Natürlichkeit natural beauty

Die neue Natürlichkeit

23. Januar 2014 von in

Photocredit: Primer & Lacquer, Foto links/rechts oben: Malaikaraiss, Foto rechts unten: Lala Berlin

Vor ein paar Jahren fing es an, dass Make-Up die Frauen auf der Straße und auf dem Laufsteg immer weniger schmückte. Die Augen blieben unangetastet, die Haare wurden offen getragen oder zu einem lockeren Zopf zusammen gebunden und die Lippen blieben farblos. Auch wenn man sich die diesjährige Berliner Modewoche ansieht, ist die Beauty-Richtung klar erkennbar. Bei Perret Schaad und Vladimir Karaleev tragen die Models einen nach unten versetzten Pferdeschwanz. Malaikaraiss lässt ihre Models mit einem lockeren, unperfekten Low-Dutt über den Catwalk laufen und Lala Berlin lässt das offene Haar unsortiert aus den Pulli-Schals hervor luren, als wäre keine Zeit gewesen, das Haar über dem Schal schön zu drapieren. Lippenstift und Augenbetonung bleiben komplett außen vor.

Die Frau von heute ist selbstbewusst, steht im Leben und macht Karriere. Das Bild der Hausfrau, die sich für ihren Mann zurecht macht, rückt immer weiter in den Hintergrund, und so ist es zu einem neuen Chic geworden, das Haar unperfekt aussehen zu lassen und natürlich, gar ungeschminkt zu bleiben. Wer hat schon Zeit für solche Banalitäten? Lediglich teure, hochwertige Kleidung und Half Moon Bags von A.P.C. oder Beuteltaschen mit rotem Innenleben von Mansur Gavriel, ein T-Shirt von Comme des Garcons Play im Wert von 90 Euro oder der Canada Schal von Acne verraten: Ich gehöre auch zum Kreis, obwohl ich mir überhaupt keine Gedanken darüber mache.

Eine Freundin von mir erzählte mir kürzlich, sie schminke sich in letzter Zeit überhaupt nicht mehr. Make-Up, konturieren, Augenbrauenbetonung und mattierendes Puder wäre alles, was sie brauche – für mehr bliebe auch gar keine Zeit. Mir geht es ähnlich – aber interessant: Wie viel Natürlichkeit steckt hinter der neuen Natürlichkeit?
Zwar soll die Frau von heute so aussehen, als würde sie keine Zeit mehr ins Hübsch machen investieren, aber auch dieses Auftreten braucht Zeit. Denn wer glaubt, nach außen hin ungeschminkte Frauen wären auch tatsächlich ungeschminkt, hat sich erfolgreich täuschen lassen. Das leicht wellige Haar, das in vereinzelten Strähnen aus dem zufällig zusammenen Dutt fällt, ist kein von Natur aus welliges Haar und die Strähnen fallen ebenso nicht zufällig aus dem perfektioniert unperfekten Dutt.

Lohnt es sich also? Der ganze Stress ums Natürlichsein wenn man doch keine Zeit in der Früh gewinnt? Vermutlich nicht, doch trotzdem ist die neue Natürlichkeit ein Statement, das momentan viele zu brauchen scheinen. Wir wissen zwar, dass sich keine Modeikone der Welt tatsächlich komplett ungeschminkt auf die Fashion Week trauen würde, aber der Schein sagt genug: Ich bin mehr als nur ein Modepüppchen, dessen Lebensinhalt das perfekte Augen-Make-Up ist. Und ich mag die Aussage, auch wenn ich mit Sicherheit irgendwann wieder öfter zur Wimperntusche und Eyeliner greifen werde.

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13 Antworten zu “Die neue Natürlichkeit”

  1. Bei diesem Satz musste ich ja schon ein wenig schmunzeln.. „sie schminke sich in letzter Zeit überhaupt nicht mehr. Make-Up, konturieren, Augenbrauenbetonung und mattierendes Puder wäre alles, was sie brauche“. Also wenn ich mich überhaupt nicht mehr schminke, dann schminke ich mich auch nicht. Was sie fürs „nicht-schminken“ auffährt, ist eine ganz schlne Palette unter der Prämisse des Nichtschminkens. Aber das ist wahrscheinlich genau das, was die Aussage des Artikels ist.^^

  2. Mir gefällt die Natürlichkeit sehr, sehr gut! :)
    Eine natürlich „schöne“ (oder vielleicht besser: interessante, markante) Frau, bei der man viel vom Gesicht erkennen kann und dieses nicht erst unter einem dicken Lidstrichbalken, Rouge und Bronzer suchen muss, könnte ich teilweise wirklich stundenlang anschauen und begeistert sein. Dies hat für mich einen ganz bestimmten Zauber, eine Mischung aus Echtheit, Lässigkeit, Coolness und Verletzlichkeit. Da denke ich dann einfach nur „wow“!

  3. Das Problem ist, dass der Look tatsächlich nur schönen Menschen steht. Wenn ich versuche so einen unnatürlichen natürlich Look zu schaffen, dann sehe ich einfach nur aus als wäre ich aus dem Bett gekommen. Die Mode macht momentan sowieso auf clean cut und schwarz weiß. Irgendwann wird schon der fette Kehrwert kommen.

  4. gnaha, so ein satz ist mir auch letztens rausgerutscht.. „ich schminke mich fast gar nicht mehr.. nur puder, wimperntusche und die augenbrauen muss ich natürlich auch machen. und dann kommt je nach laune rouge oder lippenstift dazu“ ohne sinn :D

  5. Wenn man makellose Haust hat, geht es bestimmt auch ganz ohne Make-up. Ich versuche auch immer ungeschminkt auszusehen – würde ich mich aber tatsächlich gar nicht schminken, würde ich glänzen wie eine Speckschwarte…böööh…:-)

  6. Natürlich scheint es für viele von uns zuerst eigenartig -nach all den Jahren Beauty- Kunst auf den Laufstegen- nun einen solchen Trend aufkeimen zu sehen. Aber ist es nicht schön, dass wir die Möglichkeit haben wir selbst zu sein und dabei unsere Schönheit, die jede von uns individuell in sich trägt, zeigen zu können… Ganz ohne den inneren Konflikt, ob Individualität oder doch ein gewisses Maß Perfektion als Maßstab gesehen werden sollte? Denn die Natürlichkeit der Models auf dem Laufsteg zeigt uns doch, dass sich diese beiden Seiten nicht ausschließen müssen! Daher springt mein Herz in die Luft und sagt Ja zu diesem neuen Statement!

  7. Ach ich finde Frauen sollten sich einfach so viel schminken wie es ihnen gefällt. Ohne Lippenstift geht bei mir schon mal gar nichts, und ein bisschen Augen Make-Up muss auch sein, ganz abgesehen von der Foundation/Concealer/Blush Basis… Ich finde es nur immer lächerlich wenn Mädchen so offensichtlich versuchen den American Apparel Model look zu adoptieren, weil es gerade cool ist, und dann behaupten sie würden keine 30 minuten morgens vor dem Spiegel stehen…

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