Jahresrückblick 2020: Amelie

4. Januar 2021 von in

Uff. Das ist das, was ich zum Jahr 2020 zu sagen habe. Dieses Jahr war das Jahr des Konflikts. Probleme, die schon seit Jahrzehnten – ja teilweise seit Jahrhunderten – existieren, wurden zur Debatte auf den Tisch gelegt. Ob man nun wollte, oder nicht. Eine Pandemie hält uns seit einem Jahr auf Trab und fordert uns mit Dingen heraus, mit denen wir bisher nur in Geschichtsbüchern konfrontiert wurden. Dokumentierte Polizeigewalt löste weltweite Proteste aus, und andere Krisen und unmenschliche Dinge geschahen, auf die ich lieber verzichtet hätte.

Ich bin ehrlich: In diesem Jahr war ich so gar nicht bei mir. Ich ruhte nicht in mir, ich entdeckte durch den Lockdown nicht das Alleinsein, die Meditationen blieben aus. Dieses Jahr war ich erschöpft. Erschöpft vom Weltschmerz und den Dingen, die um uns herum geschahen. Eine Ohnmacht beschwerte meine Schultern, an die ich mich noch lange Zeit erinnern werde. Es fiel mir schwer, mich vom Weltgeschehen abzukapseln und im Hier und Jetzt zu leben. Diese Momente gab es dennoch, und sie waren wertvoll. Ich vertiefte Freundschaften, fuhr Boot im Spreewald, schmeckte Meersalz, öffnete mich, demonstrierte, besuchte Freunde und Familie, fand ein neues Zuhause in Berlin. Doch trotzdem: Zusammen gefasst war dieses Jahr war nicht das Jahr, in dem ich im Hier und Jetzt lebte. In diesem Jahr konfrontierte ich mich mit Konflikten, innerlich wie äußerlich. Dieses Jahr rüttelte an mir, nagte an mir und forderte mich heraus.

2020 war herausfordernd, erkenntnisreich, lehrreich, unsicher.

Das hat 2020 mit mir gemacht: Ich startete in das Jahr 2020 krank, wie so oft. Nachdem ich immer wieder mit grippalen Infekten zu kämpfen hatte aufgrund meines schlechten Immunsystems, war es für mich ein schlechter Witz, als Konsequenz dazu mit einem Coronavirus umzugehen. Ich beschloss, mich dieses Jahr auf mein Immunsystem zu fokussieren, was heute – verglichen zu Anfang des Jahres – um einiges stärker ist. Außerdem habe ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllt, und meinen einzigen Vorsatz eingehalten: Ich bin mit meinem Freund innerhalb Berlins in eine ruhige Gegend umgezogen.

 

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In diesem Jahr habe ich erkannt, dass man nichts vorausplanen kann. Selbst wenn sich die persönlichen Pläne einhalten lassen, kann ein Virus um die Ecke kommen, und alles verändern. Wichtig ist es, sich so gut es geht auf das Innere zu fokussieren. Auf die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden – unabhängig von allen äußeren Umständen.

So habe ich die Lockdownzeit am liebsten verbracht: Außerhalb der Wohnung. So sehr ich mein Zuhause liebe, ich habe spätestens in diesem Jahr gemerkt, wie wichtig alles außerhalb ist. Freunde treffen, Spazierengehen, Ausflüge in die Natur.

 

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Das habe ich aus dem Lockdown in meinen Alltag mitgenommen: Seit Anfang des Jahres habe ich die Yogastunden im Studio ersetzt mit Youtube-Videos. Diese 20-45-Minüter mache ich mittlerweile ungefähr fünf mal die Woche. Ich liebe es, den regelmäßigen sportlichen Ausgleich in meinen Alltag zu integrieren.

So hat 2020 mein Leben verändert: Irgendwie fällt es mir schwer, aus der Corona-Zeit etwas Positives zu ziehen. Ich könnte jetzt sagen, dass ich ruhiger geworden bin, aber das liegt eher an der Tatsache, dass ich keine andere Wahl hatte, als ruhiger zu werden. Außerdem glaube ich, dass meine innere Unruhe nach wie vor anklopft. Ich habe durch die Kontaktreduzierungen meine Freundschaften in Berlin, die ja alle noch verhältnismäßig frisch sind, vertiefen können. Dafür bin ich sehr dankbar. Außerdem habe ich mehr über meine Privilegien als weiße Person gelernt.

 

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Damit hatte ich 2020 am meisten zu kämpfen: Nachdem meine Probleme mit meinem Immunsystem besser wurden, verschlechterte sich mein Schlaf. Gefühle wie innere Unruhe, Unsicherheit, Angst vor der Zukunft, Wut auf das System, Hilflosigkeit bei schlechten Nachrichten, Mitgefühl für Menschen, denen es dieses Jahr noch tausendmal schlechter ging als uns allen, haben daran sicherlich Mitschuld. Jeden Tag ploppte eine neue schlechte Nachricht in meinem Handy auf. Die Polizeigewalt, das abgebrannte Moria, das Lager auf Lesbos, die Erdbeben in Kroatien, die ganze „Querdenker“-Bewegung, das alles sind nur wenige Beispiele der Nachrichten, die mich nachhaltig belasten.

