Geschichten aus der „Isarvorstadt“.

2. März 2013 von in ,

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In unserer Interview-Reihe stellen wir regelmäßig interessante Menschen vor. Menschen, die etwas wagen. Ein Buch schreiben. Mode kreieren. Oder andere tolle Projekte verwirklichen.

Sie schreibt Bücher, arbeitet als Redakteurin und macht PR: Simone Bauer ist ein Multitalent. Das neuste Werk der sympathischen Münchnerin heißt Isarvorstadt und erinnert an Kir Royal gemixt mit Gossip Girl. Es geht um Charlotte Kleeblatt, Tochter aus reichem Hause, und ihre Münchner Clique. Aber es geht auch um Klatsch, Tratsch, Skandale und die Liebe. Für amazed hat uns die 22-Jährige ein paar Fragen beantwortet – über ihr Buch,  Münchens Schickeria und ihre liebsten Plätze.

Wie viel Simone steckt in den Figuren von Isarvorstadt? Überhaupt nichts. Das fand ich auch für zwischendurch ganz gut. Die junge Frau in meinem Debütroman Ganz entschieden unentschieden ist mir unfassbar ähnlich., das Mädchen aus meinem Jugendbuch Alkoholfrei bekam auch ein paar meiner Eigenschaften mit, wenn ich auch nicht ganz so schüchtern bin, wie sie. Bei Isarvorstadt wollte ich dann sehr losgelöst vom eigenen Charakter schreiben. Dennoch konnte ich es natürlich nicht lassen, die ein der andere Gemeinsamkeit mit mir einzuschummeln, vor allem in Bezug auf die Lieblingsband. Das Buch beginnt schließlich auch mit einem Zitat von Marcus Wiebuch, dessen Arbeit als einer der Songwriter bei Kettcar ich sehr verehre.

Wie ist die Geschichte entstanden? Warum hast du München ausgewählt – und nicht Berlin? Würde Isarvorstadt in Berlin spielen, müsste es sich wohl mehr auf ganze Politikerszene einschießen oder den Mitte-Extremismus. Die Bussi-Bussi-Gesellschaft gibt es als solche eher nicht in Berlin, jedenfalls auf keinen Fall so offensichtlich wie in München. Mein Buch ist stark von Kir Royal inspiriert. Ich habe mir vor Jahren die Frage gestellt: Wie würde die Serie aussehen, wenn sie im Hier und Jetzt spielen würde? Die Dietl’sche Fortführung von Kir Royal ging ja zum Zettl – und ist im Berliner Zusammenhang logisch, wenn auch übertrieben. Ich habe mich aber bewusst für den Originalschauplatz entschieden. Schon alleine, weil ich selbst hier lebe und die Stereotypen sehr gut kenne.

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Wer ist deine Lieblingsfigur – und warum? Das variiert. Von den Jungs wahrscheinlich Moritz, weil er ein paar Dreamboy-Eigenschaften hat. Er ist immerhin Musiker. Von den Mädels vermutlich Romy. Sie ist eine starke Frau, die an den Umständen des Lebens zerbricht und das mit einer gehörigen Portion Zynismus erträgt.

Deine Geschichte spielt ja in den besseren Münchner Kreisen – der sogenannten Schickeria. Kennst du dich da so gut aus? Ich bin da immer mal wieder zu Besuch. Bevor ich in der Öffentlichkeitsarbeit angefangen habe, habe ich im Finanzsektor gearbeitet, wo man zwangsläuftig Kontakt mit den Eigenarten der Gutbetuchten hat. Ich lasse mich gerne in diese Welt entführen. Es macht ja auch Spaß, sich den Klatsch und Tratsch über Fußballspieler und Modelweibchen hinzugeben oder sehr dekadent zu feiern. Meine Szene ist es aber nicht. Ich denke, dass das auf viele junge Mädchen zutrifft, neugierig auf die Schickeria sind aber sicher viele.

Wird es einen Nachfolger geben? Tatsächlich habe ich ein paar Nachrichten von Lesern erhalten, die sich gerne eine Fortsetzung wünschen. Das bringt mich natürlich schon zum Träumen, zunächst stehen aber erstmal andere Geschichten an. Aber vielleicht findet man die Charaktere irgendwann mal wieder. Beispielsweise gibt es eine fiktive Band, die bisher in allen meinen drei Romanen erwähnt wurde. Ich mag es, mein eigenes, kleines Universum zu schaffen.

Welcher ist dein Lieblingsplatz in München? Wahrscheinlich meine Wohnung. Ich bin so wahnsinnig viel unterwegs, dass ich es total genieße, wenn ich mich in meine kuschelige Wohnung fläzen kann. Dann hol ich mir meine beste Freundin, bestelle Sushi und gucke Matthias-Schweighöfer-Filme.

Deine Tipps für München? Ein perfektes Wochenende startet in München, wo man mich immer findet: im Café Trachtenvogl. Ich liebeliebeliebe es – und es kommt auch in allen meinen Büchern vor (lacht). Wenn man schon mal da ist, kann man gleich meine liebsten Läden beshoppen rund um den Gärtnerplatz wie beispielsweise das Angels Inn. Nach einem Frozen Yoghurt kann man sich dann langsam fertig machen für die Nacht. Mein liebster Club ist das Atomic Café. Wenn man sich am nächsten Morgen ausgeschlafen hat, rate ich einen Besuch des Kunstareals. Vor allem das Brandhorst Museum habe ich ins Herz geschlossen. Danach noch einen Rundgang im Olympiapark. Zwar ist der Englische Garten berühmter, aber ich wohne selbst in der Nähe des Olympiaparks und mag vor allem die Theatron Festivals, das Sea Life und die Konzerthallen.

Was schätzt du an München? „Laptop und Lederhose“. Modernes Hipstertum trifft auf Traditionelles. Als gebürtige Bayerin lege ich großen Wert auf die Gepflogenheiten und Eigenheiten, mag aber auch das Kosmopolitsche sehr gerne. Eine Vielfalt an Themen und neuen Richtungen bietet München aber genauso wie Lebkuchenherz und Dirndl.

Gibt’s etwas, was du an München gar nicht magst? Manchmal ist München einfach doch zu sehr Dorf. Jeder kennt jeden über jeden. Das kann praktisch sein, vor allem im Bereich des Künstlerischen, weil man selten wirkliches Neuland betritt. Aber in Sachen soziale Kontakte kann es sehr anstrengend sein, wenn man zum Beispiel immer wieder an den Exfreund erinnert wird oder ähnliches.

Was ist dein nächstes Projekt? Im Frühjahr erscheint mein erstes Sachbuch. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber ich kann darin voll und ganz meiner Leidenschaft für Musik frönen.

Das Buch „Isarvorstadt“ ist im Unsichtbar Verlag erschienen und kostet 9,99 Euro.

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2 Antworten zu “Geschichten aus der „Isarvorstadt“.”

  1. Vielen Dank für diese Reihe allgemein, ich freu mich schon auf mehr! :) Und ich hab jetzt wirklich Lust, das Buch zu lesen. Ich muss sagen, ich hab mich auch schön öfter gefragt, wie Kir Royal/Monaco Franze etc heute aussehen würden, und ob sie überhaupt möglich wären. Ich glaube ja ehrlich gesagt eher nicht daran, lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Da ich aber ein sehr gespaltenes Verhältnis zu meiner Heimatstadt hab, kann es auch gut sein, dass ich das Buch – völlig unabhängig von Qualität und Stil – gar nicht mag, mal schauen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, vielen Dank für den Tipp!

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