Outfit: Realitätscheck

9. August 2018 von in ,

Tshirt – H&M, Rock – H&M, Sneaker – H&M, Tasche – Gucci, Sonnenbrille – Ace & Tate

Gaga ist der Zustand, der mich gerade am besten beschreibt. Die Hitze macht mir zu schaffen, so langsam entwickele ich mich zu einem furchtbar gestressten Hitzemonster. Aber wer nicht? Und so passierte es die Tage, dass ich mich plötzlich an den Kopf greifend ob der fürchtlichen Art meinerseits schwitzend wiederfand. Wenn du zu deinem schlimmsten Albtraum wirst, dann heißt es, Zeit, etwas zu ändern.

Denn ob ihrs glaubt oder nicht: Ich mutierte aufgrund von Zeitmangel und Stress zur zickigsten Ziege dieser Welt, die die nachbarlichen Handwerker anmaulte, weil sie mit Wasser spritzten. Ich, die mit ihrer Wildlederhandtasche vorbei wollte, aber gefühlt nicht konnte, na ihr wisst schon, wegen jenem Luxusgegenstand. Weil die Handwerker keinen Sinn darin sahen, dass Wasser auszustellen und mir eine kühle Erfrischung prophezeiten, machte es pling: Das Hitzemonster zeigte sich. Noch als ich es aussprach, dass meine Wildledertasche und ich wirklich nicht vorbeikönnten und jene Tasche ziemlich teuer war, wurde mir ganz schlecht, vor jeglicher Arroganz, die da aus mir sprach. Der Handwerker selbst gab mir noch einen oben drauf mit – ganz zu Recht natürlich: „Hören Sie mal, ich habe heute nur eine Käsesemmel zu Mittag, für mehr reicht mein Geld nicht, ihre Tasche ist mir egal.“

Der Schweiß drang mir aus den Poren, nicht wegen der 34 Grad Außentemperatur, sondern weil ich mich schämte, mein First World Problem tatsächlich laut ausgesprochen zu haben. Raus aus der eigenen Bubble – rein in die Realität.

Das Wasser wurde abgestellt, kopfschüttelnd. Und ich radelte davon – mit schlechtem Gewissen und einer Tasche, die ich zwar sehr mag, aber irgendwie dann nicht mehr so mochte. Und vor allem mochte ich mich so gar nicht. Zurückkam ich dann vollgepackt mit Leckereien vom Bäcker – Gutmachung war mein Stichwort.

Die Begegnung zurück auf Augenhöhe kam auf beiden Seiten gut an, die Jungs bedankten sich, erzählten von ihren Familien im Ausland, ließen es aber nicht aus, mir zu sagen: „Das war schon ein bisschen eingebildet.“ Ohja, ohja, stimmte ich zu. So will ich gar nicht sein. Mit Gottes Segen auf dem Weg wurde ich dann entlassen, und fühlte mich ein bisschen versöhnt. Nicht nur, weil ich geholfen hatte, sondern weil ich doch zurückgeholt wurde in die Realität. Weil ich zwei Menschen kennengelernt hatte, die bei der Hitze richtig schuften und noch nicht mal genug zu essen haben. Weil ich ihre Geschichte hören durfte – und mich die Dankbarkeit für mein Glück erfasste.

Normalerweise ist mein Gedanke eher jener: Tu Gutes und sprich nicht darüber. Aber weil ich selbst so erschrocken über mein Hitze-Monster-Dasein war und so dankbar für jenen Realitätscheck bin, erzähle ich es. Denn mein Motto ist auch: Jeder hat eine Geschichte, wir müssen nur zuhören. Außerhalb unserer Bubble und manchmal eben auch, mit dem Risiko, zu merken, dass unsere First World Problems wie eine nasse Wildledertasche mal so richtig nichtig sind. Tut gut, versprochen.

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2 Antworten zu “Outfit: Realitätscheck”

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