Das hat mir 2020 besonders geholfen: Alle meine Freunde. Vor allem diese in Berlin, da gerade die physische Anwesenheit besonders wichtig für mich in diesem Jahr war, weil sie in diesem Jahr so selten waren. Aber insbesondere mein Freund, der mir jeden Tag, trotz der besonderen Umstände, gute Laune gemacht hat. Und meine Freundin Marieke, die mein Jahr extrem erhellt hat.

Liebstes Instagramfoto ist dieses, das bei der Übergabe der neuen Wohnung gemacht wurde. Ich spürte in diesem Moment die pure Überforderung, da ich nicht fassen konnte, dass das unser neues Zuhause werden würde. Ich liebe es hier und kann bis heute jeden Morgen nicht glauben, mir so einen Traum erfüllt zu haben.

 

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Meine Top 3 Songs


Mein Lieblingsoutfit 2020: Hier eine kleine Auswahl an Lieblingsoutfits.

 

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Liebster Artikel auf amazed: Die Reaktionen auf diesen Artikel auf Instagram waren der absolute Wahnsinn. Ich liebe es, dass amazed uns ein Sprachrohr bietet, mit dem wir mit euch allen diskutieren können, aber auch Probleme und Gefühle austauschen.

 

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Das habe ich 2020 zum ersten Mal gemacht: Mich ernsthaft mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Natürlich habe ich mich schon lange davor öffentlich als anti-rassistisch positioniert, doch so viel gelernt, gehört, gelesen, diskutiert habe ich noch nie zum Thema Rassismus. So bedrückend und schockierend die Erkenntnisse auch waren, so wichtig waren sie für mich und meiner Entwicklung. Diese ist natürlich noch lange nicht beendet und die Gespräche über Rassismus werden weiter geführt, ich will mich weiter bilden und will weiter zuhören.

Hier gehe ich 2021 wieder essen: Ich habe eine sooo lange Liste an Lieblingsrestaurants, die ich alle nacheinander in Berlin abklappern will, sobald es wieder möglich ist. Hier habe ich sie euch unter anderem schon verraten. 

Ein Kauf, an dem ich noch lange Freude haben werde: Mein gehäkelter türkisener Sommerhut, den ich für kleines Geld vintage erstanden habe, und der mir diesen Sommer beste Gesellschaft geleistet hat.

 

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Was ich viel zu lange nicht gemacht habe und unbedingt mal wieder machen will: Einen Städtetrip mit Freundinnen machen, ganz viel feiern gehen, in einer Bar versacken, mich außerhalb meiner Komfortzone bewegen, neue Leute kennenlernen, viele Menschen umarmen, auch die, die ich kaum kenne, einen Drink teilen, mich auf eine Hausparty selbst einladen. All das spüren, was ich so lange nicht mehr gespürt habe: Dieses kleine bisschen Adrenalin, das man spürt, wenn alles ein bisschen neu, anders und aufregend ist.

Worauf ich 2021 verzichten kann: Eine anhaltende Pandemie, eine Weltwirtschaftskrise, eine Inflation, einen alten weißen Mann aus der CDU als Bundeskanzler, Polizeigewalt, einen Aufstieg der AfD. Um nur ein paar Dinge zu nennen.

Meine Vorsätze für 2021: Ich will mich weiterhin vor allem in Sachen Rassismus und Klassismus weiterhin selbst hinterfragen, mich weiter bilden, mir mehr über Privilegien auch bei mir selbst bewusst werden. Bei mir selbst will ich weiterhin auf meine Gesundheit achten, auch wenn das Tempo irgendwann wieder schneller wird. Ich will auf die Signale meines Körpers hören, auch wenn es trubeliger und lauter um mich herum wird. Ich will außerdem liebevoll zu mir selbst und meinen Engsten sein, weich sein, zuhören, verstehen, mitfühlen. Alles andere kann und will ich nicht planen.

So möchte ich mich 2021 engagieren: Spenden, Spenden, Spenden. Regelmäßig. Unter anderem hier. 

Darauf freue ich mich 2021: Ich bin vorsichtig damit geworden, Vorfreude zu hegen und Erwartungen an ein ganzes Jahr zu haben. Ich freue mich auf wenig Spezielles, da alles so kommt wie es kommt. Allerdings freue ich mich darauf, die Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind und die mir ein gutes Gefühl geben. Ich freue mich auf gute Laune, unbeschwerte Momente und solche, an die man sich gerne zurück erinnert.

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