Kolumne: Not that kind of Girl? There is no kind of Girl!

14. Februar 2018 von in

Aufbauend auf Johannas Artikel Das Emma Stone Syndrom ist Amelie für die Abschaffung des Begriffs „Not that kind of Girl“ und für die Aussage „There is no kind of Girl!“.

Ich habe mich in der Grundschule geprügelt, habe mir die Haare zu einem kurzen Bubischopf geschnitten, übergroße T-Shirts angezogen und meine beste Freundin so gut es ging vor Mobbing geschützt. Ich habe statt mit Barbiepuppen zu spielen lieber mit Hot Wheels oder Carrera Bahnen gespielt und Detektivausweise gebastelt. Das war keine Rebellion vor dem Mädchensein, das lag in meiner Natur. Als ich mich in der christlichen Mädchen-Realschule mit dem neuen Umstand „Pubertät“ auseinandersetzte, lernte ich nicht nur, wie Wodka schmeckte und wie Brüste aussahen, sondern auch wieso Wizo, Die Ärzte und Nirvana zu den besten Bands aller Zeiten gehörten und im gleichen Atemzug: wie sich das Leben einer Außenseiterin anfühlte.

Ich war Teenie-Punk, was Anarchie-Zeichen in meinem Hausaufgabenheft implizierte, bunte Haarfarben, einen fragwürdigen Kleidungsstil und – neben meinen zwei besten Freundinnen – ausschließlich Jungsfreunde, die mir außerhalb meiner Schule, die jahrelang eine Art Gefängnis für mich darstellte, das Leben retteten. Ich war gemeinsam mit einer meiner zwei Freundinnen in der Klasse die, die anders war, als die anderen. Lange Zeit habe ich nicht versucht, dazu zu gehören. Ich wollte einfach nur meine Schandmaul und Marilyn Manson Shirts tragen und mit meinen langhaarigen, biertrinkenden, männlichen Freunden auf Konzerte gehen.

Mir gefiel die Rolle, anders als die anderen zu sein und ich beschloss, eine Art Markenzeichen daraus zu machen. Vor allem bei Jungs kam das besonders gut an: I’m not THAT kind of girl. Ich bin entspannt, mag Psychothriller, trinke Bier, esse viel und beschwere mich über das System (ohne zur damaligen Zeit genau zu wissen, was das System überhaupt sein soll). Bis ich das Alter erreichte, in dem man damals meinte, man sei aus der Pubertät raus aber war es – wie sich im Nachhinein herausstellen sollte – überhaupt nicht.

Mit ungefähr 16 Jahren fing ich an, meinen Stil zu ändern, entdeckte meine typisch weiblichen Merkmale, schloss Freundschaften mit Frauen, unter Anderem Milena, fing an, romantisch zu werden und meinen Modeblog Wind Cries Amy zu gründen. Meine Rebellion verging, aber mein Spruch blieb: Not that kind of Girl. Bis ich die eklige Aussage dieses Spruchs verstand. Nämlich, dass klassische Frauenmerkmale schlecht sind. Es ist uncool zu weinen, schlecht im Sport zu sein, Emotionen zu zeigen (ergo „Zicke“), sich für sein Äußeres zu interessieren oder auf seine Figur zu achten. Es ist typisch Mädchen oder typisch Frau und das bedeutete sehr lange und leider bis heute im Umkehrschluss: uninteressant, uncool und anstrengend zu sein.

„Du Pussy“, „Du heulst wie ein Mädchen“, oder „Du wirfst wie ein Mädchen“, sind Beleidigungen. Weiblich zu sein, ist nach jenen Sprüchen zu urteilen, eine Beleidigung.

Aber was ist schon ein typisches Mädchen? Wir leben in einer Zeit, in der „Typisch Frau, Typisch Mann“ Bücher immer noch boomen und in der Mario Barth, der König sexistischer Witze, aus unerfindlichen Gründen immer noch Geld verdient. Trotzdem hat sich in den jüngeren Generationen und auch in unserer kleinen, gemütlichen Bubble, viel getan. Die stilisierten Geschlechtereigenschaften von Männern und Frauen lösen sich auf.

