Let’s talk about money: Wie ich mich meinem Prokrastinations-Thema gestellt habe

3. Juli 2023 von in

ABBA, Destiny’s Child, Lana Del Rey und noch so viele mehr tun es. Und nein, ich spreche nicht von Sex, sondern von Geld. Denn alle diese Künstler:innen singen darüber oder nutzen Geld-Metaphern für Song-Referenzen. „Money, money money/Must be funny“, „Can you pay my Bills“, „Money ist the anthem of Success”. Und auch wir bekommen von Kindesbeinen an beigebracht, dass es im Leben nichts geschenkt gibt. Denn alles hat seinen Preis. Klarer Fall von Money Talk – auch im übertragenen Sinne. Zugegeben, ich gebe gerne Geld aus. Hier was mit Freund:innen essen, dort einen Kaffee, Shopping und dann sind da noch die Lebenshaltungskosten. Die aktuell gerade so rasant steigen, dass ich mich halb im Scherz, halb im Ernst regelmäßig frage: Kann ich mir mein Single-sein und Enjoyment bald noch leisten?

Money Talk: Wie ich mich meinem Prokrastinations-Thema gestellt habe

Anfang des Jahres habe ich mich also einem für mich absoluten Red-Flag-Thema gestellt: Finanzen, Geldanlegen, Zukunftsplanung. Alles Dinge, die mich stressen. Denn irgendwie habe ich, wie viele andere Freund:innen (meistens weiblich, so mein Eindruck) den Moment des echten Interesses für solche Dinge verpasst. Dax, Rendite, Bausparen, ETF. Alles schon mal gehört. Aber genauso gut könnt man mir auch mit Fachbegriffen aus dem Baumarkt oder Outdoor-Kosmos kommen – mein Excitement bleibt eher moderat-unbeeindruckt.

Ich würde sogar so weit gehen, dass ich mich fast schon kategorisch gegen eine Auseinandersetzung gesträubt habe, einfach weil ich das Thema so furchtbar undurchschaubar finde. Und bisher keinen Zugang gefunden habe. Bei akuten Fragen google ich, greife zum Telefon und rufe meinen Vater an. Danach bin ich meistens schlauer, aber nicht unbedingt confident mit dem Thema Finanzen. Meine bisherige Strategie war, mich auf das Wissen anderer zu verlassen. Doch für sich selbst verantwortlich sein, bedeutet auch, solche (vermeintlich) unbequemen Themen in Angriff zu nehmen und das männlich geprägte Stigma darum aufzubrechen, samt dem schönen Motto: Über Geld redet man nicht!

„My mom said to me, ‚You know sweetheart, one day you should settle down and marry a rich man. And I said, ‚Mom, I am a rich man.'“, Cher 1996

Manifest: „I am a rich man!“

Mein bisher einziger Berührungspunkt mit dem Thema Finance, das meinen Unterhaltungssinn stimuliert (und in mir keine Ängste auslöst), waren vorangestellte Lyrics sowie Memes oder TikToks über Finance Bros. Aber mal ehrlich: So witzig die Klischees in den kurzen Videos auch dargestellt werden, so sehr spricht meine Unabhängigkeit vehement dagegen, einen Finance Bro für die monetäre Stabilität zu daten. Ich möchte Cher sein. Die mit ihrem „Mom, I am a rich man“-Quote für das unabhängige und selbstbestimmte Frauenbild steht, dem auch ich entsprechen möchte. Und dazu gehört nicht nur kreative, intellektuelle, sondern vor allem auch finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit. Denn entgegen dem Gesellschaftsbild vor 50 Jahren, kann in unserer westlichen Welt heute jed:e Frau* ein ganz sorgloses Leben führen. Auch ohne Mann, der (finanzielle) Stabilität bietet. Den Anfang dafür bildet es, eine positive Beziehung zu seinen Finanzen aufzubauen und ihnen ohne Ängste und Unsicherheiten zu begegnen.

