Kolumne: Und was machst du so?

6. Juni 2013 von in

Undwasmachstduso

Ich wollte immer Fotografin werden. Seit ich mich entsinnen kann, hatte ich einen klaren Plan vor Augen: Ich machte meine Mittlere Reife, ging auf die Fachoberschule, wollte das 13. Jahr dran hängen, mein allgemeines Abitur nach machen und anschließend Fotodesign studieren. Meinen ersten Rückzieher machte ich beim 13. Jahr, denn man braucht ja kein allgemeines Abitur für Fotografie. Dann ging’s an die Bewerbungen.

Ich schickte eine Mappe nach der anderen heraus, in verschiedene Städte, an verschiedene Schulen. Irgendwer wird es schon mögen. Absage. Nächstes Jahr. Absage. Übernächstes Jahr. Absage. Zwischendrin machte ich ein halbjähriges Praktikum beim Fotografen, das vielleicht bisher schlimmste halbe Jahr meines Lebens. Während ich fotografische Fäuste ins Gesicht kassierte, schrieb ich so vor mich hin, machte Praktika in Redaktionen und arbeitete als freie Journalistin. Irgendwie klappte das immer reibungslos.

Wie lange beißt man sich an etwas fest?

Diese Frage stelle ich mir momentan zum ersten Mal nach drei Jahren. Wie oft halte ich es noch aus, dass mir andere sagen, ich hätte das Studium nicht verdient? Wie lang halte ich es noch aus, dass ich mich jedes Mal wieder als Praktikantin vorstelle, obwohl ich mittlerweile eine deutlich höhere Stelle verdient hätte?

Gerade halte ich es nicht mehr aus und ich habe beschlossen, den Plan zu studieren auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. Ich weiß gar nicht, ob ich noch Fotodesign studieren will und ich bin glücklich, dass ich endlich an diesem Punkt bin. Nicht, weil ich vorerst nicht studiere oder sich mein Traum für die Zukunft verändert hat – sondern weil ich nicht mehr alle Jahre wieder mit Rückschlägen zu kämpfen habe. Weil ich mich nicht mehr verkrampft in meinen Traum verbeiße, der mir bisher kaum mehr als Tränen brachte. Ich kann endlich meinen Kiefer lockern und klar denken.

 Wäre da nicht diese Frage: Und was machst du so?

In einer Zeit, in der wir nicht mehr alle Bauern, Bäcker und Hausfrauen sind, sondern in der ein Job ein Synonym für Wer- Bin- Ich ist, ist die Frage „Was machst du so?“ essenziell geworden. Wir identifizieren uns mit unserer Tätigkeit so sehr, dass wir eigentlich schon nach dem ersten Gespräch mit der Frage rechnen können, um anschließend abgestempelt zu werden. Wenn ich mit dieser Frage konfrontiert werde, stolpere ich von Ausreden und Rechtfertigungen über zu Bla, Bla. Ich möchte sagen, dass ich es versucht habe mit dem Studium, es hätte aber nicht geklappt und ich habe hier und dort Praktika gemacht und jetzt weiß ich gerade auch nicht, ich habe einen Blog und verdiene hier und dort ein bisschen Geld. Ich mache mich gerade selbstständig, das schmuggle ich irgendwo dazwischen.

Bis dann die erlösende Reaktion kommt: „Oh, ok cool. Ja, lass dir Zeit, du bist ja noch jung.“. Nicht, dass es mich interessieren würde, was eine wildfremde Person zu meinem Leben zu sagen hat, aber danke, Herr Schneider. Die Ausfragezeit ist dann wohl beendet. Dann kommt es mir aber wieder, denn eigentlich sind nicht die anderen daran schuld, dass sie mich in eine unangenehme Situation manövrieren. Das bin einzig und allein ich selbst und jeder, der bei der Frage unsicher wird, ist selbst schuld.

Diese Frage „Und was machst du so?“ versinnbildlicht unsere große Angst vor der Zukunft und vor dem eigenen Scheitern. Es ist die Frage, in der wir uns die perfekte Antwort zusammen basteln, das perfekte Facebook Profil. Ein bisschen Humor hier, ein bisschen Kunst und Literatur da.

Aber was uns alle unter Druck setzt, ist nicht die Frage, sondern unsere Antwort.

Ich könnte einfach sagen „Ich mache mich gerade als Journalistin selbstständig“. Oder ihr könntet einfach sagen „Gerade trinke ich Bier, was ich morgen mache, weiß ich noch nicht.“. Einfach. Und wir könnten uns damit gut fühlen. Einfach. Dieses Selbstbewusstsein habe ich gerade noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich irgendwann die Eier dafür habe.

Das Leben ist mehr als ein einziger Plan und eine Antwort beim schlechten Small-Talk. Denn eines kann ich euch versprechen: Ihr werdet nicht im Sterbebett liegen und euch denken „Verdammt, ich hätte nach der Ausbildung doch noch ein BWL-Studium dran hängen sollen.“, das hoffe ich jedenfalls.

Alle Kolumnen.

Facebook
 // Bloglovin // Instagram // Twitter

 

Sharing is caring

59 Antworten zu “Kolumne: Und was machst du so?”

  1. Sehr interessantes Thema, sehr schön verpackt. Ich denke, damit stehst du nicht alleine. Ich hapere auch oft mit mir, gerade in dieser Branche ist das keine Seltenheit, erst recht nicht in unserer Generation. Aber bei allen Tiefschlägen sollte man doch den Mut nicht verlieren. Denn wirklich glücklich ist man am Ende doch nur mit einem Job, der einem wirklich Spaß bringt. Und mit der Gewissheit, dass man am Ende seines Lebens nicht zurückschaut und mit den Worten „hätte“ „wäre“ „müsste“ spielt.

  2. Also um ehrlich zu sein, stelle ich diese Frage immer um andere Biografien kennen zulernen und vielleicht auf Projekte oder Netzwerke zu stoßen, die mich interessieren und in denen ich mich vielleicht gerne engagieren würde. Und eher nicht, weil ich irgendwem erzählen will, wie toll ich bin und wie wenig toll sie sind.

    • Die Frage an sich ist ja auch nicht verwerflich, ich stelle sie selber gerne, wenn ich den Menschen gar nicht kenne. Wie Amelie sagt, geht es darum, wie man selbst mit so einer Frage umgeht, und ob man selbst dahinterstehen kann, auch mal in der Luft zu hängen oder unkonventionelle Lebens/Karrierewege einzuschlagen.

