How to write a book: Lektorat, Cover, Farbauswahl und Pressearbeit – oder auch: Entscheidungen über Entscheidungen

31. März 2020 von in

Mein Buch „Angstphase“ erscheint in knapp einer Woche. Eigentlich hatte ich mir meinen Veröffentlichungstag so vorgestellt, dass ich in eine Buchhandlung gehe und mich über mein Buch im Laden freue. Ich sag’s mal so: Das wird wohl nichts. Es könnte alles schlimmer sein, trotzdem hatte ich mir für mein Baby einen anderen Start gewünscht. Aber glücklicherweise wird man ja in Zeiten des Corona-Virus‘ erfinderisch. Freut euch also auf digitale Lesungen, viel Social-Media-Input und eine Autorin, die sehr hofft, dass ihr jetzt alle wieder zu Leseratten werdet.  

Bis das Buch erscheint, erzähle ich euch in der kleinen Reihe „How to write a book“, basierend auf meinen Erfahrungen, die sicher keine Allgemeingültigkeit haben, aber euch einen ersten Einblick geben sollen, wie das so ist mit dem Buchschreiben. Wie ich die Idee in ein Exposé verpackt habe, könnt ihr hier lesen. Wie ich meinen Verlag gefunden habe, habe ich euch hier verraten. Warum ich beim Schreiben manchmal verzweifelt bin, könnt ihr hier lesen. Wenn ich da nur schon gewusst hätte, wie das Danach so wird, hätte ich mich längst nicht so gestresst. Denn heute erzähle ich euch, wie es ist, im Lektorat zu stecken und zeitgleich tausende von Entscheidungen zu treffen. Spoiler: Ich war manchmal echt eine nervige Autorin. Aber alles nur fürs Buch, wirklich!

Vier Augen sehen mehr

Ein paar Wochen nach der Abgabe meines Manuskripts bekam ich das erste Lektorat zurück. Erst fühlte es sich komisch an, Anmerkungen von meiner Lektorin zu lesen, mit der Zeit war ich aber dankbar über ihren Blick auf meinen Text und die vielen Verständnisfragen, die sie stellte. Denn es ist tatsächlich so: Vier Augen sehen mehr – und als Autorin steckt man selbst zu sehr im Thema drin, dass sich bestimmte Fragen gar nicht mehr stellen. Jemand, der nicht so tief im Thema ist, stolpert aber über Textstellen, hat noch offene Fragen und liest es aus der Sicht der LeserInnen. Kurzum: Der Text wird besser und klarer, auf den Punkt sozusagen. Für das erste Lektorat hatte ich ein Wochenende Zeit, was wirklich wenig ist. Aber die Zeit drängte, Mitte Dezember sollte das Buch in den Satz gehen. Und: Eine zweite Lektorin sollte ebenfalls nochmal über den Text gehen. Auch beim zweiten Lektorat war ich wieder erstaunt, welche Fragen noch offen sind, wie oft ich das Wort Stress erwähnt hatte und wie viel Fehler man in einem Satz dann doch machen kann, weil man vor lauter Buchstaben nicht mehr die Wörter erkennt. Ganz selten war ich nicht der Meinung meiner beiden LektorInnen, sondern dankbar für ihre Arbeit. Wenn ich eines aus dieser zugegeben stressigen Phase mit raus nehme: Jeder längere Text wird besser, wenn er mehrere Fassungen hat und andere Menschen mit Gespür für Worte und Inhalte drüber gehen.

Ein Shooting aus der Hölle – oder bei 35 Grad Fotos machen

Ich hatte sehr genaue Vorstellungen, wie mein Buch aussehen sollte. Spoiler: Anders als es jetzt aussieht. Aber von vorne. Mein Verlag hatte von Anfang an die Vorstellung, dass ich auf dem Cover sein sollte. Auch wenn ich erst nicht von meinem Anlitz als Kaufkraft überzeugt war, sagte ich zu. Was ich dabei vergaß: Es braucht auch ein Shooting – und das hatte es in sich. Denn die Ansage war: bitte keine weißen und schwarzen Kleidungsstücke. Okay, cool – nicht. Ich besitze fast nichts farbiges und kramte in den Tiefen meines Kleiderschranks am Tag des Shootings einen beigefarbenen Pullover raus. Problem 1: Ich hasste den Pullover. Problem 2: Es hatte 35 Grad.

