Gaslighting: Manipulation, emotionale Gewalt & rosarote Elefanten

4. April 2019 von in

London, 1880. Bella ist irgendwie rastlos. Sie traut ihrem Mann nicht mehr, sie fühlt sich unbehaglich, sie hat das Gefühl etwas sei „im Busch“, da sich nach und nach merkwürdige Dinge in ihrer Wohnung abspielen. Was sie nicht weiß: Ihr Mann Jack ist ein Mörder.

Er erzählt seiner Frau davon nichts und begeht in seiner Geheimnistuerei einen Fehler. Das Gaslicht, das er im oberen Stockwerk bei der verstorbenen Nachbarin entzündet, sorgt dafür, dass das Licht im gesamten Haus, auch seiner Wohnung und der seiner Frau Bella, dunkler wird. Als die eh schon skeptische Bella ihren Mann darauf anspricht, weiß er scheinbar nicht, wovon sie spricht.

Das Licht sei doch gar nicht dunkler als sonst, entgegnet er ihr, er wüsste gar nicht, was Bella habe. Wieso käme sie auf so absurde Gedanken?

Jacks konsequentes Abstreiten der Tatsachen und sein zwanghaftes Bedürfnis, im Recht zu sein, führen dazu, dass Bella nach und nach anfängt, an sich selbst zu zweifeln. Bildet sie sich alles nur ein? Ist sie das Problem? Nach und nach manifestiert sich schleichend der Gedanke, sie selbst sei verrückt.

Gaslighting heißt das berühmte Theaterstück von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938, das mehrmals als Film adaptiert wurde. Der Titel meint heute kein Stück Kulturgeschichte auf britischen Schaubühnen mehr, sondern beschreibt Manipulationen in zwischenmenschlichen Beziehungen, die dauerhafte Schäden aufgrund emotionaler Gewalt hervorrufen können.

Gaslighting, oder auch Manipulation, ist ein häufiges Problem in zwischenmenschlichen Beziehungen und kann unheimlich gefährlich werden. Das habe ich selbst erfahren und erst vor Kurzem habe ich das Kind beim Namen nennen können, das mich in meiner vergangenen Beziehung begleitet hat. Warum bereute ich immer noch diese Beziehung? Warum störte es mich, über sie zu sprechen? Warum wollte ich sie am liebsten aus meinem Gehirn verbannen und einen weißen Fleck wie auf einem unentdeckten Ort einer Landkarte an genau die Stelle meines Gedächtnisses platzieren, an der einst dieser bescheuerte Exfreund saß, der nur Ärger anrichtete?

Wie konnte so etwas passieren?

Wie konnte so etwas passieren, fragte ich mich danach? Wie konnte ich mich in etwas so Abstruses hineinreden lassen? Wie konnte ich so dämlich sein? Doch seine Lügen, die er so felsenfest aufrecht erhielt, wie die von Jack im Stück Gaslighting, erzählten eine zweite Wahrheit und ließen mich immer unsicherer darin werden, was nun stimmte und was nicht.

Manipulation. Sie liegt im Detail und ist nicht sichtbar. Der Exfreund erzählte mir sozusagen, er würde rosarote Elefanten sehen und ich wäre verrückt geworden, weil ich sie nicht sah. Er leugnete ganze Streits. Sein Verhalten. Getroffene Aussagen. Begangene Taten. Diese leugnete er so felsenfest, so unumstößlich, so dermaßen überzeugend, dass man meinen konnte, er selbst würde auf der Bühne von Hamilton stehen und in der obersten Liga der Schauspielerei mitmachen.

Auf welche Fakten kann ich mich noch stützen?

So überzeugend war der. Und wenn jemand so überzeugend lügt, dann fängt man an zu zweifeln: Hat sich der Streit gerade wirklich so zugetragen? Sind meine Empfindungen und Gefühle ihm gegenüber korrekt? Auf welche Fakten kann ich mich noch stützen? Bin vielleicht doch ich der Fehler? Dieser Ex, nennen wir ihn mal Hans-Friedmann, war die AfD unserer Beziehung. Er brabbelte recht überzeugend irgendwas von alternativen Wahrheiten und Fake News, dass man eigentlich keinem trauen könne – und da seht ihr schon die Parallelen. Also zwischen Paul-Friedmann und der AfD. Und auch Trump.

Weil ein Trump macht sowas auch. Trump hat nur ein ganzes Land, nein, eine ganze Welt, mit seinem Manipulationsvermögen unter Kontrolle. Wenn ein Herr Trump als Präsident der Vereinigten Staaten jeden Tag etwas anderes daher faselt, und mal die eine, und mal die andere Meinung vertritt, dann wissen seine AnhängerInnen nicht mehr, was sie noch glauben sollen. Und dann glauben sie plötzlich alles. Oder eben gar nichts mehr.

Die neue Wahrheit

Das Prinzip Gaslighting ist gefährlich, da es eine neue Wahrheit erfindet, die ungreifbar ist – da schlichtweg nicht existent. Und sie kann einen im Kleinen, wie im Großen überrollen. Ich würde mal behaupten, fast jeder Mensch kann gegaslightet, also manipuliert, werden, denn das Wappen gegen fiese Lügereien ist in diesem Fall leider nicht nur die emotionale Stabilität, oder der Intellekt.

Was gegen Manipulation hilft, ist Wissen. Dieses Wissen hatte ich damals nicht, als mir Hans-Friedmann irgendeinen Käse erzählte und seine riesige, plötzlich auftretende Wut auf meine vermeintliche Unfähigkeit schob.

Ich möchte nicht durch die Welt eiern und in meinem Hinterkopf dieses scheinbar unaussprechliche Geheimnis in mir tragen, dass mein Ex ein ziemlich gestörter Mensch war. Und dass ich, was ja noch viel schlimmer ist, auf so einen Misthaufen reingefallen war. Wieso auch? Seit ich verstanden habe, was Gaslighting ist und wie es auftreten kann, sehe ich mich nicht mehr als Opfer, oder als hätte ich einen kindischen Fehler begangen.

Ich hatte Glück im Unglück, denn ich überstand die kurze Zeit mit Hans-Friedmann weitestgehend unversehrt. Ich bin da reingestolpert und ich bin, glücklicherweise, wieder genau so rausgestolpert. Etwas verwirrter zunächst, aber nachdem ich die ganze Scheiße sacken lassen konnte: definitiv schlauer und vorsichtiger.

Foto: Unsplash 1 / 2

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3 Antworten zu “Gaslighting: Manipulation, emotionale Gewalt & rosarote Elefanten”

  1. Super wichtiges Thema. Wie gut, dass das mehr und mehr aufgegriffen wird, Danke für deine persönliche Geschichte. Ich habe das bei sehr engen Freundinnen „miterlebt“ und was das mit ihnen gemacht hat, war teilweise schockierend. Ich bin froh, dass es allen nun gut geht und, dass sie das aufgearbeitet haben und vor allem nun in der Lage sind, das zu erkennen. Vertraue dir selbst, deinen Emotionen, deinen Stimmungen, deinem Bauch, deiner inneren Stimme oder was auch immer dir was zu sagen versucht!:-)

  2. Wichtiges Thema aber leider ein wirklich schlecht geschriebener Artikel. „Weil ein Trump macht sowas auch.“ klingt wie eine Fünfjährige und das zieht sich durch den ganzen Text.

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