  3. ein so guter text amelie! du sprichst mir aus der seele. ich hasse diese ewigen gespräche um die berufswahl auch, vor allem weil ich erst einmal mein studium beenden will. ich habe mich für kulturwissenschaften entschieden, was bei genauerem betrachten wirklich breit gefächert ist. aber die einzige reaktion, die dann immer kommt, ist diese: und was kann man damit machen? willst du mal im museum arbeiten?

    • HAHAH, im Museum arbeiten, ja sowas ist auch immer ganz toll. Wenn Leute dein Studium verurteilen, weil im Namen der anschließende Beruf noch nicht feststeht. Unglaublich, wie kleinkariert man eigentlich denken kann.

    • Diese Frage: Und was macht man dann damit? kenne ich auch zu gut. Irgendwie haben die Leute immer was zu bemängeln. Nach dem Abi, nach dem Volo, nach dem Studium. Alles dagewesen. Gerade bei kreativen Berufen, die erstmal nicht so konkret sind, habe ich oft das Gefühl, dass die Leute lieber fragen, kommentieren etc, weil sie es einfach nicht verstehen. Nicht genau wissen, was man damit macht. Es ist unsicher – und damit für viele erstmal ungut. Dass am Ende ich damit glücklich sein muss, vergessen die meisten. Und bei so vielen Zweiflern um einen herum manchmal man selbst auch:) aber irgendwann steht man aber drüber:) und weiß, es ist mein Traum – egal wie andere meinen nicht perfekten Lebenslauf finden. Und gerade in Kreativberufen gibt’s den eh nicht. Dass du deinen Weg machen wirst, ist ja eh klar <3

      • Ob kreativ oder Wirtschaft, verurteilt bzw. beurteilt und definiert wird (leider) jeder über seinen Beruf.
        Seinen Weg muss jeder dennoch für sich ganz alleine finden, und wenn einer lieber vor einem Excel-Sheet sitzt und nebenbei bloggt, heißt das nicht dass dieser weniger kreativ ist, als jemand der Kommunikationswissenschaften studiert. Blicke erntet man dennoch.
        Der Text spricht wohl allen aus der Seele.
        Jeder findet seinen Weg, früher oder später :) Toller Artikel, Amelie!

      • ich muss ja sagen, dass ich genau dieses ungewisse das spannende an meinem studium finde. wenn ich jetzt schon wüsste, dass ich in 5 jahren lehrerin sein werde – oh man, meine motivation wäre stetig im keller! genau das spontane reizt mich, aber viele menschen planen eber lieber und wissen alles im voraus. es wäre eben nur wünschenswert, auch diejenigen, die das nicht für gut empfinden, ihr ding machen zu lassen:)

  4. Wenn du Fotografin werden willst und entsprechende Aufträge hast, damit du dich davon über Wasser halten kannst: Warum ein Fotodesign-Studium? Mach dich doch einfach so selbstständig. Als Fotodesignerin. Ist doch keine geschützte Bezeichnung. Das Studium oder eine Fotografenausbildung ist doch kein Garant dafür, eine gute Fotografin zu werden. Ich persönlich bin der Meinung, dass man bei manchen Jobs (z.B. Fotografin), wenn man sich das KnowHow autodidaktisch angeeignet hat keine „klassische Ausbildung“ benötigt. Bei Journalismus sehe ich das schon eher, aber jetzt weniger bei einer Modezeitschrift, sondern eben bei einer Fachzeitschrift, da ist ein Studium schon eher ein „must have“, denke ich. Aber generell finde ich gut, dass du das machst, womit du glücklich bist und auch was riskierst, um deinen Traum zu verwirklichen und nicht einfach „irgendwas“ studierst (zB BWL), nur DAMIT du studiert hast ;)

    • Ich glaube nur, ich möchte mittlerweile gar keine Fotografin mehr werden. Für mich war Fotografie immer ein Stressfaktor, sobald es um irgendwas ging. Journalismus, meine ich, liegt mir da einfach irgendwie besser :). Danke für deine Antwort!

  5. Ach Amelie, du sprichst mir aus der Seele. Ich stecke gerade in meiner Masterarbeit und in jedem Gespräch lautet der zweite Satz und was willste danach machen? Und wenn man dann sagt das man das noch nicht so 100 % klar hat wird der gegenüber meistens ruhig und auch manchmal ein wenig verlegen. Und schon fange ich an mich zu rechtfertigen und das ich ja vielleicht noch einen Dr. machen möchte. Aber da durfte ich mir auch schon Sätze anhören wie „Du? Nen Doktor? also ich weiß ja nicht“ “ Der muss aber auch bezahlt werden. Ich weiß ja nicht ob das was für dich ist“ Und wenn man dann erzählt das der eigtl. Traum eine kleine Buchhandlung ist, dafür ist man dann aufeinmal überqualifiziert. „Ne, also dafür hast du doch nicht studiert!“ „Und was willste jetzt eigtl. machen?“
    Ich weiß es nicht!!!!!!!! Vielleicht auch einfach mal Urlaub

  6. Ich kommentiere eigentlich eher selten Posts von jemandem, aber den hier finde ich wirklich gut, weil das sicherlich etwas ist, was viele kennen. Ich kann nur sagen: egal, wie der eigene Weg verläuft, es ist immer irgendwie richtig und für was gut. Wer weiß, wo Dich das Leben noch hinführt :). Ich find Dich (bzw. Deinen Blog, aber das ist ja irgendwie ein Teil von Dir) auf alle Fälle super! #girlsupport

