Free Knowledge: So könnt ihr euch online über Rassismus bilden

26. Mai 2020 von in

Was ist Blackfishing, wie funktioniert Intersektionalität und wieso gibt es keinen Rassismus gegen Weiße? Es ist eine Menge Arbeit, sich all dieses Wissen anzueignen – aber es lohnt sich. Denn nur, wenn man Diskriminierungen richtig versteht, kann man sicher gehen, dass man nicht selbst Teil des Problems ist. Das Gute: Es kostet keinen Cent. Denn im Internet wimmelt es nur so von kostenloser Bildungsarbeit. Man muss nur wissen, wo. Diese Arbeit nehme ich euch jetzt ab. Hier sind zehn tolle Quellen für kostenlose antirassistische Online-Bildung.

Spotify

Tupoka Ogette – Exit Racism

Obwohl Rassismus in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft wirkt, ist es nicht leicht, über ihn zu sprechen. Niemand möchte rassistisch sein – und doch hat jede*r von uns rassistisches Denken verinnerlicht. Mit der Hilfe von Autorin und Aktivistin Tupoka Ogette – die übrigens auch einen sehr guten Podcast hat – lassen sich diese Tendenzen durchbrechen: Die Leser*innen werden auf eine rassismuskritische Reise mitgenommen, in deren Verlauf sie nicht nur konkretes Wissen über die Geschichte des Rassismus und dessen Wirkungsweisen erhalten, sondern auch Unterstützung in der emotionalen Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Hörbuch gibt es kostenlos auf Spotify.

Alice Hasters – Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen (aber wissen sollten)

Die Autorin Alice Hasters – zusammen mit Maximiliane Haecke bekannt für den tollen feministischen Podcast „Feuer und Brot“ – erklärt in ihren Literaturdebüt, wieso Rassismus keineswegs ein Problem des rechten Rands ist, sondern in allen Köpfen steckt. Und sie macht klar, wieso es sich lohnt, sich mit unseren eigenen rassistischen Denkweisen auseinanderzusetzen – auch, wenn es wehtut.

YouTube

Karakaya Talk

Mit dem Format „Karakaya Talk“ hat funk eine kleine Revolution angestoßen. Gastgeberin Esra Karakaya lädt in dieser ungewöhnlichen Talk-Runde nämlich genau die Menschen ein, die in herkömmlichen Talkshow-Formaten nicht zu Wort kommen und behandelt Themen, die in herkömmlichen Formaten unter den Tisch fallen. Es geht um Diversity, Blackfishing, Queerness und Islam, Body Positivity oder Mental Health. Und das in einem erfrischend respektvollen und lockeren Ton. Leider hat funk das Format zum Mai abgesetzt. Alle bisherigen Folgen gibt es dennoch auf Youtube.

Germania

Die deutsche Popkultur ist sehr stark geprägt durch Menschen mit Migrationsgeschichte. Und sie alle haben Diskriminierungen erfahren: Von Eko Fresh, Celo & Abdi und Kool Savas über Shahak Shapira, Wana Limar, Adel Tawil oder Enissa Amani. Sie alle sind zwischen zwei Identitäten aufgewachsen – und waren in keiner von beiden je wirklich Willkommen. Auf dem Kanal von „Germania“ erzählen sie ihre Geschichten.

Instagram

@saymyname_bpb

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat einige wirklich wertvolle Angebote – darunter das kostenlose Magazin fluter (das ihr dringend abonnieren solltet) und der Instagram-Account @saymyname_bpb. Auf diesem Account findet man Videos und Texte zu Themen wie antimuslimischem Rassismus, White Privilege oder Allyship.

@erklaermirmal

Echte Konkurrenz macht dem bpb der nagelneue Insta-Account @erklaermirmal, in dem sich eine Gruppe junger Menschen mit Migrationsgeschichte in Eigenregie zusammengetan hat, um marginalisierten Communities eine Wissensplattform zu bieten. Jede Woche beschäftigt sich der Account in einem Instagram-Video mit Begrifflichkeiten und Diskursen, die sich rund um die (post-)migrantische und queere Perspektive drehen.

 

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Netflix

Die Geschichte der Rachel Dolezal

Wer das Konzept von Blackfishing nicht versteht, der ist nach dieser Dokumentation schlauer. Es geht um die amerikanische Kulturwissenschaftlerin und Aktivistin Rachel Dolezal, die im Jahr 2015 für Aufruhr sorgte. Denn da stellte sich heraus, dass die Präsidentin der lokalen Abteilung der National Association for the Advancement of Colored People eigentlich weiß und blond ist – und sich als Schwarze Frau ausgegeben hat. Bis heute besteht sie darauf, sich als Schwarze Frau zu identifizieren und bezeichnet sich als „transracial“. Ihre Geschichte, so wirr sie sein mag, führt sehr deutlich vor Augen, wie White Privilege funktioniert.

