankungen zählt, verursacht starke Unterleibsschmerzen. Aus der Endometriose und den Schmerzen heraus entstand dann im Oktober 2018 ihre Idee für femitale. Lisa ist kein Typ für halbe Sachen: Dieses Jahr kündigte sie ihren Job und widmete sich voll und ganz ihrem Traum von femitale.

femitale: Mode für die Frau an ihren Tagen. Wie bist du genau darauf gekommen?

Bei Unterleibsschmerzen, Regelschmerzen, Endometrioseschmerzen oder Blasenbeschwerden, greifen die meisten nach wie vor zur Wärmflasche. Da ich aber ziemlich oft nach meiner Wärmflasche griff, hieß das jedes Mal damit auf der Couch bleiben zu müssen. Um dennoch mobil zu sein, versuchte ich ab und zu die Wärmflasche mit einem Schal an meinem Bauch zu befestigen. Außerdem fiel mir nach meiner Diagnose schnell auf, wie schwierig es ist über gynäkologische Erkrankungen zu sprechen. Für mich war das Anfangs nicht mal im Freundeskreis einfach. Entweder flüsterte man mir mit vorgehaltener Hand zu, dass sie ebenfalls Endometriose haben oder sie waren peinlich berührt, sobald ich Worte wie Gebärmutter oder Eileiter in den Mund genommen habe. Das Ganze wird aber dann natürlich nicht besser, wenn wir ständig nur Diskretionsprodukte verkaufen. Diskretionsprodukte bei den Periodenprodukten, blaues Blut in der Werbung und Wärmepflaster, die unter der Hose verschwinden, gegen die Schmerzen.

Tatsache ist, wir lieben unsere Wärmflasche oder Wärmekissen. Es ist nach wie vor die nachhaltigste, angenehmste und eine der besten Wärmequellen. Der einzige Nachteil ist, dass sie unpraktisch ist, weil uns noch nie jemand die Möglichkeit gegeben hat, sie praktisch in unseren Alltag oder unsere Kleidung zu integrieren. Und warum nicht? Eine der meist gestellten Fragen war, wie ich das Problem löse, dass man die Wärmflasche sieht. Meine Antwort darauf: Ich verstehe das Problem nicht. Warum sollte man es nicht sehen dürfen, dass wir eine Wärmflasche bei uns tragen? Und schon hatte ich die zweite Motivation für femitale.

Meine Vision war geboren: Ein Produkt schaffen, das uns einen praktischen Umgang mit unserer Wärmflasche ermöglicht, in dem wir uns wohl fühlen, das wir jeden Tag tragen können – und mit dem gynäkologische Erkrankungen gleichzeitig ein Stück weit enttabuisiert werden.

Und wie kam es zum Namen?

Obwohl mir der Name drei schlaflose Nächte kostete, stand er gleich zu Beginn fest. femitale – feminin & -tale Geschichten. Wobei ich an dieser Stelle gleich sagen möchte, dass ich nicht zu Ende gedacht habe, denn gynäkologische Beschwerden haben nicht nur Frauen, aber auch ich darf Fehler zugeben und daraus lernen. Jeder Mensch hat eine Geschichte, warum er eine Wärmflasche braucht und diese Geschichte darf und soll erzählt werden. Am Besten überall und zu jeder Zeit. Auf der Arbeit. Im Supermarkt. Beim Spazieren gehen. Im Kino. Auf Reisen, oder auch einfach auf der Couch.

Was für eine Message willst du mit femitale transportieren?

Die Message von femitale ist also ganz klar „Wear your hot water bottle with pride and boldness“.
Wir leben in einer Zeit, in der wir uns erlauben dürfen, jederzeit und überall der Mensch sein zu dürfen, der wir sind. Keiner ist jeden Tag zu 100% leistungsfähig und fast niemand zu 100% gesund. Auch für große gesellschaftliche Änderungen, muss einmal jemand damit anfangen und das möchte ich nun mit femitale bewirken.

Ich habe genug von diskreten Menstruationsprodukten.
Denn wir können nicht verlangen, verstanden und gesehen zu werden,
wenn wir gleichzeitig versuchen, die Produkte
die unsere Beschwerden lindern sollen, zu verstecken.