  7. Ich verstehe sehr was du meinst und kann auch verstehen, dass du nicht einfach „irgendeine Ausbildung“ oder „irgendein Studium“ machst, nur, damit du sagen kannst, du hast ne Ausbildung bzw. studiert, ohne zu wissen, was es dir für deinen Berufswunsch bringt… Dennoch kann ich dir aus der Erfahrung meines besten Freundes, der eine sehr ähnliche Biographie hat wie du, aber schon ein bisschen älter ist, sagen: Mach eine Ausbildung/ ein Studium. Damit du „irgendwas in der Tasche“ hast. Wieso? Auch mein bester Freund meinte immer „och, das bringt mir doch auch nicht mehr“. So lange er in seinen frühen Zwanzigern war, war ihm das auch relativ egal, von Praktikum zu Praktikum getingelt, hier ein bisschen gejobbt und da. Aber „den Fuß in die Tür“ hat er nie irgendwo bekommen. Er war immer nur der Praktikant. Der ohne Ausbildung und Studium. Es gibt in der Branche ja ohnehin immer weniger Festanstellungen, aber wenn jemand einen „Abiturient mit langjähriger Praxiserfahrung“ oder einen „Kommunikations/Germanistik/KuWi/Wasauchimmerfüreinfach-Student mit langjähriger Praxiserfahrung“ zur Auswahl hat, wird er sich zweifelsohne immer für den mit der höheren Qualifikation entscheiden. Vor allem heutzutage, wo immer mehr junge Leute höhere Bildungsabschlüsse erreichen und studieren, ist ein Abi mit Praxiserfahrung eine sehr unsichere Sache. Die meisten Volos verlangen ja ein abgeschlossenes Studium, da fällst du einfach ohne Studium schonmal „formal“ durchs Raster, ein Önologie-Student nicht. Momentan mag dir das egal sein, aber wenn du dich endlich nicht mehr „nur“ als „einfache“ Praktikantin vorstellen willst, kommst du über einen formalen Abschluss nicht drum herum… Fach egal. Ich würde einfach was studieren, was mich interessiert.

    • Du hast schon recht, dass es praktisch wäre, dass ich ein Studium / eine Ausbildung / ein Volo machen sollte, um für später etwas in der Tasche zu haben. Aber genau das kann ich nicht. Ich kann nicht irgendwas machen, damit ich etwas in der Tasche habe – da lebe ich lieber unsicher. Bisher fahre ich auch ganz gut ohne Studium. Vielleicht ändert sich das in 2 Jahren auch, und ich möchte dringend irgendwas studieren, mal sehen :). Danke für die lange Antwort!

      • Kann ich gut verstehen, Amelie! Und ehrlich gesagt, finde ich, dass gerade hier auch mal ein Umdenken auf Arbeitgeberseite stattfinden sollte bzw. sollte man einfach auch etwas flexibler sein und mal kapieren, dass sich Autodidakten für einen bestimmten Job durchaus besser eignen können als ein Kollege mit Studium. Ich bin derzeit arbeitssuchend und würde gern wieder als Online-Redakteurin arbeiten, konnte hier auch bereits in einer zweijährigen Festanstellung Erfahrung sammeln. Dennoch ist es bei vielen Unternehmen einfach in Stein gemeißelt, dass man ohne Studium keinerlei Chance hat. Pech für mich – ich habe lediglich Fachabitur, eine kaufmännische Ausbildung und Berufserfahrung ;-). Das alles nervt und ist schwierig – aber jetzt irgendwas zu studieren, ist für mich keine Lösung. Zumal ich auch schon 31 bin.

        Dir alles Gute!

        Und dein Text ist sehr gelungen!

  8. ehrlich gesagt habe ich dich schon immer mehr im Journalismus als im Fotografie-Bereich gesehen, falls dich das jetzt irgendwie aufbaut ;). Ich liebe deine Schreibe und würde mich an deiner Stelle eher darum bemühen, in dem Bereich voranzukommen (vllt. doch ein Studium? Volo?) und die Fotografie als schönes Hobby oder nebenberuflich auszuüben (& es schadet für eine Journalistin ja auch nicht, ein paar tolle Fotos schießen zu können). Ich fand, ehrlich gesagt, deine Bilder, die du uns für die Bewerbung vorgestellt hast (damals auf WCA) zwar ganz schön, aber sie waren jetzt nicht so, dass sie mich persönlich „mega geflasht“ haben.. es gibt da einfach so viel Konkurrenz, die mich persönlich (leider) mehr begeistern … Das ist jetzt meine subjektive Meinung und ich hoffe du nimmst sie mir nicht übel, aber ICH PERSÖNLICH seh dich wirklich mehr als Journalistin, auch wenn es natürlich nicht auf meine Meinung ankommt, sondern darauf, wie du dich selbst siehst ;). Wünsch dir das Beste für deine Zukunft.

  9. Hey liebe Amelie,

    ich danke dir für diesen Artikel. Alles daran sprach mir aus der Seele.

    Ich sag dir nur eins, gib nicht auf!(außerdem BIST du laengst Fotografin) ich wurde zweimal an der Udk Berlin abgelehnt, nach dem 1. Mal wollte ich aufgeben, aber ich konnte nicht aufhoeren. Nach der zweiten Ablehnung wurde ich trotzig, ich dachte was ist denn für MICH WIRKLICH die tollste Kunsthochschule der Welt. Das schien mir vor ein paar Jahren Central St. Martins/University of Arts in London zu sein. Dort wurde ich sofort beim ersten Anlauf angenommen, es war das beste was mir passieren konnte. Was uns dort gesagt wurde, stimmt meiner Meinung nach: „die Kunsthochschule die zur dir passt nimmt dich auch!“ Was das kreative angeht, ist es wohl die Englische meiner beiden Nationalitaeten in der ich mehr (manchmal auch leider) Akzeptanz finden kann. Was ich gerade so mache? nach einem Job, der zwar als ganz hervorragendes „Identifikationsaccessoire“ diente, den ich habe von Herzen hasste, werde ich jetzt Schriftstellerin (geschrieben habe ich schließlich auch noch immer!)

    PS: Danke außerdem euch allen fuer diesen großartigen Blog!( ich lese sonst wirklich KEINE „modeblogs“) Ich weiß nicht wie ihr das macht, aber meiner Ansicht macht ihr gerade ALLES RICHTIG!