There’s Something in the Water

2018 stellte eine Studie der Environmental Protection Agency fest, dass Schwarze in den USA durchschnittlich 1,5-mal so viel Feinstaub ausgesetzt sind wie Weiße – Hispanics 1,2-mal so viel. Auch Einkommensschwache sind stärker von Umweltrisiken betroffen: Sie sind beispielsweise 1,3-mal so viel Feinstaub ausgesetzt wie Menschen oberhalb der Armutsgrenze. Den Begriff des Umweltrassismus gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten, aber die meisten Menschen haben nach wie vor nie davon gehört – obwohl er eigentlich in jedem Land der Welt eine Rolle spielt. Schauspielerin Ellen Page nimmt sich dem Thema in ihrer Doku „There’s Something in the Water“ an. Dafür reist sie zurück in ihre Heimatstadt in Kanada und besucht Frauen, deren Familien seit vielen Dekaden unter Umweltverschmutzung und den Krankheiten, die mit ihr einher gehen, leiden.

Mediatheken

Der Rassist in uns (ZDFneo)

Rassismus ist mehr als der Moment einer Beleidigung. Rassismus ist ein System, das unsere Gesellschaft durchdringt. Wie dieses System funktioniert führt ein besonderes Experiment sehr eindrücklich vor Augen. 1968 entwickelte die amerikanische Grundschullehrerin Jane Elliott den Blue-Eyes-Brown-Eyes-Workshop. Damit wollte sie ihren Schüler*innen Rassismus vor Augen führen. Mittlerweile wenden Trainer*innen dieses Konzept auf der ganzen Welt an. In dem Workshop wird die „ausgewählte“ Gruppe aufgewertet und die andere Gruppe herabwürdigt und diskriminiert. ZDFneo hat einen dieser Workshops mit der Kamera begleitet. Dabei wird die Psychologie hinter struktureller Diskriminierung klar – und die Tatsache, dass wir alle auch ungewollt zu Täter*innen werden können. 

Die Arier (bpb)

Die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang geht in dieser Doku aus dem Jahr 2013 der Frage nach, was hinter der Idee von sogenannten „Herrenmenschen“ steckt. Sie begibt sich zu selbsternannten „Ariern“ auf Demonstrationen von Rechtsradikalen, reist zur Volksgruppe der Arier in den Iran, trifft sich in den USA mit weltweit berüchtigten Rassisten und begegnet sogar dem Ku Klux Klan. Der Film macht überdeutlich: Rassistische Ideologie basiert kein bisschen auf Fakten, sondern vor allem auf Angst.

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5 Antworten zu “Free Knowledge: So könnt ihr euch online über Rassismus bilden”

  1. Danke, toller Artikel! Auf Instagram kann ich noch sehr die Accounts von @xanax_attax und der oben erwähnten Autorin @tupoka.o empfehlen!

  2. Liebe Jowa,

    danke für die zahlreichen Hinweise.
    Einen ergänzenden Punkt fände ich noch sehr wichtig, insbesondere da die Überschrift explizit von ‚Free Knowledge‘ spricht: all das ist wichtige Bildungsarbeit, aber eben Arbeit, die überproportional von POC geleistet wird. Wenn es Menschen möglich ist, wäre es wichtig, insbesondere den Leuten, die diese Arbeit kostenlos leisten, finanziell zu unterstützen. Viele Leute, die diese arbeit kostenlos zur Verfügung stellen, haben paterons oder andere Wege, auf denen man ihnen Geld zukommen lassen kann und wenn wir über Privilegien sprechen, sollte das Thema Finanzen auch aufgegriffen werden.

    Liebe Grüße!

  3. […] Es ist völlig okay, wenn man keine Ahnung hat. Niemand wird schlau geboren und niemand weiß immer alles und macht alles richtig. Das Gute ist ja: Wir alle können dazu lernen. Deswegen gilt als erstes: Lest! Hört! Informiert euch über strukturellen Rassismus, versucht die Problematik zu verstehen und euch Wissen anzueignen. Das hilft nicht nur euch, um künftige Fehler zu vermeiden, sondern stärkt auch in Diskussionen mit Menschen, die noch nicht so weit sind. Jowa hatte vergangene Woche bereits hier aufgelistet, wie man an Wissen kommt. […]

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