Ich bin für eine Abschaffung des Begriffs: Not that kind of Girl. Und plädere für: There is no kind of Girl. Ich bin für Vielschichtigkeit, für Charakter, für unsortierte Schubladen. Geschlechter sind mehr als ihre Klischees.

I am that kind of Girl, that doesn’t care about stereotypes. Ich will mich und mein Geschlecht keinem Klischee mehr zuordnen. Ich bin eine Frau und das bedeutet:

– Ich trinke Bier

– Ich esse Burger

– Ich fühle mich manchmal unwohl in meinem Körper und versuche mich an Diäten und mich gesünder zu ernähren

– Ich bekomme keine Tränen in die Augen, wenn ich ein kleines Kind oder Baby sehe. Ich fühle genau genommen: gar nichts

– Ich habe bisher jedes Mal (7, um genau zu sein) bei Titanic geweint

– Ich bin sehr entspannt in Beziehungen und lasse meinen Partner so sein, wie er ist

– Außer, ich bin es eben nicht

– Ich b

– Ich mag gute Filme und habe ein großes Filmrepetoire an Filmen, die ich gesehen habe und noch sehen möchte

– Manchmal sehe ich mir Teenie- und Highschoolfilme im Loop an (ich kenn sie alle)

– Ich kann gut werfen und fangen und bin allgemein sehr sportlich

– Ich hasse Fußball

– Ich liebe Rick & Morty

– Ich habe Gilmore Girls 4 mal durchgesehen

Diese Liste lässt sich endlos weiter führen und zeigt: Geschlechter sollten keinem Verhalten zugeordnet werden.

Zu guter Letzt bitte nicht vergessen: auch Männer sollten sich dabei angesprochen fühlen, denn

– Ich mag Männer, die sich ebenso über ihr Klischee „Mann-sein“ hinweg setzen, was mindestens genauso schwer ist wie als Frau

 

 

 

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5 Antworten zu “Kolumne: Not that kind of Girl? There is no kind of Girl!”

  1. Ich hab mich mit dem Vorgänger-Artikel ja etwas schwer getan, aber ich finde, Du triffst es ziemlich auf den Punkt. Karen Smith ist ja zum Beispiel nicht witzig, weil keiner sich darunter was vorstellen kann. Sondern weil sie das perfekte Blondinen-Klischee widerspiegelt, man vermutlich ein Mädel kennt, das genau in diese Rolle passen würde und sich im gleichen Gedanken doch komisch vorkommt, wenn man denkt: Ach, so eine wieder.
    Und dann find ich es super, dass Du auch bekräftigst, dass es auch genauso für die Männer gilt. Männer heulen nicht, die machen Sport und trinken literweise Bier, Frauen rauchen nicht und tragen immer bunte, kurze Röcke. Und wenn schon, das ist das Schöne am Leben: Man muss keinem Klischee entsprechen, darf es aber und muss auch keine typischen Rollenbilder von sich weisen, obwohl sie manchmal auf einen persönlich zutreffen. (Mean Girls ist immer noch gut :P ).
    Liebe Grüße!

    • Liebe Michelle, danke für deine Antwort! Ich sehe das ähnlich wie du – es geht einfach darum, dass Genderklischees im Allgemeinen problematisch sind. Und ja: Mean Girls IST gut – vor allem, weil der Film sich eigentlich genau über diese Klischees und über diese Art von Highschool Filme lustig macht :) schließlich ist der Film nicht umsonst produziert und geschrieben von den zwei größten Feministinnen unserer Zeit (Amy Poehler & Tina Fey)!

  2. Liebe Amelie,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel!
    Stimme dir vollkommen zu! Wir müssen weg von diesem hartnäckigen Schwarz-Weiß-Denken, das Leben ist zu schön und bunt, als sich nur für das eine oder andere entscheiden bzw. verkörpern zu können.

  3. Hallo Amelie,
    ich stimme dir vollkommen zu. Dein Artikel ist so gut, weil er so einfach ist.

    Es ist außerdem erstaunlich, wie ähnlich wir uns anscheinend sind. Außer bei Titanic. Ich halte den Scheiß nicht mal bis zur Hälfte durch.

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