@advnce.hq ✨Mom, I am a rich man✨Speaker: Cher #independentwoman #bossbabe #richgirl ♬ original sound – ADVNCE

Finanzielle Sicherheit bedeutet Unabhängigkeit

Schauen wir uns die Geschichte an, dann war das lange nicht selbstverständlich. Bis 1958 hatte der Mann das ‚alleinige Bestimmungsrecht über seine Ehefrau‘ und konnte somit entschieden, ob diese arbeiten und erwerbstätig sein durfte. Erst als 1958 das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft trat, durften Frauen ein eigenes Konto eröffnen und ihr eigenes Vermögen verwalten. Alles natürlich, nur, solange sie ihren Pflichten zu Hause nachkamen. Bis sich auch das gesetzlich änderte, vergingen weitere Jahre und erst seit 1977 ist das Erwerbsarbeiten für Frauen in vollem Ausmaß möglich. An dieser Stell sollte trotzdem noch einmal klargestellt werden, dass auch Care-Arbeit Arbeit ist, erheblichen Aufwand und Mental Load erfordert und ernst genommen sowie entlohnt werden sollte.

 

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Zurück aber zum Thema Money Talk, Geldverdienen und vor allem dem Geldanlegen. Denn das ist der nächste Schritt, der dafür sorgt, auch im Alter unabhängig bleiben zu können. Denn neben der allseits bekannten Gender-Pay-Gap, gibt es auch eine gar nicht mal so unbeachtliche Gender-Pension-Gap. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts sind so die Alterseinkünfte von Frauen rund ein Drittel niedriger als die von Männern. Zurückzuführen ist das auf geringere Bezahlungen, Auszeiten wegen Care-Arbeit oder Teilzeitjobs wegen der Kinderbetreuung. Daraus resultiert eine Armutsgefährdung für mehr Frauen, als man glauben mag.

Ein Grund mehr, sich so früh wie möglich also mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen und sich die Frage zu stellen: Was will ich in fünf bis zehn Jahren (finanziell) erreicht haben? Ein Haus bauen? Eine Wohnung kaufen? Auswandern? Ein Auto kaufen? Diese Ziele muss man nicht gleich in Stein meißeln, sollte aber zumindest mal anfangen, darüber nachzudenken. Und auch mit anderen Frauen „Money Talk“ zu haben und zum Beispiel darüber zu sprechen, was verdient wird, gehört dazu. Es geht darum, ein Verhältnis zu den eigenen Finanzen entwickeln, von anderen zu lernen und sich Tipps im Austausch abzuholen. Vor allem durch die Pandemie und die finanziellen Herausforderungen, mit denen viele zu kämpfen hatten, steht es um Rücklagen weniger rosig wie vorher. Und auch die steigenden Energie- sowie Lebenshaltungskosten sorgen für Unsicherheiten. Denn niemand kann aktuell in die Zukunft schauen.

Be your own Finance Bro!

Ihr seht: Es sprechen historisch sowie auch ganz aktuell viele gute Gründe dafür, sich mal mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen. Einfach um einen Überblick zu haben, für bestimmte Dinge zurückzulegen und vor allem in die eigene Rente zu investieren. Und auch, wenn ich anfangs echt ein bisschen Panik hatte, mich mit dem Thema zu beschäftigen, war es am Ende gar nicht so schlimm. Eher wie Pflaster abziehen. Am Anfang tat es weh, auch nur darüber nachdenken zu müssen, wie man das alles sortieren muss. Doch nach der Bestandsaufnahme, war es gar nicht so wild, wie gedacht! Eher erleichternd und ziemlich cool zu wissen, was wohin fließt und wie viel man investieren oder anlegen kann.

