Paris FW: Chanel macht plötzlich nett

2. Oktober 2014 von in

Da lässt sich der Lagerfeld aber immer wieder was Neues einfallen, was mir die Kinnlade herunterkippen lässt. Wer so viel Aufwand für eine einzige Show betreibt, also Supermärkte einrichtet oder in diesem Falle eine Stadt nachbaut, der möchte definitiv Platz 1 in den Show-Reviews sein, und das hat Lagerfeld auch diese Saison wieder geschafft.

Die Chanel-Schönheiten marschierten mit flottem Schritt über den Catwalk und demonstrierten für Feminismus, für Freiheit, Gleichberechtigung, gegen Krieg und überhaupt. Zu sehen waren Parolen wie „Make fashion not war“, „Free Freedom“, „Ladies First“ oder „He for she“, und einige mehr. Und ähnlich wie bei der Supermarkt-Show der vergangenen Saisons, die auf stilvolle Weise unseren Konsum kritisierte (ein Widerspruch in sich), frage ich mich erneut: Karl, kannst du das überhaupt bringen?

Zugegeben, wenn wir es bei dem Feminismusthema belassen würden, wäre ich weniger verwirrt, denn das würde passen. Starke Frauen marschieren über den Catwalk, mal stark geschminkt, mal komplett natürlich, mal mit kurzen Röcken, knallbunt und mädchenhaft – mal seriös, mit Nadelstreifen und weitem Anzug. Jeder wie er mag ist hier die Message, schließlich braucht es weder flache Schuhe, noch High Heels, um eine Feministin zu sein und ja, da stimme ich zu, Chanel – well done.

Wenn wir aber mit genereller Ungerechtigkeit und Gleichberechtigung anfangen, dann habe ich ein Problem. Chanel macht plötzlich einen auf Weltfrieden, und ich komme nicht drumherum das Ganze zu belächeln. Mode ist und bleibt ethisch verwerflich und wenn ich wunderschöne, erfolgreiche oder gar berühmte Models in eventuell unfair produzierter Kleidung daher laufen sehe, in Kleidung, die sich nur der winzigste Bruchteil der Bevölkerung leisten kann, mit voranschreitendem Karl Lagerfeld mit iPhone 6 in der Hand (was zum Teufel?!), dann sage ich Gleichberechtigung und Weltfrieden my ass. Ich sehe dahinter nichts anderes als eine gute Marketing-Abteilung, die mit eingebauter Schleichwerbung aus dem ganzen Demonstrations-Zirkus für Reaktionen und Geld sorgt.

Wie hat euch die Chanel-Show gefallen und was sagt ihr zur Message?

Die Chanel Kollektion findet ihr hier.

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12 Antworten zu “Paris FW: Chanel macht plötzlich nett”

  1. Nicht zu vergessen, dass Karl Lagerfeld alles andere als feministisch oder in irgendeiner Art und Weise egalitär wäre. Der Typ ist ein riesen sexistisches, fatphobes, elitäres Arschloch und nutzt gerade den ganzen Medienhype um das Thema Feminsmus (Emma Watson etc.) um sich zu profilieren und im Endeffet nur um den Absatz zu steigern. Das hat nichts damit zu tun, dass es weder Chanel oder Lagerfeld juckt unter welchen Umständen manche Menschen leben müssen. Denn dann könnten diese Mal damit anfangen, ihren eigenen Müll aufzuräumen und über die Verwicklungen von Coco Channel und dem 3. Reich aufklären (http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/156729/index.html).
    Ich, als radikale Feministin, finde diese ganze Aktionalles ziemlich schrecklich und hoffe, dass sie so wenig Medienhype wie möglich bekommt, aber leider wird sich wohl das Gegenteil bewahrheiten.

  2. Amen. Was anderes kann man dazu nicht sagen, ich liebe euch dafür, dass ihr nicht vor den kritischen Blicken auf die Modewelt scheut und Kolumnen wie diese schreibt. <3 Danke. ich lese euch daher lieber, als jede Zeitschrift, die der Kiosk herzugeben hat.

  3. Danke! Und wieder mal weiss ich ganz genau warum amazed einer der ganz wenigen blogs (fuer mich ist es mehr ein magazin!!) ist, die ich noch lese! Super Artikel, liebe Amelie!

  4. Sehr gut geschrieben! Dem kann ich nur zustimmen! Ich denke im ersten Moment findet man das ganz gut, aber bei genauerem Hinsehen ist es wirklich einfach nur Marketing, denn das Thema ist wirklich momentan einfach aktueller bei den Stars als vorher (z.B. Emma Watson und Beyoncé mit ihrem Album). Der liebe Karl nutzt die Gelegenheit.

