München: zu Besuch bei Schwittenberg

11. März 2015 von in

Auf Farfetch kann man online in den besten Boutiquen der ganzen Welt einkaufen. Der Vorreiter dieses Konzeptes launcht nun nach acht Jahren auch eine deutsche Seite – wir haben zu diesem Anlass bei Schwittenberg in München vorbeigeschaut, dem ersten deutschen Laden, der schon seit 2003 auf Farfetch vertreten ist. Mit Sandra Schwittau und Christopher Romberg haben wir über Schwittenberg, ihre Lieblingslabels und die Vor- und Nachteile des Online- und Offline-Verkaufs gesprochen.

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Vor Schwittenberg hattet ihr hier lange den Laden Serie A – wie grenzt sich Schwittenberg davon ab und wie ist euer Konzept?

Serie A hatten wir von 2003 bis 2010 zusammen mit anderen Partnern. Der Einkauf und das Grundgefühl des Ladens fand aber auch damals schon durch uns beide statt. Schwittenberg ist vom Spirit her nicht viel anders als Serie A. Früher war der Laden aber eher ein zweites Standbein neben einer Marketingagentur, heute machen wir Schwittenberg hauptberuflich. Deshalb sind wir beide heute viel präsenter hier. Einige Marken wie Acne und Margiela haben wir damals zu Schwittenberg mitgenommen, es ist aber auch viel Neues dazugekommen. Wir sind ein bisschen erwachsener geworden, haben auch zwei Kinder zusammen und leben zusammen und haben dadurch dem Ganzen ein bisschen den Familienunternehmens-Stempel aufgedrückt. Unsere Markenauswahl ist sehr persönlich, und wir verkaufen auch Kindermode.

Was sind eure wichtigsten Marken?

Acne ist nach wie vor sehr stark, wir haben das Label von Anfang an verfolgt und waren der erste Laden in Deutschland, der Acne verkauft hat. 2003 gab es drei Jeansmodelle und zwei Sweater, das war die ganze Kollektion. Wir haben das Label damals auf der Bread&Butter entdeckt, der Acne-Stand sah ganz anders aus als die ganzen anderen Streetwear-Marken dort. Lauter gutaussehende schwedische Männer in engen Jeans und Lackschuhen, tättoowiert von oben bis unten – so sehen sie heute alle aus, damals war das aber ein sehr uniquer Style. Und so haben wir dann angefangen, die Jeans bei uns im Laden zu verkaufen.

Was sind die wichtigsten Ordertermine für euch und nach welchen Kriterien kauft ihr ein?

Wir sind hauptsächlich in Paris unterwegs und gehen eigentlich gar nicht mehr auf Messen, sondern nur noch in Showrooms. Beim Einkauf ist unser Bauchgefühl am wichtigsten. Mittlerweile haben wir viel Erfahrung und kaufen manche Sachen natürlich auch mit bestimmten Kunden im Hinterkopf ein. Aber es ist und bleibt ein Lotteriespiel, für den Laden einzukaufen – man weiß nie, ob man von einem Teil fünf Stück oder zehn verkaufen wird. Wenn ich etwas kaufe, muss ich persönlich dahinterstehen können. Wenn es sich nicht verkauft, kann ich dafür immer noch sagen, es hat mir gefallen.

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Orientiert ihr euch auch an bestimmten Trends, die sich durch die Fashion Weeks und auch Blogs ergeben? Wenn jetzt zum Beispiel Taillengürtel das Ding für den Herbst werden, kauft ihr dann explizit auch Taillengürtel ein, oder macht es in München keinen Sinn, sich an den verrücktesten Trends zu orientieren?

Wir verfolgen natürlich die Trends und nehmen sie wahr, manchmal nehmen wir den Ball auch auf, aber manchmal eben auch nicht. Wenn ich den Taillengürtel schon immer blöd finde, lasse ich mich auch nicht aus kommerziellen Gründen nötigen, ihn in den Laden aufzunehmen. Zum Thema München: Wir haben natürlich auch einen Webshop für Kunden über die Stadt hinaus, weil München immer noch mehr der Moncler-Jacken-Markt ist. Es bewegt sich zwar etwas, aber in unserer Preisklasse ist dieser Stil nach wie vor ausgeprägt. Eine gute Mischung ist wichtig – ich will mich nicht verdrehen, aber natürlich auch Sachen verkaufen. Das ist ein schmaler Grat, den wir aber ganz gut hinkriegen. Mode ist so ein weites Feld, da muss man sich natürlich auf den Stil und die Marken fokussieren, die den eigenen Laden ausmachen.

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Welche Marken sind neben Acne noch wichtig für den Laden?

Ein Designer, den wir sehr mögen, ist Stephan Schneider. Er kommt aus Deutschland, lebt aber schon lange in Antwerpen. Er stellt wahnsinnig sorgfältig Kollektionen zusammen und entwickelt und designt auch seine eigenen Stoffe – auch ein tolles Erlebnis für Einkäufer, weil man jeden Artikel in bis zu vierzig Stoffvarianten aussuchen kann. Stephan Schneider sieht deshalb in jedem Laden anders aus, was wir toll finden. Dries van Noten ist auch eines unserer Lieblingslabels, die Shows sind auch immer sehr schön.

Ist es für euch einfach, ein unbekannteres Label wie Stephan Schneider den Kunden näherzubringen?

