How to write a book: Die Sache mit dem Verlag

19. Februar 2020 von in

Nur noch vier Wochen, bis ich das erste gedruckte Exemplar meines Buches in der Hand halte, nur noch gute sechs Wochen, bis es jeder kaufen kann. Hier habe ich euch schon den Selbstzweifeln erzählt, die mich tagein, tagaus quälen, gleichzeitig ist das auch immer ein Hauch Stolz, der mich umgibt. Die ersten Interviewanfragen trudeln ein und ich bin vor allem eines: gespannt, was mich so erwarten wird, was auf mich zukommt und wie das Buch vor allem von euch Leser*innen aufgenommen wird.

Bis das Buch erscheint, erzähle ich euch in der kleinen Reihe „How to write a book“, basierend auf meinen Erfahrungen, die sicher keine Allgemeingültigkeit haben, aber euch einen ersten Einblick geben sollen, wie das so ist mit dem Buchschreiben. Wie ich die Idee in ein Exposé verpackt habe, könnt ihr hier lesen.  Heute geht es darum, wie man einen Verlag findet – und warum ich auch ein bisschen Glück hatte.

Einfach das Manuskript an einen Verlag schicken, oder?

Das ist der erste Gedanke, den viele Menschen haben, wenn sie ein Buch veröffentlichen wollen. Tatsächlich ist das aber eher vergebene Lebensmüh. Natürlich kann ich erstmal für mich ein Buch schreiben und es dann einem Verlag anbieten, doch um ehrlich zu sein: Das machen viel zu viele. Die meisten unaufgeforderten eingesandten Manuskripte werden angelesen, nach Sprache und Thema kurz sortiert und dann vor allem eines: aussortiert. Die LektorInnen haben keine Zeit, jedes Buch ausgiebig zu lesen und auf Seite 130 vielleicht doch noch den einen Gedanken zu erkennen, der das Buch richtig gut macht.

Außer ihr heißt Martin Suter, Stephen King oder Celine Dion. Dann könnt ihr wahrscheinlich einsenden, was ihr wollt, die Chance, gedruckt zu werden, ist ziemlich hoch. Denn: Ihr habt bereits Fans, die jedes Buch von euch verschlingen würden.

Pitch, it is

Deswegen: Pitcht eure Idee mit einem Exposé, zeigt, dass ihr schreiben könnt und erklärt, warum ihr ein spannender Autor oder eine spannende Autorin seid. Denn der Mix macht es. Der Stoff kann mega sein, aber seid ihr als Autor auch noch interessant, freut sich der Verlag doppelt. Manchmal reicht auch die Romanidee, manchmal eben auch, dass ihr Celine Dion seid. Manchmal ist ein Genre so stark, dass es nicht genügend solcher Themen abhandeln kann. Manchmal ist aber auch das Thema gerade in aller Munde, sodass der Verlag dankbar ist, ein Buch dazu zu machen. Beispielsweise #metoo oder auch ein Rundumschlag gegen die AfD.
Ihr seht: Verlage entscheiden aus verschiedensten Gründen, ein Buch zu machen.

In vielen Gesprächen mit meiner Lektorin kam vor allem raus: Es ist besser, anhand eines Exposés mit dem Autor oder der Autorin die Buchidee weiterzuentwickeln, anstatt ein fertiges Manuskript neu umzubauen. Der stetige Austausch mit dem Verlag ist Teil des Buchschreibens. Der oder die AutorIn schreibt, der Verlag weiß, was ankommt, worauf es ankommt und welcher Twist in der Geschichte vielleicht noch ein bisschen spannender wäre. Durch Gespräche und Diskussionen entsteht am Ende mit bestem Gewissen ein Buch, das hoffentlich auch von der Leserschaft angenommen wird.

Ja, und wie findet man jetzt einen Verlag?

Zuerst einmal: googeln oder recherchieren. Gucken, zu welchem Verlag passt mein Thema. Denn viele Verlage haben ein Steckenpferd, für das sie brennen. Diogenes ist für Literatur bekannt, Malik für Reisebücher, Piper macht Romane sowie Sachbücher, Kiwi hält es ähnlich. Kochbücher, feministische Themen oder Finanzthemen: Für jedes Thema gibt es Verlagsexperten, sodass es sich lohnt, das Thema zuerst einmal dem Verlag anzubieten, der darauf spezialisiert ist. Aber: Es kann auch andersrum funktionieren. Hat ein Verlag schon zehn Bücher über Umweltschutz im Angebot, lohnt es sich, das eigene Umweltschutzthema einen Verlag anzubieten, der vielleicht schon lange nach einem Autor oder einer Autorin sucht, die das Thema bespielt. Am Ende ist es auch ein bisschen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort das richtige Thema vorzuschlagen.