    Best,

    Louisa

  10. „..Job, den ich aber von herzen hasste“ meinte ich. Falls der typo wieder deutsche hater kommentare wie „Schreiben wollen und nicht koennen“ provozieren sollte

    x

  11. Das spricht mir gerade aus der Seele.
    Weil es eben nicht einfach so ist.Heutzutage ist es so wichtig was du machst,wie du dich beruflich weiterentwickelst aber vor allem das du studierst bzw wenn du Abi hast ne Stinknormale Ausbildung als Einzelhandelskauffrau..da wirst du komisch angeschaut.Da steckt wirklich so viel Druck hinter,gerade von ehemaligen Lehrern und Mitschülern.Weil es heutzutage auch so viele tolle und kreative und vor allem englischsprachige Studiengänge gibt,die einem in der Theorie die Sterne runterholen und soetwas muss man machen.
    Aber..was ist wenn man das eben nicht macht? Das Problem habe ich auch akut.Ich hatte das Glück Abi machen zu dürfen,ich habe mich da auch sehr durchgebissen,ich hätte es einfacher haben können,wenn ich einfach Real mache.Aber ich wollte Abi.Und entweder kreatives Schreiben studieren oder TV-Journalismus.Aber nach drei Jahren habe ich immer noch kein Studienplatz,die Zeit mit Praktika,Nebenjobs und Nichtstunvertrieben und jetzt muss ich auch schauen was ich machen kann.2oo Bewerbungen für Ausbildungen habe ich geschrieben,allles absage.Sie habe Abi,sie können doch studieren,drei Jahre aus der Schule und nichts nennenswertes gemacht..das wollen wir nicht.
    Heutzutage ist es so elementar was man beruflich macht und vor allem wann man denn an seine berufliche Zukunft gedacht hat und damit angefangen hat daran zu basteln,dass das ganze einfach nicht mehr einfach ist und man auch nicht mehr mit Gelassenheit reagieren kann,wenn man durch ein Raster durchgefallen ist.Ich merke es jeden Tag.

  12. Großartiger Text, toll geschrieben und entspricht genau meinen Gedanken momentan – wann wird Zielstrebigkeit zu Verbissenheit, wann ist Ehrgeiz nur noch ein Synonym für nicht-aufgeben-können? Und wer hat eigentlich das Recht mir meine Träume zu diktieren?!?

  13. ich pinne diesen text an meien mentale stirn und wenn ich mal wieder strauchle und an mir selber zweifle, darf ich das hier nochmal lesen und mir sagen: das ist normal.
    sehr gut, dass du darüber schreibst, ich habe oft das gefühl, dass alle nicht drüber reden aber doch mehrere davon „betroffen“ sind.

    und sehr sehr oft sage ich mir: es ist auch gut mal zu zweifeln :)

    danke für den text.

    • Wir leben in einer Zeit, in der es elementar ist, in Unsicherheit leben zu können. Es ist gut, wenn wir jetzt schon zum Teil zwischen den Stühlen hängen, dann können wir auch in 20 Jahren besser damit umgehen, als Festangestellte, die ihr Leben lang dasselbe machen, und plötzlich mit 50 gefeuert werden. Dann stehen sie da und futsch ist sie, die Sicherheit, die sie sich all die Zeit vorgegaukelt haben.

      Vielen Dank für deine Worte!

  14. Ich habe auch ein Praktikum bei einem Fotografen gemacht (es sollte auch für ein halbes Jahr sein, habs aber nach 5 Wochen abgebrochen) und ich habe es total gehasst! Obwohl ich die Fotografie liebe, wirklich schade :( Ich habe mich schon lange damit abgefunden, dass Fotografie nur ein Hobby bleiben wird. Wirklich toller Text! :)

    Liebe Grüße,
    Mirjam

  15. Liebe Amelie,

    ein herrlicher Post! Vor ein paar Monaten fühlte ich mich exakt so. Doch irgendwas machte bei mir Klick und seitdem versuche ich nicht bei der gestellten Frage meine Lebensgeschichte zu erklären – die kann sich in einem Gespräch immernoch entwickeln – sondern ich antworte mit erhobenen Hauptes „Ich bin Fotografin.“ Falls mir Zweifel daran aufkommen, halte ich mir folgendes vor Augen (zurecht gelegt als ich positiv gestimmt und euphorisch gelaunt war): Ich organisiere Shootings. Ich erhalte Anfragen. Ich verdiene Geld mit Aufträgen.
    Auch wenn ich noch nicht meinen gesamten Lebensunterhalt damit beschreite, so finde ich sehr treffend: „Fake it, till you make it.“
    Nachdem ich das beherzigt habe, bin ich inzwischen Praktikantin als Food-Fotografin (die Firma wurde auf mich aufmerksam) und arbeite an meinem ersten Bildband. Ich habe keine Ausbildung in dem Bereich und mein Studium ist ebenso ein anderes.

    Ich hoffe, bei dir macht es auch bald Klick. Denn aus meiner Sicht (und sicher deiner gesamten Leserschaft) bist du bereits eine herrliche Journalistin und Fotografin.

    Allerliebste Grüße

    Marlin

  16. Ich finde es mutig zu sagen: Hey, ich habe kein Studium, hey, ich mache mal hier und da ein Praktikum, hey, ich schaue einfach was kommt.

    Das finde ich deswegen so mutig, weil ich das niemals gekonnt hätte.

    Nach dem Abi war klar: Jetzt kommt ein Studium. Was genau das sein sollte – puh, keine Ahnung.
    Also einfach mal in ganz Deutschland breit beworben. Jura, Germanistik, BWL, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft..

    Und für alles eine Zusage bekommen. Letzten Endes war die Entscheidung einfach: Der Freund, zu dem man schon jahrelang pendelt, sitzt in München. Also unbedingt dahin. Für was hatte ich mich da beworben? Ah, Soziologie. Na gut, dann machen wir eben das.

    Und naja, was soll ich sagen? Eine absolute Hassliebe! Zeitweise der Verzweiflung nahe gewesen. Man ist schon im dritten Semester, jetzt noch abbrechen? Und was anstattdessen machen?
    Also erstmal ein Jahr Ausland eingeschoben, Spanien und Südamerika. Großartige Zeit gehabt.

    Studium irgendwie zuende gemacht und durch Werksstudentenjob, Zufall und Glück letzten Endes in einer Branche gelandet. Vollzeiteinstieg noch bevor ich mein Zeugnis in der Hand hatte.

    Irgendwie easy.

    So. Und da bin ich jetzt. Ich verdiene ganz ok Geld und mein Job macht die meiste Zeit Spaß.
    Aber meine Passion ist das mit Sicherheit nicht und ich weiß auch 5 Jahre nach Ende des Abiturs und abegschlossenem Studium noch nicht mehr als damals.

    So viel dazu.