Femitale ist nicht nur auf Revoluzzerkurs, femitale ist clever, simpel, cozy und nachhaltig produziert. Die Hose ist im Stande eine 1,2 Kilogramm schwere Wärmflasche halten zu können – vorne am Bauch, oder hinten am Rücken.

Wer darf sich angesprochen fühlen?

Mit femitale richten wir uns an all die Menschen, die genug von alternativen Wärmequellen haben, die ihre Wärmflasche brauchen und lieben und sich damit einen einfacheren Umgang wünschen. Ihnen liegt etwas an der Umwelt, sie schätzen Qualität und unterstützen faire Arbeitsbedingungen.
Unsere Zielgruppe hat Bock auf ein cleveres, simples, everyday Produkt, fair und nachhaltig produziert.

Kannst du schon mehr zur Kollektion verraten?

Über unser Crowdfunding auf Startnext versuchen wir vorerst ein Modell in drei verschiedenen Farben auf den Markt zu bringen. Es kommt nun darauf an, auf wie viel Stück wir am Ende des Crowdfundings produzieren lassen dürfen. Wir werden entweder in Portugal oder Polen produzieren lassen. Das Material stammt aus Deutschland (Lebenskleidung) und ist GOTS zertifiziert. Von der Schnitt- und Prototyperstellung bis zum gesamten Produktionsmanagement begleitet mich Good Garment Collective, eine Serviceagentur aus Berlin für nachhaltige Bekleidung.

Soll es bei der Joggingshose bleiben oder hast du noch mehr Pläne?

Mein Wunsch wäre natürlich verschiedene Modelle und größere Größen anbieten zu können, damit auch wirklich für jeden etwas dabei ist. Das nächste Ziel wäre eine eigene, für die femitale Kleidung passendende Wärmflasche aus Naturkautschuk mit einer perfekten Wasserverteilung und Größe.

Warum glaubst du, fällt es uns noch immer so schwer offen über unsere Periode und die unangenehmen Begleiterscheinungen zu reden?

Ich denke es ist bereits ein Umdenken da, vor allem in den größeren Städten. Hier bei mir auf dem Land sind solche Themen aber immer noch sehr schwierig zu kommunizieren. Ich denke aber, das große Problem liegt darin, dass wir eine sehr leistungsorientierte Gesellschaft sind. Wir glauben, nur dann Ruhm und Anerkennung zu bekommen, wenn wir Leistung erbringen. Beschwerden haben in dieser Welt leider keinen Platz. Hat man welche, versuchen wir sie so gut es geht zu verstecken, um mithalten zu können.

Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, das Leben wird bunter, schöner und wärmer, sobald wir uns entscheiden, die Maske fallen zu lassen.

Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Mein Wunsch für die Zukunft wäre, eine Gesellschaft, die offen über gynäkologische Erkrankungen spricht. Eine Gesellschaft, die in einer femitale mit Wärmflasche rumläuft, als wäre es das normalste der Welt. Ich wünsche mir Firmen und Arbeitgeber mit mehr Verständnis den Personen gegenüber, die unter Unterleibsschmerzen wie Regel-oder Endometrioseschmerzen, Zysten oder Blasenbeschwerden leiden. Ich wünsche mir Unternehmen und Arbeitsmodelle, die zyklusorientiert sind. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die nicht nur über Sex spricht, sondern auch über Schmerzen beim Sex, und eine Gesellschaft, die aufhört, Frauen ab 30 periodisch danach zu fragen, wann denn nun der erste Nachwuchs kommt, denn diese Frauen wünschen sich vielleicht keine oder können keine bekommen.

Was wäre das Schönste, was eine deiner KundInnen zu dir sagen könnte?

Das femitale viel mehr als nur ein Produkt ist, welches funktioniert, bequem ist und gut aussieht. Für sie bedeutet femitale Mut zur Veränderung, Hoffnung und Akzeptanz. Es ist eine Investition in eine bessere Zukunft, für uns und unsere nächste Generation.

Momentan läuft die Crowdfunding-Kampagne von femitale noch.
Hier könnt ihr das Projekt unterstützen!

Photocredit: Tatjana Junker

– Anzeige wegen Markennennung –

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