Und was mir besonders viel Spaß daran bereitet: Allen von meinen neuen ETF-Portfolios zu erzählen. Oder wie cool es sein kann, sich mit diesen ganzen Themen (geführt) zu beschäftigen. Denn sobald man als Frau (und ja, hier greife ich ganz tief in die Klischee-Kiste, aber so ist es eben doch oft noch) anfängt über Diversifikationsportfolios zu sprechen, sind viele völlig überrascht. Doch sich darüber zu im Klaren zu sein, sei es allein oder mit professioneller Hilfe, ist allemal besser, als einen Finace Bro zu daten. Sofern man TikTok glauben kann. Persönlich kann ich dazu nichts sagen, nur: „Get yourself a finance bro! Einen, der sich ausschließlich (!) um die Finanzen kümmert und nur einen professionellen Anruf weit weg ist“. Oder natürlich eine weibliche Finanzberaterin.

 

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Money Talk: Das F in Finance steht für Female-Empowerment

Auch immer mehr frauengeführte Angebote versuchen in dem Bereich für mehr Awareness zu sorgen und das Thema Finanzen sexy zu machen. Denn auf dem Weg hin zu Gleichberechtigung und Female Empowerment, gehört neben gehört zu werden und eine Stimme zu haben, eben auch Bildung in diesem so wichtigen Bereich. Denn ohne richtige Infos zu Geldanlagen, Spartipps oder das Erklären von komplexen Sachverhalten, rutscht man ganz schnell in Fallen, die zu neuer Abhängigkeit führen. Sei es, man lässt sich den falschen Vertrag aufschwatzen oder noch schlimmer, die toxische Beziehung wirkt sich auch im Finanziellen auf das eigene Wohlbefinden aus. Wer jedoch alles selbst im Blick hat oder weiß, an wen man sich vertrauensvoll wenden kann, kann beruhigt in die Zukunft schauen. Und vor allem auch größere Investments tätigen: wie den nächsten Urlaub oder den Kauf eines größeren Möbelstücks, just for Enjoyment!

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4 Antworten zu “Let’s talk about money: Wie ich mich meinem Prokrastinations-Thema gestellt habe”

  1. Hi Fatima, du sprichst mir aus der Seele.. nur dass ich diese Thema aktuell noch vor mit her schiebe. Hast du vielleicht
    ein paar Tipps für den Einstieg? Gibt es Artikel, Podcast oder andere Quellen, die du empfehlen kannst um sich eine Übersicht zu verschaffen und die Grundlagen zu lernen?
    Danke für deine Artikel, lese sie immer super gern :)
    Liebe Grüße,
    Alma

    • Hallo Alma,
      ich bin zwar nicht Fatima und auch sehr gespannt auf ihre Tipps, aber ich habe mich dieses Jahr auch endlich erstmalig dem Thema gestellt und mit dem Buch von „Madame Moneypenny“ (Natascha Wegelin) angefangen: „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“. Das war für mich der perfekte Einstieg, um überhaupt in Aktion zu kommen. Sie hat auch einen Podcast, den habe ich aber noch nicht angehört. Dafür lese ich regelmäßig in ihrer Facebookgruppe mit. Jeden Tag Finanzthemen von anderen Frauen mitzuverfolgen, hilft mir sehr, am Ball zu bleiben.
      Ich bin dieses Jahr in die Künstlersozialkasse eingetreten und habe die Bank gewechselt. Noch komme ich nicht an mein ganzes Erspartes ran, weil es bis Mitte September noch auf einem Sparbuch bei der Sparkasse liegt. Deshalb konnte ich nur ein bißchen Geld nutzen, aber habe endlich in ein ETF investiert. Ich habe mich auf verschiedenen Websites dazu eingelesen. Hier ein paar Links, die ich ganz hilfreich fand:
      https://www.finanztip.de/aktien/
      https://www.finanzfluss.de/etf-handbuch/etf-auswahl-kriterien/
      https://www.aktienfuerfrauen.de/investitionsstrategien/

      Viele Grüße,
      Sarah

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