    • Vielen Dank für deine Ehrlichen Worte! Ich finde es großartig, dass so viele Leser auf die Kolumne eingehen und ihre eigene Geschichte erzählen. Ich lese mir alles mit einer großen Tasse Kaffee in der Hand durch. Bei keinem läuft’s perfekt und irgendwie geht es doch nur darum, irgendwie glücklich zu sein. Wenn man das Glück nicht im Job findet, dann vielleicht ja woanders!

  17. Ich lese euren Blog jetzt auch schon seit Beginn (und davor hab ich Milena und Amelie verfolgt) und schreibe meinen ersten Kommentar (glaube ich?).

    Lustigerweise, war es auch immer mein Traum mit Fotografie was zu machen. Also hab ich mir die Kunstschulen angeschaut, wer da so ist, was die so machen. Und als ich sah, was die alles drauf haben, habe ich gar nicht erst versucht mich zu bewerben. Ich dachte nur, ich würde mich total blamieren. Ich hab nicht genug Material vor zu weisen, ich bin zu schlecht, es ist nicht gut was ich gemacht habe, …
    Gott sei Dank, war aber Fotografie nicht mein einziger Ausblick. Jetzt studiere ich Biologie, schreibe pro Semester mind. 10 Prüfungen und rackere mich ab damit ich bestehe. Ich mag Bio, sehr sogar. Es ist spannend – aber furchtbar anstrengend zur Zeit.
    Manchmal würde ich dann gerne einfach alles hinschmeissen. Mich trotzdem an diesen Kunstschulen bewerben, darauf hoffen, dass sie meine kreative Ader entdecken, ein bisschen Mitleid mit mir haben und mich nehmen, damit ich mal wieder Zeit für Kreatives habe. Aber dann kommen eben genau diese Fragen von allen Seiten: „Was willst du denn mit Fotos? Da musst du ja richtig gut sein, damit das was wird. Das ist schwierig. Mach doch lieber dein Studium fertig.“ Ok gut, ich mach Bio fertig (falls ich bestehe). Aber was folgt dann? Keine Ahnung. Eigentlich rackere ich mich zur Zeit ab, mach mir den totalen Stress, obwohl ich gar nicht weiss, was daraus wird. Geld ist auch immer knapp, man kann sich nur mit Anstrengung und viel Durchhaltevermögen beim Sparen, mal etwas leisten.
    Was ich eigentlich ja sagen möchte, ist, obwohl ich gerade ein tolles Fach studiere, hab ich kaum Nerven es durch zu halten. Einerseits weil es anstrengend ist und andererseits, weil ich halt eben auch gerne doch etwas im Bereich Fotografie gemacht hätte. Ich bin ja erst 22. Vielleicht kann ich nach dem Biostudium mein Hobby und kleiner Traum der Fotografie verwirklichen.

    Zu dir persönlich Amelie:
    Ich habe dich immer bewundert. Ich finde deine Bilder spitze. Deine Texte mag ich sehr gerne, da nehme ich mir gerne mal eine Lernpause und lese stattdessen deine Gedanken. Falls du irgendwann damit aufhörst, auf Blogs oder allgemein im Internet zu schreiben, zu posten etc. werde ich für 2 Tage todtraurig in meinem Bett versinken ;-)

    Liebe Grüsse
    Natacha

    • Natacha. DANKE! Wirklich. Ihr alle glaubt gar nicht, wie sehr mich eure langen Beiträge freuen. Ich kann kaum in Worte fassen, wie toll ich es finde, dass ihr meine langen Texte lest, dass ihr euch gerne darüber Gedanken macht und euch Zeit dafür nehmt, um darauf zu reagieren. Ob nun aktiv oder passiv. Und wirklich, danke, mir wären fast die Tränen gekommen bei dem unteren Teil :)

  18. Was für ein interessanter und mutiger Text! Seit WCA-Zeiten denke ich „Die Amelie ist so hübsch, macht so tolle Fotos, hat den perfekten Kleidungsstil, wohnt in einer tollen Stadt, schreibt die besten Texte, wie macht die das nur?“ [Ich hoffe, das klingt jetzt nich stalker-mäßig ;)] Jedenfalls wünsche ich dir von Herzen alles Gute und dass du das findest, was dich wirklich glücklich macht – denn das ist eben doch einfach das Wichtigste. Was alle anderen (besonders alte Schulkameraden, die nur auf die Gelegenheit warten, einem ihren eigenen Erfolg/ach so tollen Studienplatz usw. unter die Nase zu reiben) dazu sagen, ist sowas von zweitrangig!

  19. Ich verstehe dich zu gut.
    Die Zukunft. Dieses undeutliche, schwarze Etwas, das nicht wirklich greifbar ist und auf das wir doch mit kontinuierlicher Geschwindigkeit zulaufen.
    Ich beende nächstes Jahr meinen Bachelor in einer Naturwissenschaft. Aber weißt du was? Ich habe keine Ahnung, was ich danach machen soll. Ich finde mein Studium ok, aber es ist garantiert nicht mein Traum. Einen Master kann ich mir zumindest momentan nicht vorstellen. Was mache ich ansonsten? Ich habe keine Ahnung. Ich habe wirklich Angst, dass ich nie IHN finde – den Beruf, der mich glücklich macht. Immer noch studiere, oder einen Job habe, der mir nicht gefällt.
    Du bist nicht allein, liebe Amelie!! Kannst mir gerne noch eine Mail schreiben, wenn du möchtest und dich auskotzen willst. :)
    Ich bin sicher, du wirst deinen Weg noch gehen. Halte uns doch auf dem Laufenden, wie es bei dir weiter geht.

  20. Toller Beitrag!!
    So ging es mir nach dem Abi auch erstmal eine ganze Zeit.
    Jetzt studiere ich Kommunikationswissenschaft und es macht total Spaß. Zumindes für den Moment habe ich das Richtige für mich gefunden… was ich nach dem Studium machen möchte, weiß ich noch nicht genau, aber da werde ich dann auch das passende für mich finden!! :)
    Einfach vieles ausprobieren und sich nicht entmutigen lassen!

    http://coco-colo.blogspot.de/

  21. So viel Liebe für den Text und die Kommentare!
    Ich bin auch nur semi-glücklich in meinem Studienfach, habe mich in den letzten Jahren durch die ganzen „Was machst du?“ und „Was macht man damit?“ Kommentare zu sehr verunsichern lassen. Deswegen: Power to you!