  5. Bravo für diesen Beitrag!
    Ein Wiederspruch in sich: gegen den Krieg demonstrieren ( lassen ) und in der „front row“ neureiche, russische Kunden sitzen haben. Lagerfeld war und bleibt ein schamloser Opportunist.

  6. Ich könnte nicht mehr zustimmen!
    Politisches/soziales Engagement als Marketing-Gag ist wirklich eine hochgradig peinliche Idee.
    Gerade mit Karl dahinter kommt die Aktion nur zynisch rüber.

  7. Schon bei der Supermarkt-Show wurde mir übel. Als ich das gesehen habe dann umso mehr. Das sind die Momente in denen man sich fragt was man überhaupt in dieser falschen, geldgeilen, gekünstelten Branche will aber in denen dann auch wieder der Gedanke kommt: man, ich sollte wieder anfangen zu bloggen.
    Worauf ich hinaus will: Ich danke euch. Und ich stimme den Kommentaren der anderen zu. Es ist wichtig berechtigte Kritik zu üben und zum Denken anzuregen. Und es passiert viel zu selten. Auf den meisten Blogs wird er hochgelobt, was auch nicht unverständlich ist bei all dem Aufwand der für seine letzten Shows betrieben wurde… davon kann man sich schnell blenden lassen. Und ich freue mich, dass ihr wieder einmal beweist, dass dies aber nicht der Regelfall sein muss. Das es Blogs gibt, die den Mut haben ihre Meinung zu äußern.
    Merci!
    Und ein dickes Herz!

  8. Ich bin etwas spät dran, aber wollte noch kurz meine Meinung dazu abgeben. Ich sehs nämlich ein bisschen anders. Zum einen das Feminismus, Frauen in Männerkleidung, Frauen im Minirock, Frauen in praktischer Straßenkleidung. da bin ich ganz bei euch, das fand ich total rund und nehme ihm das auch persönlich ab. Aber ich kann mich irgendwie auch mit dem Rest anfreunden. Ich hab ehrlich gesagt nicht die Erwartungshaltung, dass eine Modeschau seriöse Politik betreibt, und ich erwarte von einer Kollektionsvorführung ehrlich gesagt auch nichts anderes, als perfektes Marketing. Gerade die Tatsache, dass zeitgleich Demonstranten in Hong Kong auf die Straße gegangen sind, zeigt für mich, dass Lagerfeld da mal wieder perfekt eine Art von Zeitgeist eingefangen hat, und darum geht es mir eigentlich eher, wie schon bei der Supermarktschau zB. Dazu das Motiv von Street Style, straßentauglicher Mode vom Designer. Dass Chanel dabei Chanel bleibt, ist ja eigentlich auch klar… Wobei ich natürlich auch verstehen kann, dass man gerade in dem Zusammenfallen mit den Protesten in Hong Kong eine bittere Ironie sehen kann, die das ganze irgendwie unangemessen macht. Andererseits kann man gerade die Demonstrations/Streiktradition in Frankreich auch nicht so uneingeschränkt ernst nehmen… Zu dem i-phone, ich dachte mir, dass er damit das Straßenthema aufgreift, und sich über all jene (also uns) lustig macht, deren wichtigstes Accessoire das in ihrer Hand festgewachsene Handy ist.
    Ich hoffe, ihr versteht mich da jetzt nicht falsch, ich mag euch und eurer Magazin unheimlich gerne, und wollte einfach mal meine Sicht schildern, weil ich mir auch Gedanken dazu gemacht hab. Ich hab die Show echt gerne (online) angeschaut, finde die Musik sehr gut gewählt, sehr passend zur Stimmung, wie die Inszenierung insgesamt, und mir hat auch irgendwie gefallen, dass man gerade im Finale merkt, wie viel Spaß alle dabei haben.. Nennt mich gebrainwashed, das bin ich sicherlich auch… LG!

    • Ach was, ich finde es gut, dass hier manche auch anderer Meinung sind, dass unsere Leser reflektiert sind und auch um die Ecke denken. Du hast natürlich recht, dass mit der Show, genau wie letzte Saison auch, der Nerv der Zeit getroffen wurde. Ich finde, dass man das aus verschiedenen Seiten beleuchten kann und deine Meinung ist genauso schlüssig wie meine. Die Show hat zumindest eines geschafft, worin wir uns vermutlich alle einig sind: Sie hat zum Nachdenken und zur Diskussion angeregt und das ist letztlich ja das, was zählt.

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