Wer bei 35 Grad im Juli shooten muss und nur diesen einen Tag hat, kommt ganz schön ins Schwitzen. Meine Fotografin und ich versuchten, schöne Fotos in der Wohnung zu machen, im Garten, in meiner Straße. Aber mit jedem Foto, das wir schoßen, wurde ich unzufriedener. Ich fand mich hässlich, dick und verschwitzt. Ich fühlte nicht die Farbe, ich fühlte nicht das Foto und über mir schwebte das Damoklesschwert des „Coverfotos“. Ich war den Tränen nahe. Fertig mit der Welt und entnervt sagte ich zu meiner Fotografin: Ich zieh jetzt einfach Jeansjacke und Tshirt an. Mir egal, ob das Shirt weiß ist. Ja, auch ich kann stur sein. Wir fanden eine schwarze Wand – und das erste Mal an diesem Tag fühlte ich mich endlich wie ich. Und: Das sah man auf den Fotos auch. Die Fotos vor der schwarzen Wand waren die besten – und am Ende ist auch eines davon das Coverfoto geworden, trotz weißen Tshirts.

Aber: Mein Buch-Karma war trotzdem noch längst nicht auf meiner Seite. Der erste Coverentwurf kam – und das Buch war schwarz. Für mich ein No-Go, da ich gerade beim Thema Angst kein zu dunkles Cover wollte. Ich wollte Fröhlichkeit und Optimismus ausstrahlen und kein dunkles Buch im Regal stehen sehen. Ein heller Hintergrund ging aber nicht, weil – oh wunder – das Coverbild vor einer schwarzen Wand gemacht worden war. Für ein neues Fotoshooting war aber keine Zeit – und meine Muse war auch eher nach all dem Stress bei Null. Aber ich wollte einen helleren Einband, denn mein Buch ist ein motivierendes und keine Trauerlektüre. Es brauchte mehrere Anläufe, eine immer wieder entsetzte Antonia mit nervigen Ideen und eine mehr als geduldige Ansprechpartnerin sowie wirklich jede Mühe von Seiten des Verlags (danke!), bis wir das Cover hatten. Tadaaa – es ist nicht schwarz, trotz schwarzer Wand!

Ende gut, alles gut? Ja! Das Cover gefällt mir, ich gefalle mir und ich weiß, wie viel Schweiß und (Wut-)Tränen dahinter stecken. Und wie viele Nerven ich die Grafikerinnen gekostet habe. Aber wer seit Jahren im Online-Business arbeitet, selbst so viel kreiert und grafisch abspeichert, ist wahrscheinlich auch der Albtraum einer jeder Grafikabteilung. Umso mehr freue ich mich, dass wir einen wunderbaren Entwurf gefunden haben, der allen gefällt. Mit all dem Wissen über die Arbeit und die Diskussionen freue ich mich umso mehr über das Cover und bin glücklich, dass wir ein so schönes Buch in Teamarbeit geschaffen haben.

Und jetzt in den Druck?

Nein! Nachdem das Cover feststand und alle im Verlag wahrscheinlich zehn Kreuzchen machten, ging es an die Texte im Einschlag und auf dem Buchrücken. Hier hatte ich glücklicherweise meine wunderbare Lektorin an meiner Seite, die alle Texte schrieb, mir diese zum Absegnen gab und weiter an den Satz leitete.

Während also die letzten Feinschliffarbeiten am eigentlichen Buch erledigt wurden, ging es für mich in die Pressearbeit. Nach dem Veröffentlichen der Nachricht, dass ich ein Buch über meine Angststörung geschrieben habe, trudelten bereits die ersten Presseanfragen ein. Aber: Bis zum 6. April darf ich nichts verraten. Eine neue Erfahrung, da ich normalerweise immer selbst bestimme, wann ich was veröffentliche oder wann ich über was spreche. Diesmal hieß es aber: Nein, erst wenn das Buch erscheint. Glücklicherweise habe auch ich hier eine großartige Presseansprechpartnerin an meiner Seite, die für mich die Arbeit aus dem Verlag heraus koordiniert und alle Interviewanfragen abspricht. Neben ihrer Kontakte konnte ich auch befreundete JournalistInnen und BloggerInnen nennen, denen ich mein Buch vorab zum Lesen zukommen lassen möchte.

Nach all den Entscheidungen war ich froh, als Ende Februar die Mail eintrudelte: Das Buch ist jetzt im Druck, es geht los!

Vergangene Woche kam dann das erste Exemplar bei mir an, ich habe bereits Interviews gegeben, freue mich auf noch weitere spannende Gespräche und vor allem auf die Reaktionen zu meinen Buch. Immer mehr Leute lesen bereits das Buch, auch bei Milena und Amelie ist es endlich eingetrudelt. Ich bekomme erste Rückmeldungen und freue mich riesig. Noch knapp eine Woche, dann kann jeder von euch das Buch lesen und meine ganz persönliche Geschichte mit Katja lesen. Katja, wer? Mehr dazu nächste Woche.

Kleiner Disclaimer: Wer das Buch bestellen will, sollte unbedingt die lokalen Buchhändler unterstützen. Diese liefern in diesen Zeiten ganz oft via Online-Bestellung und sind gerade froh über jede Bestellung!

 

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