    Deswegen liebe ich das so sehr:

    Oder ihr könntet einfach sagen „Gerade trinke ich Bier, was ich morgen mache, weiß ich noch nicht.“. Einfach. Und wir könnten uns damit gut fühlen. Einfach. Dieses Selbstbewusstsein habe ich gerade noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich irgendwann die Eier dafür habe.

  22. „Aber genau das kann ich nicht. Ich kann nicht irgendwas machen, damit ich etwas in der Tasche habe – da lebe ich lieber unsicher. “

    Für diesen Satz liebe ich Dich jetzt ja so…:)

    Ist es nicht so, dass dieser Thematik, diesem Konflikt, den Du ansprichst und den wir offensichtlich teilen, eine so unglaublich existenzielle Fragestellung innewohnt? Und ist nicht vielleicht genau diese Existentialität und Intensität all der aufkommenden Fragen und der dazugehörigen Gefühle das Leben selbst? Geht es doch im Grunde gar nicht nur um „eine Berufswahl“, vielmehr geht es hierbei eben doch um das Leben selbst! Die Thematik zwingt uns, uns zu offenbaren, wer wir sind. Anfänglich vor Anderen, im Kern vor uns selbst. Auch ich kann dieses Thema nicht abschliessen; auch ich kann nicht irgendwas studieren, um studiert zu haben. Aber ist es nicht vielleicht so, dass wir uns eben für immer in einem Prozess, einem Progress befinden werden? Wird es vielleicht immer so sein, dass wir suchen und das Gefühl haben, nie wirklich anzukommen? Und ist dies nicht eigentlich eine verdammt gute Sache? Ja, weil wir uns aus uns selbst heraus formen können, bewusst und nach unserer ganz eigenen Dynamik. Und weisst Du was ich mittlerweile glaube? Wir dürfen uns Zeit lassen. Zum Wachsen.

    Alles, was ich so von Dir lese und sehe, gefällt mir so ausserordentlich gut, Amelie! Ganz viel Liebe auch für deine äußerst delikaten Kleidungsstil, Du bist mir eine echte Inspiration. Wenn Du eines Tages dein eigenes Print-Mag hast: ich werde es kaufen.

    Laura

    • Oh Laura, ich würde auch deines kaufen. Danke für deine Worte, ich fand deine Meinung zu dem Thema sehr bewegend und vor allem sehr wahr. Danke fürs Verstehen und Lesen.

  23. Großartige Kolumne!
    Ich fühle mich auch immer irgendwie unter Druck Gesetzt, wenn diese Frage aufkommt. Dann sage ich meinen Standard-Spruch auf, den ich schon so lange geübt habe, von wegen Studium und Auslandsjahr und in Wirklichkeit frage ich mich immer öfters ob es überhaupt das ist, was ich will.

  24. Mir ging es nach dem Abi ähnlich. Ich wollte immer nur eins: Schreiben. Schreiben schreiben schreiben. Und auf keinen Fall studieren. (Anmerkung: Das ist mittlerweile über 11 Jahre her und da haben noch nicht alle einfach immer ganz viel ins Internet geschrieben, sonst wäre das vielleicht alles anders gelaufen.) Jedenfalls kamen dann über 5 Jahre der Suche, Praktikum hier, Praktikum da, ein bisschen Kunst, verschiedene Ausbildungen angefangen und abgebrochen, war alles nix. Und obwohl ich eigentlich auch nie etwas studieren wollte, nur um etwas studiert zu haben, war da plötzlich dieser große Wunsch, endlich einfach mal etwas zu zu Ende zu bringen. Und da hab ich angefangen – mit BWL. Und es abgeschlossen, recht gut sogar. Und danach eigentlich auch nicht recht gewusst, was ich damit anfangen soll, aber so viel Zeit zum Nachdenken war dann auch gar nicht mehr, denn plötzlich kam mein jetziger Job um die Ecke. Der nun doch nur mit Schreiben und nichts mit dem Studium zu tun hat, den ich aber ohne das Studium gar nicht bekommen hätte. Paradox, aber wahr.

    Was ich damit sagen will: Es ist nicht immer das Schlechteste, „einfach mal“ zu studieren. Für mich war das Studium eine ziemlich entspannte Zeit und hat sich allein deshalb gelohnt, weil ich mir zum ersten Mal nach dem Abi nicht mehr monatlich Gedanken machen musste, wie es denn jetzt kurz- und mittelfristig weitergehen soll. Weil ich sechs Semester Zeit hatte, mir zu überlegen, was ich machen will, und sich das Spektrum um eine weitere Möglichkeit erweitert hatte, ob ich sie nun nutzen wollte oder nicht. Und weil ich am Ende mit einem Abschluss da stand, der mir am Ende den Job eingebracht hat, den ich wollte. (Und, aber bitte nicht weitersagen, weil BWL gar nicht so scheiße ist, wie man sich immer erzählt, sondern eigentlich streckenweise sogar ganz spannend)

    Das ist sicher nicht für jeden der richtige Weg, aber ich denke, es ist nicht falsch, ihn in Betracht zu ziehen. Im Endeffekt ist es ja aber so, dass man immer seinen Weg findet. Das kann ich jetzt, wo ich mich endlich mal angekommen fühle, mit Sicherheit sagen :)