Wer es ganz professionell angehen will, sucht sich als erstes einen oder eine LiteraturagentIn, die sich im Verlagswesen gut auskennt und Kontakte hat. Dann stehen die Chancen nochmal größer, einen Verlag zu finden. Und: Die AgentInnen sagen einem auch relativ schnell, ob man überhaupt Chancen am Buchmarkt hat.
Aber man kann es auch zuerst alleine probieren – denn man hat ja nichts zu verlieren.

Und wie war das jetzt bei dir?

Bei mir war es eine Mischung aus Netzwerk, Glück und natürlich Können sowie ein gutes Thema.
Ich kenne einige Menschen aus dem Verlagswesen, unter anderem auch meine jetzige Lektorin, die eine sehr gute Freundin von mir ist. Sie kennt meine Angststörung und auch mein Schreib-Talent, sodass ich ihr irgendwann erzählte, dass ich schon länger darüber nachdenke, über das Thema zu schreiben. Nur eben nicht einzig und allein auf amazed und Instagram, sondern in einem nachhaltigeren Rahmen, etwas, das bleibt, das man haptisch in der Hand halten kann und bewusst(er) konsumiert. Kurzerhand sagte sie: „Na, schreib doch mal ein Exposé!“.

Ich war ziemlich perplex, andererseits auch sofort Feuer und Flamme. Aber meine Freundin war sich sicher, dass ich gute Chancen hätte. Meine Geschichte, das Thema, seien interessant, meine Person nicht gänzlich unbekannt.
Nach einem kurzen Gespräch mit meiner Familie, was sie davon halten würden, wenn ich damit in die Öffentlichkeit gehe (sehr viel!), setzte ich mich an das Exposé. Zwei Tage später landete es beim Verlag, drei Wochen später hieß es: „Wir brauchen noch ein Probe-Kapitel zum Thema XY.“ Also setzte ich mich an ein anderes Kapitel, formulierte meine Gedanken und schickte es ab. Dann passierte erst mal lange Zeit nichts. Ich wartete, wartete und wartete. Bis ich eines Tages eine Email meiner Freundin und Lektorin im Posteingang hatte: „Wir kaufen es.“

Freude, Angst, Stress, Glück. Ich freute mich riesig, über so viel Glück und Vertrauen, gleichzeitig wusste ich ab dem Zeitpunkt: Okay, jetzt musst du das Buch auch schreiben. Und um ehrlich zu sein: Das ist dann nochmal etwas ganz anderes, als die Theorie.

Wie das so ist, ein Buch zu schreiben, warum Deadlines meine Freunde sind und wieviel ich wirklich am Schreibtisch saß,
erzähle ich dann beim nächsten Mal.

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8 Antworten zu “How to write a book: Die Sache mit dem Verlag”

  1. Liebe Antonia, ich habe zwar nicht vor ein Buch zu schreiben, aber habe diesen Artikel trotzdem verschlungen. Richtig spannend mal einen Einblick in diese Vorgänge zu bekommen, genau wie du schreibst habe ich immer angenommen dass man ein Buch schreibt und es dann an Verlage schickt. Jetzt weiss ich es besser :) Ganz viel Erfolg mit deinem Buch! Frieda

    • Liebe Frieda,
      Das freut mich sehr! Ganze Manuskripte schreiben lohnt sich nur, wenn man auch sicher weiß, dass ein Verlag es verlegen wird. Beim Erstling ist es immer besser, mit Ideen und Exposé an den Verlag ranzutreten, dann kann man schon im Vorfeld ganz gut gucken, wo man evtl. noch feilen muss :) (außer man ist wie gesagt Celine Dion ;))

  2. Liebe Antonia, ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Buch. In mir gärt derzeit mein eigenes Buch, und wartet, geboren zu werden. Dank Deiner Reihe habe ich eine halbe Vorstellung davon, wie der Prozess sein wird. Puh :-)

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