Als wir mit Stephan angefangen haben, kannte ihn kein normaler Kunde hier, nur die Fashion Insider. Mittlerweile haben wir aber viele Stephan Schneider Fans, ähnlich wie von Christian Wijnants oder Cedric Chalier – die Labels haben wir hier etabliert und die Kunden kommen gerne hier her, um auch neue Brands zu entdecken. Das finden wir auch viel spannender: Neues zu entdecken, den Kunden zu präsentieren, und sie damit glücklich zu machen. Im Schmuckbereich ist gerade The Medley Insitute von Jana Patz aus Berlin neu bei uns und das Feedback ist super. Auch das Taschenlabel von Philip Bree, PB 0110, haben wir hier, unsere Freundin Ayzit Bostan designt ja die Frauenlinie und mit ihr arbeiten wir seit dem ersten Tag zusammen. Ihr eigenes Label haben wir auch immer wieder im Laden, sie arbeitet ja eher azyklisch. Wir freuen uns über jedes neue Label, das wir finden, müssen deshalb aber auch ab und zu andere gehen lassen – insgesamt kam aber bisher eher immer mehr dazu, so langsam sind unsere Kapazitäten voll!

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Wie kommt ihr zu neuen Labels?

Wir sind offen, wir lesen, gucken, schauen uns an, was uns interessiert. Es gibt bestimmte Labels, die wir immer noch versuchen, für den Laden zu bekommen. Wir haben aber keine Angst vor kleineren Labels, die noch keinen Namen haben, der funktioniert. Das macht uns auch aus, gerade hier in direkter Nachbarschaft zur Maximilianstraße mit ihren Monobrand-Luxusstores, die es in jeder größeren Stadt gibt.

Gibt es einen typischen Schwittenbergkunden oder eine Hauptzielgruppe?

Wir haben ein ziemlich offenes Konzept und wollen nicht nur die Modemeister ansprechen. Wir haben natürlich viele Kunden aus dem kreativen Bereich – Architekten, Künstler, Schauspieler. Ein Lieblingsklientel ist aber auch die ältere Dame, die ihren Weg hierher findet und manchmal die tollsten Teile mitnimmt, weil sie sowohl den Geschmack, als auch das Portemonnaie dafür hat und den Laden für das Modeerlebnis besucht. Das ist zum Beispiel eine Kundin, die uns alle hier kennt und mit uns Kaffee trinkt, aber nie im Onlineshop einkaufen würde.

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Ihr habt einen eigenen Onlineshop und seid auf Farfetch vertreten. Was bedeutet die Zusammenarbeit mit Farfetch für euch? 

Wir haben vor vier Jahren aufgemacht und uns überlegt, was Einzelhandel heutzutage eigentlich bedeutet. Es war relativ schnell klar, dass ein stationärer Laden nicht alles sein kann, sondern dass sich das Einkaufserlebnis verändert hat. In einem zeitgemäßen Laden geht es heute eher darum, ein soziales Angebot zu machen. Dass Leute hier hinkommen, zusammenkommen können, sich Mode anschauen können, natürlich auch etwas kaufen, aber der reine Verkauf hat sich auch in die Onlinewelt verlagert. Da wir beide online nicht so wahnsinnig viel Erfahrung haben, haben wir überlegt, wie wir da am besten starten. Farfetch steckte 2011 noch in den Kinderschuhen und wir waren die erste deutsche Boutique auf der Plattform. Wir wollten da mal reinschnuppern und Farfetch konnte uns natürlich eine Menge Arbeit abnehmen. Uns war aber gleichzeitig auch eine eigene Schwittenberg-Onlinepräsenz wichtig, mit unserer eigenen und individuellen Handschrift. Deshalb war klar, dass wir neben Farfetch auch einen deutschen Onlineshop brauchen, für die deutschsprachige Kundschaft und die Leute aus München, Berlin, Hamburg. In den letzten Jahren sind dann sowohl Farfetch als auch wir mit unserem eigenen Onlineshop extrem gewachsen. Während Farfetch jetzt eine deutsche Seite bekommt, werden wir dieses Jahr unseren Onlineshop auch auf eine englische Version ausweiten.

Versendet ihr im aktuellen Onlineshop nur deutschlandweit?

Wir versenden auch international, aber sprechen mit dem deutschen Onlineshop natürlich eher deutschsprachige Kunden an. Aber es zeigt sich gerade, dass auch internationale Kunden direkt bei uns bestellen. Wir haben ja viele Gäste in der Stadt, hier in der Gegend sind auch viele Hotels und es gibt viel Feedback von Leuten, die mal in der Stadt waren und hier eingekauft haben, und die bestellen jetzt auch bei uns. Das merkt man ganz deutlich, jetzt müssen wir den Leuten aber auch den Service bieten, alles auf Englisch zu präsentieren. Im deutschen Markt ist unser Webshop ein weiteres Schaufenster. Leute sehen Teile online und kaufen sie im Laden oder andersrum. Laden und Onlineshop ergänzen sich in beiden Richtungen. Diese individuellen Profile der einzelnen Boutiquen gehen auf Farfetch natürlich etwas verloren, aber es ist eine gute Ergänzung zu unserem eigenen Ladenkonzept.

Vielen Dank für das Gespräch, ihr beiden!

NEUE ADRESSE: Salvatorplatz 4, 80333 München

Schwittenberg, Hildegardstrasse 2, 80539 München, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr

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5 Antworten zu “München: zu Besuch bei Schwittenberg”

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