  25. Das Thema ist doch DIE Gelegenheit, hier endlich mal meinen ersten Kommentar rauszulassen ; )
    Vielleicht auch, weil ich ein paar Jährchen älter bin, die 30 seit 2 Jahren überstanden habe, und nach 4.5 Jahren Selbstständigkeit als Fotografin langsam entspannt über die ganze Sache denken kann. Mappenfrustration, Absagen aus Dortmund und München, das klassische “ ach so, Du knipst also beruflich Fotos, wie nett“ (ja, stimmt tatsächlich, trifft es gut); meine Güte, war das alles schlimm. Damals.
    Selbstzweifel galore. Zwischendrin immer wieder gehört, mach es doch einfach so, ohne Studium, mit Assistenz mal hier mal da. Und dann trotzdem irgendwann eine Aufnahme geschafft, und 3 Jahre Fotodesign durchgezogen. Einfach weil ich mehr der Typ „ich brauche den dämlichen Abschluß, zur Sicherheit“ bin; und um die Frage „und was machst Du so“ standesgemäß beantworten zu können. Aber geschadet, das hat es sicherlich nicht. Viel gelernt, viel geärgert, viel unnützes Pauken, vieles NICHT gelernt, was bei den wirklichen Jobs wirklich wichtig ist. Eine gute Grundlage, das ja. Ein Hilfsmittel.
    Fotografin bist Du, oder nicht. Aber eine gute „Ausbildung“, kann nicht schaden. Wenn mal Kunden da sind, die fett für Deine Bilder löhnen, sind Fehler, oder schlechte Bildqualität, keine Sache, über die man „noch reden“ kann. Und wenn die Auftraggeber noch so cool sind. Auch Fotografie kann hartes Business sein, wenn man selber noch so idealistisch ist.
    Ob dann die Selbstständigkeit (und was anderes kommt ja in dem Bereich fast gar nicht in Frage?!) das richtige ist, kann man nur selber erfahren. Einfach ist anders, aber wenn es mal läuft, ist es verdammt cool! Nur, ohne finanzielle Rücklagen oder familiäre Unterstüzung, whatever, so erwachsen und blöd das klingt, geht es am Anfang kaum.
    Ui, wurde das lang… Ich hoffe ich konnte vielleicht irgend etwas hilfreiches sagen!

  26. Ich finde, du bist wirklich eine bemerkenswerte Persönlichkeit von dem, was man hier von dir sieht. Du scheinst so unglaublich du selbst zu sein, so kreativ, so besonders und ich finde, dass es der größte Fehler in unserer Gesellschaft ist, wie viel Platz und Bedeutung wir Arbeit in unserem Leben einräumen. Du willst nicht studieren, du hast versucht in Richtung Fotografie zu gehen und irgendwie will das Leben dich wohl woanders haben und dann ist es eben so. Du hast einen tollen Blog, der jetzt sogar mit zwei anderen verknüpft wurde und sich toll entwickelt und du scheinst ein ausgefülltes Leben zu haben. Wen kümmert denn die Meinung der Anderen? Es wird immer Menschen geben, die einem erzählen wollen, dass man irgendwas ganz falsch macht, aber solange du nach deinem Gefühl gehst und deinen Verstand dabei nicht ausblendest, kannst du Entscheidungen ganz allein treffen.
    Ich finde dich toll :)

  27. sehr gutes thema toll verpackt. denn genauso geht es mir auch…
    ich hatte das erst am wochenende auf einer geburtstagsparty und es war mir unangenehm. ich würde sagen ich stecke in einer ähnlichen situation wie du. ich versuche gerade mich selbständig zu machen und für das was ich mache gibts keine konkrete berufsbezeichnung.
    ich habe immer wieder feststellen müssen, dass man heute wirklich nur durch job oder aktuelle ausbildung akzeptiert wird und fällt man aus der sogennanten norm wird man sofort abgestempelt und ist nichts wert, zumindest wird man so behandelt.
    daher ist dein post wirklich gelungen und ich hoffe eines tages die eier zu haben auch einfach zu sagen ´ich trinke ein bier und morgen what ever…`
    anstatt sich in unnötigen erklärungen zu verwirren bei leuten denen man eh scheiß egal ist und meistens auch umgekehrt. unsere gesellschaft ist sehr oberflächlich geworden
    in diesem sinne
    ich trinke jetzt ein bier ;-)

    lg anna

  28. Hello,

    zufällig stieß ich auf deinen Beitrag und ich muß sagen du sprichst mir aus der Seele. Und was machst du so? – eine Frage bei der ich lange – manchmal auch heute noch- dazu neigte mich „klein und ungenügend“ zu fühlen. Weil ich oft viel zu hohe Ansprüche an mich selbst habe, weil ich oft merke das die meisten mit der „Jobbeschreibung“: freiberufliche Produktdesignerin nicht allzuviel anfangen können und weil das Leben manchmal Haken schlägt, dass man selbst kaum hinterher kommt. Manchmal ist man ja so verbissen in eine Wunschvorstellung wie das Leben zu laufen hat, das man wohl übersieht was einem sonst noch für Möglichkeiten offen stehen und das es doch eigentlich ganz ok ist.
    Jaja, das geht mir aktuell genau so. Deshab finde ich es total gut und mutig wie du deinen Wunsch mit dem Fotografiestudium hinterfragst und dich darauf konzentrierst was dir Freude bringt. Viel Erfolg und liebe Grüße

    Tatjana

  29. Toller Text, sehr persönlich. Und doch, kann sich nicht jeder damit identifizieren?
    Liebe Amelie,
    Ich möchte auch FD studieren und bewerbe mich dieses Jahr auch in München.
    Mich würde es wirklich sehr interessieren warum du Absagen bekommen hast! Ich mag die Art wie du die Welt siehst und wie du sie uns mit deinen Fotos zeigst! Deine Fotografien haben meiner Meinung viel mit deiner Persönlichkeit zu tun und das so zu zeigen ist schwer.
    Warst du denn bei Mappenschauen, kannst du dir vorstellen warum es nicht gereicht hast? Hast du mit einem Professor gesprochen, ihm deine Arbeiten gezeigt? Ich habe mir die Mappen, die letztes Jahr an der HM genommen wurden angeschaut und ich weiß natürlich nicht was du eingereicht hast, dennoch kann ich mir kaum vorstellen dass du abgelehnt wurdest!

    Wenn du sicher weißt, dass du nicht mehr bei der Fotografie (abgesehen vom Hobby) bleiben willst, dann ist das schön! Schreiben tust du nämlich auch sehr gut! Ich finde aber trotzdem dass du dir die Entscheidung nicht einfach machen darfst (was du sicher nicht hast). Kreative Berufe erfordern so viel Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Beharrlichkeit, das ist hart. Aber ich kann mich dich sehr gut darin vorstellen und hoffe sehr, dass du dir die Fotografie nicht nehmen lässt. Nicht so einen langen intensiven Traum, nicht etwas was du so schön machst!
    Ich denke, du solltest versuchen den Druck zu nehmen, du musst ja nicht fotografieren. Versuch doch die Bilder für dich zu machen, nicht für sonst wenn und gleich zehn mal nicht für die Mappe!

    Kann man deine Mappe denn irgendwo sehen? Ich kann dir nicht sagen wie sehr mich das interessieren würde!

    Wie dem auch sei,
    ich wünsche dir das Beste für deine Zukunft. Bleib so wie du bist,
    ich definiere dich nicht über deinen Beruf und find dich toll wie du (virtuell) bist!

    • Vielen Dank, liebe Lessie. Ich war in der Mappenbesprechung und auf tausenden Ausstellungen, die von den FH-Studenten war. Man kann sich solche Dinge manchmal nicht erklären – wahrscheinlich passt mein Fotostil einfach nicht zu der Schule.

      Vielleicht veröffentliche ich bald mal auf amazed eine oder zwei Strecken von mir :)

      • Das fände ich wundervoll! Ich mag dein virtuelles Ich sehr und die Bilder die du mit uns teilst! Ich habe meine Mappe abgegeben, jetzt heißt es warten. Aber die Sache, dass du nicht genommen wurdest, lässt mich zweifeln. Und zwar an der FH. Ich mein… sehr sehr seltsam. Vielleicht hast du aber auch schon zuviel Erfahrung, manchmal wollen sie ja einen sehr ungeschliffenen Diamanten, jmd der seinen Stil noch nicht gefunden hat, den sie noch schleifen können!
        Sehr sehr schade, ich hätte mich unglaublich gefreut dich einmal in einem Kurs zu treffen :)

  30. Ach Amelie ich kann dir das nur immer wieder sagen, ich liebe deine Art zu schreiben. Ich kenne dich zwar nicht persönlich , doch du wirkst wie ein Mensch den ich gerne zum Freund hätte .Mit dir kann man bestimmt stundenlang bei meheren Gläsern Wein über alles reden. Danke für diesen wundervollen Artikel, ich studiere etwas eher unkonventionelles und bin auch ständig damit konfrontiert , was machst du eigentlich danach ?! Wie willst du Geld verdienen. Mann muss sich ständig rechtfertigen , das ist nervig und anstrengend. Schon echt zermürbend diese Zukunfstsangst, aber wir werden alle uneren Weg gehen ,da bin ich sicher.

  31. Was mir bei deiner Geschichte über deine Studumspläne und deine jetzige Entscheidung spontan eingefallen ist: Es gibt ein Lied von Jay-Z, in dem rappt er „ain’t nothing wrong with the aim, just gotta change the target“.
    Manchmal öffnen sich Wege erst, wenn man vor lauter Verbissenheit solche Kieferkrämpfe bekommt, dass man loslassen muss. .

  32. Ich liebe dich für diesen Post, denn mir ging es immer ähnlich.
    Inzwischen antworte ich nur noch „Ich lebe, und du so?“ mit diesem Gesichtsausdruck, der sagt: „Ach, du gehörst also zu diesen armen, armen Menschen, die sich über ihre Leistungen definieren?“
    Das hilft. Meistens.

  33. Hmmmm… Amelie, ich kann deine Gedanken verstehen. Ich kann auch verstehen, dass es manchmal viele Umwege und Momente des Innehaltens braucht, um den eigenen verschlungenen Weg zu finden. Es ist nicht schön, etwas zu studieren, das einem keinen Spaß macht, für das man nicht talentiert ist oder zu dem man einfach keinen Zugang findet, wenn einen das Fach als solches einfach nur anstrengt.
    Aber auszuharren und zu zögern und zu zaudern und sich zu nichts zu verpflichten, denn es könnte ja der falsche Weg sein und vieles Halbes und Gevierteltes zu machen. Hier ein bisschen, da ein bisschen, ohne Gewichtigung. Das kann ich nicht verstehen. Von außen betrachtet sind viele Dinge anders. Fotografie hat golden geglänzt und nicht gehalten was sie versprochen hat, profane bodenständige Studeingänge erscheinen nicht exotisch genug und lohnen daher keinen Blick aus der Nähe. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, so in den Tag hineinzuleben; sich so von den eigenen Gedanken entmutigen zu lassen, anstatt einfach mal zwanzig Schritte, einen nach dem anderen zu tun, kurz innezuhalten, zurückzublicken und wenn nötig nochmal zur letzten Biegung zurückzugehen, um eine kleine Korrektur vorzunehmen oder sich notfalls an den eigenen Haaren wieder aus der Scheiße zu ziehen.
    Am allerwenigsten kann ich verstehen, für dieses Verhalten, diesen fehlenden Mut von den Leserinnen auch noch bewundert und gelobt zu werden!
    Lasst euch nicht so treiben, lebt das Leben mit all seinen Wegen! Aber tut das aktiv mit mehr Mut zu Fehlern. Ihr werdet erkennen, dass es gar nicht so viele Fehler waren und sich so manche vermeintliche Fehlentscheidung zu einem wahren Glücksgriff gewandelt hat. Seid mutig und entscheidungsfreudig! Lasst euch nicht so von euren Gedanken und denen der anderen dominieren. Und dann erkennt man auch das, was du wahrscheinlich sagen wolltest, den Mut auch mal zu sagen: „Ich? Ich mach grad Pause von meinem Leben! Damit ich morgen wieder mit voller Kraft leben kann.“

    • Hallo Alexandra,

      danke für deinen Kommentar, aber ich glaube nicht, dass du mich mit meinem Text verstanden hast. Ich wollte nie sagen, dass ich jetzt mal Pause mache, mich gehen lasse und dann eventuell wieder anfange „zu leben“. Ich habe lediglich gesagt, dass ich nicht studiere und gerade wohl auch nicht damit anfangen werde (wie das in ein paar Jahren oder gar Monaten aussieht, weiß ich nicht). Ich arbeite sehr viel, ich verdiene mein eigenes Geld, ich habe mehr zu tun als ein durchschnittlicher Soziologiestudent. Und das Beste: Ich verdiene mein Geld mit dem, was ich liebe und nicht mit einem Nebenjob im Café.

      Ich habe weder aufgegeben, noch gammel ich den ganzen Tag vor mich hin und keiner der Kommentatoren unterstützt mich darin, faul zu sein und auf die Zukunft zu scheißen, sondern ich wurde darin bestärkt, einen vielleicht ungewohnten Weg zu gehen. Einen Weg, der mir persönlich sehr liegt, aber für manch anderen nicht nachvollziehbar ist.

      Liebe Grüße,
      Amelie

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.